Mäc Geiz schließt Filialen: Bayern betroffen, zentrale Liste fehlt
Bei Mäc Geiz gehen nach der Insolvenz zahlreiche Filialen zu. Betroffen ist auch Bayern. Die Mäc Geiz Handelsgesellschaft mbH hatte im Mai 2026 beim Amtsgericht Halle (Saale) Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt; am 1. August wurde das Verfahren eröffnet. Zunächst sollte der Geschäftsbetrieb weiterlaufen. Später war von rund 50 geplanten Schließungen bei etwa 180 Standorten die Rede.
Eine offizielle Liste der betroffenen Filialen gibt es bis heute nicht. Medienberichte nennen dennoch eine Reihe von Standorten und Terminen. Mäc Geiz sitzt in Landsberg in Sachsen-Anhalt, die Filialen liegen überwiegend in Ostdeutschland. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben knapp 1.200 Menschen.
Diese Filialen sind geschlossen oder sollen schließen
In Bayern sind Bad Neustadt an der Saale und Münchberg geschlossen. In Bad Neustadt endete der Betrieb laut Main-Post am 26. August, die Filiale in Münchberg wurde laut Frankenpost ebenfalls geschlossen.
Berlin ist mehrfach betroffen: Das Forum Kienberg ist laut marzahn-hellersdorf.com bereits seit Juni geschlossen. Im Marktplatz-Center Hellersdorf wurde offenbar der 17. Oktober als Schließungsdatum genannt. Die Filiale im Märkischen Zentrum soll laut Viertelreporter am 21. November schließen.
Auch in Brandenburg stehen mehrere Standorte auf der bestätigten Liste. Bernau ist geschlossen, ebenso die Filiale im Cottbuser Blechen-Carré. Beide Standorte wurden bereits Anfang 2026 geschlossen, noch bevor die Insolvenz bekannt wurde. In Hennigsdorf ist die Schließung zum 14. November angekündigt.
Weitere bereits geschlossene oder zur Schließung angekündigte Filialen:
- Mecklenburg-Vorpommern: Ribnitz-Damgarten – bereits Anfang 2026 geschlossen
- Niedersachsen: Peine – geschlossen; Salzgitter – geschlossen, in Salzgitter-Lebenstedt im Juni
- Sachsen: Riesa – geschlossen; Wurzen – geschlossen; Weißwasser – Schließung angekündigt, ohne einheitlich genanntes Datum
- Sachsen-Anhalt: Köthen – geschlossen; Magdeburg, Halberstädter Straße – geschlossen; Salzwedel – laut Altmark-Zeitung seit dem 8. Oktober geschlossen; Wolmirstedt – geschlossen
- Thüringen: Altenburg – geschlossen
In Weißwasser läuft laut Bericht bereits ein Räumungsverkauf. Ob an allen betroffenen, noch geöffneten Standorten ebenfalls Räumungsverkäufe stattfinden, ist nicht bestätigt. Die Redaktion hat für weitere Informationen einen Unternehmenssprecher angefragt.
Weitere Namen, aber ohne unabhängige Bestätigung
Das Portal monsterdealz.de nennt nach einem Abgleich der Filialsuche mögliche Schließungen in Frankfurt (Oder), Neuenkirchen, Wittenburg, Bad Salzungen, Eisenach, Hamburg und Geesthacht. Diese Orte wurden nicht in die bestätigte Liste aufgenommen, weil eine unabhängige Bestätigung fehlt. Genau das macht die Lage für Kundschaft und Beschäftigte so unübersichtlich: Die Türen sind teils schon zu, eine zentrale Übersicht gibt es aber weiterhin nicht.
Die Mäc Geiz Handelsgesellschaft ist nicht allein betroffen. Ebenfalls im Insolvenzverfahren steht die Verwaltungsgesellschaft MTH Retail Services (Germany) GmbH. Rechtsanwalt Lucas Flöther wurde zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Der Betrieb in den gut 180 Filialen sollte zunächst weiterlaufen; alle Standorte werden auf ihre wirtschaftliche Situation und Profitabilität geprüft. Nach Unternehmensangaben ist wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage eine grundlegende Neuausrichtung nötig – Filialschließungen gehören offenbar dazu.
Die Beschäftigten erhalten für drei Monate Insolvenzgeld. Zuvor hatte die „Wirtschaftswoche“ über die Insolvenz berichtet. Mäc Geiz wurde im Februar 2026 von Kodi übernommen. Verkauft werden unter anderem Haushaltswaren, Drogerieartikel und Schreibwaren. Im direkten Wettbewerbsumfeld stehen Action, Tedi und Woolworth; auch Kik bereinigt derzeit sein Filialnetz.
