In Österreich beginnt heute, am 28. Oktober 2026, der Abverkauf bei Depot. Die Deko-Kette zieht sich vollständig aus dem Land zurück und schließt alle 24 verbliebenen Filialen. Zum Start gibt es 30 Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment. Wie stark die Preise später noch sinken, hängt davon ab, wie schnell die Waren aus den Geschäften verschwinden.

Der letzte Verkaufstag ist spätestens der 31. Jänner 2027. Rund 140 Beschäftigte sind betroffen. Damit endet nach 17 Jahren die Tätigkeit von Depot auf dem österreichischen Markt. Betreiberin ist die Gries Deco Austria GmbH mit Sitz in Bruck an der Leitha.

Kein schneller Ausverkauf nur mit Restware

Für das Weihnachtsgeschäft wurde noch zusätzliche Ware im Wert von mehreren Millionen Euro eingekauft. Neue Artikel sollen wöchentlich in die Filialen geliefert werden. Der Abverkauf besteht also zunächst nicht bloß aus alten Restbeständen – zwischen Weihnachtsdeko, Kerzen und Wohnaccessoires dürfte weiterhin Nachschub eintreffen.

Depot-Gutscheine können nur noch bis spätestens 31. Jänner 2027 eingelöst werden. Danach sollen sie wertlos verfallen. Die Beschäftigten wurden am 27. Oktober 2026 über die endgültige Schließung informiert. Bis Ende Jänner sollen sie weiterbeschäftigt werden; Gehälter und Weihnachtsgeld sollen regulär ausbezahlt werden. Sozialplan- oder Arbeitsstiftungsmaßnahmen sind laut Bericht nicht vorgesehen, stattdessen kommt es zu regulären Kündigungen.

Eigentümer Christian Gries erklärte, die Abwicklung solle geordnet erfolgen. Eine Insolvenz in Österreich sei nicht geplant. Eine eigenständige Fortführung des österreichischen Filialnetzes sei wirtschaftlich nicht mehr möglich.

Die deutsche Muttergesellschaft steckt ebenfalls in der Krise

Hinter dem Aus stehen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der deutschen Muttergesellschaft und deren Insolvenzverfahren. Die insolvente GDC Deutschland GmbH stellt ihren Geschäftsbetrieb Ende September ein. Sämtliche Arbeitsverhältnisse und Mietverträge werden gekündigt, rund 730 Arbeitsplätze fallen weg.

Automatisch bedeutete das zunächst nicht das Ende aller österreichischen Standorte: Das österreichische Geschäft wird von der eigenständigen Gries Deco Austria GmbH betrieben. Nun steht aber fest, dass auch dort alle 24 Filialen schließen.

Die Gesellschaft mit Sitz in Großostheim hatte im Mai Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. In Deutschland war zuerst ein Weiterbetrieb von rund 50 eigenen Filialen geplant. Ende Juni wurde die Schließung von 66 der damals rund 150 Filialen angekündigt, bis Anfang August kamen etwa 30 weitere Standorte hinzu. Die verbliebenen rund 50 Geschäfte können nun ebenfalls nicht wie geplant weitergeführt werden.

Christian Gries zufolge reicht das Geld nicht mehr aus, um die nach der Insolvenz anfallenden Kosten und Verpflichtungen vollständig zu begleichen. Sanierungsexperte Alexander Höpfner sieht keine Alternative zur Einstellung des Geschäftsbetriebs; Finanzierung und Fortbestand der Kette seien über September hinaus nicht gesichert.

Die Marke „Depot“ soll dennoch erhalten bleiben. Sie soll in eine andere Gesellschaft überführt und mit deutlich weniger Beschäftigten fortgesetzt werden. Mit Vermietern soll über neue Mietverträge verhandelt werden. Wie viele der derzeit noch rund 50 Filialen gerettet werden können, ist offen. Auch über kleinere Depot-Shops in Rewe- und Edeka-Märkten wird verhandelt.

Von 49 Standorten auf den Rückzug

In Österreich hatte das Unternehmen bereits 2024 ein Sanierungsverfahren durchlaufen und sein Filialnetz von 49 auf weniger als 30 Standorte reduziert. In einer weiteren Darstellung ist von 29 verbliebenen Geschäften die Rede. Ob diese österreichischen Geschäfte bestehen bleiben, hing zunächst von einer möglichen Übernahme in eine neue Unternehmensstruktur ab; inzwischen ist für die 24 verbliebenen Filialen der Abverkauf beschlossen.

Vor einigen Jahren betrieb Depot rund 400 Geschäfte und gehörte zu den größten deutschen Deko-Händlern. Bereits 2024 war das Unternehmen insolvent. In Deutschland wurden schon zahlreiche Filialen geschlossen.

Als Gründe für die Krise gelten die Konkurrenz durch Billiganbieter wie Action und TEDi sowie durch asiatische Online-Plattformen wie Temu. Dazu kommen gestiegene Miet-, Personal- und Logistikkosten und eine geringere Konsumneigung. Die schwache Konsumlaune und die zunehmende Konkurrenz durch asiatische Billigplattformen wurden auch im deutschen Insolvenzverfahren genannt.

