KiK baut um: Diese 81 Filialen schließen 2026 in Deutschland
Bei KiK wird 2026 kräftig umgebaut. In Deutschland schließt die Modekette zahlreiche Filialen; ursprünglich war von mehr als 100 Standorten die Rede, teils von 135 oder sogar 150. Eine vollständige Liste veröffentlicht das Unternehmen nicht. Deshalb kommen viele Angaben aus Lokalmedien und direkten Unternehmensauskünften. Sicher ist: Die bisher dokumentierte Liste umfasst inzwischen 81 betroffene Filialen – und sie könnte noch wachsen.
Am heutigen 24. Oktober 2026 sind einige Schließungen bereits Geschichte, andere stehen noch bevor. In Marburg, Temmlerstraße, soll zum Jahresende Schluss sein. Dorsten folgt am 11. November. Bereits geschlossen sind Emden am 17. Juni, Koblenz in der Schloßstraße am 29. August und Hannover-Bodestraße am 9. September. Für Mittelangeln-Satrup in Schleswig-Holstein und München-Moosach sind laut KiK dagegen keine Schließungen geplant.
Die bisher bekannte Liste
In Baden-Württemberg traf es Bopfingen, Östringen und Stuttgart bereits im ersten Quartal. Mengen schloss am 16. Oktober, Pfullendorf soll im November folgen. Rottenburg wurde am 31. März geschlossen, Wutöschingen am 18. September. Wutöschingen und Wassenberg gehören zu sieben weiteren Standorten, deren Schließung laut Münchner Merkur bekannt wurde; für Wassenberg war der 14. September der letzte Verkaufstag.
In Bayern sind Bad Windsheim sowie Burgthann, Freyung, Peißenberg und Wunsiedel betroffen, letztere im ersten Quartal. Schongau schloss im Januar, Schweinfurt am 11. Februar und Uffenheim am 14. März. Dazu kommen Gunzenhausen am 15. Oktober, München-Aubing am 12. September, München-Feldmoching am 16. September und München-Neuperlach am 14. Juli. Berlin verlor zwei Filialen im ersten Quartal.
Brandenburg ist mit mehreren Orten vertreten: Bad Liebenwerda am 14. Dezember, Brandenburg an der Havel am 16. Juli, Forst am 28. November und Fürstenberg im November. Doberlug-Kirchhain, Lübbenau und Potsdam-Babelsberg schlossen im beziehungsweise zum Jahresverlauf; Fehrbellin und Vetschau sind bereits geschlossen. In Hamburg machte Bramfeld im ersten Quartal zu, Steilshoop am 12. September.
Für Hessen werden Bad Soden-Salmünster am 18. April, Bad Wildungen, Dreieich-Sprendlingen und Frankfurt im ersten Quartal sowie Oberursel als geschlossen genannt. Heppenheim und Marburg sollen Ende 2026 folgen. In Mecklenburg-Vorpommern schlossen Altentreptow und Hagenow im ersten Quartal, Stralsund ist ebenfalls betroffen.
Die niedersächsische Liste nennt Bergen, Dassel, Dörpen, Emsbüren, Nordenham, Pattensen und weitere bereits geschlossene Standorte. Für einzelne Filialen gibt es konkrete Termine: Salzgitter am 12. März, Twistringen am 14. März, Emden am 17. Juni, Vechta am 5. August, Hannover-Bodestraße am 9. September, Dassel am 28. November und Salzhemmendorf Ende 2026.
In Nordrhein-Westfalen schließt Dorsten am 11. November. Essen, Marl, Ochtrup und Troisdorf-Mitte waren im ersten Quartal an der Reihe. Zwei Filialen in Hamm schlossen am 27. August beziehungsweise im Oktober, Radevormwald ist geschlossen, Wassenberg folgte am 14. September. In Sachsen betrifft es Dresden, Falkenstein und Seiffen im ersten Quartal sowie Gröditz und Plauen am beziehungsweise seit dem 17. September.
Sachsen-Anhalt meldet Dessau und Halle-Südstadt im ersten Quartal sowie Magdeburg am 3. September. In Schleswig-Holstein stehen Marne und Stadtroda seit Mitte Juli beziehungsweise geschlossen in der Liste; Preetz schloss am 21. März, Büdelsdorf am 13. April, Stockelsdorf soll im November folgen. Thüringen ist mit Bad Frankenhausen im Herbst, Hildburghausen am 16. Mai und Meiningen im ersten Quartal vertreten.
Für Rheinland-Pfalz wird Koblenz, Schloßstraße, mit dem 29. September geführt. Die Angaben zur Koblenzer Filiale nennen zugleich eine Schließung bereits am 29. August. KiK veröffentlicht eben keine vollständige Übersicht, und genau solche Abweichungen zeigen, wie unübersichtlich die öffentliche Spurensuche inzwischen ist.
