Groß Siegharts baut die Sparkassenfiliale der Zukunft
Am Donnerstag, 29. Oktober 2026, ist am Dr.-Rudolf-Kraus-Platz in Groß Siegharts der Spatenstich für eine neue Filiale der Waldviertler Sparkasse erfolgt. Nach umfangreichen Planungs- und Vorbereitungsarbeiten beginnen damit nun die Bauarbeiten im Ortszentrum.
Das bestehende Sparkassengebäude gilt als wirtschaftlich nicht mehr sanierbar. Die Waldviertler Sparkasse Bank AG investiert rund sechs Millionen Euro in Abriss und Neubau. Fertig sein soll das neue Gebäude im zweiten Quartal 2028.
Bank, Wohnen und Nahversorgung unter einem Dach
Geplant ist ein Haus, das Wohnen, Arbeiten, Beratung und Nahversorgung miteinander verbindet. Vorgesehen sind die neue Sparkassen-Filiale, zwei Büroflächen, zwei Wohnungen und eine zusätzliche Geschäftsfläche. Nach den Angaben aus der Planung sollen außerdem Geschäftslokale und eine Ordination Platz finden.
Zum Projekt gehören zeitgemäße Architektur, hohe Energieeffizienz und umfassende Barrierefreiheit. Die Filiale wird nach einem neuen Konzept gestaltet, das bereits in Pöggstall umgesetzt wurde. Eine offene Raumgestaltung, moderne Beratungszonen und eine Atmosphäre, die auf persönliche Finanzberatung ausgerichtet ist, sollen den künftigen Standort prägen.
„Viele alltägliche Bankgeschäfte werden heute digital erledigt“, sagt Sparkassen-Vorstandsdirektor Peter Hochleitner. Persönliche Beratung bleibe aber gerade bei wichtigen finanziellen Entscheidungen relevant. Interessierte können sich weiterhin bei der Waldviertler Sparkasse nach verfügbaren Flächen erkundigen.
Erstes Projekt eines mehrjährigen Erneuerungsprogramms
Die Filiale Groß-Siegharts ist das erste Projekt eines mehrjährigen Erneuerungsprogramms der Waldviertler Sparkasse Bank AG. Der Neubau war bei der 150-Jahr-Jubiläumsfeier der Bank im April vor zwei Jahren angekündigt worden.
Beim Spatenstich waren unter anderem Vertreter der Waldviertler Sparkasse, der Hasenöhrl Hochbau und Sanierungs GmbH, das Planungsteam sowie Bürgermeister Ulrich Achleitner und Vizebürgermeister Michael Litschauer dabei. Für die Region ist der Bau nicht bloß ein Austausch von Mauern und Leitungen: Mit Bank, Wohnungen, Büros, Geschäftslokalen und Ordination soll am Dr.-Rudolf-Kraus-Platz ein gemischter Standort entstehen.
Filialen verändern sich – verschwinden aber nicht
Der Blick über Groß Siegharts hinaus zeigt, warum neue Filialkonzepte nötig sind. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband vertritt bundesweit 348 Institute mit mehr als 10.700 Geschäftsstellen und über 190.000 Mitarbeitenden. Die Sparkassen verfügen weiterhin über das dichteste Filialnetz Deutschlands und wollen auch künftig in Städten und ländlichen Regionen präsent sein.
Gleichzeitig erledigen Kundinnen und Kunden alltägliche Bankgeschäfte zunehmend online oder mobil. Mehr als 30 Millionen Menschen haben einen Online-Banking-Vertrag, über 17 Millionen nutzen regelmäßig die Sparkassen-App. Wer in eine Filiale kommt, braucht daher oft etwas anderes als früher: Unterstützung bei digitalen Angeboten oder Zeit für eine komplizierte Entscheidung.
Wichtig bleibt der persönliche Kontakt laut DSGV etwa bei Wertpapieranlagen, Altersvorsorge und Baufinanzierungen. Auch der Abschluss großer Finanzierungen wie Hypotheken, Kreditanträge, Ein- und Auszahlungen größerer Bargeldbeträge, diskrete oder informative Finanzberatung sowie Beratung bei größeren Anlagebeträgen gehören zu den Leistungen, die in Filialen ihren festen Platz behalten sollen. Für Wertsachen bleiben sichere Schließfächer relevant.
Die Sparkassen setzen deshalb auf eine Multi-Kanal-Strategie, in der digitale Services und persönliche Beratung zusammenspielen. Moderne Beratungs-Center verbinden physische und digitale Angebote; Videoberatung kann auch an weniger stark frequentierten Standorten Spezialberatung ermöglichen, etwa zu Baufinanzierungen oder Wertpapieranlagen. Dazu kommen interaktive Beratungstools und digitale Self-Service-Angebote.
Manche Standorte sollen außerdem Raum für Begegnungen und Veranstaltungen bieten, als Treffpunkte für die Nachbarschaft dienen und die lokale Vernetzung stärken. Die Hamburger Sparkasse gestaltet Filialen gezielt als Treffpunkte im jeweiligen Viertel. Die Stadtsparkasse Düsseldorf wiederum spricht mit dem „Smoney“-Konzept junge Kunden an und verbindet digitale und physische Elemente mit einer modernen, lockeren Atmosphäre.
Was davon in einer Filiale sinnvoll ist, hängt von den regionalen Gegebenheiten und vom Kundenbedarf ab. Möglich sind Coworking-Bereiche, Veranstaltungsräume, Nachbarschaftstreffpunkte und Videoberatung innerhalb der Filiale. Die Konzepte sollen Kunden aller Altersgruppen ansprechen und die Kundenbindung stärken.
Auch künstliche Intelligenz soll künftig Mitarbeitende unterstützen – etwa bei der Ermittlung des individuellen Finanzbedarfs und bei der Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen. Schließfächer und Bargeldservices bleiben bestehen, könnten aber durch neue Technologien und zusätzliche Sicherungsmaßnahmen weiterentwickelt werden. In Groß Siegharts wird sich zeigen, wie viel von dieser neuen Filialwelt am Ende in den Alltag am Dr.-Rudolf-Kraus-Platz einzieht.
