Für Kundinnen und Kunden im Landkreis Cloppenburg gibt es vorerst Entwarnung: Kik plant aktuell keine Schließung seiner neun Filialen in Barßel, Ramsloh, Friesoythe, Bösel, Garrel, Molbergen, Cloppenburg, Emstek und Löningen. Das teilte das Unternehmen mit. Anderswo wird dagegen kräftig gestrichen.

Die Einzelhandelskette schließt 2026 zahlreiche Standorte in Deutschland. Nach Angaben des Unternehmens waren für dieses Jahr zunächst 150 Filialschließungen geplant; 15 Neueröffnungen stehen dem gegenüber. Europaweit sollen bis Ende 2026 etwa 300 Standorte aufgegeben und 75 neue eröffnet werden. Eine andere Unternehmensangabe nennt europaweit mehr als 200 geplante Schließungen und ein Netz von rund 4.000 Standorten bis Jahresende.

Vechta bereits betroffen, Cloppenburg bleibt verschont

Im Nachbarlandkreis Vechta ist die Filiale am Bremer Tor bereits geschlossen. In der veröffentlichten Übersicht wird für Vechta eine Schließung zum 5. August genannt. Als weitere niedersächsische Fälle führt die Liste Bergen, Dassel, Dörpen, Emsbüren, Gieboldehausen, Nordenham Innenstadt, Pattensen, Salzgitter, Salzhemmendorf und Twistringen auf. Dörpen und Nordenham gehörten auch zu den rund 76 Standorten, die ein vom „Münchner Merkur“ veröffentlichter Zwischenstand bislang als von Schließungen betroffen nennt.

Für die neun Kik-Filialen im Landkreis Cloppenburg gilt nach aktuellem Stand: keine Schließung geplant. In Friesoythe kennt man allerdings schon eine kleine Filialgeschichte. Zwischen 2016 und 2017 gab es zeitweise zwei Standorte. Die Filiale am alten Hafen wurde nach der Neueröffnung an der Bahnhofstraße wieder geschlossen; die Beschäftigten wurden damals weiterbeschäftigt.

Dass eine vollständige Liste fehlt, macht die Sache unübersichtlich. Kik veröffentlicht keine komplette Übersicht aller betroffenen Standorte; deshalb wird sie aus Unternehmensangaben und Berichten lokaler Medien zusammengestellt. Laut dem vorliegenden Stand sind 76 Schließungen offiziell bestätigt oder durch Lokalmedien bekannt. Weitere, bislang nicht öffentlich bekannte Fälle sind möglich. Teilweise laufen oder liefen Räumungsverkäufe, nähere Angaben dazu macht Kik nicht.

Die bisher genannten Schließungen 2026

In Baden-Württemberg sind Bopfingen und Östringen im ersten Quartal geschlossen worden, Rottenburg zum 31. März, Wutöschingen zum 18. September und Stuttgart mit einer Filiale ebenfalls im ersten Quartal. Mengen soll zum 16. Oktober schließen, Pfullendorf im November.

In Bayern listet die Übersicht Bad Windsheim, Burgthann, Freyung, Peißenberg und Wunsiedel als geschlossen; Burgthann, Freyung, Peißenberg und Wunsiedel im ersten Quartal. Schongau schloss im Januar, Schweinfurt zum 11. Februar, Uffenheim zum 14. März, München-Neuperlach zum 14. Juli, München-Aubing zum 12. September und München-Feldmoching zum 16. September. Gunzenhausen soll zum 15. Oktober schließen.

Für Berlin werden zwei Filialen genannt, beide im ersten Quartal geschlossen. In Brandenburg sind Doberlug-Kirchhain und Lübbenau im ersten Quartal geschlossen worden, Fehrbellin und Vetschau ebenfalls. Brandenburg an der Havel schloss zum 16. Juli. Bad Liebenwerda soll am 14. Dezember folgen, Forst am 28. November und Potsdam-Babelsberg am 31. Dezember.

Neu auf der Liste sind Fürstenberg und Stockelsdorf, jeweils mit Schließung im November 2026. Gerüchte über Fürstenberg hatte Kik im Mai zunächst dementiert. In Stockelsdorf soll das Sortiment laut einer Leserinformation bereits stark reduziert sein. Beide Schließungen bestätigte das Unternehmen für November.

Hamburg ist mit Bramfeld, geschlossen im ersten Quartal, und Steilshoop, geschlossen zum 12. September, vertreten. In Hessen betrifft es Bad Soden-Salmünster zum 18. April, Bad Wildungen Innenstadt, Dreieich-Sprendlingen und Frankfurt mit jeweils einer Filiale im ersten Quartal sowie Oberursel. Heppenheim mit einer Filiale soll Ende 2026 schließen.

Für Mecklenburg-Vorpommern nennt die Liste Altentreptow und Hagenow, beide im ersten Quartal geschlossen, sowie Stralsund. In Nordrhein-Westfalen sind Essen, Marl, Ochtrup und Troisdorf-Mitte im ersten Quartal geschlossen worden. Radevormwald ist ebenfalls geschlossen, Hamm mit zwei Filialen zum 27. August beziehungsweise im Oktober, Wassenberg zum 14. September.

