Dussmann eröffnet Kulturkaufhaus auf 1.500 Quadratmetern im KaDeWe
Mitten im Herbst bekommt Berlin einen neuen Ort zum Stöbern, Schmökern und Hineinhorchen: Dussmann hat Mitte Oktober 2026 seine zweite Berliner Filiale eröffnet. „Dussmann – Kultur im KaDeWe“ liegt in der vierten Etage des Kaufhauses des Westens an der Tauentzienstraße 21–24 und nimmt rund 1.500 Quadratmeter ein.
Zwischen Mode, Beauty, Home & Living und Food finden sich dort internationale Neuerscheinungen, Bestseller, Kinderbücher und New-Adult-Romane. Eine eigene BookTok-Ecke gehört ebenfalls dazu. Dazu kommen Musik, Vinylplatten, Noten, ausgewählte Musikinstrumente und Geschenkideen. Wer eigentlich nur kurz schauen wollte, bleibt vermutlich doch ein wenig länger.
Kultur auf der vierten Etage
Dussmann das KulturKaufhaus und das KaDeWe entwickeln die neue Fläche gemeinsam. Vorgesehen sind ein kuratiertes Kultur- und Medienangebot, eine Gastronomiefläche mit etwa 150 Sitzplätzen und eine Veranstaltungsbühne für Lesungen, Konzerte und weitere Events. Die beiden Unternehmen wollen das Projekt im Laufe des Jahres gemeinsam vorstellen.
Eine offizielle Eröffnungsfeier ist für den 21. November 2026 von 10 bis 18 Uhr geplant. Für den neuen Standort sind regelmäßig Lesungen, Konzerte und Gespräche mit Kulturschaffenden vorgesehen. Die eigene Bühne soll aus dem Verkaufsbereich einen Kultur- und Begegnungsort machen – mit Büchern in Griffweite und hoffentlich ausreichend Sitzplätzen, wenn es bei einer Veranstaltung einmal voller wird.
Das KaDeWe bringt dafür fast 120 Jahre Tradition und mehr als 60.000 Quadratmeter Gesamtfläche mit. Das Kaufhaus erstreckt sich über acht Etagen und führt neben internationalen Luxusmarken auch lokale Marken aus den Bereichen Fashion, Accessoires, Beauty, Home & Living und Food.
Vom Neubau zum Kulturkaufhaus
Die Berliner Geschichte von Dussmann begann am 31. Oktober 1997 in der Friedrichstraße 90 nahe dem Bahnhof Friedrichstraße. Peter Dussmann hatte für die Ladenflächen seines Neubaus keine geeigneten Mieter gefunden und entschied sich kurzerhand, sie selbst zu nutzen. Das Konzept bündelte Bücher, Musik, Filme und weitere Medien unter einem Dach – ergänzt durch lange Öffnungszeiten und kulturelle Veranstaltungen.
Bei der Eröffnung umfasste das Medienkaufhaus etwa 4.700 bis 5.000 Quadratmeter auf vier Etagen. Im Sortiment lagen rund 120.000 Bücher, 50.000 Musik-CDs sowie Filme, Videos, Software und weitere Kulturmedien. Die Klassik-Abteilung war damals die größte ihrer Art in Europa. Im ersten Geschäftsjahr kamen zwei Millionen Kunden, der Umsatz lag bei 28 Millionen DM.
Das Gebäude selbst war 1996/1997 errichtet worden. Architekten waren Miroslav Volf aus Saarbrücken sowie Mario Campi und Franco Pessina aus Lugano; Bauherr war Peter Dussmann. Die bebaute Grundfläche beträgt etwa 3.700 Quadratmeter. Zunächst hieß der Komplex „Dussmann-Haus“, später „Dussmann das KulturKaufhaus“.
Vor dem Zweiten Weltkrieg standen auf dem Areal Gründerzeitgebäude. Nach deren Zerstörung wurden die Ruinen in den späten 1940er Jahren entfernt. Danach blieb das Gelände mit einzelnen Wohnhäusern und einer Brachfläche jahrzehntelang weitgehend ungenutzt. Nach der Maueröffnung etablierte sich Dussmann in Ost-Berlin und suchte einen Standort für einen neuen Bürokomplex. Die unteren Etagen sollten zunächst an einen Buchhändler oder eine Modekette vermietet werden – dann wurden sie eben selbst bespielt.
Mehr Etagen, mehr Medien, mehr Pflanzen
2004 wurde das Stammhaus auf fünf Verkaufsetagen und rund 6.500 Quadratmeter erweitert; eine zuvor als Büro genutzte dritte Etage wurde umgebaut und für Besucher geöffnet. Nach Unternehmensangaben verfügt das Stammhaus heute über mehr als 7.300 Quadratmeter auf fünf Etagen, an anderer Stelle nennt Dussmann 7.500 Quadratmeter Verkaufsfläche.
