Die traditionsreiche Bäckereikette Lampe aus Roßleben-Wiehe steckt in einem vorläufigen Insolvenzverfahren zur Sanierung. Im Juni 2026 stellte das Familienunternehmen den Antrag; inzwischen sind erste Entscheidungen über die Zukunft gefallen. Ein Teil der Filialen soll geschlossen werden, Arbeitsplätze werden dadurch wegfallen.

Betroffen ist unter anderem der Standort mit Café an der Göpenbrücke beziehungsweise an der Gonna in Sangerhausen. Eine Schließungsliste wurde bislang nicht veröffentlicht. Weitere Einzelheiten zu diesem Standort waren im frei zugänglichen Artikeltext nicht enthalten.

Für die 280 Beschäftigten und die Kundschaft bleibt der Betrieb zunächst weitgehend wie gewohnt. Die 44 Filialen in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie Cafés und Verkaufsstellen bleiben vorerst geöffnet. Brot, Brötchen, Kuchen und weitere Backwaren werden weiter produziert und verkauft; auch die Produktion am Hauptstandort Roßleben-Wiehe läuft. Die Rohstoffversorgung ist nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters zunächst gesichert, der Hauptlieferant BÄKO beliefert Lampe weiter.

Eigenverwaltung mit offenem Ausgang

Das Amtsgericht Mühlhausen prüft die wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Das Verfahren läuft in Eigenverwaltung: Die Geschäftsführung bleibt grundsätzlich verantwortlich, während der vom Gericht eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter die wirtschaftliche Neuordnung überwacht. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Frank Kreuznacht bestellt.

Geprüft werden Filialen, Verträge, Finanzierung und betriebliche Abläufe. Während des Insolvenzgeldzeitraums wird der Betrieb teilweise von Personalkosten entlastet. Löhne und Gehälter waren zunächst bis Ende Juli über Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Wie die Vergütung danach finanziert wird, hängt vom weiteren Verlauf und von der Stabilisierung des Unternehmens ab. Betroffen sind Verkaufspersonal, Bäcker, Konditoren, Fahrer, Reinigungskräfte, Verwaltungsmitarbeiter und Beschäftigte in der Produktion.

Die Geschäftsführung will Lampe operativ und finanziell neu aufstellen und möglichst im Herbst 2026 saniert aus dem Verfahren führen. Dafür kommen neue Finanzierungsvereinbarungen, angepasste Mietverträge, Kostensenkungen, Veränderungen im Filialnetz und eine Konzentration auf rentable Standorte infrage. Ein Investor oder strategischer Partner wäre grundsätzlich möglich; eine konkrete Investorensuche wurde bislang nicht bestätigt.

Warum die Kosten aus dem Ruder liefen

Als Ursachen nennt das Unternehmen gestiegene Personal- und Energiekosten, höhere Löhne und Sozialabgaben sowie teurere Rohstoffe, Transporte und Filialen. Dazu kommt die allgemeine Kaufzurückhaltung. In einer Bäckerei laufen Backöfen, Kühlung, Beleuchtung und Warmwasser, dazu kommen Produktion und Logistik. Der Energiehunger ist also nicht bloß ein kleiner Posten am Rand.

Bundesweit stieg der Energiekostenanteil laut der ausgewerteten Branchenangaben von rund drei Prozent des Umsatzes vor 2020 auf teilweise mehr als 15 Prozent nach der Energiepreiskrise 2022. Einige Betriebe berichteten von bis zu siebenmal höheren Gasrechnungen. Rund 55 Prozent der Energiekosten entstehen in der Produktion, vor allem durch Backöfen und Kälteanlagen; 35 Prozent entfallen auf den Vertrieb und zehn Prozent auf die Verwaltung. Die Betriebsergebnisse niedersächsischer Bäckereien sanken 2022 im Schnitt um rund 27 Prozent, obwohl die Umsätze stiegen.

Auch Weizenmehl verteuerte sich 2022 für Betriebe um bis zu 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2026 hat sich der Rohstoffdruck etwas gelegt: Getreide war im Juni 2026 um 7,7 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor, pflanzliche Agrarerzeugnisse um 6,5 Prozent. Entspannung sieht trotzdem anders aus. In personalintensiven Betrieben machen Lohnkosten mehr als 50 Prozent des Umsatzes aus. Der gesetzliche Mindestlohn stieg im Januar 2026 auf 13,90 Euro und soll 2027 auf 14,60 Euro steigen. 86 Prozent der Beschäftigten berichteten von dauerhaftem Zeitdruck und Personalmangel.

