In Marburg wird es Ende 2026 eine KiK-Filiale weniger geben: Der Textildiscounter schließt seinen Standort in der Temmlerstraße 13. Die Filiale liegt nahe dem Herkules-Markt an der Südspange. Für Kundinnen und Kunden ist das vermutlich zunächst vor allem eine praktische Änderung – die nächste KiK-Filiale befindet sich am Gerhard-Jahn-Platz neben dem Cineplex-Kino.

Die acht weiteren KiK-Filialen im Landkreis Marburg-Biedenkopf bleiben nach aktuellem Stand geöffnet. Zwei davon liegen ebenfalls in Marburg, zwei in Stadtallendorf; jeweils eine gibt es in Neustadt, Biedenkopf, Breidenbach und Bad Endbach. Für diese Standorte gebe es derzeit keine Schließungspläne.

Marburg steht auf einer längeren Liste

KiK hatte im März angekündigt, europaweit mehrere hundert Filialen schließen zu wollen. Für Deutschland ist 2026 von deutlich mehr als 100 Standorten die Rede, bislang wurden 135 bis 150 Filialen genannt. Eine vollständige offizielle Liste veröffentlicht das Unternehmen nicht. Die bekannten Angaben stammen deshalb vor allem aus Lokalmedien und aus Anfragen.

Die Marburger Filiale in der Temmlerstraße ist nun neu hinzugekommen. Ende 2026 soll dort Schluss sein. Bereits bestätigt wurden unter anderem Dorsten in Nordrhein-Westfalen mit einer Schließung am 11. November 2026, Emden zum 17. Juni, Koblenz in der Schloßstraße zum 29. August und Hannover in der Bodestraße zum 9. September 2026. Für Mittelangeln-Satrup in Schleswig-Holstein und München-Moosach in Bayern seien dagegen entgegen kursierenden Gerüchten keine Schließungen geplant.

Auf der bekannten, aber ausdrücklich unvollständigen Liste stehen 81 Filialen. In Baden-Württemberg betrifft es Bopfingen, Mengen, Östringen, Pfullendorf, Rottenburg, eine Filiale in Stuttgart und Wutöschingen. In Bayern werden Bad Windsheim, Burgthann, Freyung, Gunzenhausen, München-Aubing, München-Feldmoching, München-Neuperlach, Peißenberg, Schongau, Schweinfurt, Uffenheim und Wunsiedel genannt.

Für Berlin sind zwei Filialen aufgeführt. In Brandenburg geht es um Bad Liebenwerda, Brandenburg an der Havel, Doberlug-Kirchhain, Fehrbellin, Forst, Fürstenberg, Lübbenau, Potsdam-Babelsberg und Vetschau. Hamburg ist mit Bramfeld und Steilshoop vertreten. In Hessen stehen neben Marburg Bad Soden-Salmünster, Bad Wildungen Innenstadt, Dreieich-Sprendlingen, eine Filiale in Frankfurt, eine in Heppenheim und Oberursel auf der Liste.

Weitere genannte Standorte liegen in Mecklenburg-Vorpommern: Altentreptow, Hagenow und Stralsund. Niedersachsen ist mit Bergen, Dassel, Dörpen, Emden, Emsbüren, Gieboldehausen, Hannover-Bodestraße, Nordenham Innenstadt, Pattensen, Salzgitter, Salzhemmendorf, Twistringen und Vechta dabei. In Nordrhein-Westfalen werden Dorsten, Essen, zwei Filialen in Hamm, Marl, Ochtrup, Radevormwald, Troisdorf Mitte und Wassenberg aufgeführt.

Hinzu kommen Koblenz, Schloßstraße, in Rheinland-Pfalz, Dresden mit einer Filiale, Falkenstein, Gröditz, Plauen und Seiffen in Sachsen, Dessau, Halle Südstadt und Magdeburg mit einer Filiale in Sachsen-Anhalt sowie Marne, Preetz, Büdelsdorf und Stockelsdorf in Schleswig-Holstein. In Thüringen nennt die Liste Bad Frankenhausen, Hildburghausen, Meiningen und Stadtroda.

