In der Alaunstraße 21 in Dresden-Neustadt bekommt eine bekannte Ladenfläche einen neuen Betreiber: In den ehemaligen Konsum zieht Netto Marken-Discount ein. Die rund 1.100 Quadratmeter großen Räume sollen am Dienstag, 22. Dezember 2026, als Netto-Markt eröffnet werden.

Bis dahin wird die ungenutzte Fläche renoviert und optisch neu gestaltet. Die Verkaufsfläche bleibt unverändert groß. Geplant sind Öffnungszeiten von Montag bis Sonnabend beziehungsweise Samstag, jeweils von 7 bis 22 Uhr.

Fünf Netto-Märkte auf engem Raum

Die Konsum-Genossenschaft hatte den Standort Ende 2025 geschlossen. Für Netto ist es in der Äußeren Neustadt bereits der dritte Markt: Weitere Filialen gibt es an der Kamenzer Straße und an der Königsbrücker Straße. Zusammen mit den Märkten an der Rudolf-Leonhardt-Straße und der Johann-Meyer-Straße im angrenzenden Hechtviertel entstehen damit fünf Netto-Märkte in einem räumlich begrenzten Gebiet.

Ob dafür eine bestehende Filiale geschlossen oder verkleinert wird, ließ Netto offen. Auch zur Zahl der Beschäftigten machte das Unternehmen keine Angaben. Unklar bleibt außerdem, ob ehemalige Konsum-Mitarbeiter übernommen werden. Als Grund für den neuen Standort nennt Netto die wohnortnahe Versorgung und die Ergänzung des bestehenden Standortnetzes.

Netto Marken-Discount hat seinen Hauptsitz in Maxhütte-Haidhof in Bayern und gehört zum Edeka-Konzern. Im neuen Markt soll das reguläre Netto-Sortiment mit mehr als 5.000 Artikeln angeboten werden. Schwerpunkte liegen nach Unternehmensangaben auf Frische und Regionalität.

Bio-Sortiment mit BioBio und Verbandsware

Zum Angebot gehören außerdem mehr als 1.000 Bio-Artikelsorten aus dem Standard-, Saison- und Aktionssortiment. Mehr als 500 Produkte laufen unter der Eigenmarke BioBio. Über 150 Bio-Produkte sollen nach den Standards von Naturland oder Biokreis zertifiziert sein – und damit über dem gesetzlichen EU-Bio-Standard liegen.

Der Wechsel kommt für den früheren Betreiber an einem geschichtsträchtigen Ort. KONSUM DRESDEN eG ist eine eingetragene Konsumgenossenschaft mit Sitz in Dresden und betreibt 30 Konsum- und Frida-Märkte in Sachsen. Die Genossenschaft wird von Vorstandssprecher Sören Goldemann und Vorstandsmitglied Roger Ulke geleitet; Aufsichtsratsvorsitzender ist Martin Bergner.

Vom Konsumverein zur heutigen Genossenschaft

Die heutige Genossenschaft entstand 1990 durch den Zusammenschluss der Konsumgenossenschaften Dresden Stadt und Kreis Dresden-Land. Sie gilt als Rechtsnachfolgerin des Konsumvereins Vorwärts für Dresden und Umgebung eG. Dessen Wurzeln reichen weit zurück: 1882 wurde in Pieschen auf der Konkordienstraße der erste sächsische Konsumverein gegründet, am 4. Juni 1888 folgte der Konsumverein Vorwärts für Dresden und Umgebung eG.

Grundlage waren die Rochdaler Grundsätze: unverfälschte Waren und Barzahlung. Hintergrund waren verbreitete Lebensmittelverfälschungen und die Abhängigkeit ärmerer Kunden vom örtlichen Handel, wenn beim Anschreiben eingekauft werden musste. 1892 entstand die Einkaufsvereinigung Dresden als vierte deutsche Einkaufsvereinigung. Zwei Jahre später erwarb der Konsumverein Vorwärts ein Grundstück und errichtete sein erstes eigenes Lebensmittellager. Damals zählte er 6.238 Mitglieder und erzielte einen Jahresumsatz von 1,205 Mio. Mark.