Preiserhöhungen können die höheren Ausgaben nur begrenzt auffangen, weil Kunden auf günstigere Angebote ausweichen könnten. Lampe konkurriert mit Discountern, Supermärkten, Tankstellen, Backshops und gastronomischen Ketten. Discounter hielten rund 47,5 Prozent des Brotmarkts im Einzelhandel; der Markt für Brot und Aufbackwaren dort wurde mit rund 3,7 Milliarden Euro angegeben. Selbstbedienungsstationen und Backautomaten erhöhen den Druck zusätzlich.

Welche Filialen bleiben?

Die 44 Verkaufsstellen sind unterschiedlich ausgelastet. Einige erzielen möglicherweise hohe Umsätze, andere decken ihre laufenden Kosten kaum. Im Sanierungsverfahren dürfte jede Filiale einzeln nach Umsatz, Kosten, Lage, Kundenfrequenz, Mietvertrag und Entwicklungsmöglichkeiten betrachtet werden. Zusammenlegungen, Verkleinerungen oder die Aufgabe einzelner Standorte sind im weiteren Verlauf nicht ausgeschlossen.

Der Schwerpunkt des Netzes liegt in Sachsen-Anhalt und Sachsen, in Halle gibt es mehrere Standorte. Das große Filialnetz erleichtert zentrale Organisation von Produktion, Einkauf, Werbung und Verwaltung, bringt aber hohe Logistik- und Personalkosten mit sich. Eine Schließung kann in kleineren Städten und Gemeinden zudem Nahversorgung und soziale Treffpunkte treffen. Beschäftigte, Kommunen und Nachbarschaften in drei Bundesländern wären betroffen.

Die Geschichte des Unternehmens reicht bis 1879 zurück. Damals gründete Albert Hermann Lampe in Obhausen bei Querfurt eine Bäckerei. Nach eigenen Angaben befindet sich der Betrieb heute in sechster Generation in Familienhand; Haupt- und Produktionsstandort ist Roßleben-Wiehe.

2016 übernahm Lampe nach Medienberichten 31 Filialen der insolventen Kette „Der Stadtbäcker“ in Sachsen-Anhalt. Das Netz wuchs dadurch deutlich. Ob diese Expansion direkt zur heutigen Krise beigetragen hat, bestätigte das Unternehmen nicht. Nun soll geprüft werden, ob die derzeitige Größe langfristig tragfähig ist. Wenige Wochen vor Bekanntgabe des Sanierungsverfahrens wurde laut Medienberichten sogar noch eine weitere Filiale eröffnet. Angaben zu dieser Filiale, ihrer Finanzierung und dazu, wann die finanzielle Schieflage bekannt war, wurden bislang nicht veröffentlicht.

Geschäftsführer André Lampe erklärte, das Land Thüringen und regionale Finanzierungspartner hätten das Unternehmen während der Corona-Pandemie und der Energiekrise unterstützt. Welche Förderungen, Kredite oder Bürgschaften gewährt wurden, ist aus den veröffentlichten Angaben nicht ersichtlich. Hinweise auf verletzte Förderbedingungen oder konkrete Verluste öffentlicher Gelder liegen bislang nicht vor.

Kunden und Beschäftigte schauen genau hin

Stabile Umsätze durch die Kundschaft sind für die Fortführung wichtig. Für gewöhnliche Einkäufe von Brot und Brötchen bestehen nach den Angaben kaum besondere Risiken. Bei größeren Vorauszahlungen, Gutscheinen oder langfristigen Bestellungen sollten Kunden die Einlösbarkeit direkt in der Filiale klären. Der Duft aus dem Ofen allein bezahlt schließlich weder Mieten noch Lieferanten.

Entscheidend wird, ob Lampe nach dem Insolvenzgeldzeitraum wieder genügend Einnahmen für Löhne, Energie, Rohstoffe, Mieten, Fahrzeuge und Lieferanten erzielt. Geöffnete Filialen und ein laufender Betrieb bedeuten noch keinen erfolgreichen Abschluss der Sanierung. Bei anhaltender Unterdeckung könnten später weitere Filialschließungen oder ein Verkauf erforderlich werden. Die Geschäftsführung und der Insolvenzverwalter sollen die Beschäftigten regelmäßig informieren. Ein Abwandern von Fachkräften könnte die Fortführung erschweren, weil Bäcker und Verkäufer vielerorts gesucht werden.

Der Blick auf die Branche macht die Lage nicht leichter. Ende 2025 gab es in Deutschland 8.659 Meisterbäckereien, 2,8 Prozent weniger als 2024 und deutlich weniger als 12.611 im Jahr 2014. In den 1990er-Jahren waren es noch mehr als 55.000 Betriebe. Auf die verbleibenden Unternehmen entfielen rund 35.000 Filialen beziehungsweise 43.500 Verkaufsstellen.

