Das Biberacher Modeunternehmen Modehaus Keller-Warth GmbH hat Anfang Oktober beim Amtsgericht Ravensburg einen Insolvenzantrag gestellt. Das Gericht hatte bereits am 29. September 2026 Sicherungsmaßnahmen angeordnet und den Ulmer Rechtsanwalt Michael Winterhoff zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Der Geschäftsbetrieb läuft zunächst weiter. Ziel ist eine wirtschaftliche Neuaufstellung, die Sanierung und Fortführung des Familienunternehmens sowie der Erhalt möglichst vieler Standorte und Arbeitsplätze. Im Unternehmen arbeiten knapp 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Zwei Geschäfte sind bereits geschlossen

Von ursprünglich 14 WARTH-Stores an sieben Standorten in Süddeutschland sind inzwischen zwei geschlossen. Betroffen sind der Warth-Blu-Store am Laupheimer Marktplatz und der Marc-O’Polo-Store am Biberacher Marktplatz. Nach Angaben des Unternehmens stehen beide Schließungen nicht unmittelbar mit dem Insolvenzantrag in Zusammenhang.

Der Warth-Blu-Store in Laupheim schloss am 14. Oktober und ist inzwischen vollständig geräumt. Hintergrund ist laut Marketingchefin Jessica Hahn eine mietrechtliche Auseinandersetzung, die schon vor Beginn des Insolvenzverfahrens bestand. Eine Wiedereröffnung in Laupheim – auch an einem anderen Standort – ist derzeit nicht geplant. Gleichnamige Warth-Blu-Filialen gibt es weiterhin in Biberach und Ravensburg.

Der Marc-O’Polo-Store in Biberach war bereits vor dem Insolvenzantrag vorübergehend geschlossen worden. Das Unternehmen verweist auf offene Fragen bei der Warenversorgung und der personellen Besetzung. Im Schaufenster kündigt ein Schild seit Längerem eine voraussichtliche Wiedereröffnung mit neuer Ware an. Wie es mit dem Geschäft weitergeht, soll im Rahmen der laufenden Standortbewertung entschieden werden.

Jede Filiale wird überprüft

Warth prüft derzeit jeden Standort wirtschaftlich und strategisch. Auch die wirtschaftlichen Strukturen und das Filialnetz sollen an die veränderten Bedingungen angepasst werden. Mit Herstellern, Vermietern und weiteren Geschäftspartnern arbeitet das Unternehmen an den Grundlagen für eine Sanierung.

Konkrete Entscheidungen über weitere Filialschließungen gibt es bislang nicht. Welche Standorte oder Beschäftigten betroffen sein könnten, ist offen. Die Bewertung und die Entwicklung tragfähiger Perspektiven werden noch Zeit benötigen. Der vorläufige Insolvenzverwalter prüft unter anderem, ob das Gesellschaftsvermögen die Verfahrenskosten deckt und welche Aussichten für eine Fortführung bestehen.

Als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt Warth die Folgen der Corona-Schließungen, rückläufige Besucherzahlen in den Innenstädten, anhaltende Konsumzurückhaltung und deutlich gestiegene Kosten. Das ursprüngliche Filialnetz umfasst 14 Stores in Biberach, Ravensburg, Laupheim, Riedlingen, Oberjoch, Überlingen und Freiburg. Weiterhin geöffnet sind Warth-Stores in Biberach, Ravensburg, Riedlingen, Oberjoch, Überlingen und Freiburg.

Ein traditionsreiches Haus in einem schwierigen Markt

Gegründet wurde die Modehaus Keller-Warth GmbH 1864 in Biberach. Heute führt Günter Warth das Unternehmen in fünfter Generation. Das Haus blickt damit auf eine 162-jährige Geschichte zurück – eine lange Zeit für ein Geschäft, dessen Alltag inzwischen stark von Onlinehandel, Kosten- und Frequenzdruck geprägt ist.

Warth steht damit nicht allein. Im deutschen Textil- und Bekleidungseinzelhandel gab es in den vergangenen Jahren mehrere Insolvenzen größerer Unternehmen: Peek & Cloppenburg 2023, Gerry Weber 2019 und 2023 sowie Görtz 2023 und 2025. Im ersten Quartal 2025 wurden zwar weniger Insolvenzverfahren registriert als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Zahl blieb dennoch hoch.

Als Gründe werden ein intensiver Verdrängungswettbewerb und stagnierende Umsätze genannt. Die höchste Zahl an Insolvenzen wurde 2009 erreicht, als die Finanzkrise eine Wirtschaftskrise auslöste und den Textileinzelhandel stark belastete. Zugleich ist die Zahl der Bekleidungseinzelhändler in Deutschland von mehr als 32.000 im Jahr 2002 auf aktuell rund 12.000 gesunken.