Mallorca verliert 853 Bankfilialen – persönliche Beratung wird zur Wegstrecke
Wer auf Mallorca am Bankschalter Geld abheben oder eine persönliche Frage klären will, muss inzwischen öfter suchen, fahren und warten. Auf den Balearen wird der Zugang zu persönlichen Bankdienstleistungen zunehmend schwieriger. Seit der Finanzkrise 2008 wurden 853 Bankfilialen geschlossen: Damals gab es 1.256 Standorte, Ende 2025 waren es noch 403. Allein 2025 verschwanden elf weitere Filialen.
Für Residenten bedeutet das längere Wege und eine stärkere Abhängigkeit vom Smartphone. Banking-Apps sind praktisch, solange sie funktionieren und man mit ihnen zurechtkommt. Wer eine Rentenüberweisung klären, ein Formular ausfüllen oder eine ungewöhnliche Kontobewegung erklärt bekommen möchte, steht mit einem Automaten allerdings ziemlich allein da.
Viele Automaten, aber nicht überall Beratung
Ende 2025 gab es auf den Balearen 2.316 Geldautomaten. 1.413 davon wurden von unabhängigen Betreibern betrieben, also nicht von Banken. Häufig stehen diese Geräte in touristischen Gebieten, Einkaufszentren oder an stark frequentierten Straßen. Bargeld gibt es dort meist schnell – persönliche Unterstützung bei Rentenüberweisungen, Formularen, Kontobewegungen oder individuellen Bankfragen aber nicht.
Vor der Auszahlung sollte man deshalb genau auf die angezeigten Gebühren schauen. Bei unabhängigen Automaten können zusätzliche Kosten anfallen. Die Transaktion lässt sich gegebenenfalls noch abbrechen, bevor das Geld herauskommt. Gerade Urlauber sollten in touristischen Zentren nicht davon ausgehen, dass jeder Automat kostenlos arbeitet.
Die Entwicklung trifft ältere Menschen besonders hart, ebenso Personen mit Seh- oder motorischen Einschränkungen und Menschen, die wenig Erfahrung mit digitalen Bankgeschäften haben. Schon die PIN-Eingabe oder die Navigation auf dem Bildschirm kann mühsam werden. Manche Senioren heben größere Beträge lieber am Bankschalter ab, statt an einem öffentlich zugänglichen Automaten mit neugierigen Blicken im Rücken.
Wer kein Auto hat oder nur eingeschränkt mobil ist, hat durch die längeren Wege zu Filialen zusätzliche Nachteile. Dass nur ein geringer Anteil der Bevölkerung ohne Filiale in der eigenen Gemeinde lebt, sagt daher wenig über tatsächliche Erreichbarkeit und Barrierefreiheit von Finanzdienstleistungen aus.
Deutschland macht ebenfalls dicht
Auch in Deutschland wird das Filialnetz seit Jahren kleiner. Ende 2024 gab es rund 17.900 Bankfilialen, Ende 2025 noch 16.789 Standorte. Bei den Geldautomaten wurden Ende 2024 rund 49.750 gezählt. Als Gründe gelten Kostensenkungen der Banken, die zunehmende Nutzung des Onlinebankings und die geringe Wirtschaftlichkeit kleiner Filialen.
Auf den Balearen fällt der Rückgang im Verhältnis zu Bevölkerung und Fläche besonders deutlich auf, weil das Filialnetz dort bereits erheblich verkleinert ist. Verbraucherschützer warnen zudem, dass die Digitalisierung nicht allen Bankkunden Vorteile bringt. Die deutsche Verbraucherzentrale kritisiert unter anderem unübersichtliche Kontogebühren und zusätzliche Kosten für Dienstleistungen, die früher selbstverständlich waren.
Beim Geldabheben lohnt sich ein Blick ins Preisverzeichnis: Nicht jeder Automat ist für jeden Kunden kostenlos. Geschäfte mit Bargeldservice können teilweise einspringen, sind aber nicht überall verfügbar und übernehmen nicht sämtliche Bankfunktionen. Die Bundesbank weist deshalb darauf hin, dass Filial- und Automatenschließungen die Bargeldversorgung verändern.
Was Residenten und Urlauber jetzt beachten sollten
- Vor längeren Wegen prüfen, wo ein Automat der eigenen Bank oder ein gebührenfreier Partnerautomat steht.
- Bei unabhängigen Automaten die angezeigten Gebühren vor der Auszahlung kontrollieren.
- Eine kostenpflichtige Transaktion gegebenenfalls abbrechen.
