Brüssel schaut bei der geplanten Übernahme von Porta durch XXXLutz noch genauer hin. Die EU-Kommission hat die kartellrechtliche Prüfung vertieft, weil sie befürchtet, dass der wirksame Wettbewerb erheblich beeinträchtigt werden könnte. Im Raum stehen eine größere Angebotsmacht gegenüber den Verbrauchern und eine stärkere Nachfragemacht gegenüber Möbelherstellern.

Angekündigt hatte XXXLutz den Kauf bereits im Januar 2025. Offiziell bei der EU-Kommission angemeldet wurde der Zusammenschluss allerdings erst Anfang September 2026. Eine Freigabe liegt bislang nicht vor. Vertreter von XXXLutz und Porta hatten zuvor öffentlich Zuversicht erkennen lassen, dass die Genehmigung erteilt wird. Nun läuft die zweite Prüfphase bis spätestens 25. Februar 2027; eine Verlängerung um einige Tage ist möglich.

Brüssel sieht einen Möbel-Discount mit großer Reichweite

Im Möbel-Discount kämen zwei Schwergewichte zusammen. Mömax betreibt 116 Filialen, davon 52 in Deutschland, Poco 132. Dazu kommt die 50-prozentige Beteiligung an Roller/Möbel Schulenburg mit 116 Filialen sowie Möbel Boss mit 95 Standorten in Deutschland. Verkauft werden dort überwiegend günstige, direkt verfügbare Möbel im Preiseinstiegssegment.

Mömax, Poco und Roller gehören zur Einkaufsgemeinschaft Giga International, die XXXLutz gegründet hat. Giga beauftragt Möbelhersteller mit Eigenmodellen für die angeschlossenen Discounter. Die Stücke können zwar eine andere Farbe oder Bezeichnung tragen, nach Darstellung eines Brancheninsiders aber im Wesentlichen identisch sein. Möbel Boss war bislang Mitglied des konkurrierenden Einkaufsverbunds Begros.

Porta musste Begros Ende 2025 verlassen und darf deshalb keine Begros-Eigenmodelle mehr beziehen oder verkaufen. Ein Beitritt zu Giga wäre erst nach einer Genehmigung der Übernahme möglich. Genau darin sieht die Kommission ein Risiko: Ein gemeinsamer Giga-Beitritt könnte zu weniger Auswahl und höheren Preisen führen. Als größerer Möbel-Discounter außerhalb von Giga bliebe in Deutschland im Wesentlichen Sconto Möbel aus der Krieger-Höffner-Gruppe mit etwa 20 Filialen.

Bei Möbel Boss wären die möglichen Sortimentsüberschneidungen zudem anders gelagert als bei den größeren Porta- und XXXLutz-Möbelhäusern. Deren Angebot ist vielfältiger und umfasst auch Marken wie Hülsta, Musterring und Rolf Benz. Größere Einkaufsvolumina könnten Giga außerdem in die Lage versetzen, bei Markenherstellern bessere Konditionen zu verlangen.

Hersteller zwischen Abhängigkeit und Hoffnung

Die Risiken auf der Beschaffungsseite sieht die EU-Kommission in Deutschland, Tschechien und der Slowakei. Porta betreibt dort 21 Asko-Häuser. XXXLutz ist in Tschechien mit 14 und in der Slowakei mit 15 Möbelix-Filialen vertreten. Der österreichische Konzern ist ohnehin ein bedeutender Kunde der Möbelindustrie und verfügt über erhebliche Einkaufsmacht. Durch den Kauf würde nach Ansicht der Kommission einer der wenigen großen alternativen Abnehmer wegfallen.

Manche Hersteller erzielen laut Verband der Deutschen Möbelindustrie bereits mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes mit Händlern aus dem Giga-Netzwerk. VDM-Geschäftsführer Jan Kurth warnt deshalb, die Übernahme könne das bestehende Ungleichgewicht zwischen Möbelherstellern und großen Handelsgruppen weiter verschärfen.

Die Branche steht ohnehin mit dem Rücken an der Wand. In den vergangenen vier Jahren sanken die Umsätze der Möbelhersteller um 20 Prozent, im ersten Halbjahr 2025 nochmals um 2,7 Prozent. Kriege, ein schwaches Konsumklima, steigende Lohn-, Material- und Energiekosten sowie der Rückgang im Wohnungsbau setzen den Unternehmen zu. Gleichzeitig stiegen chinesische Möbelimporte nach Deutschland seit 2019 um 50 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 löste China Polen erstmals als wichtigstes Importland für Möbelimporte nach Deutschland ab.

Einige Hersteller sehen in einem starken europäischen Händler dennoch Vorteile für deutsche Marken. Andere kritisieren, dass Giga zunehmend Aufträge an chinesische sowie an moderne Hersteller in Ungarn und Rumänien vergibt. Der VDM fordert nach der langen Vorlaufphase der Übernahme zeitnahe Klarheit. Ähnliche Bedenken hatte es bereits 2020 bei der Genehmigung der Übernahme von Roller, Tejo’s und Schulenburg durch XXXLutz gegeben.

