Zwei Modegeschäfte schließen in Osnabrück – Innenstadt verliert weitere Adressen
In der Osnabrücker Innenstadt werden zwei weitere Modegeschäfte verschwinden: „Werk 2“ in der Krahnstraße und die Jack-Wolfskin-Filiale in der Lortzingstraße. In beiden Läden läuft bereits ein Räumungsverkauf. Für die Einkaufsstraßen bedeutet das: zwei Schaufenster weniger, zwei Adressen mit ungewisser Zukunft.
„Werk 2“ war erst im Frühjahr 2025 eröffnet worden. Am Schaufenster kündigt der Räumungsverkauf inzwischen das Ende an; laut einer Mitteilung auf Instagram soll das Geschäft zum Jahresende schließen. Das Team bezeichnete die vergangene Zeit als „unglaublich schön“. Weitere Gründe für die Schließung wurden nicht genannt.
Kurze Geschichte an der Krahnstraße
Hinter „Werk 2“ steht Petra Paulsmeyer. Sie hatte zuvor an derselben Adresse das „Studio 52“ betrieben. Für „Werk 2“ zog das „Studio 52“ aus und schloss sich mit dem ebenfalls in der Krahnstraße ansässigen Geschäft „von Pauli“ zusammen. Noch davor befand sich dort das Modegeschäft „Schöner anziehen“.
Was nach dem Jahresende mit den Geschäftsräumen geschieht, ist bislang offen. Gerade in einer Innenstadt, in der sich Ladenlokale inzwischen auffällig schnell drehen, bleibt so ein leeres Schaufenster nicht bloß eine Randnotiz.
Auch Jack Wolfskin gibt den Standort in der Lortzingstraße auf. Der Räumungsverkauf läuft mit Rabatten von bis zu 50 Prozent. Die konkreten Gründe für die Schließung des Osnabrücker Standorts sind nicht bekannt.
Neuausrichtung bei Jack Wolfskin
Die Aufgabe der Filiale steht im Zusammenhang mit einer Neuausrichtung der Marke. Der chinesische Sportartikelkonzern Anta Sports übernahm Jack Wolfskin im April 2025 für gut 290 Millionen US-Dollar; abgeschlossen wurde die Übernahme am 3. Juni 2025. Die Anta Group ist damit alleinige Eigentümerin der Marke. Seitdem soll Jack Wolfskin neu positioniert und das Filialnetz bereinigt werden. Weitere Filialen wurden bereits geschlossen, unter anderem in Hamburg, Celle, Nienburg und Erlangen.
Anta wurde 1991 gegründet und hat seinen Sitz in Jinjiang, Fujian, China. Die Übernahme gehört zur Strategie „Ein Fokus, mehrere Marken, Globalisierung“. Mit Jack Wolfskin will die Gruppe ihr Outdoor-Sportsegment für den Premium- und Massenmarkt stärken und erweitern. Das Angebot soll um weitere Aktivitäten und Produktbereiche wachsen.
Anta-Verwaltungsratsvorsitzender Ding Shizhong erklärte, der globale Sportkonsummarkt werde zunehmend segmentiert. Verbraucher suchten stärker nach spezialisierten Produkten für unterschiedliche Sportszenarien. Jack Wolfskin soll innerhalb des Portfolios den Outdoor-Breitensport abdecken und professionelle Ausrüstung für aktive sowie urbane Outdoor-Konsumenten anbieten. Von Antas bestehendem High-End-Outdoor-Sportangebot soll sich die Marke unterscheiden und das Portfolio auf eine breitere Kundengruppe ausweiten.
Jack Wolfskin ist auf Outdoor-Bekleidung, Schuhe und Ausrüstung spezialisiert und vor allem in Europa, besonders in Deutschland, stark vertreten. Seit Jahren gilt die Marke zudem als begehrt auf asiatischen Märkten, insbesondere in China. Anta erwartet durch die Übernahme eine stärkere globale Expansion und eine festere Position als internationale Multi-Brand-Sportgruppe.
Das Unternehmen, das Jack Wolfskin bisher betreibt, begrüßte die neue Eigentümerschaft und bezeichnete Anta Sports als geeigneten Verwalter der Marke. Anta zufolge kann die gesamte Gruppe von Jack Wolfskins Materialtechnologien sowie von der Erfahrung des deutschen Ingenieur- und Designteams profitieren. Die Integration soll mithilfe der Lieferkette und zentraler Plattformen vorangetrieben werden. Geplant sind weitere Maßnahmen, um Synergien in Lieferkette, Produktentwicklung und Einzelhandel zu nutzen.