- Ältere Kunden sollten bei ihrer Bank nachfragen, welche persönlichen Leistungen noch am Schalter angeboten werden, ob alternative Beratungsstellen existieren und welche Unterstützung beim Onlinebanking verfügbar ist.
- Urlauber sollten gerade in touristischen Zentren nicht annehmen, dass jeder Geldautomat kostenlos ist.
Für einen kurzen Moment sah es in diesem Jahr sogar so aus, als würde Mallorca den nächsten Schritt gehen und Bargeld komplett abschaffen. Eine Ankündigung stellte den 1. Juli als Starttermin für verpflichtende Kartenzahlungen dar. Hinter der angeblichen Digitalisierungsstrategie der Balearen-Regierung und des Inselrats sollte das Motto „No cash, no problem“ stehen.
Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit sollten bekämpft, der Zahlungsverkehr effizienter und transparenter werden. Cafés, Strandbars und lokale Märkte wären besonders betroffen gewesen. Geplant klangen mobile Kartenterminals, QR-Code-Zahlungen am Strand und kontaktlose Zahlungen bei kleinen Dienstleistungen; internationale Zahlungsmethoden sollten flächendeckend akzeptiert werden. Für ältere Einwohner waren Schulungen vorgesehen, Hotels sollten Urlaubern Kurz-Lehrgänge anbieten. Finanzinstitute und Zahlungsanbieter, hieß es, bereiteten sich bereits vor.
Der Haken war groß und wurde am Ende ausdrücklich genannt: Die Ankündigung war ein Aprilscherz. Mallorca bleibt vorerst beim Bargeld.
Die Bargeldfrage in Deutschland
Die Bundesbank beurteilt den Zugang zu Bargeld in Deutschland trotz sinkender Zahlen von Geldautomaten und Bankfilialen weiterhin als weitgehend gesichert. Die Mehrheit der Bevölkerung erreicht einen Geldautomaten oder Bankschalter innerhalb von fünf Kilometern. Eine ausgebaute Bargeldinfrastruktur sei Voraussetzung dafür, Bargeld als Zahlungsmittel und zur Wertaufbewahrung nutzen zu können.
Geldautomaten bleiben die wichtigsten Abhebeorte: 96 Prozent der Befragten nutzen sie, dort werden 78 Prozent des insgesamt abgehobenen Bargelds bezogen. Abhebungen am Bankschalter, die während der Coronavirus-Pandemie zurückgegangen waren, gewannen wieder an Bedeutung. Ihr Anteil stieg von 11 Prozent im Jahr 2021 auf 13 Prozent im Jahr 2023. Auch die Ladenkasse hat sich als zusätzliche Möglichkeit etabliert; dort beziehen Verbraucher 9 Prozent ihrer insgesamt abgehobenen Beträge.
Die Zahl der Geldautomaten sank laut Bundesbank von rund 59.000 im Jahr 2018 auf derzeit etwa 51.000. Als mögliche Gründe nennt sie den zunehmenden Trend zum Onlinebanking und Geldautomatensprengungen. Gleichzeitig stieg der Anteil der Menschen, die den Zugang zu einem Geldautomaten oder Bankschalter als ziemlich oder sehr schwierig empfinden, von 6 Prozent im Jahr 2021 auf 15 Prozent im Jahr 2023. Die Mehrheit bewertet den Zugang weiterhin als einfach.
Rund 6.000 Gemeinden mit insgesamt 80,7 Millionen Einwohnern verfügen über mindestens einen Geldautomaten oder Bankschalter; davon profitieren etwa 96 Prozent der Bevölkerung. Rund 3,6 Millionen Menschen müssen ihre Gemeinde verlassen, um Bargeld abzuheben. Im Durchschnitt liegen 1,4 Kilometer, ungefähr drei Minuten Autofahrt, zwischen Wohnort und nächstem Abhebeort. In Stadtregionen sind es durchschnittlich 1,1 Kilometer, in ländlichen Regionen 1,9 Kilometer.
Innerhalb eines Fünf-Kilometer-Umkreises haben 90,3 Prozent der Bevölkerung in ländlichen Regionen und 98,1 Prozent in Stadtregionen Zugang zu einem Geldautomaten oder Bankschalter. Die Bundesbank bewertet die Bargeldversorgung trotz des Abbaus der Infrastruktur insgesamt als gut. Damit die Wahlfreiheit zwischen Bargeld und digitalen Zahlungsmitteln erhalten bleibt, müsse auch künftig eine funktionierende Bargeldinfrastruktur bestehen. Im Rahmen der Bargeldstrategie des Eurosystems setzt sie sich dafür ein, dass Bargeld als Zahlungsmittel und Wertaufbewahrungsmittel verfügbar bleibt.