Der Handel sucht nach neuen Spielregeln

Der deutsche Einzelhandel steckt in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Gerade kleinere und mittelständische Händler geraten unter Druck, weil sich Kundenverhalten, Kostenstrukturen und Wettbewerbsbedingungen gleichzeitig verändern. Ende 2025 blieb die Konsumstimmung verhalten, obwohl der Einzelhandel nominal rund 2,4 Prozent mehr Umsatz verzeichnete. Der Internet- und Versandhandel wuchs um knapp 11 Prozent und war erneut der wichtigste Wachstumstreiber.

Kosmetik- und Gesundheitsprodukte entwickelten sich überdurchschnittlich, während die Textil- und Bekleidungsbranche rund 1 Prozent Umsatz verlor. Die Ertragslage blieb trotz des nominalen Wachstums in vielen Unternehmen angespannt. 2025 gab es rund 2.500 Insolvenzen im Einzelhandel – den höchsten Stand seit fast zehn Jahren. Viele Händler beobachten anhaltende Kaufzurückhaltung und eine steigende Preissensibilität. Rund jedes dritte Handelsunternehmen rechnet 2026 mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage.

Schwache Konjunktur, geringe Wachstumsimpulse und wirtschaftliche Unsicherheiten erhöhen den Druck. Energie-, Miet-, Logistik- und Personalkosten steigen weiter, Preiserhöhungen lassen sich aber nur begrenzt durchsetzen. Die Margen werden dünner. Besonders der Non-Food-Bereich leidet unter der zurückhaltenden Nachfrage.

Hinzu kommt ein strukturelles Überangebot an Verkaufsflächen. In schwächeren Lagen sinken die Kundenfrequenzen, während Leerstände zunehmen. Austauschbare Ladenkonzepte verlieren an Attraktivität, Innenstädte geraten dadurch zusätzlich unter Druck. Arbeits- und Fachkräftemangel erschweren das Tagesgeschäft und notwendige Veränderungsprozesse; wachsende Bürokratie bindet vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen Ressourcen.

Online-Plattformen und internationale Anbieter mit aggressiven Preisstrategien verschärfen den Wettbewerb. Gleichzeitig steigt der Investitionsbedarf in Digitalisierung, Datenkompetenz, Logistik und Omnichannel-Angebote – für viele kleinere Händler ist das finanziell schwer umzusetzen. Die Folge ist eine zunehmende Restrukturierungs- und Insolvenztätigkeit, insbesondere im Non-Food- und Modesegment.

Der Online-Handel wächst weiter, allerdings langsamer als während der Boomjahre. Erfolgreiche Händler verbinden Filialen, Online-Shops, Apps und Services wie Click & Collect. Über Instagram, YouTube oder TikTok werden Produkte entdeckt und gekauft; Social Commerce gewinnt an Bedeutung. Beim Live-Shopping kommen Unterhaltung, Beratung und Verkauf in Echtzeit zusammen, vor allem jüngere Zielgruppen fühlen sich davon angesprochen.

Filialen werden damit vom reinen Verkaufsort zu Orten für Beratung, Service und Einkaufserlebnisse. Persönliche Beratung, Events, Workshops und Live-Formate können Kunden binden und Leistungen schaffen, die reine Online-Anbieter nicht ohne Weiteres bieten. Eine klare Positionierung, ein nachvollziehbares Sortiment, Nachhaltigkeit und transparente Lieferketten können Glaubwürdigkeit und Vertrauen stärken.

Digitale Kanäle erhöhen die lokale Sichtbarkeit und Reichweite. Kooperationen, etwa bei Logistik oder Verkaufsflächen, können Kosten senken und neue Reichweiten ermöglichen. Gut geführte und motivierte Mitarbeitende tragen zur Stabilität und Außenwirkung eines Unternehmens bei; moderne digitale Prozesse sorgen für mehr Überblick, weniger Reibung und höhere Effizienz.

Der stationäre Non-Food-Handel bleibt wegen steigender Kosten, Fachkräftemangels und intensivem Wettbewerb besonders gefordert. Technologische Entwicklungen und neue Vertriebskanäle eröffnen Chancen für Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln. Strukturelle Anpassungen sollen nicht weiter aufgeschoben werden: Klare Profile, Omnichannel-Strategien, digitale Effizienz und eine aktive Rolle im lokalen Umfeld gelten als Voraussetzungen für Stabilität.

Kurzfristig bleibt die Lage angespannt, eine schnelle Entlastung wird nicht erwartet. Der Handelsverband Deutschland fordert wirtschaftspolitische Entlastungen und strukturelle Reformen. Als Quellen für die Markteinschätzung werden unter anderem Destatis, GfK, Handelsverband Deutschland, IWH Halle und Creditreform genannt.