BYD zeigt in Paris, wie aus Batterien ein globaler Autokonzern mit SHARK und Super-Hybriden wurde
Vom 12. bis 18. Oktober 2026 wird die Mondial de l’Auto Paris im Paris Expo Porte de Versailles zum Treffpunkt für neue Fahrzeuge, Technologien und Markenauftritte. BYD ist in Halle 6 vertreten – mit vollelektrischen Autos, Super-Hybrid-Modellen und einem Messeprogramm, das deutlich über Blech und Batterien hinausgeht. Heute, am 10. Oktober 2026, laufen die letzten Vorbereitungen.
Die Pressekonferenz ist für Montag, 12. Oktober, von 10:55 bis 11:10 Uhr in Halle 6 angesetzt. BYD will dort die Entwicklung des Unternehmens in Frankreich und Europa sowie die nächsten Schritte vorstellen. Außerdem soll ein neues Modell enthüllt werden; Einzelheiten werden erst am 12. Oktober bekannt gegeben.
Vom DOLPHIN G bis zum großen Pick-up
Nach eigenen Angaben zeigt BYD in Paris sein bisher umfangreichstes Modellangebot. Bei den Super-Hybriden mit DM-i-Technologie stehen der BYD ATTO 2 DM-i, der SEALION 5 DM-i und der SEAL U DM-i auf dem Programm. Vollelektrisch fahren der DOLPHIN SURF in einer Version mit fünf Sitzen, der neue ATTO 3 EVO, die SEAL Limousine und der SEALION 7 SUV vor.
Die von BYD selbst entwickelte DM-i-Plug-in-Hybridtechnologie soll vorrangig elektrisches Fahren ermöglichen und zugleich eine höhere Gesamtreichweite bieten. Ein konkretes Beispiel ist der BYD DOLPHIN G DM-i, das erste Modell der Marke, das speziell für den europäischen Markt entwickelt wurde. Es bringt die Super-Hybrid-Technologie DM 5.0 ins B-Segment, bleibt kompakt, bietet aber einen geräumigen Innenraum und 425 Liter Kofferraumvolumen. Bis zu 105 Kilometer sind elektrisch möglich, die kombinierte WLTP-Reichweite beträgt bis zu 1.040 Kilometer. Der gewichtete kombinierte Verbrauch liegt bei bis zu 1,4 l/100 km.
Weniger Stadtflitzer, mehr Arbeitsgerät: Der BYD SHARK ist der erste BYD-Pick-up für den europäischen Markt. Er nutzt die Super-Hybrid-Technologie DMO, ausgeschrieben Dual Mode Off-road, und kommt mit Allradantrieb, 436 PS (321 kW) sowie 650 Nm Drehmoment. Der 5,46 Meter lange Pick-up beschleunigt in 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Unter dem Fahrzeug steckt eine 32,2-kWh-Blade-Batterie. Damit sind bis zu 90 Kilometer elektrische und bis zu 675 Kilometer kombinierte WLTP-Reichweite möglich. Die Anhängelast beträgt 2.500 Kilogramm, die Nutzlast bis zu 790 Kilogramm, die Ladefläche fasst 1.200 Liter. Für Sand, Schlamm, Schnee und Schotter gibt es eigene Fahrmodi. Über die V2L-Funktion kann der SHARK außerdem externe Geräte mit Strom versorgen; zwei Steckdosen sind vorhanden. Das klingt nach Camping, Baustelle und nassem Herbstwochenende in einem.
Technik zum Anfassen, Unterhaltung für Familien
Am Messestand stellt BYD zentrale Technologien vor: die Blade-Batterie, Fahrzeugplattformen für Elektrofahrzeuge, die Super-Hybrid-Systeme DM-i und DMO sowie Energiespeicherlösungen außerhalb des Automobilbereichs. Laut Artikel entwickelt und produziert das Unternehmen wichtige Kerntechnologien seiner New-Energy-Fahrzeuge selbst.
Gleich daneben wird es lauter und bunter. BYD rückt auf der Paris Motor Show Partnerschaften aus Kultur, Sport und Unterhaltung ins Zentrum. Besucher können interaktive Erlebnisse mit Mediawan und „Miraculous“, dem E-Sport-Team Vitality sowie dem Fußballverein Paris Saint-Germain entdecken. Ein Karaoke-Event in Zusammenarbeit mit Stingray ergänzt das Programm – wer sich traut, bekommt also nicht nur neue Autos, sondern vermutlich auch den einen oder anderen schiefen Refrain zu hören.
