KiK schließt Filiale im Neubrandenburger Akeleiweg am 5. Dezember 2026
Für die KiK-Filiale im Akeleiweg im Süden Neubrandenburgs ist der letzte Verkaufstag absehbar: Am 5. Dezember 2026 soll das Geschäft schließen. Plakate in der Filiale weisen bereits darauf hin, eine Unternehmenssprecherin bestätigte die Schließung.
Begründet wird der Schritt mit wirtschaftlichen Gründen und einer individuellen Bewertung des Standorts. In die Entscheidung seien verschiedene wirtschaftliche und standortspezifische Faktoren eingeflossen. KiK überprüfe laufend die Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit seiner Filialen, teilte das Unternehmen mit. Zu den internen Entscheidungsprozessen und ihrem zeitlichen Ablauf wollte KiK keine weiteren Angaben machen.
Beschäftigte sollen in anderen Filialen unterkommen
Den Beschäftigten im Akeleiweg soll grundsätzlich eine Weiterbeschäftigung in umliegenden KiK-Filialen angeboten werden. Betriebsbedingte Kündigungen plant das Unternehmen nach eigenen Angaben nicht. Möglich seien auch andere Einsatzorte; wegen des dichten Filialnetzes gebe es häufig Alternativen in der Nähe. Für manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich dadurch allerdings längere Arbeitswege ergeben.
Die Neubrandenburger Schließung steht im größeren Umbau des Filialnetzes. KiK hatte im September 2025 angekündigt, unrentable Standorte aufgeben zu wollen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Als Belastungen nannte das Unternehmen damals ein stärker umkämpftes Marktumfeld, die anhaltende Inflation, spürbare Kaufzurückhaltung und zeitweise beeinträchtigte Lieferketten.
In Deutschland sollen 2026 rund 135 Filialen schließen. Das bestätigte Finanzvorstand Christian Kümmel am 24. März 2026 der Deutschen Presse-Agentur. Rund 25 deutsche Geschäfte wurden bereits im ersten Quartal aufgegeben, weitere Schließungen folgen in mehreren Wellen. Regionale Fälle wurden unter anderem aus Schweinfurt und Rottenburg bestätigt. Eine vollständige Liste der betroffenen Standorte hat KiK bislang nicht veröffentlicht; zahlreiche Beschäftigte seien laut Berichten noch nicht informiert worden.
Zu dichtes Netz, mehr Druck von online
Der Konzern spricht von einer strategischen Bereinigung und will sein Filialportfolio stärker auf Profitabilität ausrichten. Die frühere Expansion sei zu dicht gewesen: Teilweise lagen Geschäfte weniger als einen Kilometer auseinander und konkurrierten um dieselben Kunden. Mietverträge unrentabler Standorte sollen bei Ablauf nicht verlängert werden. Bei dauerhaft unprofitablen Filialen mit laufendem Vertrag setzt KiK auf Verhandlungen oder vorzeitige Vertragsauflösungen.
Europaweit sollen bis Ende 2026 etwa 300 Standorte verschwinden, zugleich sind 75 Neueröffnungen an wirtschaftlich günstigeren Orten geplant. Netto sinkt die Zahl der Geschäfte damit um ungefähr 225 auf gut 4.000. In Deutschland schrumpft das Netz von rund 2.335 auf etwa 2.200 Filialen. Deutschland bleibt dennoch der wichtigste Markt; KiK wäre hier weiterhin Deutschlands größter Textildiscounter. Weitere Bereinigungen in den kommenden Jahren sind laut Kümmel möglich.
Das Umfeld ist rauer geworden. Neben der Inflation und der geringeren Kaufbereitschaft bei Bekleidung machen Woolworth, NKD und Action dem Unternehmen Konkurrenz, dazu asiatische Onlineanbieter wie Shein und Temu. Kundinnen und Kunden lassen Einkäufe häufiger aus, reagieren preissensibler und wechseln schneller. Trotzdem wachse die Zahl der Stammkunden, und das Geschäftsmodell funktioniere weiterhin, sagt KiK.
