Fürth verliert seine Tegut-Märkte nicht vollständig – aber die Veränderungen sind deutlich. Die Supermarkt-Kette ist mit vielen Filialen in Franken vertreten, darunter zwei in Fürth. Der Markt in der Gustav-Schickedanz-Straße wird von der Edeka-Tochter Netto übernommen.

Andere Standorte haben weniger Glück: Viele Tegut-Filialen, darunter mehrere in Franken, schließen Ende Oktober. Zum Abschied läuft noch der „Danke-Rabatt“, der bis zum 17. Oktober gilt. Wer dort einkauft, bekommt also noch bis morgen reduzierte Preise – ein etwas wehmütiger Schlussstrich zwischen Einkaufswagen, leeren Regalen und dem letzten Gang zur Kasse. Die ersten Details zur weiteren Entwicklung der Tegut-Filialen in Mittelfranken zeichnen damit ein ziemlich unruhiges Bild.

Vom fränkischen Markt zum großen Filialnetz

Die Geschichte des Unternehmens reicht bis 1947 zurück. Damals gründete Theo Gutberlet das Handelsunternehmen unter dem Namen „Thegu“, abgeleitet aus seinen Initialen. 1955 wurde daraus „Tegut“. Größere Filialen firmierten ab 1961 unter „HaWeGe“, der „HandelsWarenGesellschaft“, kleinere Märkte ab 1973 unter „Okay“.

In den folgenden Jahrzehnten baute Tegut die eigene Struktur aus: 1972 entstand die Wurst- und Fleischverarbeitung kff Kurhessische Fleischwaren GmbH, 1973 übernahm Wolfgang Gutberlet, der Sohn des Gründers, die Unternehmensführung. Ab 1982 setzte sich Tegut für Anbau und Vermarktung von Bio-Lebensmitteln ein. 1989 wurde das Unternehmen in eine Stiftung überführt; deren Aufsichtsrat setzt die Geschäftsführung ein. 1996 kam die Bio-Bäckerei herzberger Bäckerei GmbH als Tochterunternehmen hinzu.

1997 war Tegut nach eigenen Angaben der erste deutsche Lebensmittelhändler, der Kreditkartenzahlungen akzeptierte. Ein Jahr später wurde das Unternehmen in „tegut…“ umbenannt, und auch die Märkte trugen fortan diesen Namen. 2010 folgte das Konzept „Lädchen für alles“ für kleinere Geschäfte in ländlichen Gemeinden und Stadtteilen.

Migros, Verluste und neue Verkaufspläne

Am 11. Oktober 2012 wurde bekanntgegeben, dass die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) die Tegut-Handelssparte übernehmen würde. Nach kartellrechtlicher Genehmigung und der Zustimmung des Migros-Genossenschafts-Bundes wurde die Übernahme im Januar 2013 wirksam. Die GMZ übernahm die Handelssparte der ehemaligen „tegut… Gutberlet Stiftung & Co. KG“. Die Produktionsbetriebe Herzberger Bäckerei und KFF sowie die landwirtschaftlichen Betriebe verblieben bei der neu gegründeten „W–E–G Stiftung & Co. KG“.

Ende 2016 verkaufte die Gutberlet-Stiftung ihre Anteile an KFF an die Deuerer-Gruppe aus Bretten. KFF war nach dem Wegfall von Tegut als Hauptkunden wirtschaftlich gefährdet. Im Mai 2017 wurde die Herzberger Bäckerei wieder in die Tegut-Gruppe eingegliedert.

Die Entwicklung blieb dennoch holprig. Zwischen 2013 und 2023 erzielte Tegut nur in vier Jahren keinen Verlust. Nach hohen Verlusten der Schweizer Muttergesellschaft in den Jahren 2022 und 2023 teilte die Genossenschaft Migros Zürich 2024 mit, dass kein Verkauf von Tegut geplant sei. Laut Lebensmittel Zeitung wollte Migros bis Ende 2024 über die weitere Zukunft des Unternehmens entscheiden.

Am 14. November 2024 wurde schließlich bekannt, dass Migros Zürich jede zehnte Tegut-Filiale verkaufen, 120 Vollzeitstellen in der Fuldaer Zentrale abbauen und die Geschäftsleitung erneuern will. Der bisherige Geschäftsführer Thomas Gutberlet, Enkel des Unternehmensgründers, verließ das Unternehmen mit sofortiger Wirkung. Er hatte seit dem 30. August 2009 den Vorsitz inne.