Für Familien sind mittwochs, samstags und sonntags speziell für Kinder konzipierte „Miraculous“-Aktivitäten geplant. Spieler von Team Vitality besuchen den Stand am Mittwoch und Samstag, Spieler von Racing 92 werden am Donnerstag erwartet. Am Sonntag soll eine Legende von Paris Saint-Germain auftreten. Während der gesamten Messewoche sind weitere Aktivitäten und exklusive Auftritte vorgesehen.
Das vollständige Programm mit Terminen, Uhrzeiten und weiteren Höhepunkten veröffentlicht BYD France während der Messewoche über seine Social-Media-Kanäle, unter anderem auf Instagram. Dazu kommt ein exklusiver BYD-x-Paris-Saint-Germain-Merchandise-Store mit ausgewählten Produkten aus der Partnerschaft. Fahrzeuge und Technologie treffen hier auf Fußball, Gaming, Film und Unterhaltung – ein ziemlich voller Messekorb.
Veranstaltung: Paris Motor Show 2026
Datum: Montag, 12. Oktober, bis Sonntag, 18. Oktober 2026
Ort: Paris Expo Porte de Versailles
BYD: Halle 6
Pressekonferenz: Montag, 12. Oktober 2026, 10:55–11:10 Uhr, Halle 6
Ein Konzern, der aus Batterien herausgewachsen ist
Hinter dem Auftritt steht die BYD Company Limited, ein chinesischer Mischkonzern mit Sitz in Shenzhen, Guangdong. Das Unternehmen zählt weltweit zu den größten Herstellern von Akkumulatoren – für Elektrofahrzeuge, Batteriespeicher und Mobiltelefone. BYD ist stark vertikal integriert und verfügt dadurch über eine hohe Fertigungstiefe. Die Tochtergesellschaft BYD Auto gehört zu den größten Automobilherstellern Chinas und weltweit.
Gegründet wurde BYD im Februar 1995 vom Chemiker Wang Chuanfu als Fabrik mit 20 Mitarbeitern in Buji Town, Shenzhen. Zunächst stellte das Unternehmen ausschließlich wiederaufladbare Batterien her und konkurrierte mit Importprodukten von Sony und Sanyo. Der Name BYD ist die lateinisierte Form des chinesischen Firmennamens Bǐyàdí; der ursprüngliche Name „Yadi Electronics“ bezog sich auf die Yadi Road in Shenzhen, den ersten Unternehmensstandort. Über Jahre wurde der Marketing-Slogan „Build Your Dreams“ verwendet.
Im Januar 2003 stieg BYD durch den Kauf des angeschlagenen Automobilherstellers Xian Qinhuan Automobile ins Autogeschäft ein. Der neue Produktionszweig und seine Fahrzeuge firmieren seither unter BYD Auto. Statt auf Lizenzbauten globaler Hersteller setzte BYD zunächst auf eigene Fahrzeugentwicklungen, wobei frühe Modelle teilweise an japanische Fahrzeuge erinnerten. 2010 produzierte das Unternehmen bereits mehr als 500.000 Fahrzeuge.
Die frühe Fertigung war ein Kapitel für sich: Bis mindestens 2011 wurden BYD-Batterien im Unterschied zu japanischen Konkurrenzprodukten nicht überwiegend von Industrierobotern gefertigt. Detaillierte Arbeitsabläufe teilten die Produktionsschritte stark auf, sodass auch junge und gering qualifizierte Beschäftigte eingesetzt werden konnten. Laut Artikel erreichte diese halbautomatische Fertigung eine mit Roboterfertigung vergleichbare Qualität. Niedrigere Löhne als in Japan ermöglichten eine deutlich günstigere Produktion. Seit Mitte der 2010er-Jahre setzt BYD im großen Umfang Industrieroboter ein.