Zum weiteren Markenportfolio der Anta Group beziehungsweise ihres Umfelds gehört unter anderem Amer Sports mit Peak Performance, Salomon und Arc’teryx. Die entsprechenden Markenbeschreibungen und Verweise auf Websites der Anta Group sowie einen China.org.cn-Beitrag sind Teil der Informationen zur Übernahme.
Leerstände nehmen schneller zu
Dass zwei Modegeschäfte in Osnabrück auf einmal ihre Türen schließen, passt in ein größeres Bild. Der Strukturwandel deutscher Innenstädte zieht sich zwar seit Jahrzehnten hin. Frühere Kaufhausgiganten wie Hertie, Horten, Kaufhof und Karstadt haben zunehmend an Bedeutung verloren. Neu ist laut einer Analyse von ZDFheute vor allem das Tempo, mit dem sich die Veränderungen vollziehen.
Der durchschnittliche Leerstand in deutschen Innenstädten liegt inzwischen bei 15 Prozent. Vor der Corona-Pandemie waren es bundesweit etwa zehn Prozent. Creditreform registrierte 2025 rund 2.440 Insolvenzen im Einzelhandel – neun Prozent mehr als im Vorjahr. Der Handelsverband Deutschland erwartet für Ende 2026 noch etwa 296.600 stationäre Einzelhandelsgeschäfte. Das wären rund 70.000 weniger als vor zehn Jahren.
Betroffen sind große und kleine Unternehmen: Warenhäuser, mittelgroße Modefilialisten, Traditionsgeschäfte und Buchhandlungen. Fachgeschäfte verschwinden, Leerstände werden mehr, die Vielfalt des stationären Handels dünner. Der Handelsverband Deutschland fordert deshalb unter anderem Steuervorteile und faire Wettbewerbsbedingungen.
Ein kräftiger Treiber ist der Onlinehandel. Der Einzelhandelsumsatz sank im Juni 2026 real um 0,2 Prozent gegenüber Juni 2025, während der Internet- und Versandhandel im selben Zeitraum um 4,9 Prozent zulegte. Gleichzeitig halten sich die Verbraucher beim Ausgeben zurück. Der GfK-Konsumklimaindex blieb nach einem starken Einbruch im Frühjahr 2026 deutlich im Minus; für August 2026 wurde ein Wert von −29,6 Punkten erwartet.
Gespart wird vor allem bei Dingen, die nicht unbedingt im Einkaufskorb landen müssen: Kleidung, Bücher, Möbel und Unterhaltungselektronik. Dazu kommen steigende Energiekosten, höhere Mieten und Inflation, die auf die Gewinnmargen drücken. Sind die finanziellen Rücklagen aufgebraucht, bleibt vielen Unternehmen nur die Schließung. Und wenn weniger Geschäfte zum Bummeln einladen, sinkt auch die Besucherfrequenz – ein ziemlich hartnäckiger Kreislauf.
Mehr als nur Einkaufsstraßen
Der Onlinehandel wird voraussichtlich dauerhaft bestehen bleiben, auch die wirtschaftliche Stagnation dürfte nicht kurzfristig verschwinden. Innenstädte können deshalb nicht dauerhaft als reine Konsumzentren funktionieren. Der Handelsverband fordert unter anderem die Möglichkeit, Geschäfte sonntags zu öffnen, um die Zentren attraktiver zu machen.
Experten empfehlen neue Nutzungskonzepte: öffentliche Räume sollen umgestaltet, Handel, Wohnen und Freizeit stärker verbunden werden. Es braucht neue Gründe, in die Innenstadt zu kommen – nicht nur einen bestimmten Pullover. Als Beispiel wird Kempen genannt. Die Stadt setzt auf inhabergeführte Geschäfte, persönlichen Service und eine historische Kulisse.
In Osnabrück bleibt derweil abzuwarten, was in der Krahnstraße nach dem Jahresende passiert und wie die Lortzingstraße ohne Jack Wolfskin aussehen wird. Heute, am 20. Oktober 2026, hängen dort noch die Hinweise auf Räumungsverkauf und Rabatt. Bald sind es vielleicht schon ganz andere Schilder.