In Sachsen stehen Dresden mit einer Filiale, Falkenstein und Seiffen für das erste Quartal, Gröditz und Plauen für den 17. September. Sachsen-Anhalt ist mit Dessau und Halle-Südstadt im ersten Quartal sowie Magdeburg mit einer Filiale zum 3. September vertreten.

In Schleswig-Holstein schloss Marne seit Mitte Juli, Preetz zum 21. März und Büdelsdorf zum 13. April; Stockelsdorf folgt im November. Thüringen nennt Bad Frankenhausen mit einer Schließung im Herbst, Hildburghausen zum 16. Mai, Meiningen im ersten Quartal und Stadtroda seit Mitte Juli.

Warum Kik das Netz ausdünnt

Kik begründet das Programm damit, zu dicht expandiert zu haben und das Filialportfolio stärker auf Profitabilität auszurichten. Finanzvorstand Christian Kümmel bestätigte am 24. März 2026 gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass in Deutschland rund 135 Filialen geschlossen werden. Das deutsche Netz soll von rund 2.335 auf etwa 2.200 Standorte sinken. Nach dem ersten Quartal war ein erster Block von rund 25 deutschen Filialen geschlossen.

Filialen mit auslaufenden Mietverträgen und unzureichender Wirtschaftlichkeit werden nicht weitergeführt. Dauerhaft unprofitable Standorte können auch bei laufenden Verträgen durch Verhandlungen mit Vermietern oder vorzeitige Vertragsauflösungen beendet werden. In Schweinfurt und Rottenburg wollten Vermieter die Flächen anderweitig nutzen.

Hinter den Zahlen stehen mehrere Baustellen: anhaltende Inflation und damit weniger Geld für Kleidung, sinkende Kundenfrequenz in schwächeren Lagen und der wachsende Druck durch Online-Anbieter wie Shein und Temu. Insiderberichte der Lebensmittelzeitung sprechen europaweit von etwa 400 Filialen mit wirtschaftlichen Problemen, davon rund 170 in Deutschland.

Deutschland bleibt für Kik der wichtigste Markt. Mit weiterhin mehr als 2.200 Filialen wäre das Unternehmen der größte Textildiscounter Deutschlands. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht geplant; Beschäftigte geschlossener Filialen sollen in anderen Märkten weiterarbeiten oder anderweitig eingesetzt werden. Für manche kann das allerdings längere Arbeitswege oder eine Versetzung bedeuten.

Leerstände, neue Läden und ein anderes Konzept

Kik ist ein wichtiger Mieter in kleinen Innenstädten, Fachmarktzentren und Nebenlagen. Wenn dort ein Laden verschwindet, bleibt nicht bloß ein leeres Schaufenster: Weniger Laufkundschaft kann auch benachbarte Geschäfte treffen. Flächen von etwa 400 bis 750 Quadratmetern gelten in Nebenlagen als schwer nachzuvermieten. Drogerien, Bäckereien oder Fitnessstudios kommen als mögliche Nachnutzer infrage.

Der Handelsverband Deutschland erwartet für 2026 rund 296.600 stationäre Geschäfte in Deutschland. Kik will derweil 75 Neueröffnungen in Europa auf den Weg bringen und bis 2028 ein neues Filialkonzept ausrollen. Geplant sind eine übersichtlichere Warenanordnung, Shop-in-Shop-Bereiche und saisonale Artikel. Die Kette möchte stärker als Nahversorger mit zeitgemäßem Einkaufserlebnis auftreten.

Christian Kümmel ist seit August 2025 Finanzvorstand und verantwortet die strategische Neuausrichtung. Agnieszka Jaworska leitet seit November 2025 die kundennahen Bereiche einschließlich Einkauf und Sortimentsgestaltung.

Kik gehört seit 2020 vollständig zur Tengelmann-Gruppe unter Führung von Christian Haub und ist nicht börsennotiert. Gegründet wurde das Unternehmen 1994 von Stefan Heinig und der Tengelmann-Gruppe in Düsseldorf. „KiK“ steht für „Kunde ist König“. Verkauft werden Bekleidung für die ganze Familie, Deko- und Haushaltsartikel, Spielwaren sowie weitere Non-Food-Artikel.

Nach eigenen Angaben beschäftigt Kik in 14 europäischen Ländern rund 32.000 Menschen, in Deutschland mehr als 19.000. 93 Prozent arbeiten im Filialbereich. Der Umsatz lag 2023 bei rund 2,4 Milliarden Euro. Und während in manchen Orten bereits die letzten Kleiderständer aus dem Laden getragen werden, bleibt in Barßel, Ramsloh, Friesoythe, Bösel, Garrel, Molbergen, Cloppenburg, Emstek und Löningen vorerst alles an seinem Platz.