Douglas schließt zwölf Filialen wegen angekündigter Gen-Z-Proteste
Douglas schließt am Samstag, dem 31. Oktober 2026, vorsorglich zwölf Filialen in Deutschland. Anlass sind angekündigte Jugendproteste der Bewegung „Gen Z regelt“ beziehungsweise „Gen Z steht auf“, die in zahlreichen Städten geplant sind. Das Unternehmen beruft sich auf eine Risikobewertung und begründet die Entscheidung mit der Sicherheit der Mitarbeitenden sowie der Kundinnen und Kunden.
Welche Geschäfte betroffen sind, teilt Douglas nicht mit. Die zwölf Standorte gelten als „besonders exponierte Stores“. Zusätzlich wurden an weiteren betroffenen Standorten Sicherheitsvorkehrungen getroffen; Einzelheiten nennt die Parfümeriekette aus Sicherheitsgründen nicht. Die Beschäftigten sollen in einem sicheren Arbeitsumfeld arbeiten können. Douglas hofft zugleich auf einen friedlichen Verlauf der Demonstrationen.
Zwölf von 347 Filialen bleiben zu
Ende Juni betrieb Douglas in Deutschland 347 Filialen. Der Großteil bleibt am Samstag regulär geöffnet. In mehreren Bundesländern ist der Reformationstag kein Feiertag, die Geschäfte bleiben dort offen.
Die Proteste sind für rund 30 deutsche Städte angekündigt. Auf der Aktionshomepage haben mehr als 5000 Menschen ihre Teilnahme an einer Veranstaltung in Düsseldorf angekündigt – die Anmeldung ist allerdings unverbindlich. Nach Polizeiangaben ist in Düsseldorf offiziell nur eine Demonstration gegen Sozialkürzungen mit 500 erwarteten Teilnehmern angemeldet, organisiert von einer Privatperson. Die Polizei beobachtet außerdem Aufrufe und mögliche Provokationen in sozialen Netzwerken.
In Berlin, Hamburg und Frankfurt wächst vor dem Wochenende die Sorge vor Gewaltexzessen und Plünderungen. Händler reagieren bereits. Auf der Düsseldorfer Königsallee schützen erste Geschäfte ihre Fassaden mit Baugerüsten und Sperrholzplatten. Die Interessengemeinschaft Königsallee berichtet, dass Schaufenster und teilweise auch Innenräume geräumt werden sollen, um Plünderungen vorzubeugen. Einige Juweliere und Bekleidungsgeschäfte wollen am Samstag ganztägig schließen, andere Schaufenster und Fassaden verschalen. Der Modehändler Apropos verkürzt vorsorglich die Öffnungszeiten seiner Geschäfte in Berlin, Düsseldorf und Köln.
Eine junge Bewegung mit vielen Forderungen
„Gen Z regelt“ organisiert sich vor allem über TikTok und Instagram, außerdem über Telegram und weitere soziale Netzwerke. Die Mobilisierung läuft bundesweit und lokal. Die Bewegung orientiert sich unter anderem an Jugendprotesten in Frankreich und erklärt sich solidarisch mit den dortigen Schülerprotesten.
Zu den Initiatoren gehört der 18-jährige Abiturient Akram Selo. Nach Angaben der Organisatoren besteht das Team aus etwa 20 bis 30 Menschen zwischen 18 und 28 Jahren; kennengelernt haben sich die Mitglieder über soziale Medien. Die Forderungen reichen von mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie über bezahlbaren Wohnraum und Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten bis zu mehr Klimaschutz, höheren Investitionen in Gesundheit und Soziales sowie einer gerechten Verteilung der Lasten. Die Bewegung verlangt außerdem Beteiligung junger Menschen an Entscheidungen über ihre Zukunft, den Schutz der Grundrechte und keine weitere Ausweitung der Überwachung. Eine Wehrpflicht lehnt sie ab.
Die Initiative erklärt auf ihrer Website, der Protest sei ausnahmslos friedlich. Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspreche den Zielen der Bewegung. Gleichzeitig erschienen auf einem Instagram-Konto namens „genzregelt“ mit mehr als 9.000 Followern Beiträge, die eine mögliche Enteignung eines Gucci-Geschäfts gegenüber anderen internationalen Konflikten relativierten und vor einer Trennung in friedliche und gewaltbereite Demonstrierende warnten.
Der Verfassungsschutz warnt vor einer möglichen Einflussnahme extremistischer Gruppen. Mehrere Unterstützer zogen sich wegen undurchsichtiger Organisationsstrukturen zurück. Auch innerhalb der Bewegung gibt es Unruhe: Der Bundessprecher von „Gen Z regelt“ trat laut „Süddeutscher Zeitung“ zurück. Er erklärte, wegen der vielen beteiligten Akteure sei ein gemeinsamer friedlicher Rahmen nicht mehr ausreichend abgesichert.