Profitabilität statt möglichst vieler Standorte

Hinter dem Rückbau steckt nach Unternehmensangaben ein Strategiewechsel. Nach Jahren der Expansion soll die Profitabilität einzelner Filialen stärker in den Mittelpunkt rücken. KiK-Geschäftsführer und Finanzvorstand Christian Kümmel begründete die Neuausrichtung mit einem zu dicht gewachsenen Filialportfolio. Teilweise lägen Standorte weniger als einen Kilometer voneinander entfernt. Laut KiK sind alle verbleibenden Filialen profitabel.

Nach den Schließungen sollen in Deutschland noch rund 2.200 KiK-Filialen bestehen bleiben. Europaweit waren laut Deutscher Presse-Agentur 300 Schließungen und 75 Neueröffnungen vorgesehen. Bis Ende 2026 soll das Filialnetz europaweit um etwa 225 Standorte auf rund 4.000 sinken. Kündigungen von Mitarbeitern seien nicht geplant – das hatte KiK zuvor gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt.

KiK Textilien und Non-Food GmbH hat seinen Sitz in Bönen und gehört zur Tengelmann Verwaltungs- und Beteiligungs GmbH. Gegründet wurde das Unternehmen im April 1994 von Stefan Heinig und der Tengelmann-Gruppe. Der Name „KiK“ steht für „Kunde ist König“. Seit Juni 2026 ist Ulrich Hanfeld Geschäftsführer, Christian Kümmel ist seit August 2025 Finanzvorstand, Agnieszka Jaworska seit November 2025 Geschäftsführerin.

Rund 32.000 Menschen arbeiteten 2025 für KiK, davon mehr als 19.000 in Deutschland. 2023 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro. In 15 europäischen Ländern betreibt die Kette mehr als 4.200 Filialen, darunter in Deutschland, Österreich, Slowenien, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Kroatien, Polen, den Niederlanden, Italien, Rumänien, Bulgarien, Spanien und Portugal. In Deutschland gibt es rund 2.400 Standorte. Damit ist KiK Deutschlands größte Textil- und Non-Food-Kette und zählt zu den zehn größten Anbietern im deutschen Textilhandel.

Vom Blumenladen zum europäischen Filialnetz

Die erste KiK-Filiale eröffnete 1994 in einem ehemaligen Blumenladen in Düsseldorf-Gerresheim. Bis 1996 entstanden 228 deutsche Filialen, 1998 folgte die Expansion nach Österreich. Der Versuch, ab 2000 in Dänemark Fuß zu fassen, scheiterte; die 17 dortigen Filialen wurden 2002 geschlossen.

Ab 2007 expandierte KiK nach Slowenien und Tschechien, 2008 nach Ungarn und in die Slowakei. Im November 2010 eröffnete das Unternehmen in Berlin die 3.000. Filiale. 2011 trat KiK dem Handelsverband Deutschland bei und eröffnete den ersten Standort in Kroatien. 2012 kam die erste polnische Filiale in Środa Wielkopolska hinzu, seit April 2013 gibt es einen Online-Shop.

2013 eröffnete KiK die erste Filiale in den Niederlanden; bis 2018 wuchs das dortige Netz auf 36 Standorte. Im Oktober 2017 begann die Expansion nach Italien. Ende 2018 betrieb KiK europaweit 3.697 Filialen und erzielte nach eigenen Angaben 2,05 Milliarden Euro Nettoumsatz. Pläne für eine Expansion in die USA 2019 wurden verworfen. 2020 eröffnete die erste bulgarische Filiale in Sofia, 2022 folgten Spanien und Portugal. Ende 2023 nahm KiK ein neues Lager in Polen in Betrieb.

Die Filialen liegen meist in der Nähe anderer Discounter oder in Fachmarktzentren – auch der Marburger Standort an der Südspange passt in dieses Muster. Verkauft werden Bekleidung, Wohntextilien, Dekorationsartikel und Haushaltsprodukte. Etwa die Hälfte des Sortiments besteht aus Kleidung für Damen, Herren und Kinder, der übrige Teil aus Non-Food-Artikeln: Alltags-, Freizeit-, Nacht-, Sport- und saisonale Kleidung, Baby- und Kinderbekleidung, dazu Vorhänge, Kissen, Bettwäsche, Tischdecken, Möbel, Kerzen, Vasen, saisonale Dekoration sowie Küchen-, Reinigungs- und Aufbewahrungsartikel.