Mit der Arbeitsorganisation wurden allerdings auch monotone Tätigkeiten, hohe Arbeitsbelastung, lange Arbeitszeiten und geringe Weiterqualifizierungsmöglichkeiten in Verbindung gebracht. Die chinesische Regierung begründete diese Produktionsweise mit der Schaffung dauerhafter Arbeitsplätze für Millionen junger, häufig ungelernter Arbeitskräfte aus ländlichen Regionen. Niedrige Herstellungskosten und hohe chinesische Importzölle unterstützten das Wachstum von BYD.
Akku-Geschäft, Wachstum und Europa
BYD war zeitweise weltweit der größte Hersteller wiederaufladbarer Batterien. Anfang 2022 lag das Unternehmen bei Lithium-Ionen-Akkumulatoren weltweit auf Rang drei: CATL kam auf 35 Prozent, LG Energy Solution auf 15,9 Prozent und BYD auf 11,1 Prozent. Außerdem hatte BYD hohe Marktanteile bei Nickel-Cadmium-Akkumulatoren sowie bei Batterien, Ladegeräten und Tastaturen für Mobiltelefone. Zu den belieferten Unternehmen gehörten unter anderem Nokia, Motorola, Samsung, Sony Ericsson, Kyocera und Huawei.
Seit 2010 baut BYD seine Aktivitäten in Umwelttechnologien aus, darunter Solarfarmen, LED-Beleuchtung für Straßen und Batteriespeicher. Im Januar 2012 nahm das Unternehmen nach eigenen Angaben das damals weltweit größte Batteriespeicherkraftwerk mit 36 Megawattstunden in Betrieb.
2022 wurde BYD weltweit größter Hersteller von Elektro- und Hybridfahrzeugen. Im vierten Quartal 2023 lieferte BYD mehr Elektroautos aus als Tesla. In China wurden in diesem Quartal 526.409 Fahrzeuge ausgeliefert – mehr als 30.000 mehr als Tesla. 2023 überholte BYD Auto Volkswagen erstmals bei den Verkaufszahlen auf dem chinesischen Automobilmarkt. Seit den frühen 2020er-Jahren gehört BYD Auto zu den größten Automobilproduzenten Chinas und weltweit.
Der Weg nach Europa ist längst sichtbar. Im Januar 2023 eröffnete in Köln der erste BYD-Auto-Ausstellungsraum in Deutschland, anschließend wurde ein deutsches Händlernetz aufgebaut. BYD Auto vermarktete Fahrzeuge auch in der Europäischen Union, darunter einen europäischen Linienverkehr ausschließlich mit Batteriebussen und Elektrofahrzeuge des Typs BYD e6 für die Taxiflotte von Brüssel.
2014 eröffnete BYD in Kalifornien ein Montagewerk für den Batteriebus BYD ebus. Im selben Jahr verfügte das Unternehmen über zwölf Produktionsstätten in China sowie jeweils eine in Indien, Ungarn, Rumänien und den USA. Heute betreibt BYD Werke in den USA, Brasilien, Japan und Indien; ein Werk in Ungarn wurde im Dezember 2023 angekündigt.
Im Januar 2025 betrieb BYD für den Export eine eigene Flotte von vier Autotransportern. Drei dieser Schiffe konnten jeweils mindestens 7.000 Fahrzeuge transportieren. Ende Februar 2024 begann der Europaexport mit einem eigenen Frachter für 3.000 Fahrzeuge; insgesamt sind acht solcher Schiffe geplant.
An den Börsen ist BYD in Hongkong und Shenzhen notiert: in Hongkong unter HKEX 1211, in Shenzhen unter SZSE 002594. Am 27. September 2008 erwarb MidAmerican Energy Holdings, eine Tochtergesellschaft von Berkshire Hathaway, rund 10 Prozent an BYD. Der Wert der Investition betrug etwa 230 Millionen US-Dollar.
Viele Sparten – und offene Fragen
Zum Konzern gehören unter anderem BYD Auto, BYD Electronics, BYD LED, Denza, FinDreams und BYD Semiconductor. BYD Electronics ist als eigenständige Holdinggesellschaft an der Hongkonger Börse notiert (HKEX 0285). Das Unternehmen produziert unter anderem Gehäuse und Tastaturen für Mobiltelefone und bietet seit 2006 Fertigungsdienstleistungen für Dritte an. Produktionsstandorte befinden sich in China, Chennai in Indien, Komárom in Ungarn und Cluj-Napoca in Rumänien.