Warum KiK Läden aufgibt
Geschäftsführer und Finanzvorstand Christian Kümmel begründet den Abbau mit einer Neuausrichtung des Filialportfolios auf Profitabilität. „Wir trimmen unser Portfolio auf Profitabilität“, sagte er. Die frühere Expansion sei zu aggressiv gewesen: Teilweise lagen KiK-Filialen weniger als einen Kilometer auseinander und konkurrierten um dieselben Kunden.
Am 24. März 2026 bestätigte Kümmel der Deutschen Presse-Agentur, dass in Deutschland rund 135 Filialen geschlossen werden sollen. Andere Angaben sprechen von rund 150. Europaweit sind 300 Schließungen und 75 Neueröffnungen vorgesehen. Die Zahl der deutschen Filialen soll dadurch von rund 2.335 auf etwa 2.200 sinken. Deutschland bleibt der wichtigste Markt; mit mehr als 2.200 Standorten wäre KiK weiterhin Deutschlands größter Textildiscounter.
Rund 25 deutsche Filialen wurden bereits im ersten Quartal 2026 geschlossen, weitere Wellen folgten und folgen bis zum Jahresende. In Schweinfurt und Rottenburg wurde die Schließung bestätigt; dort wollte der Vermieter die Flächen anderweitig nutzen. Grundsätzlich lässt KiK Mietverträge unrentabler Standorte bei Ablauf auslaufen. Dauerhaft unprofitable Filialen mit laufendem Vertrag können nach Verhandlungen oder vorzeitiger Vertragsauflösung schließen.
Hinter dem Umbau stehen laut Einordnung anhaltende Inflation und geringere Ausgaben für Bekleidung, sinkende Kundenfrequenzen in schwächeren Lagen und der stärkere Wettbewerb durch Onlineanbieter wie Shein und Temu. Berichten der Lebensmittelzeitung zufolge haben europaweit etwa 400 Filialen wirtschaftliche Probleme, davon rund 170 in Deutschland.
Für Beschäftigte und Innenstädte
Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht geplant. Die rund 32.000 Beschäftigten – etwa 19.000 davon in Deutschland – sollen möglichst in anderen Filialen weiterarbeiten oder eine andere Lösung erhalten. Wegen des dichten Netzes sieht KiK nach eigener Darstellung meist zumutbare Alternativen in der Nähe. Trotzdem kann eine Versetzung längere Arbeitswege bedeuten; auf dem Papier klingt das leichter als morgens tatsächlich in den nächsten Ort zu fahren.
KiK ist ein wichtiger Mieter in kleinen Innenstädten, Fachmarktzentren und Nebenlagen. Wenn eine Filiale verschwindet, bleibt nicht immer sofort ein neuer Laden zurück. Leerstände können entstehen, und sinkende Kundenfrequenzen treffen womöglich auch benachbarte Geschäfte. Der Handelsverband Deutschland erwartet für 2026 bundesweit rund 296.600 stationäre Geschäfte. Flächen zwischen 400 und 750 Quadratmetern in Nebenlagen gelten als schwer nachzuvermieten; infrage kommen etwa Drogerien, Bäckereien oder Fitnessstudios.
Parallel sollen die verbleibenden Filialen modernisiert werden. Bis 2028 will KiK europaweit ein neues Konzept einführen – mit übersichtlicherer Warenanordnung, Shop-in-Shop-Bereichen und saisonalen Artikeln. Am Geschäftsmodell hält das Unternehmen fest: Rund 60 Prozent des Sortiments bestehen aus Textilien, hinzu kommen unter anderem Haushaltswaren, Dekoration, Bekleidung für die ganze Familie und weitere Non-Food-Artikel.
Unternehmen mit langer Expansionsgeschichte
KiK wurde 1994 von Stefan Heinig und der Tengelmann-Gruppe in Düsseldorf gegründet. Der Name steht für „Kunde ist König“. Seit 2020 gehört das Unternehmen vollständig zur Tengelmann-Gruppe unter Führung von Christian Haub; börsennotiert ist KiK nicht. Die Geschäfte verteilen sich auf 14 europäische Länder. Für 2024 nennt KiK einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro, für 2023 werden ebenfalls rund 2,4 Milliarden Euro angegeben.
Seit August 2025 ist Christian Kümmel Finanzvorstand und für die strategische Neuausrichtung zuständig. Seit November 2025 leitet Agnieszka Jaworska die kundennahen Bereiche einschließlich Einkauf und Sortimentsgestaltung. Nach Angaben aus dem Unternehmen gibt es keine Liquiditätsprobleme, KiK zahlt seine Mieten und ist nicht insolvenzgefährdet. Die Schließungen werden als strategische Entscheidung dargestellt, nicht als Folge einer akuten Insolvenz- oder Liquiditätskrise.
Ob am Ende tatsächlich 135, 150 oder eine andere Zahl auf dem Zettel steht, bleibt offen. Die bisher bekannten Listen enthalten öffentlich bestätigte oder bekannt gewordene Standorte und sind ausdrücklich möglicherweise unvollständig. In den Filialen wird derweil weiter verkauft, eingeräumt, ausgezeichnet – bis irgendwann das letzte Licht ausgeht.
