Bei KiK wird es in Deutschland leerer. Seit März ist bekannt, dass zahlreiche Filialen schließen sollen, darunter viele Standorte in Nordrhein-Westfalen. Für 76 Filialen ist die Schließung offiziell bestätigt oder durch Lokalmedien berichtet. Im Hammer Maxicenter gibt es bereits keine KiK-Filiale mehr.

Das Unternehmen hatte angekündigt, 2026 insgesamt 150 deutsche Filialen zu schließen. Eine andere Angabe nannte Finanzvorstand Christian Kümmel am 24. März 2026 der Deutschen Presse-Agentur: Demnach sollen rund 135 Standorte in Deutschland aufgegeben werden. Europaweit geht es bis Ende 2026 um etwa 300 Schließungen und 75 Neueröffnungen. Weitere deutsche Filialen könnten bereits geschlossen worden sein oder noch folgen.

Diese Standorte sind betroffen

Eine vollständige Liste veröffentlicht KiK nicht. Der „Merkur“ führt deshalb eine eigene Übersicht. Filialen in Bopfingen und Östringen sind bereits seit dem ersten Quartal geschlossen. Mengen sollte am 16. Oktober schließen, Gunzenhausen am 15. Oktober. Neu auf der Liste stehen Fürstenberg in Brandenburg und Stockelsdorf in Schleswig-Holstein.

In Fürstenberg hatte KiK Gerüchte über eine Schließung im Mai noch dementiert. Inzwischen bestätigte das Unternehmen, dass die Filiale dort nach aktuellem Stand im November geschlossen wird. Auch Stockelsdorf soll im November schließen. Eine Mitarbeiterin berichtete, das Sortiment sei schon stark reduziert. An manchen Standorten läuft oder lief laut Medienberichten ein Räumungsverkauf; Details nennt KiK dazu nicht.

Die Filiale im Dollart-Center in Emden gilt als möglicher weiterer Fall. Eine Lokalzeitung berichtete am 25. April 2026 über die bevorstehende Schließung, eine Immobilien-Fachquelle nannte den 22. Juni 2026 als letzten Verkaufstag. Sollte Emden in der bisherigen Zählung fehlen, steigt die Zahl der dokumentierten Schließungen auf mindestens 77.

Auch aus Mittelangeln-Satrup gibt es Hinweise. Dort soll die KiK-Filiale im September geschlossen worden sein. Der Discounter Wreesmann sucht für eine Neueröffnung im November 2026 an derselben Adresse, Mühlenstraße 20, Personal. Eine offizielle Bestätigung von KiK fehlt aber noch.

Ähnlich unklar ist die Lage in Hannover-Nordstadt. Ein lokaler Instagram-Beitrag soll einen Ausverkauf und die Schließung Anfang September angekündigt haben. Einige Filialverzeichnisse führen den Standort weiterhin. Der Hinweis muss daher noch überprüft werden.

Warum KiK sein Netz ausdünnt

Christian Kümmel, seit August 2025 Finanzvorstand, erklärte im Frühjahr, KiK habe zu dicht expandiert. Das Filialnetz solle zurückgebaut und stärker auf Profitabilität ausgerichtet werden. KiK bezeichnet die Maßnahme als strategische Bereinigung des Filialportfolios: Auslaufende Mietverträge unrentabler Geschäfte werden nicht verlängert. Dauerhaft unprofitable Standorte können außerdem vor Ablauf des Vertrags durch Verhandlungen oder eine vorzeitige Auflösung schließen.

Nach Angaben aus Insiderkreisen der Lebensmittelzeitung haben europaweit rund 400 Filialen wirtschaftliche Probleme, davon etwa 170 in Deutschland. Kaufzurückhaltung infolge anhaltender Inflation, sinkende Kundenfrequenzen in schwächeren Lagen und der Wettbewerb durch Online-Anbieter wie Shein und Temu setzen den Geschäften zu. Dazu kommt das alte Problem: Manche Filialen liegen zu nah beieinander und werben um dieselben Kunden.

KiK bestreitet Liquiditätsprobleme, erklärt, Mieten zu zahlen, und sieht keine Insolvenzgefahr. Die Schließungen seien eine strategische Entscheidung, keine Folge einer akuten Insolvenz. Betriebsbedingte Kündigungen seien ebenfalls nicht vorgesehen. Beschäftigte geschlossener Filialen sollen in anderen Geschäften weiterarbeiten oder anderweitig eingesetzt werden. In Deutschland beschäftigt KiK mehr als 19.000 Menschen, 93 Prozent davon im Filialbereich. Je nach Standort können Versetzungen allerdings längere Arbeitswege bedeuten.

Weniger Geschäfte, neues Konzept

Den geplanten Schließungen stehen 15 Neueröffnungen in Deutschland gegenüber; europaweit sind 75 neue Standorte vorgesehen. Das deutsche Netz soll von derzeit rund 2.335 auf etwa 2.200 Filialen sinken. Deutschland bleibt damit der wichtigste Markt und KiK Deutschlands größter Textildiscounter.

Bis 2028 soll europaweit ein neues Filialkonzept ausgerollt werden. Vorgesehen sind eine übersichtlichere Warenanordnung, Shop-in-Shop-Bereiche und saisonale Artikel. KiK möchte sich damit stärker als Nahversorger mit zeitgemäßem Einkaufserlebnis positionieren. Agnieszka Jaworska verantwortet seit November 2025 die kundennahen Bereiche einschließlich Einkauf und Sortimentsgestaltung.

Für kleinere Innenstädte, Fachmarktzentren und Nebenlagen ist das trotzdem keine Nebensache. KiK gehört dort häufig zu den wichtigen Mietern. Wo die Rollgitter dauerhaft unten bleiben, drohen Leerstände und weniger Laufkundschaft. Für frei werdende Flächen zwischen etwa 400 und 750 Quadratmetern kommen zwar Drogeriemärkte, Bäckereien oder Fitnessstudios infrage – eine passende Nachnutzung ist aber längst nicht überall einfach. Der Handelsverband Deutschland erwartet für 2026 bundesweit rund 296.600 stationäre Geschäfte.

Vom „Kunde ist König“ zum Umbau

KiK wurde 1994 von Stefan Heinig und der Tengelmann-Gruppe in Düsseldorf gegründet. Der Name steht für „Kunde ist König“. Nach anderer Unternehmensangabe wurde KiK 1994 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Bönen in Nordrhein-Westfalen. Seit 2020 gehört das nicht börsennotierte Unternehmen vollständig zur Tengelmann-Gruppe unter Christian Haub.

Verkauft werden Bekleidung für die ganze Familie, Heimtextilien, Spielwaren sowie Haushalts- und weitere Non-Food-Artikel zu niedrigen Preisen. KiK betreibt mehrere tausend Filialen, vor allem in Deutschland, außerdem unter anderem in Österreich, Tschechien, Slowenien, Kroatien, Ungarn, der Slowakei, Polen, den Niederlanden und Rumänien. 2023 erzielte das Unternehmen rund 2,4 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigte 32.000 Menschen in 14 europäischen Ländern.

Während in einzelnen Städten noch Kisten gepackt und Regale ausgeräumt werden, bleibt also vieles in Bewegung. Fürstenberg und Stockelsdorf sind für November bestätigt, Emden könnte die Liste verlängern, Mittelangeln-Satrup und Hannover-Nordstadt warten noch auf eine klare Auskunft. Und irgendwo wird bereits überlegt, wer in eine der frei werdenden Verkaufsflächen einziehen könnte.