Unklare Zuständigkeiten, eigene Schülerdemo
Wer genau hinter den Aufrufen steht, ist laut den vorliegenden Recherchen nicht eindeutig erkennbar. Das Impressum der Website wurde innerhalb einer Woche zweimal geändert, zuletzt war dort eine Schweizer Adresse angegeben. Die Bundesschülerkonferenz distanzierte sich wegen der aus ihrer Sicht unklaren Organisationsstruktur von den geplanten Protesten und plant eine eigene Demonstration. Als Grund nannte sie auch die Sorge vor Krawallen. Für den 20. November ist in Berlin eine eigene Demonstration mit Lehrkräften und Mitgliedern anderer Jugendbewegungen geplant.
Protestforscher Jannis Julien Grimm von der Freien Universität Berlin bezeichnet eine lose Organisationsstruktur als typisch für frühe Phasen von Protestbewegungen. Feste Zuständigkeiten, Sprecherrollen und Programme entstünden häufig erst später – als Beispiel nennt er „Fridays for Future“.
Hinter den Protesten in Europa stehen laut Grimm politische Ohnmacht und Unsicherheit junger Menschen. In Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Albanien ging es um Lebenshaltungskosten, Bildung und Korruption. Teilweise kam es dort zu Plünderungen, brennenden Barrikaden und Angriffen auf Sicherheitskräfte. Als Ursachen nennt Grimm soziale Ungleichheit, steigende Lebenshaltungskosten, chronisch unterfinanzierte Bildungssysteme, die Klimakrise sowie Militarisierung, Wehrpflicht- und Aufrüstungsdebatten. In alternden Gesellschaften entstehe dadurch ein Generationenkonflikt: Junge Menschen seien von langfristigen Folgen besonders betroffen, hätten aber vergleichsweise wenig politisches Gewicht.
Zwischen Vorsicht und Warnungen
Die deutschen Sicherheitsbehörden bereiten sich auf die Demonstrationen vor. Beobachter halten mögliche Gewalt teilweise für denkbar, andere warnen davor, junge Demonstrierende vorab zu kriminalisieren. Grünen-Chef Felix Banaszak forderte, die Teilnehmer nicht unter Generalverdacht zu stellen.
Das Bundesinnenministerium sieht keine konkreten Gewaltaufrufe. Teile der linksextremistischen Szene und einzelne Gruppierungen aus dem Ausland hätten die Aufrufe jedoch aufgegriffen und sich an der Mobilisierung beteiligt. Der CDU-Politiker Marc Henrichmann warnte vor einer möglichen Unterwanderung durch international vernetzte linksextremistische Gruppen. CDU-Innenexperte Alexander Throm befürchtet, Linksextremisten und Kriminelle mit Migrationshintergrund könnten die Demonstrationen „kapern“.
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel beobachtet Aufrufe, an die Proteste in Frankreich anzuknüpfen. Diese fänden derzeit allerdings keinen größeren Zuspruch. Konkrete Hinweise auf geplante Plünderungen gebe es bislang nicht. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann verwies dennoch auf Aufrufe aus der linksradikalen Szene und sprach von einem gezielten Versuch, französische Verhältnisse nach Deutschland zu übertragen. Den Termin an Halloween bewertete er als problematisch, weil Maskierungen in der Vergangenheit bei Körperverletzungen und Sachbeschädigungen genutzt worden seien.
Handels- und Immobilienverbände warnten Innenminister Alexander Dobrindt in einem Schreiben vor Folgen für Innenstädte und Einzelhandel. Sie rechnen mit möglichen Betriebsstörungen durch Blockaden und Versammlungen. Sachbeschädigungen, Vandalismus und Plünderungen von Geschäften und Einkaufszentren könnten ihrer Einschätzung nach nicht ausgeschlossen werden. Die Verbände fordern eine starke Polizeipräsenz.
Grimm hält Ausschreitungen in einem Ausmaß wie in Frankreich in Deutschland für unwahrscheinlich. Er verweist auf ein härteres Vorgehen der französischen Polizei und eine geringere gesellschaftliche Akzeptanz konfrontativer Protestformen in Deutschland. Zugleich besteht die Sorge, dass Personen, die Randale und spektakuläre Bilder suchen, sich unter die demonstrierenden Schülerinnen und Schüler mischen könnten.
Was „Gen Z“ eigentlich meint
„Gen Z“ ist keine einheitlich definierte Altersgruppe. Das Pew Research Center fasst darunter Menschen zusammen, die nach 1996 geboren wurden. Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt die Jahrgänge 1995 bis 2010. Gemeinsam ist ihnen vor allem, dass sie mit digitalen Medien aufgewachsen sind und keine bewusste Erinnerung an eine Welt ohne Smartphones haben – das Handy war schon da, bevor viele von ihnen lesen konnten.
Für Douglas bleibt es derweil bei der vorsorglichen Entscheidung: Zwölf besonders exponierte Filialen bleiben am Samstag geschlossen, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen laufen an weiteren Standorten. Welche Türen genau verriegelt bleiben, soll aus Sicherheitsgründen offenbleiben.
