EU-Kommission prüft Porta-Übernahme durch XXXLutz wegen drohender Wettbewerbseinbußen
Die geplante Übernahme des deutschen Möbelhändlers Porta durch das österreichische Unternehmen XXXLutz bekommt eine deutlich größere Bühne: Die EU-Kommission hat eine eingehende Prüfung in Phase II eingeleitet. Nach einer vorläufigen Prüfung sieht Brüssel die Gefahr, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb im Möbel-Einzelhandel und bei der Beschaffung in mehreren Mitgliedstaaten erheblich beeinträchtigen könnte.
Angemeldet wurde die Transaktion am 7. September 2026. Das Verfahren ist ergebnisoffen. Für die zweite Prüfphase hat die Kommission 90 Arbeitstage Zeit; spätestens am 25. Februar 2027 muss eine Entscheidung fallen. Bis dahin will sie klären, ob sich die vorläufigen Bedenken bestätigen und welche weiteren Schritte gegebenenfalls nötig sind.
Viele Filialen in denselben Regionen
Im Kern geht es um mehr als 140 Porta-Geschäfte unter den Marken „Porta“, „Boss“ und „Asko“, die mit mehr als 1.800 XXXLutz-Geschäften zusammengeführt würden. Zum Markenportfolio von XXXLutz zählen unter anderem „XXXLutz“, „Home24“, „Mömax“, „Roller“, „Poco“ und „Möbelix“. Die Kommission nennt außerdem „Braun“ als XXXLutz-Marke.
Nach vorläufiger Einschätzung gehören XXXLutz und Porta in Deutschland, Tschechien und der Slowakei zu den stärksten Möbeleinzelhändlern. Viele Filialen beider Unternehmen liegen in denselben regionalen Märkten und werben damit letztlich um dieselben Kunden. Gerade in Deutschland seien beide im Möbel-Discount besonders stark vertreten. Fällt dieser Wettbewerb weg, könnten Preise steigen und die Auswahl für Kundinnen und Kunden sinken.
Porta ist in Deutschland unter „porta Möbel“, „SB Möbel Boss“ und „Möbel LETZ“ aktiv, in Tschechien und der Slowakei unter „ASKO“. Das Unternehmen verkauft Möbel, Einrichtungsgegenstände, Haushaltswaren, Elektronik und Haushaltsgeräte und beschafft diese Waren ebenfalls. XXXLutz KG ist in mehreren europäischen Ländern im Möbel- und Einrichtungs-Einzelhandel sowie bei der Beschaffung tätig; in geringerem Umfang handelt das Unternehmen auch mit Elektronik und Haushaltsgeräten.
Kommission prüft auch die Einkaufsmacht
Neben den lokalen Einzelhandelsmärkten in Deutschland, Tschechien und der Slowakei nimmt die Kommission die Beschaffungsmärkte für Möbel in Deutschland, Tschechien, der Slowakei und Polen unter die Lupe. XXXLutz ist bereits ein bedeutender Abnehmer für Möbelhersteller und Lieferanten. Eingekauft wird europaweit über den Einkaufsverband GIGA International, über den XXXLutz offenbar über erhebliche Nachfragemacht verfügt.
Bei einer Integration von Porta in GIGA International könnte einer der wenigen großen alternativen Kunden für Möbellieferanten verschwinden. Die Kommission prüft deshalb, ob Lieferanten stärker vom fusionierten Unternehmen abhängig würden und konkurrierende Einzelhändler beim Einkauf benachteiligt werden könnten. Ein Möbelhersteller, der bislang mehrere große Abnehmer gegeneinander ausspielen kann, hätte dann womöglich weniger Spielraum.
Zu den XXXLutz-Gesellschaften und Markenbeziehungen gehören neben „XXXLutz“, „Mömax“, „Roller“, „Braun“, „Home24“ und „Möbelix“ auch Kontrollbeteiligungen der Gesellschafter an „POCO“, „But“, „Conforama France“, „Conforama Iberia“ und „Conforama Switzerland“. Porta bringt seinerseits die genannten Handelsmarken und seine Beschaffungsaktivitäten ein.
Separates Verfahren zum Durchführungsverbot
Die Prüfung stützt sich auf die EU-Fusionskontrollverordnung. Sie greift, wenn bestimmte Umsatzschwellen überschritten werden, und soll Zusammenschlüsse untersuchen, die den Wettbewerb im Europäischen Wirtschaftsraum oder in einem wesentlichen Teil davon erheblich behindern könnten. Normalerweise entscheidet die Kommission innerhalb von 25 Arbeitstagen in Phase I, ob sie eine Transaktion genehmigt oder eine vertiefte Prüfung einleitet. Wegen der vorläufigen Wettbewerbsbedenken geht der Porta-Fall nun in Phase II.
Zusätzlich untersucht die Kommission getrennt, ob XXXLutz und Porta vor der formellen Anmeldung gegen das sogenannte Durchführungsverbot verstoßen haben. Dabei geht es um die Frage, ob vor der Anmeldung Maßnahmen ergriffen wurden, die zu einer Änderung der Kontrolle über Porta geführt haben könnten. Dieses Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen M.11895.AP; das Fusionsverfahren trägt die Nummer M.11895.
Zum Zeitpunkt der Mitteilung liefen bei der Kommission außerdem Phase-II-Prüfungen zur Nickel-Sparte von Anglo American durch MMG, zum geplanten Gemeinschaftsunternehmen von UPM und Sappi sowie zum Zusammenschluss von Saipem und Subsea7. Für Porta und XXXLutz bleibt derweil der 25. Februar 2027 der entscheidende Stichtag – bis dahin wird in Brüssel weitergerechnet, verglichen und in die regionalen Märkte hineingeschaut.