Auch die Beschäftigtenzahl schrumpfte: Ende 2025 lag sie im Bäckerhandwerk bei rund 232.000, 1,4 Prozent unter dem Vorjahr und nach 277.200 im Jahr 2014. 2025 gab es 11.389 Auszubildende, davon 4.593 im Bäckerberuf und 6.668 im Fachverkauf; 2014 waren es insgesamt 20.540. Immerhin machten sich 2025 448 Bäckermeisterinnen und Bäckermeister selbstständig, nach 405 im Jahr 2024.

Der Branchenumsatz stieg 2025 um 1,3 Prozent auf 18,14 Milliarden Euro. Das klingt zunächst ordentlich, steht aber neben sinkendem Verbrauch und starkem Kostendruck. Von 2019 bis 2023 verteuerten sich Brot und Brötchen um 34,4 Prozent, während die allgemeine Inflation im selben Zeitraum bei 17,3 Prozent lag. Haushalte kauften 2024 rund zehn Prozent weniger Brot als 2019, durchschnittlich 4,3 Kilogramm weniger pro Haushalt. Für 2025 wurde ein Pro-Kopf-Verbrauch von 106,19 Kilogramm Brot- und Getreideprodukten genannt, darunter 61,13 Kilogramm reines Brot. Für 2026 wurde lediglich ein Absatzplus von 0,9 Prozent erwartet; zwischen April 2025 und März 2026 kauften Haushalte rund 2,5 Kilogramm weniger Brot als im entsprechenden Vergleichszeitraum vier Jahre zuvor.

Die Insolvenzlage verschärfte sich ebenfalls. 2023 wurden in der Backwarenherstellung 86 Insolvenzverfahren eröffnet, sieben weitere Verfahren mangels Masse abgewiesen. Die Unternehmensinsolvenzen in der Backwarenherstellung stiegen 2024 um 16,8 Prozent. Bundesweit gab es 2024 rund 22.400 Unternehmensinsolvenzen, 24,3 Prozent mehr als im Vorjahr. 2025 wurden 24.064 registriert, 10,3 Prozent mehr als 2024 und der höchste Stand seit 2014. Von Januar bis Mai 2026 wurden 10.546 Unternehmensinsolvenzen beantragt, 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum; im ersten Quartal waren es 6.275 Fälle, ein Anstieg von 6,5 Prozent.

Die InsolvenzTracker-Daten zählten bis zum 4. September 2026 insgesamt 21 eröffnete Bäckerei-Insolvenzen. Erfasst wurden eröffnete Firmeninsolvenzen von Bäckereien, Konditoreien und Backwarenbetrieben in Kapitalgesellschaftsform, Einzelunternehmen blieben außen vor. Für Kapitalgesellschaften wurden 2020 elf, 2021 sieben, 2022 15, 2023 24, 2024 25 und 2025 ebenfalls 25 Verfahren gezählt – zusammen 128 in den Jahren 2020 bis 2025. In den zwölf Monaten bis Anfang September 2026 waren es 34 Fälle. Zahlreiche Betriebsaufgaben von Einzelunternehmen ohne förmliches Insolvenzverfahren fehlen in dieser Statistik. 2022 verschwand laut dem ausgewerteten Artikel nahezu jeder 30. Bäckereibetrieb vom Markt.

Die Beispiele aus der Branche sind konkret: Lila Bäcker startete die Insolvenz mit 232 Standorten und rund 1.600 Beschäftigten; zum 1. Februar 2025 schlossen die letzten 160 Filialen und die Produktion in Pasewalk, rund 900 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Rackls Backstubn beantragte im Dezember 2025 Insolvenz, betrieb 35 Filialen mit rund 470 Beschäftigten; das Verfahren wurde am 1. Dezember 2025 in Eigenverwaltung eröffnet. Hansen Mürwik, gegründet 1924, beantragte am 20. November 2025 Insolvenz, betroffen waren elf Standorte und 145 Beschäftigte. Bei Bäckerei Kayser wurden nach der zweiten Insolvenz innerhalb von zwei Jahren im März 2026 alle 14 Filialen geschlossen, 120 Arbeitsplätze fielen weg. Auch Sternenbäck wurde als Teil der Insolvenzfälle genannt. Bei Lila Bäcker scheiterte eine Rettung laut Artikel an nicht ausreichend belegter Investorenfinanzierung; Banken stellten danach keine weiteren Mittel bereit.

Lampe reiht sich damit in eine Entwicklung ein, die längst nicht mehr nur einzelne Backstuben betrifft. Ob der Standort an der Göpenbrücke beziehungsweise an der Gonna in Sangerhausen bleibt, wie viele Filialen tatsächlich aufgegeben werden und was aus den 280 Arbeitsplätzen wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Bis dahin gehen in den Cafés die Türen erst einmal auf, die Öfen laufen – und irgendwo knirscht wahrscheinlich schon wieder ein frisches Brötchen unter dem Messer.