Das Sortiment umfasst mehr als 900.000 Medien aus den Bereichen Bücher, Tonträger, Film, Noten und Design. Die Darstellung des Hauses verweist außerdem auf rund 10,5 Millionen Produkte auf fünf Etagen, darunter mehr als 800.000 Kulturmedien. Zum Angebot gehören ein English Bookshop, ein International Bookshop beziehungsweise der „English & International Bookshop“, die KulturManufaktur und die KulturBühne. Der Online-Shop bietet fast 15 Millionen Produkte an.
2008 wurde die Musikalienabteilung im Seitengebäude deutlich vergrößert. Ab 2010 baute Dussmann das Angebot an fremdsprachigen Medien aus; zunächst entstand eine englischsprachige Abteilung in einem Seitenflügel. In den 2010er Jahren gab es neben Büchern und Hörbüchern auch Noten, CDs, DVDs und Bürobedarf – „Papétrie“ genannt.
Ein Spaziergang durch das Stammhaus kann dabei leicht zur kleinen Expedition werden. Neben den Rolltreppen wächst ein vertikaler Garten, der 2012 vom französischen Botaniker Patrick Blanc neu gestaltet wurde. Die 270 Quadratmeter große Anlage trägt den Namen „Mur Végétal“ und umfasst mehr als 6600 Pflanzen; nach Unternehmensangaben sind es mehr als 6.000 tropische Pflanzen. Im Eingangsbereich steht eine fast 4.000 Jahre alte ägyptische Sphinx als Dauerleihgabe – eine originale Sphinx der ägyptischen Königin Hatschepsut aus dem Jahr 1475 v. Chr. vom Ägyptischen Museum Berlin. An einer Seitenwand leuchtet „Lunatique neonly No. 8“ (1999) des französischen Künstlers François Morellet.
Für die Innenausstattung wurden Teppichböden, Möbel aus hellem Buchenholz, lederbezogene Sessel und moderne Leuchten verwendet. Regelmäßig finden Lesungen, Leseabende, Signierstunden, Konzerte und Musikveranstaltungen statt. Im Juni 2022 feierte das Kaufhaus sein 25-jähriges Bestehen. Der Umsatz betrug 2021 30 Millionen Euro, 2020 waren es 25 Millionen Euro.
Ein Haus mit Arkaden und Geschichte
Architektonisch verbindet der Komplex moderne Formensprache mit Bezügen zur historischen, straßennahen Bebauung Berlins. Zum Bau gehören ein markanter Arkadenbau an der Friedrichstraße, historische Sandsteinfassaden mit vier Geschossen an der Dorotheen- und Mittelstraße sowie ein moderner östlicher Bauteil mit Liefereinfahrten. Der Arkadengang reicht über den gesamten Gehweg. Ab der siebten Etage springt die Fassade zurück und erfüllt damit formal die Berliner Traufhöhenvorgaben.
Die beiden unteren Verkaufsflächen besitzen einen offenen Mittelgang mit pyramidenförmigem Glasdach, durch das Tageslicht fällt. Rolltreppen führen zu den Verkaufsbereichen und Leseecken der zweiten Etage. Kundeneingänge liegen an der Ostseite der Friedrichstraße, etwa auf Höhe der Hausnummer 90, außerdem an der Dorotheenstraße und an der Mittelstraße. Im Norden wird das Gebäude durch die Dorotheenstraße, im Süden durch die Mittelstraße begrenzt; östlich schließen weitere Neubauten anderer Unternehmen an.
Der Bürokomplex umfasst acht Stockwerke: fünf untere Etagen für den Verkauf, darüber liegende Etagen für die Hauptverwaltung der deutschen Dussmann-Gruppe. Heute befinden sich im Gebäude neben dem Medienkaufhaus Büroflächen, weitere Mietbereiche und die Hauptverwaltung der Dussmann Group. Zu den weiteren Nutzern und Mietern gehören Vodafone, zwei Gastronomiebetriebe, ein Kaffeehausbetreiber und seit 2008 Care Deutschland. Der Bahnhof Friedrichstraße und der Boulevard Unter den Linden sind nur wenige Schritte entfernt.
Dussmann ist ein Geschäftsbereich der Dussmann Group, die mit rund 70.000 Mitarbeitenden in 21 Ländern tätig ist. Die neue KaDeWe-Fläche ist nun die erste zusätzliche Filiale innerhalb Berlins – und sie liegt ausgerechnet dort, wo Berlins große Kaufhausgeschichte ohnehin schon ziemlich dicht gedrängt ist. 2021 veröffentlichte der Musiker Betterov den Post-Punk-Song „Dussmann“ über das Kulturkaufhaus samt schwarzweißem Musikvideo. Ebenfalls 2021 erschien das Live-Album „Betterov & Friends: Die Dussmann-Session“.
