Memmingen ringt um die Zukunft des Galeria-Warenhauses
In Memmingen bleibt die Zukunft des Karstadt- beziehungsweise Galeria-Warenhauses offen. Eine Schließung ist nach den bislang vorliegenden städtischen Auskünften nicht beschlossen. Die Stadt hofft auf den Erhalt der Filiale, prüft aber zugleich, was mit dem großen Standort passieren könnte, falls es doch anders kommt. Mit Galeria steht die Verwaltung nach eigenen Angaben in Kontakt.
Das Warenhaus hat für die Innenstadt erhebliches Gewicht: Knapp ein Viertel der gesamten innerstädtischen Verkaufsfläche entfällt auf die Filiale. Wegen ihrer Größe und des breiten Angebots kommen auch Kundinnen und Kunden aus dem Umland nach Memmingen. Der Fortbestand stand in den vergangenen Jahren wiederholt infrage. Damit ist auch die künftige Nutzung des markanten Gebäudes im Stadtzentrum ungewiss.
Neun leere Ladenlokale in der Fußgängerzone
Nach einer städtischen Aufstellung vom 28. Oktober 2026 stehen in der Memminger Fußgängerzone neun Ladeneinheiten leer. Die Erdgeschosse summieren sich auf rund 1.350 Quadratmeter. Die einzelnen Flächen sind etwa 80 bis 250 Quadratmeter groß. Größere, zusammenhängende Erdgeschossflächen fehlen nach Einschätzung der Stadt. Flächen in Obergeschossen seien derzeit schwer zu vermarkten.
Für neue Geschäfte müsse einiges zusammenpassen: der Standort, die Kundenfrequenz und die Miethöhe. Die Angaben beziehen sich ausschließlich auf die Fußgängerzone. Ob ein neues Angebot funktioniert, entscheidet sich schließlich nicht nur an der Tür, sondern auch daran, wie viele Menschen davor vorbeikommen – und was sie dort ausgeben wollen.
Die Stadt führt Ansiedlungsgespräche in den Bereichen Textilien, Sport und Gastronomie. Potenzielle Händler werden an Eigentümer verfügbarer Ladenlokale vermittelt; außerdem spricht die Verwaltung über mögliche Umbauten. Mietbedingungen werden ausschließlich zwischen Mietern und Vermietern vereinbart. Zahlen zu den Gesprächen, ihrem jeweiligen Stand oder möglichen Eröffnungsterminen liegen nicht vor.
Kaum erwartet die Stadt derzeit, dass bestehende Geschäfte zusätzliche Flächen übernehmen. Beobachtet werde eher ein Trend zu kleineren Ladenlokalen sowie zur Umwandlung von Verkaufsräumen in Dienstleistungs- oder Gastronomieangebote. Die Wirtschaftsförderung bündelt die Aktivitäten zur Innenstadtentwicklung und ist Ansprechpartnerin. Personal und finanzielle Mittel seien allerdings knapp. Vorrang hat derzeit die Stabilisierung der nördlichen Fußgängerzone. Weitere Innenstadtveranstaltungen sind geplant, konkrete Inhalte und Termine wurden nicht genannt.
Haushaltswaren als mögliche Lücke
Im Sortiment Haushaltswaren sieht die Wirtschaftsförderung ein mögliches Defizit. Das Haushaltswarengeschäft Schwaderer hat eine Schließung angekündigt, während Karstadt über eine umfangreiche Haushaltswarenabteilung verfügt. Sollten beide Angebote wegfallen, könnte eine spürbare Lücke entstehen. Eine konkrete Sortiments-, Nachfrage- oder Kaufkraftanalyse gibt es dazu nicht.
Auch zu Kundenstruktur und Einzugsgebiet der Filiale, zum Kaufverhalten, zu besonders gefragten Warengruppen und Preissegmenten oder zu möglichen Angebotslücken bei einer Schließung liegen der Stadt keine Untersuchungen vor. Gleiches gilt für Erweiterungsmöglichkeiten bestehender Händler und die wirtschaftlich tragfähige Nachfrage nach neuen Geschäften. Für Informationen über Kundschaft und Sortiment verweist die Verwaltung auf Galeria.
Eine Aktualisierung des Einzelhandelskonzepts ist derzeit nicht geplant. Sollte Karstadt schließen, könnte eine Überarbeitung geprüft werden. Auf die Frage nach zusätzlichen internen Planungen oder Gesprächen für einen möglichen Schließungsfall antwortete die Stadt: „Keine zusätzlichen Informationen“.