BYD LED wurde 2003 in Shenzhen gegründet und produziert seit 2008 vor allem LED-Leuchtmittel für Fahrzeuge, Signaltechnik und Straßenbeleuchtung. Shenzhen BYD Daimler New Technology Company entstand 2010 als 50:50-Joint-Venture von BYD und Daimler. Das Gemeinschaftsunternehmen entwickelte ein batterieelektrisches Fahrzeug unter der Marke Denza, dessen Vermarktung Ende 2014 begann. Im Dezember 2021 wurde angekündigt, dass Daimler seinen Anteil auf 10 Prozent reduziert und BYD auf 90 Prozent erhöht. Im Februar 2024 kündigte BYD die Vermarktung von Denza-Modellen in Europa an. Nach dem vollständigen Ausstieg von Mercedes-Benz im September 2024 ist BYD alleiniger Anteilseigner von Denza.
FinDreams bezeichnet vier Automobilzulieferer im Besitz von BYD. Die Ausgliederungen wurden im März 2020 angekündigt, um den Verkauf von Komponenten an andere Automobilhersteller zu steigern. FinDreams Battery wurde am 5. Mai 2019 als Nachfolger von BYD Lithium Battery registriert und produziert Verbraucherbatterien, Elektronikbatterien, Batterien für Elektrofahrzeuge und Energiespeicherbatterien. 2024 war FinDreams der zweitgrößte Hersteller von Elektrofahrzeugbatterien hinter CATL.
BYD Semiconductor entstand 2020 aus der 2002 gegründeten IC-Design-Abteilung von BYD. Die Gesellschaft fertigt und vertreibt Halbleiterprodukte; der geplante Börsengang der Halbleitersparte scheiterte 2022.
Geforscht wird in vier Zentren in Shenzhen, Shanghai, Peking und Shaoguan. Dort arbeiten rund 10.000 Wissenschaftler. Etwa zwei Drittel befassen sich mit Innovationsmanagement und der laufenden Verbesserung von Produktionsabläufen, ein Drittel mit Produktinnovationen, insbesondere leichteren Hochenergiezellen mit geringerem Platzbedarf und höherer Kapazität. 2023 stellte BYD zusätzlich 33.000 Beschäftigte für Forschung und Entwicklung ein; dadurch stieg die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Forschungsabteilung auf 102.000. Zugleich erhöhte BYD seine Forschungsausgaben deutlich.
Zur Konzernrealität gehören aber auch kritische Berichte. Im Februar 2024 wurde BYD in einem Bericht der schwedischen Organisation Globalworks neben CATL und EVE Energy im Zusammenhang mit Risiken von Zwangsarbeit in Anlagen in Xinjiang genannt. Eine Untersuchung von Human Rights Watch bewertete die Risiken im Bereich der Aluminiumgewinnung als nicht ausreichend minimiert. Amnesty International erklärte im Oktober 2024, BYD könne unter anderem den Umgang mit Risiken in Rohstofflieferketten für Kobalt, Kupfer, Lithium und Nickel nicht ausreichend darlegen.
BYD wurde außerdem vorgeworfen, auf einer Baustelle in Ungarn chinesische Leiharbeiter ohne Ruhetage und zu niedrigen Löhnen einzusetzen. Die Arbeiter mussten demnach ihre Unterkunft auf der Baustelle selbst bezahlen. Der ehemalige ungarische Außenminister Péter Szijjártó unterstützte den Bau des BYD-Automobilwerks in Szeged und des Entwicklungszentrums in Budapest; der ungarische Staat stellte dafür erhebliche Fördermittel bereit. Im Juli 2026 kündigte Szijjártó nach den ungarischen Wahlen an, sein Abgeordnetenmandat niederzulegen. Künftig soll er für die Außenbeziehungen von BYD und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder verantwortlich sein.
In Paris stehen derweil Kinder vor Miraculous-Figuren, E-Sport-Fans warten auf Team Vitality, und irgendwo wird vermutlich schon das Karaoke-Mikrofon getestet. In Halle 6 liegen die Blade-Batterie und der SHARK nicht weit voneinander entfernt – zwei Seiten eines Unternehmens, das einst mit wiederaufladbaren Batterien begann.
