Douglas schließt zwölf Filialen wegen angekündigter Jugendproteste
Die Parfümeriekette Douglas schließt am Samstag, 31. Oktober 2026, vorsorglich zwölf Filialen in Deutschland. Heute, am 30. Oktober 2026, laufen die Vorbereitungen für die angekündigten Jugendproteste bereits. Douglas beruft sich auf eine Risikobewertung sowie den Schutz von Mitarbeitenden und Kundschaft. Welche besonders exponierten Standorte betroffen sind, nennt das Unternehmen nicht.
An den Filialen gelten zusätzliche, angemessene Sicherheitsvorkehrungen. Einzelheiten bleiben aus Sicherheitsgründen geheim. Ende Juni betrieb Douglas deutschlandweit 347 Filialen.
Proteste in rund 30 Städten
Das Bündnis „Gen Z regelt“, auch unter der Bezeichnung „Gen Z steht auf“ bekannt, hat für den 31. Oktober Aktionen und Demonstrationen in rund 30 Städten angekündigt. Die Initiative fordert unter anderem mehr Klimaschutz, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und die Ablehnung der Wehrpflicht. Genannt werden außerdem Bildung, Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und der Rechtsruck.
Im Positionspapier steht: „Ohne uns läuft die Zukunft nicht“. Junge Menschen beklagen fehlende politische Sichtbarkeit, geringe Mitbestimmung und eine fehlende Lobby. Kritisiert werden kaputte Schulen, Sparmaßnahmen im Bildungssystem, eine ungerechte Verteilung und die Wehrpflicht. Gewalt lehnt das Bündnis ausdrücklich ab.
Die Bundesschülerkonferenz distanzierte sich von den geplanten Protesten und kündigte wegen befürchteter Krawalle eine eigene Demonstration an. Auf der Aktionshomepage hatten mehr als 5000 Menschen angekündigt, in Düsseldorf dabei zu sein – diese Zusagen sind allerdings unverbindlich. Offiziell war dort nach Polizeiangaben lediglich eine Demonstration einer Privatperson gegen Sozialkürzungen mit 500 Teilnehmenden angemeldet.
Gerüste, Sperrholz und geschlossene Geschäfte
Auf der Düsseldorfer Königsallee begannen Händler bereits zwei Tage vor den Protesten, ihre Geschäfte gegen mögliche Schäden zu schützen. Vor Edel- und Luxusgeschäften standen Baugerüste und Sperrholzplatten. Nach Angaben von Andrea Greuner, Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft Königsallee, wollten Händler Schaufenster und teilweise ganze Läden räumen, damit bei möglichen Plünderungen nicht alles griffbereit liegt.
Einige Juwelier- und Bekleidungsgeschäfte planten, den ganzen Tag geschlossen zu bleiben. Andere wollten Schaufenster und Fassaden verschalen. Sorgen bereiten vor allem teure Sonderglasscheiben – ausgerechnet jetzt, wo das Weihnachtsgeschäft langsam anläuft. Der Luxusjuwelier Wempe kündigte an, seine Niederlassungen deutschlandweit zeitweise zu schließen. Nach Abstimmung mit den Behörden bestehe die Möglichkeit, dass friedliche Proteste von aggressiven Gruppen unterwandert werden könnten.
Auch der Modehändler Apropos verkürzt vorsorglich die Öffnungszeiten seiner Geschäfte in Berlin, Düsseldorf und Köln. Die Polizei beobachtet zudem Aufrufe zu Provokationen in sozialen Netzwerken. Befürchtet wird, dass Personen, die spektakuläre Bilder und Randale suchen, sich unter protestierende Schülerinnen und Schüler mischen. Die Sorge vor Gewaltexzessen wächst deshalb in Städten wie Berlin, Hamburg und Frankfurt.
Auslöser der Sicherheitsmaßnahmen sind Krawalle und Plünderungen bei Protesten in Frankreich, Italien und weiteren europäischen Ländern. Dort hatte der Einzelhandel teils erhebliche Einbußen. Deutsche Handelsverbände äußerten ebenfalls Sorge vor möglichen Ausschreitungen. Das Bundesinnenministerium teilte dagegen mit, den Sicherheitsbehörden lägen bislang keine konkreten Aufrufe zu Gewalt und keine weitergehenden Erkenntnisse über geplante gewalttätige Ausschreitungen vor.
Bundesbildungs- und Jugendministerin Karin Prien rief zu friedlichen Protesten auf und bot den Jugendlichen Gespräche an. Jugendliche sollten laut und politisch engagiert sein, erklärte sie, aber nicht gewalttätig werden.
„Die Regierung vergisst die junge Generation“
In Wuppertal organisiert der 16-jährige Konny Schmitz mit. Ihn haben nach eigenen Angaben zunächst friedliche Proteste in Frankreich inspiriert. Er hat den Eindruck, dass die Regierung die junge Generation vergisst, und fordert mehr Investitionen in Bildung statt zusätzlicher Ausgaben für Waffen. Kaputte Schulen, fehlende finanzielle Mittel, der Wegfall von Jugend-Suchthilfe und schwer erreichbare Psychotherapie nennt er ebenso wie Leistungsdruck, teure Schulsachen und die Wehrpflicht. Junge Menschen müssten bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden, sagt Schmitz – gleiche Bildungschancen seien dafür eine ziemlich grundlegende Voraussetzung.