Der Verein gehörte zu den Gründungsgesellschaftern der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine, kurz GEG. Max Hoppe aus dem Vorwärts-Vorstand wurde 1897 Vorsitzender des GEG-Aufsichtsrats. Max Radestock, Geschäftsführer des Konsumvereins Pieschen, arbeitete den Satzungsentwurf für den 1903 in Dresden gegründeten Zentralverband deutscher Konsumvereine aus und wurde dessen Vorsitzender.

Auch finanziell mischten Dresdner Genossenschaften kräftig mit: Für eine GEG-Seifenfabrik zeichnete der Konsumverein Pieschen 70.000 Mark, der Vorwärts 30.000 Mark. 1931 eröffnete der Konsumverein Vorwärts eine Fleischverarbeitungsfabrik in der Dresdner Fabrikstraße. Das Gebäude ist erhalten und steht unter Denkmalschutz.

Nach der NS-Machtübernahme verschwand der Name „Vorwärts“, die Genossenschaft wurde in die Verbrauchergenossenschaft Dresden überführt. Wegen der Weltwirtschaftskrise, nationalsozialistischer Gesetze und Liquiditätsproblemen mussten Vorstand und Aufsichtsrat die Liquidation bis Mai 1936 beschließen. Insgesamt gaben auf diesem oder ähnlichem Weg 73 deutsche Konsumgenossenschaften auf; Grundstücke und Lebensmittel-Verteilerstellen in Dresden wurden enteignet.

30 Märkte, mehr als 20.000 Mitglieder

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlaubte der SMAD-Befehl 176 die Neugründung von Genossenschaften. Zwischen 1946 und 1948 entstanden in Dresden die Konsumgenossenschaften Nord, Ost, Süd und West. Sie fusionierten später zu den Konsumgenossenschaften Dresden Stadt und Kreis Dresden-Land; das 1935/36 enteignete Eigentum wurde auf die Genossenschaften übertragen. Im Zuge der Bodenreform mussten sie zwischen 1956 und 1959 zahlreiche Grundstücke abgeben.

1967 wurde die erste Konsum-Kaufhalle in Dresden errichtet, 1977 eröffnete Konsum Dresden die erste eigene Gaststätte. Ab 1991 begann ein Sanierungsprozess und der Aufbau eines marktwirtschaftlich ausgerichteten Vertriebsnetzes. Nach der Übernahme von Kaiser’s-Märkten im Jahr 2000 wurde Konsum Marktführer in Dresden. Seit 2000 gehören regionale und internationale Spezialitäten zum Sortiment, seit 2004 erwirtschaftet die Genossenschaft wieder Gewinne.

2002 kam die Mitglieder-Card und ersetzte das seit 1888 bestehende Rabattmarkenheft. 2003 eröffnete in Plauen/Vogtland die erste Filiale außerhalb Dresdens und Umgebung. 2005 ließ Konsum als erstes deutsches Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen alle Filialen mit dem Frische-TÜV zertifizieren. Ein Frische-Shop in Erlangen folgte 2007; die insgesamt vier fränkischen Märkte wurden wegen hoher Verluste später geschlossen. Seit August 2019 ist Sören Goldemann Vorstand.

Die Genossenschaft hat mehr als 20.000 Mitglieder. Ihre Einlagen gehören der Genossenschaft, die Mitglieder erhalten Rückvergütungen, Einkaufsrabatte und Dividenden. Von 2015 bis 2025 wurden rund 3,2 Mio. Euro an Mitglieder ausgeschüttet. 2014 veranstaltete KONSUM erstmals eine Weinmesse, aus der später „VINO – die lange Nacht der Weine“ hervorging.

