Der Luxusjuwelier Wempe schließt am Samstag, 31. Oktober 2026, seine Filialen in ganz Deutschland vorübergehend. Betroffen sind auch die Münchner Standorte an der Maximilianstraße und der Weinstraße. Als Grund nennt das Familienunternehmen die Sicherheit seiner Beschäftigten.

In München werden am Geschwister-Scholl-Platz Tausende Jugendliche zur Demonstration der Initiative „Gen Z regelt“ erwartet. Die Veranstalter kündigen einen friedlichen Protest an. Trotzdem wächst bei Behörden und Händlern die Sorge, dass gewaltbereite Personen die Kundgebung für Ausschreitungen oder Plünderungen nutzen könnten. Bei früheren Jugendprotesten in Mailand und Frankreich waren Luxusgeschäfte geplündert worden.

Wempe setzt auf Vorsicht

Eine Wempe-Sprecherin erklärte, nach der Abstimmung mit den Behörden bestehe die Möglichkeit, dass aggressive Gruppen die Proteste wie in Frankreich oder Belgien unterwandern. Bundesweit bleiben derzeit nur drei Wempe-Geschäfte geöffnet.

Der Handelsverband Bayern rechnet nach Gesprächen mit den Sicherheitsbehörden in München allerdings nicht mit Krawallen. Auch andere Unternehmen treffen vorsorglich Maßnahmen: Die Parfümeriekette Douglas will bundesweit zwölf besonders gefährdete Filialen am Samstag geschlossen halten. In Städten wie Stuttgart warnten Handelsverbände ihre Mitglieder; einige Händler leerten vorsorglich die Schaufenster.

Polizei und Justiz bereiten sich in München auf einen Großeinsatz vor. Die bayerische Justiz versetzt Staatsanwälte am Demonstrationstag vorsorglich in erhöhte Bereitschaft, damit sie bei Straftaten oder Angriffen auf Geschäfte schnell reagieren können.

Proteste in mehreren bayerischen Städten

Für Samstag sind in mehreren bayerischen Städten Demonstrationen junger Menschen angekündigt. Die Proteste richten sich unter anderem gegen fehlenden Klimaschutz, die Wehrpflicht und steigende Lebenshaltungskosten. In ihrem Positionspapier schreibt die bundesweite Initiative „Gen Z regelt“, junge Menschen wollten nicht länger hinnehmen, dass über ihre Zukunft ohne ihre Beteiligung entschieden werde.

Als „Generation Z“ gelten laut Artikel ungefähr die zwischen 1995 und 2010 Geborenen. Die Gruppe distanziert sich ausdrücklich von Gewalt. In Bayern sind Versammlungen in München, Augsburg, Nürnberg, Regensburg und Rosenheim angemeldet: In München startet der Protest am Geschwister-Scholl-Platz, in Augsburg treffen sich Teilnehmende am Moritzplatz.

In Nürnberg ist eine stationäre Kundgebung am Ludwigsplatz sowie ein Demonstrationszug ab dem Kornmarkt geplant. Auf der Internetseite wird zusätzlich der Hauptmarkt als Treffpunkt genannt. Außerdem wurde eine Gegendemonstration angemeldet. In Regensburg soll der Zug vom Rathausplatz durch die Altstadt bis zum Dom führen. Eine weitere Versammlung ist laut bayerischem Innenministerium in Rosenheim vorgesehen.

Wie viele Menschen tatsächlich kommen, ist offen. Online-Zusagen sind unverbindlich. Zuletzt hatten mehr als 7.000 Menschen für München und über 5.000 für Nürnberg ihre Teilnahme angekündigt. Die Veranstalter rechnen in München inzwischen mit 500 bis 1.000 Teilnehmenden statt ursprünglich 200. Für die stationäre Nürnberger Kundgebung waren bisher 40 Personen angemeldet, die Polizei erwartet aber mehr. Beim Demonstrationszug rechnet sie mit 150 bis 250 Menschen. In Augsburg werden rund 100 Teilnehmende erwartet, obwohl online bislang nur eine zweistellige Zahl zugesagt hat.

Polizeisprecher Michael Petzold hält die online genannten über 5.000 Teilnehmenden für Nürnberg für deutlich überhöht. Die Polizei will an allen Veranstaltungsorten stark präsent sein, Schwerpunkt ist München. Die Münchner Polizei steht nach eigenen Angaben in engem Austausch mit anderen Polizei- und Sicherheitsbehörden und beobachtet die Entwicklungen im Ausland.

Halloween kommt noch dazu

Bayerische Behörden beobachten die Lage in Frankreich, Spanien, Italien und Albanien. Dort waren ähnliche Jugendproteste teilweise in Ausschreitungen und Plünderungen umgeschlagen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erwartet derzeit keine Ausschreitungen wie in Frankreich. Konkrete Hinweise auf geplante Gewalt lägen den Sicherheitsbehörden nicht vor. Laut Herrmann distanzierten sich Mobilisierungsaufrufe in sozialen Medien von den gewaltsamen Auseinandersetzungen im Ausland.

In Nürnberg bereitet sich die Polizei trotzdem auf verschiedene Szenarien vor. Wegen des zeitgleichen Halloween-Abends sieht sie nur ein geringes Risiko, dass Kostümierte für Unruhe sorgen. Polizeisprecher Petzold weist auf ein klares Vermummungsverbot hin. In den vergangenen Jahren habe es an Halloween in Nürnberg keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben.

Die Münchner Polizei schließt einzelne Sicherheitsstörungen oder Straftaten nicht vollständig aus und rechnet in der Halloween-Nacht ohnehin mit mehr Einsätzen. Eine besondere Absicherung oder Schließung von Geschäften und öffentlichen Gebäuden halten die Behörden derzeit nicht für erforderlich. Die Sicherheitsbehörden haben sich auf einen intensiven Einsatztag vorbereitet.