Emily-Melissa Schoon, ebenfalls 16 und Mitorganisatorin in Münster, nennt Klimaschutz, Bildung, den Rechtsruck, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit. Dahinter stehe die Frage, wessen Bedürfnisse politische Entscheidungen bestimmen. Sicherheit bedeute für sie mehr als militärische Verteidigung: Chronisch kranke Menschen bräuchten eine gute Gesundheitsversorgung, außerdem Bildungs- und soziale Gerechtigkeit. Eine Gegenüberstellung der Generationen lehnt sie ab. Sie will gemeinsame Lösungen für ein selbstbestimmtes Leben und nicht hinnehmen, dass über die Zukunft junger Menschen ohne ausreichende Beteiligung entschieden wird.
David, 22, Mitorganisator in Wuppertal, kritisiert Kürzungen bei Bildung, Gesundheit und Rente im Verhältnis zu den Kosten der Militarisierung. Gesellschaftliche Probleme dürften nicht durch passives Abwarten erledigt werden; gefragt sei gemeinsamer Widerstand. Seine Vorstellung: eine Zukunft, in der Menschen zusammen statt gegeneinander handeln.
Aus Köln berichtet die 17-jährige Schülervertreterin Marie Hacker von großem Interesse in ihrem Freundeskreis. Lehrermangel, Leistungsdruck und unsanierte Schulgebäude erlebt sie unmittelbar. Sie will friedlich für bessere Bildung demonstrieren und verbindet den gemeinsamen Protest mit Hoffnung – mit der Möglichkeit, politische Veränderungen anzustoßen. Von der Politik erwartet sie, auf die Forderungen zu reagieren und den Zustand der Schulen stärker zu berücksichtigen.
Lea, 18, aus Wuppertal will gegen sogenannte strukturelle Gewalt demonstrieren. Sie nennt Gewalt durch die Polizei, durch Männer im eigenen Umfeld, Rassismus sowie Krieg und Besatzung. Tobias, 21, kritisiert, dass junge Menschen für einen Staat sterben sollen, der zugleich Leistungen und Investitionen für ihre Zukunft kürze.
Aleyna Karaca, 20 und Vorsitzende der Jusos Wuppertal, unterstützt das Engagement. Junge Menschen müssten in einer Debatte ernst genommen werden, sagt sie, und nennt bezahlbaren Wohnraum, gute Bildung, finanzielle Sicherheit und eine verlässliche Gesundheitsversorgung als zentrale Anliegen. Wer Verantwortung für die Zukunft erwarte, müsse dafür auch die notwendigen Voraussetzungen schaffen.
Lina Giannone, 21, Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen Wuppertal, fordert ebenfalls mehr Gehör für junge Menschen, insbesondere in der Bildungspolitik. Die Jungen Liberalen begrüßen das Engagement und setzen sich für bessere Bildungschancen ein. Zugleich warnt Giannone angesichts von Beiträgen in sozialen Medien vor möglicher Gewalt: Friedlicher Protest sei ein demokratisches Recht, Gewalt jedoch kein demokratisches Argument.
Zwischen Zuspruch und Sorge vor Vereinnahmung
Der 26-jährige Grünen-Politiker Finn Grimsehl-Schmitz aus Solingen verbindet ökologische und soziale Fragen. Anliegen der jungen Generation fänden in der Bundespolitik zuletzt weniger Beachtung, meint er. Klimaschutz und öffentliche Infrastruktur seien zentrale Zukunftsaufgaben. Die erneute Politisierung junger Menschen begrüßt er; mitdemonstrieren will er selbst nicht, möglicherweise aber vor Ort zuschauen.
Daniel Pilz, 24, SPD-Fraktionsvorsitzender im Remscheider Stadtrat, sieht die Kommunen bei den Themen der Gen Z ebenfalls als Betroffene von Kürzungen und fehlender Unterstützung durch Landes- und Bundesebene. Für ihn geht es nicht primär um einen Generationenkonflikt. Das Gefühl, Geld sei für andere Bereiche vorhanden, nicht aber für junge Menschen, hält er für nachvollziehbar. Fehlende Investitionen in Bildung, hohe Lebenshaltungskosten und fehlende Perspektiven nennt er als drängende Punkte. Die Belastungen müssten gerechter verteilt werden, statt auf Kosten junger Menschen zu sparen.
Pilz unterstützt die Anliegen bei friedlichem Verlauf und erhofft sich eine Mobilisierung ähnlich wie bei Fridays for Future. Zugleich warnt er davor, die Themen gegen Investitionen in Sicherheit auszuspielen. Soufian Goudi, 29, von der SPD und Bezirksbürgermeister von Wuppertal-Elberfeld, kann die Proteste angesichts von Krisenerfahrungen, steigenden Lebenshaltungskosten sowie ungleichen Bildungs- und Aufstiegschancen nachvollziehen. Junge Menschen sollten ihre Stimme erheben können – friedlich, damit ihre Themen nicht von Gewalt überschattet werden.
Marie Hacker hält Gewalt für einen kleinen Teil des Themas und fordert, den Blick auf die politischen Anliegen zu richten. Konny Schmitz erwartet in Wuppertal wegen der vergleichsweise kleinen Demonstration mit rund 150 Personen keine Unterwanderung durch gewaltbereite Menschen. Finn Grimsehl-Schmitz sieht wegen der großen Themenvielfalt ein mögliches Risiko der Vereinnahmung, warnt aber vor Vorverurteilungen.
Das Bündnis ruft dazu auf, keine Masken zu tragen und identifizierbar zu bleiben. Dass die Demonstrationen am Halloween-Abend stattfinden, macht die Frage nach Vermummung zusätzlich relevant. In den sozialen Netzwerken und bei den Sicherheitsbehörden bleibt der Blick deshalb auch auf jene gerichtet, die aus einem politischen Protest lieber ein Spektakel machen würden.