Für 2020 weist KONSUM DRESDEN 805 Beschäftigte aus, darunter 76 Auszubildende, einen Umsatz von 122,2 Mio. Euro, ein Jahresergebnis von 830.000 Euro und eine Umsatzrendite von 0,67 Prozent. 2019 waren es 111,8 Mio. Euro Umsatz und 0,28 Prozent Umsatzrendite, 2018 109,5 Mio. Euro und 0,34 Prozent; die Umsatzrendite lag 2017 bei 0,75 Prozent. Der Anstieg von Umsatz und Ergebnis im Jahr 2020 wurde unter anderem mit einem höheren Einkaufsvolumen während der Corona-Pandemie und der nur teilweise weitergegebenen temporären Umsatzsteuersenkung erklärt.

2018 erzielten 831 Beschäftigte einen Umsatz von 109,5 Mio. Euro. Frischwaren machten 54,2 Prozent des Gesamtsortiments aus, überwiegend von Lebensmittelpartnern aus der Region. 2019 wurden 10,2 Mio. Einkaufsbons registriert. Rund 3.500 Produkte stammten aus Sachsen und erzielten 22,7 Prozent des Umsatzes; die Umsatzrendite lag bei 0,28 Prozent. Die Mehrheit der Beschäftigten erhält einen Stundenlohn leicht über dem Mindestlohn, die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit beträgt 14 Jahre.

Ökologisch ist die Genossenschaft seit Jahren aktiv: Sie erhielt als erster Lebensmittelhändler europaweit für alle Standorte die EMAS-Zertifizierung und erneuert diese seit 2019 jährlich. Seit 2016 ist KONSUM DRESDEN Mitglied der Umweltallianz Sachsen. Die Zentrale befindet sich seit 1993 in einem 1910 errichteten Gebäude an der Tharandter Straße. Das 2.141,06 Quadratmeter große Gebäude wurde im Juni 2024 mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, die unter anderem Ladestationen für Elektrofahrzeuge des Fuhrparks versorgt. 50 Prozent des genutzten Stroms stammen aus erneuerbaren Energien.

Im Frühjahr 2020 richtete KONSUM für Pandemie- und Quarantänefälle einen telefonisch und per E-Mail nutzbaren Lieferservice ein. Im Dezember 2020 kam ein Onlineshop hinzu, der 2 bis 3 Prozent des Umsatzes erzielen sollte. Nach dem Ende der Pandemie wurden Lieferservice und Onlineshop wegen fehlender Nachfrage eingestellt.

Das 130-jährige Bestehen wurde 2018 mit einem Mitarbeiterfest im Kraftwerk Mitte in Dresden gefeiert. Am 2. Juni 2023 folgte zum 135-jährigen Bestehen ein Empfang mit Ministerpräsident Michael Kretschmer. Am 28. Oktober 2024 wurde bekanntgegeben, dass KONSUM DRESDEN Mitglied der Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen werden soll, sobald das Bundeskartellamt die Fusion genehmigt. Ab Februar 2026 startete die „Preisparade“-Kampagne mit günstigeren Preisen, Aktionsangeboten und EDEKA-Eigenmarken. Regionalität, Qualität und ein familiäres Einkaufserlebnis sollten dabei erhalten bleiben.

Ausgezeichnet wurde KONSUM DRESDEN unter anderem als „Supermarkt des Jahres“ 2003 und 2018, mit dem Deutschen Fruchtpreis 2001, 2002, 2004 und 2022 sowie dem Fleisch-Star 2001 und 2024. Hinzu kommen der Bio-Handelspreis 2008, „Ein Herz für Bio“ 2007 und 2008, der Kreativ Award 2007 und 2008, der Turnarounder des Jahres 2007, Top-Arbeitgeber 2007, der Ehrenbrief der Interessengemeinschaft für gesunde Lebensmittel 2006 und das Ausbildungs-Ass in Gold 2003.