In Luxemburg wird es stiller um The Kooples. Die Boutique an der Avenue Monterey schloss am 16. September nach rund zehn Jahren endgültig. Auch die Herrenabteilung in den Galeries Lafayette ist aufgegeben worden. Die Damenabteilung im Einkaufszentrum soll vorerst bis Ende des Jahres bestehen bleiben – allerdings unter neuer Verantwortung.

Übernommen wurde sie von den Galeries Lafayette. Die Abteilung wird damit nicht mehr direkt von der Muttergesellschaft betrieben. Wie es danach mit der französischen Marke im Großherzogtum weitergeht, ist offen. Die Pariser Unternehmensführung äußerte sich auf Anfrage nicht konkret. Geschäftsführer Arnaud Reytan erklärte lediglich, das Unternehmen richte derzeit seine Verkaufsstellen und deren Betrieb in Luxemburg neu aus. Eine offizielle Mitteilung an die Kunden soll erfolgen, sobald die Vereinbarungen bestätigt sind.

Verhandlungen über die Boutique scheiterten

Für zehn Beschäftigte bedeutete die Neuordnung den Verlust ihres Arbeitsplatzes: Vier arbeiteten in der Boutique an der Avenue Monterey, sechs in den Galeries Lafayette. Die Übernahme der Damenabteilung durch das Warenhaus umfasste nicht das bisherige Personal.

Zwischenzeitlich hatte es offenbar die Möglichkeit gegeben, dass ein Franchisenehmer die Boutique weiterführt. Interesse zeigte ein in Luxemburg ansässiger Unternehmer aus dem Bereich erschwinglicher Premium-Mode. Die Verhandlungen scheiterten offenbar. Nach Informationen von L’essentiel plante der potenzielle Franchisenehmer zudem nicht, das bisherige Personal zu übernehmen.

Nach Angaben aus dem Umfeld des Unternehmens soll die Pariser Zentrale bereits entschieden haben, ihre Aktivitäten in Luxemburg nicht über das Auslaufen des Mietvertrags im Jahr 2029 hinaus fortzuführen. Auch Island und das Vereinigte Königreich sind offenbar von der Neuausrichtung betroffen. Wer The-Kooples-Produkte weiterhin in der Nähe sucht, findet unter anderem ein Outlet im belgischen Messancy.

Vom Pariser Paar-Look zur internationalen Marke

The Kooples wurde 2008 von den Brüdern Alexandre, Laurent und Raphaël Elicha gegründet. Die Marke wird von den Gesellschaften The Kooples Diffusion und The Kooples Production betrieben. Ihre Eltern Tony und Georgette Elicha hatten bereits 1997 in Toulouse Comptoir des cotonniers gegründet und die Marke 2005 an die japanische Fast-Retailing-Gruppe verkauft, zu der unter anderem Uniqlo und Princesse tam.tam gehören. Eine dreijährige Wettbewerbsverbotsklausel hielt die Familie danach vom Modegeschäft fern – Zeit genug, um ein neues Konzept auszutüfteln.

Über eine belgische Holding stellte die Familie 2008 insgesamt 22 Millionen Euro für das neue Unternehmen bereit. Alexandre und Laurent gründeten The Kooples, zunächst mit einer Werbekampagne, die Paare in den Mittelpunkt rückte; später kam Raphaël hinzu. Er fotografierte die Kampagne selbst. 2010 zog der Hauptsitz an den Place Vendôme in Paris. Ein Jahr später arbeiteten dort rund 30 Menschen, dazu kamen 250 Verkaufsmitarbeiter in Frankreich. 2012 beschäftigte das Unternehmen 650 Personen, sämtlich mit unbefristeten Verträgen.

Der Name ist die englische Form des französischen „couple“. Das passt zum Slogan „Un vestiaire pour deux“ – „Eine Garderobe für zwei“. The Kooples positioniert sich als erschwingliche Luxus- beziehungsweise Premium-Marke für junge, wohlhabende Kunden. Der Stil: rockig, trendbewusst, dandyhaft, von Rockmusik, Vintage und britischer Mode beeinflusst. Die Gründer beschrieben ihn als „chic und unangepasst“.

In den Geschäften wurden Herren- und Damenkollektionen gemeinsam präsentiert. Die Kleidung ist unisex und androgyn, viele Stücke stammen aus der traditionellen Herrenmode; manche können beide Partner tragen. Der Totenkopf taucht dabei immer wieder auf – als auffälliges Markenzeichen, nicht gerade schüchtern. 2010 war ein Blazer mit Totenkopf-Aufnäher das meistverkaufte Produkt.

Wachstum, Sportlinie und ein Totenkopf auf dem Sneaker

Vor den eigenen Läden machte die Werbung die Marke bekannt. Fünf Geschäfte eröffneten gleichzeitig in Paris, danach folgten acht weitere in der französischen Provinz. Bald gab es rund 15 The-Kooples-Geschäfte in Frankreich. The Kooples Diffusion startete mit rund zehn Verkaufsstellen, kam 2009 auf 35 und verdoppelte die Zahl 2010. 2011 verfügte die Gesellschaft über 160 Verkaufsstellen in Frankreich, 2025 waren es 180.

Mit der Höherpositionierung wurden ab 2012 kleinere Geschäfte geschlossen und durch größere Flächen ersetzt, auf denen sämtliche Kollektionen Platz fanden. Die Verkaufsstellen gehörten vollständig der Marke. Im November 2018 wurden 99 französische Geschäfte von The Kooples Diffusion betrieben, einer von Laurent Elicha gegründeten und geleiteten Gesellschaft.