Auch bei der Logistik wurde umgebaut: Die Standorte in Seebergen und Fulda wurden Anfang 2024 geschlossen. Seit Juli 2024 läuft die Logistik über das neue, an der A7 gelegene Logistikzentrum Michelsrombach. Anfang Dezember 2024 setzte Migros Zürich Tegut eine Frist bis Ende 2026, um wieder Gewinne zu erzielen.

Im März 2026 berichteten mehrere Medien über einen möglichen Verkauf der Supermarktkette. Zahlreiche Filialen sollen von Edeka, Rewe und Tante Enso übernommen werden. Die Zentrale in Fulda soll voraussichtlich Ende März 2027 geschlossen werden. Für die Beschäftigten und die Kundschaft vor Ort klingt das nach einer langen Übergangsphase – und in Fürth ist mit Netto nun ein erster neuer Betreiber konkret benannt.

Was von Tegut vor Ort bleibt

Tegut betreibt mehr als 300 Filialen, überwiegend in der Nähe des Unternehmenssitzes in Fulda. Das Netz umfasst vor allem Hessen, Thüringen und den Westen Frankens, außerdem einzelne Standorte in Mainz und im Raum Göttingen. Durch die Expansion von Migros kamen Filialen im Raum Stuttgart und München hinzu. 2014 eröffnete Tegut in Stuttgart den ersten Markt außerhalb des bisherigen Verbreitungsgebiets.

2023 übernahm Tegut 19 Filialen und alle Mitarbeitenden der insolventen Bio-Supermarktkette Basic. Diese Märkte werden schrittweise auf Tegut umgestellt. Parallel setzte das Unternehmen auf kleine, digitale Läden: Im November 2020 eröffnete in Fulda der erste „tegut… teo“-Laden. Das Kleinstgeschäft bietet auf 50 Quadratmetern rund 950 Produkte des täglichen Bedarfs; Selbstbedienungstechnologie ermöglicht die Öffnung rund um die Uhr. Anfang März 2024 gab es 39 teo-Märkte.

Ganz reibungslos lief auch dieses Konzept nicht. Aufgrund einer Neubewertung der Rechtslage durften teo-Märkte in Hessen von Januar bis zur Neufassung des Ladenöffnungsgesetzes im Juli 2024 trotz fehlenden Verkaufspersonals sonntags und an Feiertagen nicht öffnen. In der Schweiz startete Migros das teo-Konzept bereits im Oktober 2022; dort sind die Märkte auch am Wochenende rund um die Uhr geöffnet. 2024 wurde in Fulda die Smart Retail Solutions GmbH gegründet, um teo als Franchise-Konzept zu vertreiben. Das Unternehmen ist eine Tochter der Migros, Schwesterunternehmen von Tegut und Betreiberin der teo-Märkte, die inzwischen nicht mehr zu Tegut gehören.

Ein Stück Tegut steckt für viele Kundinnen und Kunden auch im Geruch frischer Backwaren. In einigen Märkten gab es im Vorkassenbereich Bäckereitheken von Herzberger. 2012 kündigte Tegut an, diese selbst betriebenen Marktcafés aufzugeben und die Flächen an regionale Bäckereien zu vergeben. Herzberger-Backwaren werden seitdem nur noch im Selbstbedienungsbereich der Märkte verkauft.

Krisen, Cyberattacke und der Blick zurück

Ende April 2021 führte eine Cyberattacke zum Ausfall des Warenwirtschaftssystems – die Regale blieben dadurch teilweise leer. Hacker veröffentlichten außerdem eine Datenbank mit persönlichen Daten von Kundenkartenbesitzern im Darknet. Ein nüchterner Satz, hinter dem für Betroffene vermutlich ziemlich viel Ärger steckte.

Nun geht es in Franken um ganz praktische Fragen: Welche Filiale bleibt, wer übernimmt sie, und wo wird künftig eingekauft? In Fürth ist die Antwort für den Standort in der Gustav-Schickedanz-Straße mit Netto verbunden. Andere Tegut-Märkte schließen Ende Oktober. Bis zum 17. Oktober läuft dort noch der „Danke-Rabatt“ – viel Zeit bleibt also nicht.