Was aus dem Gebäude werden könnte
Wegen der turbulenten Vergangenheit des Galeria-Konzerns prüft die Stadtverwaltung auch alternative Nutzungen für den Standort. Dabei kann sie auf Erfahrungen mit der Schließung anderer Karstadt-Filialen zurückgreifen. Über die Zukunft der Immobilie entscheidet letztlich der Eigentümer. Laut Michael Haider besteht zwischen Stadt und Eigentümer ein sehr guter Kontakt.
Zu einem möglichen Kauf der Karstadt-Immobilie durch die Stadt macht die Verwaltung derzeit keine näheren Angaben. Sie will öffentlich mitteilbare Informationen bekannt geben, sobald diese vorliegen. Offen ist damit unter anderem, ob konkrete Kaufgespräche stattfinden, welchen Wert und baulichen Zustand das Gebäude hat und welche technische oder wirtschaftliche Nachnutzung möglich wäre.
Unklar bleiben außerdem die Kosten für Sanierung, Umbau oder Abriss, die Bedeutung des angeschlossenen Parkhauses, mögliche Förderprogramme und der notwendige Entscheidungszeitraum. Die Stellungnahme bestätigt weder einen konkreten Erwerbsprozess noch schließt sie ihn aus. Ein gesonderter Vorsorgeplan für eine mögliche Schließung ist bislang nicht erkennbar.
Die Stadt setzt vorerst auf die vorhandenen Instrumente: Ansiedlungsgespräche, die Vermittlung verfügbarer Ladenflächen, Kontakte zu Immobilieneigentümern und die Koordination durch die Wirtschaftsförderung. Eine Schließung wäre wegen der Größe und Bedeutung des Warenhauses allerdings nicht mit dem Auszug eines gewöhnlichen Einzelgeschäfts vergleichbar. Welche konkreten Angebote wegfallen und wie Memmingen darauf reagieren könnte, bleibt offen.
Beschäftigte und offene Fragen
Zur Zahl der Beschäftigten in der Memminger Karstadt-Filiale liegen der Stadt keine belastbaren Angaben vor; auch hier verweist sie auf Galeria. In mögliche Vermittlungs-, Beratungs- oder Qualifizierungsangebote ist die Stadt bislang nicht eingebunden. Als Ansprechpartnerin für arbeitsmarktbezogene Fragen nennt sie die Agentur für Arbeit.
Ein vorsorglicher Austausch zwischen Stadt, Galeria, Betriebsrat und Arbeitsagentur ist laut Wirtschaftsförderung nicht vorgesehen. Bei Bedarf sei die Stadt zu Gesprächen bereit. Ob die genannten Stellen unabhängig von der Stadt bereits Vorbereitungen treffen, ist aus den Auskünften nicht ersichtlich.
Der Standort zeigt zugleich ein Problem, das viele Innenstädte beschäftigt. Leerstehende Häuser, Wohnungen und Gewerbeobjekte können neben Baulücken, Brachflächen und zusätzlich nutzbaren Grundstücken großes Entwicklungspotenzial bieten. Aktiv beim Verkauf oder bei der Neuvermietung unterstützen Kommunen Eigentümer bislang allerdings nur selten. Gerade im ländlichen Raum wächst der Handlungsdruck durch den demografischen Wandel und den damit verbundenen Gebäudeleerstand; hinzu kommt der Rückgang des stationären Einzelhandels, der durch die Folgen der Corona-Krise noch verstärkt wurde.
Ein aktives Leerstandsmanagement könnte mit einem Leerstandskataster oder einer entsprechenden Datenbank beginnen. Dazu gehört auch eine Anlaufstelle für Eigentümer, die Hilfe bei Vermarktung oder Neuvermietung suchen. Empfohlen wird außerdem ein Leerstandsmelder, über den bestehender und drohender Leerstand an zuständige Sachbearbeiter gemeldet werden kann.
Eine Kommune kann Eigentümer dann etwa bei der Veröffentlichung eines Objekts in einem Immobilienportal unterstützen oder über Fördermöglichkeiten, beispielsweise aus der Dorfentwicklung, beraten. Ein Kommunales Immobilienportal ermöglicht Bürgern zudem, Leerstände selbstständig einzustellen. Für die Wirtschaftsförderung entsteht so frühzeitig ein Überblick über verfügbare Flächen – auch dort, wo heute noch niemand genau weiß, was aus dem großen Gebäude mitten in Memmingen werden soll.