Einzelhandel unter Druck
Der Fall passt in ein schwieriges Bild für den deutschen Handel. 2025 meldeten rund 2.440 Einzelhandelsbetriebe Insolvenz an – etwa 9 Prozent mehr als 2024. Schon 2024 waren die Handelsinsolvenzen um fast 20 Prozent gestiegen. Bundesweit wurden 2025 insgesamt 24.064 Unternehmensinsolvenzen registriert, 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit 2014.
Nach Zahlen von Creditreform stiegen die Insolvenzen im Handel um 10,4 Prozent; insgesamt wurden rund 23.900 Firmeninsolvenzen erfasst. Die Gläubigerforderungen aus den 2025 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen beliefen sich auf rund 47,9 Milliarden Euro. Schätzungsweise 285.000 Beschäftigte waren betroffen, etwa 13 Prozent davon im Handel. Der IWH-Insolvenztrend erfasste 2025 rund 17.604 insolvente Personen- und Kapitalgesellschaften – der höchste Wert seit 2005.
Zu den Bereichen mit den meisten Insolvenzanträgen gehörten Handel, Baugewerbe sowie freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen. Im Bekleidungs- und Textileinzelhandel erreichten die Insolvenzen 2025 ein Zehnjahreshoch. Besonders stark betroffen waren laut Creditreform und Handelsblatt Research Institute der Buchhandel, das Bäckerei- und Konditoreigewerbe sowie der Textileinzelhandel. Zwei größere Handelsinsolvenzen betrafen im April 2025 zusammen rund 6.000 Arbeitsplätze. Die Großinsolvenz der Schlau-Gruppe mit den Hammer-Fachmärkten trug im September 2025 wesentlich zur Zahl der betroffenen Beschäftigten bei.
Das Geschäftsklima im Einzelhandel blieb Ende 2025 auf niedrigem Niveau. Der Handelsverband Deutschland erwartete für 2025 rund 4.500 Ladenschließungen; 2024 hatten etwa 5.000 Geschäfte geschlossen. Seit 2015 sank die Zahl der Geschäfte von etwa 370.000 auf rund 300.000 – damit verschwand innerhalb eines Jahrzehnts fast jedes fünfte Ladengeschäft.
Seit 2010 ging die Zahl der Einzelhandelsbetriebe um rund 16 Prozent auf 316.310 zurück. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der Händler mit mehr als 25 Millionen Euro Umsatz. Bei Betrieben mit weniger als 250.000 Euro Jahresumsatz sank der Bestand von 236.143 im Jahr 2010 auf 170.770 im Jahr 2025, ein Rückgang um 28 Prozent. Im Einzelhandel arbeiten mehr als 3,15 Millionen Menschen, rund 62 Prozent davon in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt.
Die Beispiele aus der Branche lesen sich entsprechend nüchtern: Esprit schloss nach dem Insolvenzverfahren alle 56 deutschen Filialen, rund 1.300 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Galeria Karstadt Kaufhof reduzierte sein Filialnetz nach drei Insolvenzen von mehr als 170 auf weniger als 90 Häuser; zuletzt fielen neben rund 4.000 Stellen weitere etwa 300 Arbeitsplätze in der Zentrale weg. Gerry Weber schloss im Sanierungsverfahren 2023 insgesamt 122 Filialen und entließ rund 425 Beschäftigte.
Der Onlineanteil im Bekleidungshandel stieg von 21,4 Prozent im Jahr 2019 auf 28,3 Prozent. Der deutsche E-Commerce erzielte 2024 rund 80,6 Milliarden Euro Umsatz, nach 79,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Zwar legte der preisbereinigte Einzelhandelsumsatz 2025 um 2,7 Prozent zu, im zweiten Halbjahr verlangsamte sich das Wachstum jedoch auf 1,7 Prozent. Im Lebensmittelhandel nahm der Umsatz real um 1,1 Prozent und nominal um 3,4 Prozent zu.
Rund 19.500 der 2025 von Creditreform erfassten Insolvenzen betrafen Unternehmen mit höchstens zehn Beschäftigten – mehr als 81 Prozent aller Fälle. Als Belastungsfaktoren werden Onlinekonkurrenz, steigende Mieten sowie höhere Einkaufs-, Energie- und Personalkosten genannt. Bei Mäc Geiz sind in den kommenden Wochen deshalb nicht nur leere Regale möglich, sondern auch weitere Filialentscheidungen, die bislang niemand offiziell auf einer vollständigen Liste nachlesen kann.
