Für viele Tegut-Filialen ist heute, am Freitag, 30. Oktober 2026, der letzte Verkaufstag. In den vergangenen Tagen lief bereits der Ausverkauf, teilweise mit Rabatten von bis zu 50 Prozent. In den Märkten wurde noch einmal eingekauft, gesucht, verglichen – und mancher Abschied fühlte sich dabei ziemlich endgültig an.

In Osthessen schließen unter anderem die Tegut-Märkte in der Keltenstraße, am Emaillierwerk und in der Rabanusstraße in Fulda. Auch die Filialen in Hünfeld und Bad Salzschlirf machen zunächst zu. Der Schritt steht im Zusammenhang mit dem Rückzug des Schweizer Mutterkonzerns Migros aus dem deutschen Lebensmittelhandel.

Fuldaer Märkte öffnen schon bald wieder

Ganz verschwinden die Standorte allerdings nicht. Große Teile des Tegut-Filialnetzes werden von anderen Handelsunternehmen übernommen, vor allem von Edeka, Netto und Rewe. Auch Tante Enso übernimmt Standorte. An vielen Orten schließen die Märkte zunächst für eine kurze Zeit und öffnen danach unter neuem Namen wieder. Wann es weitergeht, hängt vom jeweiligen Standort ab.

Für die drei Fuldaer Filialen in der Keltenstraße, am Emaillierwerk und in der Rabanusstraße steht der Nachfolger bereits fest: Edeka Hessenring übernimmt sie. Nach einer kurzen Schließung und der Inventur sollen die Märkte am Donnerstag, 5. November, wieder öffnen. Aus Tegut wird dort also in wenigen Tagen Edeka – mit Kassen, Regalen und vermutlich dem vertrauten kleinen Einkaufsstress am Samstag.

Warum Migros Deutschland verlässt

Die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) hatte am 11. März 2026 in Zürich mitgeteilt, sich aus dem deutschen Markt zurückzuziehen und sich künftig vollständig auf den Schweizer Markt zu konzentrieren. Vorausgegangen war eine strategische Neubeurteilung im Rahmen der Sanierung der Tegut-Gruppe.

Kosteneinsparungen hatten die operativen Verluste von Tegut im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte reduziert. Gleichzeitig verschärfte sich das Marktumfeld in Deutschland, während die Umsätze zurückgingen. Nach Einschätzung der GMZ ist Tegut wegen seiner spezifischen Positionierung und der vergleichsweise geringen Unternehmensgröße langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig.

Gespräche mit Wettbewerbern über die Übernahme einzelner Tegut-Standorte sowie die Marktanalyse führten schließlich zum Beschluss, Deutschland zu verlassen. Eine vollständige Übernahme von Tegut durch einen Händler, der bislang nicht in Deutschland tätig war, erwies sich als nicht umsetzbar. In den anschließenden Gesprächen mit deutschen Handelsketten standen deshalb die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze und die Fortführung der Filialen im Mittelpunkt.

Was Edeka übernimmt

Mit Edeka wurde eine Vereinbarung unterzeichnet. Sie umfasst einen wesentlichen Teil des Tegut-Filialnetzes einschließlich der Vertriebsmitarbeitenden, außerdem das Logistikzentrum in Michelsrombach, die Herzberger-Bäckerei und Smart Retail Solutions, die Betreiberin der Teo-Standorte in Deutschland.

Mit weiteren deutschen Marktteilnehmern führte beziehungsweise führt die GMZ fortgeschrittene Gespräche, um möglichst viele zusätzliche Standorte zu erhalten. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht. Die Übergabe der Filialen an Edeka und weitere Interessenten steht außerdem noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamts. Dort werden die wettbewerbsrechtlichen Aspekte der Transaktion geprüft.

Wegen der Vertraulichkeit machte die GMZ zunächst keine weiteren Angaben zu den betroffenen Filialstandorten oder zu den laufenden Verhandlungen. Die finanziellen Auswirkungen sollen im Jahresabschluss 2025 sichtbar werden, der am 24. März veröffentlicht werden sollte. Die Gesamtabwicklung verursacht außerordentliche Aufwände, die das Ergebnis der GMZ und der Migros-Gruppe belasten werden.

Eine Marke mit Fuldaer Wurzeln

Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und entwickelte sich zu einer überregionalen Supermarktkette. Zuletzt beschäftigte das Unternehmen rund 7.500 Menschen. In den Kaiserwiesen verabschiedete sich das Tegut-Team mit einem Dank an die Kundschaft und verwies auf die fast 80-jährige Unternehmensgeschichte.

Ganz plötzlich endet diese Geschichte dennoch nicht. Für Filialen, bei denen noch kein Nachfolger feststeht, soll der Betrieb voraussichtlich spätestens am 19. Dezember enden. Bis dahin bleiben manche Tegut-Schilder also noch hängen – auch wenn heute vielerorts bereits die letzten Einkaufswagen durch die Märkte rollen.