2011 begann die internationale Expansion mit Geschäften in London. 2012 gab es 247 Geschäfte in Frankreich, 67 weitere in Europa, sieben in New York und eines im Libanon. Im August 2013 war The Kooples mit Shop-in-Shop-Flächen bei Bloomingdale’s und Nordstrom in den USA vertreten; innerhalb eines Jahres kamen dort 17 Verkaufsstellen hinzu. Ebenfalls 2013 eröffnete ein Geschäft in Dänemark, außerdem war die Marke in Südkorea vertreten. Weltweit gab es damals mehr als 350 Verkaufsstellen. Im Februar 2013 war The Kooples in neun Ländern präsent, Ende 2014 bereits in 24 Ländern.

Die internationale Expansion, vor allem in die USA und nach Asien, verlief laut dem vorliegenden Bericht schwierig. Anfang der 2010er-Jahre war die Marke stark gefragt, verlor danach aber an Bedeutung. 2012 entstand die Sportlinie The Kooples Sport, mit eigenem Vertriebsnetz. Der erste Laden eröffnete in Paris, insgesamt gab es 70 Geschäfte. Zu den Werbepaaren gehörten unter anderem Éric Cantona und Rachida Brakni. Für Schmuck kooperierte The Kooples mit The Great Frog, ab 2013 kamen Schuhe, Uhren und Modeaccessoires dazu. Die Uhren übernahmen zentrale Markenelemente – natürlich auch den Totenkopf.

2017 arbeitete The Kooples mit Puma zusammen und brachte mehrere Sneaker-Modelle heraus. 2016 stellte die Marke nach einer PETA-Kampagne und mit Unterstützung Pete Dohertys die Verwendung von Pelz ein; Angora war bereits zuvor abgeschafft worden.

Musik, Zahlen und neue Eigentümer

Auch abseits der Kleiderständer wollte The Kooples kulturell andocken. 2011 gründete die Marke das Musiklabel Kooples Record, das Musikerpaare förderte. Produzent war der Kritiker und Sänger Patrick Eudeline. 2012 entwarf der Rockmusiker Pete Doherty eine Kollektion. Gemeinsam mit den britischen Regisseuren Frederick Scott und Nicolas Jack Davies entstand der Kurzfilm „Today, Tonight“.

Online lief es zunächst kräftig: 2009 meldete die Marke 150.000 monatliche Besucher auf ihrer Website; der Online-Umsatz entsprach laut Unternehmen dem Umsatz eines Geschäfts. 2012 verzeichnete die Website 440.000 Besucher. Der Umsatz lag bei 37 Millionen Euro im Jahr 2010, bei 100 Millionen Euro im August 2011 und bei 140 Millionen Euro im Jahr 2012. Im Geschäftsjahr bis August 2013 waren es mehr als 118 Millionen Euro.

2011 verkaufte die Familie Elicha 20 Prozent des Unternehmens an den Fonds LBO France, der damaligen Bewertung von 250 Millionen Euro entsprechend. Das Geld sollte die internationale Expansion finanzieren. Die Familie hielt danach 80 Prozent, LBO France 20 Prozent.

Im Mai 2019 wurde The Kooples von der Schweizer Holding Maus Frères übernommen. Im April 2025 verkaufte die Schweizer MF Brands Group die Marke an den französischen Industriekonzern Verdoso. Zu MF Brands Group gehören unter anderem Lacoste, Aigle und Gant. Verdoso ist auf Unternehmensrestrukturierungen spezialisiert und unterhält auch eine Niederlassung in Luxemburg. Im März 2025 genehmigte die französische Wettbewerbsbehörde die Übernahme von The Kooples Production durch Verdoso.

Der zweite vorliegende Quellentext, eine PDF-Datei der französischen Wettbewerbsbehörde, enthält überwiegend binäre beziehungsweise komprimierte PDF-Daten. Ein lesbarer Nachrichtenartikel ist daraus nicht ersichtlich.

Von Parodien bis künstlicher Intelligenz

Die Paarwerbung blieb nicht ohne Echo. 2011 parodierte Eram das Motiv mit Paaren aus Plastikmodellen und dem Hinweis, die Schuhe kosteten 39,90 Euro. 2013 zeigten „Les Tooseuls“ alleinstehende und deprimierte Personen im Stil der The-Kooples-Werbung. 2014 folgten „The Koogars“ mit einer weiteren Parodie.

2023 entwickelte The Kooples gemeinsam mit dem französischen Unternehmen IMKI eine Kollektion aus Kleidung und Taschen mithilfe generativer künstlicher Intelligenz. Die Zusammenarbeit wurde 2024 auf der CES in Las Vegas vorgestellt. Die daraus entstandene Kapselkollektion umfasste 15 Produkte und wurde anschließend verkauft.

In Luxemburg bleibt nun erst einmal die Damenabteilung in den Galeries Lafayette bis Ende 2026 bestehen – unter deren Führung. Was danach kommt, soll die Marke den Kunden mitteilen, sobald die Vereinbarungen bestätigt sind. Die Schaufenster bleiben also noch eine Weile beleuchtet. Nur wer dahinter künftig das Sagen hat, ist noch nicht ganz ausgeleuchtet.