Für zusätzliche Unruhe in der Organisation sorgte der Berliner Student Gianni Matheja, der sein Amt als Sprecher von „Gen Z regelt“ niederlegte. Auf Instagram erklärte Matheja, unter dem Namen der Proteste hätten sich Gruppen mit unterschiedlichen Zielen und Protestformen versammelt. Ein ausreichend abgesicherter gemeinsamer friedlicher Rahmen sei deshalb aus seiner Sicht nicht mehr gewährleistet.

Bundesweite Bewegung mit vielen Forderungen

In mehreren europäischen Ländern protestieren vor allem junge Menschen gegen soziale und politische Missstände. In Deutschland ruft „Gen Z regelt“ für den kommenden Samstag zu Demonstrationen in 23 Städten auf. Die Initiative organisiert die Proteste in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main und Köln hauptverantwortlich, in 18 weiteren Städten unterstützt sie örtliche Gruppen.

Fast 140.000 Menschen haben online ihre Teilnahme angekündigt. Die meisten Zusagen gibt es in Köln mit rund 12.000, in Frankfurt mit knapp 11.000, in Hamburg und Berlin mit jeweils mehr als 8.000 sowie in München mit knapp 7.000.

„Gen Z regelt“ beschreibt sich als unabhängiger, überparteilicher und loser Zusammenschluss junger Menschen. Die Initiative erklärt, sie stehe „für unsere Jugend und für unsere Zukunft“ und verstehe sich als politische Mitte. Menschen unabhängig von ihrer politischen Richtung seien willkommen. Ausgeschlossen werden extremistische Gruppen, verfassungsfeindliche Symbole, Rassismus, Hetze und Gewalt. Nur friedliche Proteste könnten gemeinsame Veränderungen erreichen, betont die Initiative.

Gefordert werden unter anderem bessere Bildung und ein bezahlbares Leben. Die Initiatoren verlangen, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene stärker berücksichtigt werden. Sie kritisieren Einsparungen in Bildung, Sozialem, Kultur und Gesundheit, steigende Lebenshaltungskosten, geringe politische Aufmerksamkeit für die Sorgen Betroffener und aus ihrer Sicht ungerechte Verteilung gesellschaftlicher Lasten. Auch weitere Gewinne großer Unternehmen trotz Kürzungen, Milliardeninvestitionen in die Aufrüstung, zunehmende Überwachung, die geplante neue Wehrpflicht und Musterung junger Männer sowie der Fachkräftemangel in Schulen, Pflege und Gesundheitsversorgung gehören zu den Kritikpunkten.

Die Initiative kritisiert, junge Menschen sollten für Kriege ausgebildet werden, über die sie nicht mitentschieden hätten. Ursprünglich begannen die Proteste teilweise mit Forderungen nach besseren Lernbedingungen an Schulen. Grünen-Chef Banaszak warnt davor, deutsche Gen-Z-Demonstrationen vorschnell zu kriminalisieren, und fordert, die Protestgründe ernst zu nehmen.

Warnungen vor Unterwanderung

Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor einer möglichen Unterwanderung der Proteste durch linksextreme Gruppen. Sicherheitsbehörden kündigen konsequentes Vorgehen bei Verstößen an. Frankreich gilt dabei als Beispiel für eine Eskalation: Am Rand friedlicher Großdemonstrationen kam es landesweit zu Ausschreitungen und Plünderungen, Geschäfte und öffentliche Gebäude wurden zerstört, zahlreiche Einsatzkräfte verletzt.

Auch in Italien, Spanien und Albanien schlugen Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungssystem teilweise in Gewalt um. In Italien führten Proteste von Lastwagenfahrern und Bauern zu leeren Supermarktregalen. Bei Protesten in Barcelona kam es zu Plünderungen und Bränden; die Polizei nahm dort rund 100 Menschen fest, etwa ein Viertel davon war minderjährig.

Das Bundesinnenministerium fordert eine klare Unterscheidung zwischen friedlichen Schülerprotesten und einer möglicherweise gewaltbereiten extremistischen Szene. CDU-Politiker Marc Henrichmann erklärt, die internationale Vernetzung der linksextremistischen Szene sei koordiniert; gewaltbereite Linke könnten Landesgrenzen überschreiten. CDU-Innenpolitiker Alexander Throm warnt davor, dass Linksextremisten und Kriminelle aus dem migrantischen Milieu die Demonstrationen übernehmen könnten. SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler fordert besondere Aufmerksamkeit für Personen, die die Lage im Internet anheizen.

Bund und Länder stimmen sich über die Sicherheitslage ab, unter anderem im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum, dem GETZ. Die Sicherheitsbehörden erstellen laufend Gefährdungsbewertungen, auch gemeinsam mit Partnerländern. Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet verstärkt einschlägige Internetseiten und Social-Media-Kanäle. Im Fokus stehen mögliche Aufrufe zu gewaltsamer Teilnahme oder zur Nutzung der Demonstrationen für die Verbreitung von Gewalt.

Bei den Großdemonstrationen sollen mehrere tausend Polizisten eingesetzt werden. Die Bundespolizei kann die Länder bei Bedarf im Rahmen der Amtshilfe unterstützen. Personen, die zur gewaltsamen Teilnahme einreisen wollen, sollen bereits an der Grenze zurückgewiesen werden. Die Deutsche Polizeigewerkschaft weist außerdem darauf hin, dass die Proteste zeitlich mit Halloween zusammenfallen – mit zusätzlichen Herausforderungen, etwa bei der Durchsetzung des Vermummungsverbots.