Cafe Sprenger schließt Filiale in Werden und setzt auf Tortenmobile
Für Cafe Sprenger in Essen wird es im Herbst 2027 einen Einschnitt geben: Die Konditorei-Kette schließt im Oktober ihre Filiale in Werden. Das Geschäft schreibt nach Angaben von Geschäftsführerin Patricia Silberbach zwar keine Verluste, rentiert sich aber nicht mehr. Schon im Vorjahr war der Standort in Kettwig aufgegeben worden.
Leicht fällt dieser Schritt offenbar nicht. Der heiße Sommer 2026 brachte deutliche Umsatzeinbußen, zugleich liefen die Kosten weiter. Vor der Filiale in Werden wird derzeit saniert; bereits im Vorjahr war der Standort zwei Monate lang durch eine Baustelle beeinträchtigt. Weniger Kundschaft, aber weiterhin Personalkosten und übrige Fixkosten – die Rechnung ging irgendwann nicht mehr auf.
Werden schließt, drei Filialen bleiben
Die drei verbleibenden Filialen sollen geöffnet bleiben. Das Familienunternehmen, das seit 1933 besteht und rund 100 Mitarbeiter beschäftigt, will sein Geschäft daneben stärker auf mobile Verkaufsangebote verlagern. Patricia Silberbach setzt dabei verstärkt auf die Tortenmobile.
Die Idee entstand während der Corona-Pandemie. Tim Silberbach, der Sohn der Geschäftsführerin, brachte den Gedanken auf: Transporter fahren regionale Märkte an und verkaufen dort Konditoreiwaren. Nach dem Kauf des ersten Fahrzeugs entwickelte sich das Angebot schnell. Inzwischen gehören drei Tortenmobile und ein fester Anhänger zum Unternehmen.
Der Marktverkauf passe zum veränderten Einkaufsverhalten, sagt Silberbach. Kundinnen und Kunden wollten ihre Einkäufe zunehmend an einem Ort bündeln. Ein fester Wochenendstandort befindet sich in Kreuselberg. Zudem wird ein neuer Standort für das Tortenmobil benannt. Zum Familienbetrieb gehören neben Patricia und Tim Silberbach unter anderem Nina Götting.
Das Foto, das im Zusammenhang mit dem Bericht verwendet wird, entstand 2022 in Holsterhausen. Ein kleines Stück Cafe-Sprenger-Geschichte am Bildrand, während sich der Betrieb längst auf beweglichere Zeiten einstellt.
Ein Handwerk zwischen Café und Parkplatzsuche
Die Entwicklung bei Cafe Sprenger passt in ein Konditorenhandwerk, das regional und mittelständisch geprägt ist. Familienunternehmen dominieren, während Filialbetriebe eine untergeordnete Rolle spielen. In den meisten Handwerkskonditoreien liegen Backstube, Ladengeschäft und Café direkt beieinander – Mehlstaub hinten, Kuchentheke vorne, Kaffeeduft dazwischen.
Zum 31. Dezember 2025 gab es 3.476 Betriebe im Konditorenhandwerk. Im Jahr 2025 standen 317 Betriebsabgängen 335 Betriebszugänge gegenüber, unter dem Strich also ein Nettozuwachs von 18 Betrieben. Gleichzeitig sank die Beschäftigtenzahl um 1,9 Prozent. Das weist auf eine Verschiebung hin zu kleineren, spezialisierten Betrieben hin.
Neue Gründungen bleiben allerdings selten. Erschwerend wirken fehlende Sicherheiten bei der Finanzierung, hohe Innenstadtmieten und die Verlagerung von Einkaufszentren auf die „grüne Wiese“. Auch ausgeweitete Fußgängerzonen und autofreie Innenstädte, Parkplatzmangel und hohe Parkgebühren verändern die Standortbedingungen. Dazu kommen behördliche Auflagen, gesetzliche Anforderungen an die Betriebsausstattung, zunehmende Bürokratie und neue Regulierungen – und der Mangel an Fachkräften sowie geeigneten Auszubildenden.
Bei 3.476 Betrieben und einer vorausberechneten Bevölkerung von 83,5 Millionen Einwohnern gab es durchschnittlich 4,16 Konditoreibetriebe je 100.000 Einwohner. Als Fachbetriebe gelten dabei in die Handwerksrolle eingetragene Unternehmen des Konditorenhandwerks; Filialen werden nicht separat erfasst.
Mehr Frauen an der Spitze, viel Arbeit im Verkauf
Der Anteil selbstständiger Unternehmerinnen stieg von 32,81 Prozent im Jahr 2017 auf 45,63 Prozent zum 31. Dezember 2025. Das entspricht 1.586 von Frauen geführten Betrieben. Geschäftsführerinnen von Kapitalgesellschaften, etwa GmbHs, werden in dieser Statistik nicht erfasst – der tatsächliche Frauenanteil in Führungspositionen dürfte also höher sein.
Rund 70 Prozent der Beschäftigten arbeiteten im Verkaufsbereich sowie im Service und in der Küche des Cafés. Dort liegen auch die meisten Teilzeitstellen und geringfügig entlohnten Beschäftigungen. Etwa 20 Prozent waren in der Backstube tätig, die stärker von Vollzeitbeschäftigten geprägt ist. Der Frauenanteil in den verschiedenen Positionen der Konditoreibackstuben ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Die Angaben zu den Betrieben stammen aus der DHKT-Statistik, die Beschäftigtenzahlen vom Deutschen Konditorenbund. Bei Cafe Sprenger rollt derweil weiter der Anhänger zum Wochenendmarkt in Kreuselberg – und in Werden läuft der Verkauf noch bis zur Schließung im Oktober 2027.