In der Vergangenheit schloss KiK laut Kümmel etwa 100 Filialen pro Jahr, eröffnete aber jeweils mehr neue Standorte. Am Konzept des Textildiscounters will der Konzern festhalten. Die Kernzielgruppe bleiben Frauen zwischen 30 und 60 Jahren und ihre Familien. Rund 60 Prozent des Sortiments entfallen auf Textilien, der Rest auf Non-Food-Waren wie Haushaltsartikel und Dekoration.
Was in Neubrandenburg bleibt
In Neubrandenburg bleiben zunächst die Filialen im Juri-Gagarin-Ring und im Torfsteg bestehen. Auch in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Friedland gibt es weiterhin einen KiK. Die Filiale in Altentreptow ist dagegen bereits Geschichte: Dort wurde zuletzt am 6. Februar 2026 Kleidung verkauft.
Ob in Neubrandenburg weitere Geschäfte schließen oder neue hinzukommen, dazu äußert sich KiK nicht. Konkrete Planungen würden grundsätzlich erst nach entsprechenden Entscheidungen kommuniziert. Das klingt nüchtern, lässt aber einiges offen.
Für kleinere Innenstädte, Fachmarktzentren und Nebenlagen sind solche Entscheidungen nicht nebensächlich. KiK ist dort ein wichtiger Mieter. Schließt ein Geschäft, kann die Fläche leer stehen und die Kundenfrequenz in den benachbarten Läden sinken. Für frei werdende Räume zwischen etwa 400 und 750 Quadratmetern kommen zwar Drogeriemärkte, Bäckereien oder Fitnessstudios infrage – eine Nachnutzung ist aber längst nicht überall einfach.
Der Handelsverband Deutschland erwartet für 2026 bundesweit rund 296.600 stationäre Geschäfte. Eine andere Prognose sieht die Zahl in diesem Jahr sogar unter 300.000; Ende 2015 waren es noch rund 372.000. 2025 wurden im Einzelhandel 2.571 Insolvenzen registriert, laut Allianz Trade der höchste Stand seit zehn Jahren.
Neue Läden, neues Konzept
Parallel zum Abbau will KiK die verbleibenden Filialen modernisieren. Bis 2028 soll europaweit ein neues Konzept eingeführt werden – mit übersichtlicherer Warenanordnung, modernen Shop-in-Shop-Bereichen und saisonalen Schwerpunktartikeln. Ein bisschen weniger Suchen zwischen Kleiderständern, ein bisschen mehr Ordnung: Das ist zumindest der Plan.
Seit August 2025 ist Christian Kümmel Finanzvorstand und für die strategische Neuausrichtung zuständig. Agnieszka Jaworska leitet seit November 2025 die kundennahen Bereiche einschließlich Einkauf und Sortimentsgestaltung. KiK ist nicht börsennotiert, hat laut den vorliegenden Angaben keine Liquiditätsprobleme, zahlt seine Mieten und ist nicht insolvenzgefährdet. Die Schließungen werden als strategische Entscheidung dargestellt, nicht als Folge einer akuten Insolvenz- oder Liquiditätskrise.
Gegründet wurde KiK 1994 von Stefan Heinig und der Tengelmann-Gruppe in Düsseldorf. Der Name steht für „Kunde ist König“. Seit 2020 gehört das Unternehmen vollständig zur Tengelmann-Gruppe unter der Führung von Christian Haub. KiK betreibt in 14 europäischen Ländern insgesamt mehr als 4.200 Filialen, beschäftigt rund 32.000 Menschen – davon mehr als 19.000 in Deutschland – und erzielte 2023 rund 2,4 Milliarden Euro Umsatz; für 2024 wird ebenfalls ein Umsatz von 2,4 Milliarden Euro genannt. In Deutschland arbeiten 93 Prozent der Beschäftigten im Filialbereich.
Bis zum 5. Dezember 2026 bleibt im Akeleiweg also noch Zeit für den letzten Einkauf. Danach wird es in dem Ladenlokal stiller werden – zumindest vorerst.
