Horb wartet auf Rewes Bekenntnis: Wie lange bleibt der Markt in den Activ-Arkaden?
Seit neun Jahren gibt es in den Activ-Arkaden in Horb einen Rewe-Supermarkt. Für viele Kundinnen und Kunden gehört er zum Alltag, zum schnellen Einkauf zwischen zwei Terminen oder zum Wocheneinkauf in der Horber Kernstadt.
Doch seit längerer Zeit kursieren Gerüchte über eine mögliche Schließung des Marktes. Rewe könnte diese Spekulationen mit einem klaren Bekenntnis zum Standort aus der Welt schaffen. Genau das tut das Unternehmen bislang nicht. Damit bleibt offen, wie es mit dem Rewe-Markt in der Horber Kernstadt weitergeht.
Ein offenes Signal in unruhigen Zeiten
Der Kommentar von Moritz Hagemann wurde am 27. Oktober 2026 um 8:49 Uhr veröffentlicht. Sein Kern ist schnell erzählt, aber für den Standort durchaus wichtig: Neun Jahre Präsenz sind kein Pappenstiel – und trotzdem fehlt ein eindeutiges Signal zum Fortbestand.
Die Unsicherheit fällt in eine Phase, in der der stationäre Handel bundesweit unter Druck steht. Kaufhäuser, Handelsketten, Traditionsbetriebe und kleine Geschäfte kämpfen mit dem Strukturwandel. Hertie, Horten, Kaufhof und Karstadt haben über Jahrzehnte an Bedeutung verloren. Neu ist vor allem das Tempo, mit dem sich die Innenstädte verändern.
Leerstände und weniger Geschäfte
In deutschen Innenstädten stehen durchschnittlich 15 Prozent der Geschäfte leer. Vor der Corona-Pandemie waren es etwa 10 Prozent. Creditreform registrierte 2025 rund 2.440 Insolvenzen im Einzelhandel – 9 Prozent mehr als im Vorjahr.
Der Handelsverband Deutschland erwartet für Ende 2026 noch etwa 296.600 stationäre Einzelhandelsgeschäfte. Das wären rund 70.000 weniger als zehn Jahre zuvor. Die Schließungen treffen Warenhäuser ebenso wie mittelgroße Modefilialisten, Traditionsgeschäfte und kleine Buchhandlungen. Gerade dort, wo früher verschiedene Läden dicht nebeneinanderlagen, werden Lücken sichtbarer.
Für den stationären Handel kommt der Online- und Versandhandel als dauerhafter Konkurrent hinzu. Der reale Einzelhandelsumsatz lag im Juni 2026 um 0,2 Prozent unter dem Vorjahresmonat, während der Internet- und Versandhandel im selben Zeitraum um 4,9 Prozent wuchs.
Auch die Kundschaft hält sich zurück. Nach einem starken Einbruch im Frühjahr 2026 lag der GfK-Konsumklimaindex weiter deutlich im Minus; für August 2026 wurden −29,6 Punkte erwartet. Gespart wird besonders bei Dingen, die nicht lebensnotwendig sind: Bekleidung, Bücher, Möbel und Unterhaltungselektronik.
Was Innenstädte künftig bieten müssen
Steigende Energiekosten, höhere Mieten und die Inflation drücken auf die Gewinnmargen. Sind die finanziellen Reserven aufgebraucht, bleibt vielen Betrieben nur die Schließung. Das wirkt sich direkt auf die Innenstadt aus: Wenn ein wichtiger Grund für den Besuch wegfällt, kommen oft auch weniger Menschen zum Bummeln, Schauen oder Einkaufen.
Der Onlinehandel wird laut der herangezogenen Analyse bleiben, und auch die wirtschaftliche Stagnation dürfte nicht kurzfristig überwunden werden. Innenstädte können deshalb nicht ausschließlich als Konsumzentren funktionieren. Der Handelsverband fordert unter anderem steuerliche Vorteile, faire Wettbewerbsregeln und die Möglichkeit zu Sonntagsöffnungen.
Experten empfehlen außerdem, öffentliche Räume umzugestalten und Handel, Wohnen und Freizeit stärker zu verbinden. Es braucht zusätzliche Gründe für einen Innenstadtbesuch – auch dann, wenn am Ende keine Einkaufstasche in der Hand hängt. Eine Analyse von Creditreform und dem Handelsblatt Research Institute kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass Innenstädte neue Nutzungen und mehr Besucheranlässe benötigen.
Als Beispiel wird Kempen genannt. Die Stadt setzt auf inhabergeführte Geschäfte, persönlichen Service und eine historische Kulisse. Für Horb bleibt derweil eine deutlich kleinere, aber konkrete Frage im Raum: Gibt es den Rewe-Markt in den Activ-Arkaden auch künftig noch? Eine klare Antwort von Rewe steht aus.
