Bei KiK dreht sich das Standortkarussell: Das Textilunternehmen mit Hauptsitz in Nordrhein-Westfalen will in Deutschland rund 135 bis 150 Filialen schließen. Europaweit sollen bis Ende 2026 etwa 300 Standorte aufgegeben werden, zugleich sind 75 Neueröffnungen geplant. Rund 4.000 KiK-Filialen sollen in Europa bestehen bleiben.

Für Deutschland bedeutet der Umbau nach Unternehmensangaben einen Rückgang von rund 2.335 auf etwa 2.200 Standorte. Mehr als 2.200 Filialen sollen erhalten bleiben. Deutschland bleibt damit der wichtigste Markt und KiK weiterhin Deutschlands größter Textildiscounter. Eine vollständige Liste der betroffenen Geschäfte gibt es allerdings nicht: Über einzelne Schließungen informiert das Unternehmen erst, wenn sie unmittelbar bevorstehen.

Diese Filialen in Bayern sind bereits geschlossen

In Bayern wurden 2026 bereits mehrere Standorte geschlossen: Bad Windsheim, Burgthann, Freyung, Peißenberg, München-Neuperlach, München-Feldmoching, München-Aubing, Schongau, Schweinfurt, Uffenheim und Wunsiedel. Weitere Schließungen sollen bis Jahresende folgen. Im ersten Quartal wurden in Deutschland bereits rund 25 Filialen aufgegeben.

In Gunzenhausen steht der nächste Einschnitt bevor. In der KiK-Filiale am Marktplatz läuft laut den Nürnberger Nachrichten bis zum 14. Oktober ein Ausverkauf. Ab dem 15. Oktober soll das Geschäft geschlossen sein. Auch in Schweinfurt und Rottenburg wurden regionale Schließungen bestätigt; in Rottenburg wollte der Vermieter die Fläche anderweitig nutzen.

Profitabilität entscheidet über den Fortbestand

Finanzvorstand und Geschäftsführer Christian Kümmel hatte im März gegenüber der dpa erklärt, KiK richte sein Filialportfolio stärker auf Profitabilität aus. Am 24. März 2026 bestätigte er die Schließungspläne. Das Unternehmen habe in der Vergangenheit zu aggressiv expandiert, teilweise lagen Filialen weniger als einen Kilometer voneinander entfernt. Manche Geschäfte konkurrierten dadurch um dieselben Kunden.

Nach dem von KiK genannten Prinzip werden auslaufende Mietverträge nicht verlängert, wenn ein Standort wirtschaftlich nicht ausreichend trägt. Dauerhaft unprofitable Filialen können außerdem vorzeitig geschlossen werden – etwa nach Verhandlungen mit Vermietern oder durch Vertragsauflösungen. Nach Angaben der Lebensmittelzeitung haben europaweit rund 400 Filialen wirtschaftliche Probleme, darunter etwa 170 deutsche Märkte.

Als Gründe für die schwächere Entwicklung gelten die Kaufzurückhaltung infolge der anhaltenden Inflation und sinkende Kundenfrequenzen in schwächeren Lagen. Dazu kommt der schärfere Wettbewerb durch Online-Anbieter wie Shein und Temu. KiK spricht von einer strategischen Bereinigung des Filialportfolios, nicht von einer erzwungenen Krisenmaßnahme. Liquiditätsprobleme gebe es nicht, die Mieten würden bezahlt, und das Unternehmen sei nicht insolvenzgefährdet.

Keine betriebsbedingten Kündigungen geplant

Für die Beschäftigten soll der Umbau laut KiK ohne betriebsbedingte Kündigungen ablaufen. Betroffene Mitarbeiter sollen in anderen Filialen weiterbeschäftigt oder anderweitig eingesetzt werden. Wegen des dichten Netzes gebe es meist Möglichkeiten an nahe gelegenen Standorten. Für einzelne Beschäftigte können dadurch allerdings längere Arbeitswege entstehen – vor allem dort, wo am Ort nur eine KiK-Filiale existiert.

KiK steht für „Kunde ist König“ und wurde 1994 von Stefan Heinig und der Tengelmann-Gruppe in Düsseldorf gegründet. Seit 2020 gehört das Unternehmen vollständig zur Tengelmann-Gruppe unter Führung von Christian Haub; börsennotiert ist KiK nicht. 2023 erzielte der Händler rund 2,4 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigte 32.000 Mitarbeiter in 14 europäischen Ländern, davon mehr als 19.000 in Deutschland.

93 Prozent der deutschen KiK-Beschäftigten arbeiten im Filialbereich. Angeboten werden Bekleidung für die ganze Familie sowie Haushaltswaren und weitere Non-Food-Artikel. Seit August 2025 ist Christian Kümmel Finanzvorstand und verantwortet die strategische Neuausrichtung. Die kundennahen Bereiche einschließlich Einkauf und Sortimentsgestaltung leitet seit November 2025 Agnieszka Jaworska.

Neue Läden, neues Konzept – und mögliche Leerstände

Parallel zu den Schließungen will KiK 75 neue Filialen an strategisch günstigeren Standorten eröffnen. Bis 2028 soll europaweit außerdem ein neues Filialkonzept umgesetzt werden: mit übersichtlicherer Warenanordnung, Shop-in-Shop-Bereichen und saisonalen Artikeln. Der alte Standort bleibt also nicht automatisch das Maß aller Dinge.

Für kleine Innenstädte, Fachmarktzentren und Nebenlagen ist das trotzdem keine Nebensache. KiK ist dort häufig Ankermieter. Verschwindet das Geschäft, drohen Leerstände, weniger Laufkundschaft und zusätzlicher Druck auf benachbarte Läden. Der Handelsverband Deutschland erwartet für 2026 noch rund 296.600 stationäre Geschäfte bundesweit.

Frei werdende KiK-Flächen sind meist etwa 400 bis 750 Quadratmeter groß. In Nebenlagen könnten dort unter anderem Drogeriemärkte, Bäckereien oder Fitnessstudios einziehen. Reibungslos klappt eine solche Umnutzung aber nicht immer. Der übermittelte Text einer weiteren Quelle zur Entwicklung des Textileinzelhandels und der Innenstädte enthält ausschließlich fragmentierte, binär codierte PDF-Daten; ein lesbarer Nachrichtenartikel oder verwertbarer Inhalt ist darin nicht enthalten. Eine sachliche Zusammenfassung dieser Quelle ist deshalb nicht möglich.