Ein neues Ladendesign mit saisonalen Präsentationsflächen, T-Ständern und einheitlichen Regalen soll bis 2028 europaweit umgesetzt werden. Ob die Filiale in der Temmlerstraße davon noch etwas abbekommt? Eher nicht, dort steht das Ende ja bereits fest.

Waren, Beschäftigte und Verantwortung

KiK besitzt keine eigenen Produktionsstätten. Die Waren werden überwiegend in Asien hergestellt, insbesondere in China und Bangladesch; außerdem lässt das Unternehmen unter anderem in Pakistan, der Türkei, Indien und Deutschland produzieren. KiK arbeitet mit rund 800 Direktlieferanten, 98 Prozent der Waren werden ohne Zwischenhandel direkt über den Seeweg importiert. Lager gibt es in Bönen, Holzwickede, Polen und der Slowakei.

93 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Filialbereich. Der Frauenanteil liegt bei 91 Prozent, 58 Prozent der Führungspositionen sind mit Frauen besetzt. KiK bietet Ausbildungsberufe, Praktika und duale Studiengänge an und stellte 2024 insgesamt 520 Auszubildende ein. 2011 startete eine Arbeitgeber-Imagekampagne mit eigenen Mitarbeitern; Anfang 2025 folgte eine weitere Kampagne mit Plakaten, Postkarten und digitalen Formaten, an der mehr als 120 Mitarbeiter ihre Erfahrungen teilten. In der Studie „Working in Fashion“ belegte KiK 2019 unter 40 Modeunternehmen den zehnten Platz.

Heinz Speet war von 2012 bis Ende 2015 Vorsitzender der Geschäftsführung. Patrick Zahn leitete KiK von Januar 2016 bis zu seinem Ausscheiden Anfang September 2025. Geworben wird über Tageszeitungen, Prospekte, Rundfunk, Fernsehen, soziale Medien und Influencer. 2023 startete die internationale Kampagne „KiK – Mehr als du denkst“. Seit Januar 2025 vertreibt KiK Merchandise zur Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Verona Pooth entwarf 2007 eine KiK-Kollektion und war von 2009 bis 2014 Werbegesicht; Anni Friesinger-Postma war ab 2015 Markenbotschafterin für Ergee.

Als Sponsor trat KiK bei mehreren Fußballvereinen auf, darunter Arminia Bielefeld, Werder Bremen, Hansa Rostock, VfL Bochum und seit 2017 der 1. FC Köln. Weitere Sponsorings betrafen den österreichischen Fußball, die deutsche Handballnationalmannschaft und den EHC Dortmund. Das Unternehmen führt Produkte aus Bio-Baumwolle ein, rüstet Filialen auf LED-Beleuchtung um und will bis 2030 den CO₂-Ausstoß senken sowie Logistikprozesse energieeffizienter gestalten.

Seit Juni 2015 ist KiK Mitglied im Bündnis für nachhaltige Textilien. Plastiktüten verkauft das Unternehmen seit Oktober 2015 nicht mehr und spart dadurch nach eigenen Angaben jährlich 33 Millionen Tüten ein. Waren werden über mehrere Saisons angeboten, um Abfall und die Vernichtung unverkaufter Produkte zu reduzieren. Nach dem Einsturz von Rana Plaza 2013 trat KiK dem Accord für Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch bei. Unterstützt werden Fabrikkontrollen, Schulungen zu Arbeitssicherheit und Arbeitnehmerrechten sowie die Einführung von Auditorenhaftung. 2022 unterzeichnete KiK als erstes deutsches Unternehmen den Accord Pakistan.

In Kambodscha beteiligt sich KiK an Initiativen für existenzsichernde Löhne. In Bangladesch und Pakistan finanziert das Unternehmen Bildungsprojekte; gemeinsam mit UCEP werden in Bangladesch vier Schulen mit insgesamt rund 2.000 Kindern unterstützt. Dazu kommen humanitäre Hilfe, Unterstützung für die Stiftung Help and Hope und Spenden an soziale Einrichtungen in Deutschland.

