Im Untergeschoss des Bahnhofs Luzern hat Flying Tiger eine neue Filiale eröffnet. Die Eröffnung fand am Samstag vor dem 19. Oktober 2026 statt. Der Laden liegt nahe dem Coop – dort, wo zuvor rund 20 Jahre lang eine Marionnaud-Filiale eingemietet war.

Rund zwei Monate dauerte der Umbau. Ein Plakat am Bahnhof hatte die Eröffnung bereits angekündigt. Für die dänische Lifestyle- und Geschenkartikelkette ist es der zweite Standort in Luzern: Die Filiale an der Krongasse bleibt bestehen und liegt etwa 500 Meter entfernt.

Mehr Auswahl zwischen Bahnhof und Altstadt

In der Zentralschweiz ist Flying Tiger ausserdem im Emmen Center und im Bahnhof Zug vertreten. Schweizweit betreibt die Kette inzwischen mehr als 20 Filialen. Wer durch den neuen Laden geht, findet Alltagsgegenstände für Haushalt und Hobby, Dekorationsartikel, Accessoires und Geschenkideen – neben konventionellen Waren auch eher unkonventionelle Produkte.

Flying Tiger Copenhagen, wie das Unternehmen offiziell heisst, sitzt in Kopenhagen und ist als A/S organisiert. CEO ist Martin Jermiin, CFO Christian Kofoed H. Jakobsen. Viele Artikel werden von eigenen Designern entworfen und exklusiv bei Flying Tiger verkauft. Zum Sortiment gehören Standardwaren ebenso wie wechselnde Produkte des täglichen Bedarfs.

Vom Regenschirmservice zur internationalen Kette

Die Geschichte begann nicht mit einem grossen Konzernplan, sondern mit einem Regenschirm-Reparaturservice und dem Import asiatischer Produkte durch Lennart Lajboschitz. 1987 eröffnete er sein erstes eigenes Einzelhandelsgeschäft in Kopenhagen, 1991 gründete er das Unternehmen Zebra A/S. 1995 folgte der erste Laden unter dem Namen «Zebra»; mit dem zweiten Geschäft wurde «Tiger» eingeführt. Der erste Laden öffnete 1995 in Kopenhagen.

Ursprünglich verkaufte Tiger Waren aus Überproduktionen. Später entwickelte sich daraus eine eigenständige Marke. 2001 eröffnete in Reykjavík der erste Laden ausserhalb Dänemarks. Die Filialen ausserhalb Dänemarks werden als ausgegliederte Unternehmen geführt. In Deutschland ist die Kette seit Ende 2006 vertreten, der erste deutsche Laden eröffnete in Flensburg; dort werden alle Produkte zu Festpreisen angeboten.

Die Expansion ging zügig weiter: 2010 gab es nach Unternehmensangaben 100 Filialen in zehn Ländern. 2015 verfügte die Kette über 585 Geschäfte in Europa und verzeichnete mehr als 80 Millionen Kunden. Mitte 2016 wurde der Name in «Flying Tiger Copenhagen» geändert, Ende 2016 zählte die Gruppe 745 Filialen in 30 Ländern. Anfang 2021 waren es 908 Filialen in 27 Ländern; für die folgenden zwei Jahre kündigte das Unternehmen mehr als 200 weitere Läden an. Ende 2022 betrieb die Flying-Tiger-Gruppe 842 Filialen in 27 Ländern.

Eigentümerwechsel und Wachstum

Auch hinter den Kulissen hat sich einiges bewegt. Im Oktober 2012 verkaufte Lennart Lajboschitz 70 Prozent seiner Anteile an den Private-Equity-Fonds EQT VI von EQT Investors. Christian Mariager, seit 2013 im Unternehmen tätig, verliess es im Oktober 2016. Im Januar 2015 wurde Xavier Vidal zum Geschäftsführer ernannt; im Januar 2017 übernahm Michael Hauge Sørensen als Interims-CEO.

Im Februar 2021 übernahm die dänische Investmentgesellschaft Treville die Anteile von Lennart Lajboschitz und EQT. Der Verwaltungsrat wurde mit drei Mitgründern und Eigentümern von Treville neu besetzt, Nikolaj Vejlsgaard wurde Verwaltungsratspräsident. Martin Jermiin ist CEO.

Finanziell meldete das Unternehmen einen Umsatz von 3,8125 Milliarden DKK im Jahr 2021 und 4,75 Milliarden DKK im Geschäftsjahr 2022. 2017 beschäftigte Flying Tiger rund 3500 Mitarbeiter. Im Bahnhof Luzern geht es für die Kundschaft derweil um kleinere Dinge: einen Haushaltshelfer, eine Dekoidee oder ein Geschenk, das man eigentlich gar nicht gesucht hat.