Der Verdacht des „Gun Jumping“

Zusätzlich zur Fusionsprüfung untersucht die EU-Kommission, ob XXXLutz und Porta vor der kartellrechtlichen Genehmigung bereits zusammengearbeitet haben. Der Verdacht heißt „Gun Jumping“ – also der unzulässige vorzeitige Vollzug einer Fusion oder Übernahme.

Zusammenschlüsse von unionsweiter Bedeutung müssen bei der EU-Kommission angemeldet werden und dürfen erst nach deren Freigabe umgesetzt werden. Bis dahin gilt die Stillhalteverpflichtung: Die Unternehmen dürfen keinen Kontrollwechsel beim übernommenen Unternehmen herbeiführen, keine Geschäftsabläufe koordinieren, nicht auf das Tagesgeschäft einwirken und keine wirtschaftlich sensiblen Informationen austauschen. Auch gemeinsame Preisverhandlungen oder ein Austausch wettbewerbsrelevanter Informationen sind tabu.

Im Juli 2026 hatte die Kommission Hinweise auf einen möglichen Verstoß veröffentlicht. Nach ihren Angaben sind Verhaltensweisen bekannt geworden, die Zweifel an der Einhaltung dieser Verpflichtung durch XXXLutz und Porta aufwerfen. Die Behörde verschickte Fragebögen an zahlreiche Möbelhersteller. Sie will unter anderem wissen, ob XXXLutz und Porta Lieferanten zur Angleichung ihrer Geschäftsbedingungen aufgefordert haben, ob beide Unternehmen bei Verhandlungen gemeinsam auftraten und ob sie seit Januar 2025 gemeinsam Preise mit Herstellern aushandelten.

Von XXXLutz fordert die Kommission zusätzliche umfangreiche Unternehmenskennzahlen. Laut „Kurier“ sollen IT-Mitarbeiter von XXXLutz kurz nach der Übernahmeankündigung bei Porta gewesen sein, um Warenwirtschaftssysteme abzustimmen. Porta-Einkäufer sollen außerdem an Preisverhandlungen des XXXLutz-Einkaufsverbands Giga International teilgenommen haben – obwohl eine Mitgliedschaft Portas dem Bericht zufolge eigentlich erst nach der Übernahmegenehmigung möglich wäre. Branchenhändler berichteten laut Medienberichten zudem, XXXLutz-Mitarbeiter hätten von Möbelherstellern geheime Einkaufsvereinbarungen mit Porta verlangt.

XXXLutz und Porta weisen sämtliche Vorwürfe zurück. Die deutsche XXXLutz Group erklärte, im Januar 2025 habe es ausschließlich Kennenlerngespräche gegeben: Am 7. Januar trafen sich die Inhaber und die deutsche Geschäftsleitung mit der obersten Führungsebene von Porta. Am 27. und 28. Januar folgten Termine mit Hausleitungen und Betriebsratsvorsitzenden. XXXLutz bezeichnet diese Treffen als normalen Bestandteil des Übernahmeprozesses und betont, alle Vorgaben eingehalten zu haben.

Das Unternehmen erklärt, es arbeite mit den Behörden zusammen und habe umfangreiche Marktdaten von mehreren Hundert Standorten zusammengetragen. XXXLutz beschäftigt laut Artikel 27.600 Mitarbeiter, betreibt 400 Standorte und erzielt 6,4 Milliarden Euro Umsatz. Bei einem festgestellten Wettbewerbsverstoß könnte die EU-Kommission ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent des weltweiten Konzernumsatzes verhängen. Auf Grundlage des von „Kurier“ genannten XXXLutz-Umsatzes von 6,4 Milliarden Euro wäre theoretisch ein Bußgeld in dreistelliger Millionenhöhe möglich.

Filialen als mögliche Stellschraube

In der zweiten Prüfphase könnte die EU-Kommission erneut Möbelhersteller befragen. Am Ende dürfte sie XXXLutz und Porta Bedingungen für eine mögliche Genehmigung nennen. Branchenkenner erwarten im Fall Porta größere Auflagen.

Ein Blick zurück: Bei der Roller-Übernahme 2020 untersagte das Bundeskartellamt XXXLutz die Übernahme von 22 der insgesamt 155 Standorte. Im Fall Porta könnten Filialen in Ballungsräumen zum Knackpunkt werden. In Braunschweig, Hannover, Berlin und Leipzig liegen teilweise Porta- oder Boss-Filialen und XXXLutz-Standorte von Poco, Mömax oder Roller unmittelbar nebeneinander.

Ein Verzicht auf einzelne Standorte in diesen Städten gilt daher als mögliche Auflage. XXXLutz könnte außerdem auf weniger konzentrierte Porta-Standorte im Westen verzichten, um Filialen in Ostdeutschland zu behalten, wo das Unternehmen nach eigenen Angaben noch nicht vertreten ist. Bis zum 25. Februar 2027 bleibt dafür Zeit – und für die Kommission, Lieferanten, Zahlen und die vielen offenen Fragen noch einmal gründlich durchzugehen.