Kritik, Gerichtsverfahren und Markenbild

KiK war allerdings immer wieder mit Kritik konfrontiert. 2007 gab es in Österreich Streit um eine Betriebsratswahl: Der Kandidat Andreas Fillei wurde nicht zugelassen und anschließend fristlos entlassen. Das Arbeits- und Sozialgericht Wien erklärte die Entlassung für rechtswidrig und hob das Hausverbot auf. Laut Artikel hat KiK Österreich keinen Betriebsrat. Mitarbeiter und Gewerkschafter protestierten vor der Wiener Zentrale und erhoben Vorwürfe wegen unbezahlter Abschlussarbeiten und niedriger Löhne.

Eine Reportage berichtete über abgeschlossene Notausgänge in deutschen Filialen. 2009 ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen, nachdem Mitarbeiter regelmäßig bei Creditreform überprüft worden waren. Das Verfahren wurde zunächst mangels Nachweises einer systematischen Aussiebung eingestellt; 2010 wurden die Vorwürfe erneut geprüft. Ver.di zeigte KiK 2007 wegen Lohndumpings an, das Strafverfahren wurde eingestellt. Das Arbeitsgericht Dortmund bewertete die Bezahlung einer Teilzeitkraft in einem nicht rechtskräftigen Urteil als sittenwidrig. KiK kündigte 2010 einen Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde an und zahlt seit 2015 den gesetzlichen Mindestlohn.

Beim Brand in der pakistanischen Fabrik Ali Enterprises im September 2012 starben 255 Menschen. Drei Hinterbliebene und ein Verletzter klagten gegen KiK; die Klage wurde 2018 wegen Verjährung abgewiesen, was das Oberlandesgericht Hamm bestätigte. KiK zahlte Angehörigen und Hinterbliebenen freiwillig insgesamt 6,15 Millionen US-Dollar.

Beim Einsturz von Rana Plaza in Bangladesch im April 2013 kamen mehr als 1.000 Menschen ums Leben. Zum Zeitpunkt des Einsturzes wurde dort nicht direkt für KiK produziert, ein KiK-Importeur hatte jedoch bis kurz zuvor dort fertigen lassen. KiK zahlte eine Million US-Dollar in den Entschädigungsfonds für Opfer und Hinterbliebene ein. Der Verhaltenskodex von Dezember 2022 sieht unter anderem gesetzliche oder branchenübliche Mindestlöhne, schriftliche Arbeitsverträge, geregelte Arbeitszeiten und Zuschläge für Überstunden vor. Der Mindestlohn in Bangladesch liegt seit Dezember 2023 laut Artikel bei etwa 106 Euro monatlich.

Zwischen 2019 und 2023 gab es mehrere Warnungen vor KiK-Produkten, unter anderem wegen erhöhtem Bleigehalt, verbotenen Azofarbstoffen, Formaldehyd und Bioziden. KiK beteiligte sich an der Initiative, 100 problematische Chemikalien schrittweise aus der Textilproduktion zu entfernen oder stark zu begrenzen.

Der Bekanntheitsgrad der Marke liegt laut German Brand Awards bei 98 Prozent. Eine Verbraucherumfrage des IFH Köln von 2011 bewertete KiK beim Thema Nachhaltigkeit sehr kritisch. Trotzdem kaufen Kunden laut Artikel vor allem wegen der niedrigen Preise und der Filialnähe bei KiK ein – zwei Gründe, die im Alltag eben zählen, wenn schnell noch ein T-Shirt, eine Pfanne oder eine Kiste Aufbewahrungsboxen gebraucht wird.

2018 lag KiK auf Platz fünf der umsatzstärksten deutschen Textilunternehmen. 2019 hatten 15 Prozent der Befragten in den vorangegangenen sechs Monaten bei KiK eingekauft; damit lag die Kette auf Platz vier hinter C&A, H&M und Peek & Cloppenburg. 2021 berichtete die Wirtschaftswoche von einer Verbesserung des Unternehmensimages, jedoch weiterhin hinter NKD und Takko.

Auszeichnungen gab es ebenfalls: 2015 erhielt der Onlineshop den Titel „Top Shop“. 2018 folgten der zweite Platz beim Deutschen CSR-Forum in der Kategorie „Globale Verantwortung“, der zweite Platz beim CSR Excellence Award in „Philanthropie“ und der dritte Platz in „Innovation“. 2024 wurde die Kampagne „KiK – Mehr als du denkst“ beim German Brand Award in den Kategorien „Brand Communication – 360° Campaign“ und „Brand Strategy of the Year“ ausgezeichnet.