Im Spreecenter Hellersdorf geht eine Ära zu Ende: Die Medimax-Filiale schließt. Der Räumungsverkauf läuft bereits, auf viele Produkte gibt es Rabatte von bis zu 30 Prozent. Fernseher, Kopfhörer, Haushaltsgeräte, Einzelstücke und Restbestände stehen noch im Laden – was weg ist, kommt nicht wieder.

Bis zum 31. Oktober 2026 muss das Geschäft vollständig geräumt sein. Zum Monatsende ist also Schluss. Die Gründe für die Schließung sind bislang nicht bekannt. Veröffentlicht wurde der Bericht dazu am 17. September 2026.

Letzte Technik im Spreecenter

Ab November kommt im Spreecenter ein weiteres leer stehendes Ladenlokal hinzu. Laut „Marzahn-Hellersdorf live“ gibt es dort bereits mehrere Leerstände. Ob die Fläche künftig neu vermietet wird und welches Gewerbe einzieht, ist offen. Der Leerstand im Spreecenter wird dabei als Teil eines bezirksweiten Problems in Einkaufszentren eingeordnet.

Ganz aus Ostberlin verschwindet Medimax allerdings nicht. Die Elektronik-Fachmarktkette bleibt mit Filialen im Forum Köpenick und im Ringcenter in Lichtenberg vertreten.

Gegründet wurde Medimax 1988. Der erste Markt eröffnete im März 1988 in Bocholt-Rhede. Das Unternehmen verkauft Unterhaltungselektronik, Computer, Smartphones und Haushaltsgeräte und war lange Teil der Verbundgruppe ElectronicPartner.

Von der Märkischen Allee ins Spreecenter

Die erste Medimax-Filiale in Ostdeutschland öffnete am 13. Oktober 1990 in der Märkischen Allee 171 in Marzahn. Nach 33 Jahren am alten Standort zog der Markt ins Spreecenter um. Ursprünglich sollte am früheren Standort bis 2025 ein Neubau entstehen, in den Medimax zurückkehren sollte.

Daraus wurde bislang nichts. Die Fläche an der Märkischen Allee ist weiterhin eingezäunt, dahinter liegt eine Brachfläche. Mit der Schließung im Spreecenter endet nun die Medimax-Präsenz in Marzahn-Hellersdorf.

Berliner Einkaufszentren unter Druck

Der Fall passt in einen größeren Umbruch. Berlins Einzelhandel befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Es gibt ein großes Angebot an Shopping Malls, zugleich haben sich die Einkaufsgewohnheiten verändert. Corona-Pandemie und Digitalisierung des Einkaufs haben diese Entwicklung zusätzlich verstärkt. Manche Zentren verzeichnen so wenige Besucher, dass sie in ihrer bisherigen Form nicht weitergeführt werden können.

Betroffen sind auch zentrale Adressen wie Galeria Kaufhof am Alexanderplatz und Galeries Lafayette in der Friedrichstraße. Der geplante Umbau von Galeries Lafayette soll mehrere hundert Millionen Euro kosten; wie das Gebäude künftig genutzt wird, ist noch unklar.

In mehreren Bezirken laufen bereits neue Konzepte. Beim Park-Center in Alt-Treptow ist ein Teilabriss geplant, anschließend sollen acht neue Gebäude mit Gewerbe, Wohnungen, Einzelhandel und Freizeitangeboten entstehen. Der von Leerstand betroffene Boulevard Berlin in Steglitz soll umgestaltet werden, vorgesehen sind Büroflächen und Serviced Apartments. Für Kalle Neukölln gibt es ein neues Nutzungskonzept für ein ehemaliges Warenhaus und Parkhaus an der Karl-Marx-Straße. Auch am Leopoldplatz im Wedding ist eine ähnliche Neunutzung geplant.

Der Berliner Senat will den Einzelhandel stärken. Im Juni lud Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey gemeinsam mit Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler, beide SPD, Vertreter der zwölf Bezirke, Fachverbände und Unternehmen zu einem „Zentrengipfel“ mit rund 100 Expertinnen und Experten ein.

Im ehemaligen C&A-Kaufhaus an der Neuköllner Karl-Marx-Straße soll innerhalb der nächsten zwölf Monate der Bedarf von zwölf ausgewählten Zentren ermittelt werden. Danach wird geprüft, welche der 30 bestehenden Fördermaßnahmen eingesetzt werden können und ob neue Lösungen nötig sind. Immobilieneigentümer investieren parallel verstärkt in die Modernisierung, um langjährigen Leerstand zu vermeiden.

Vom Kaufhaus zur Markthalle – und zum Haus der Musik

Auch andere deutsche Städte probieren neue Wege. Hintergrund sind unter anderem drei Insolvenzen von Galeria Karstadt Kaufhof innerhalb von vier Jahren und die bundesweite Schließung von 92 Filialen. Kommunen wie Cottbus, Hanau, Offenbach, Leverkusen, Düsseldorf, Nürnberg, Neuss und Ingolstadt erwerben deshalb zentral gelegene Warenhausimmobilien selbst.

In Neuss wurde die frühere Kaufhof-Immobilie mit 18.500 Quadratmetern Bruttogrundfläche für rund 12 Millionen Euro gekauft. Im Erdgeschoss ist eine Markthalle geplant, in den oberen Etagen könnten die IHK oder ein Hotel einziehen. Auch der frühere Restaurantbereich mit Terrasse ist im Gespräch. Der angeschlossene Büroturm soll saniert und vermietet werden.

Nürnberg kaufte das ehemalige Kaufhof-Gebäude in der Königstraße samt Parkhaus. Das seit Sommer 2023 leer stehende Warenhaus umfasst 23.000 Quadratmeter. Zunächst sind Zwischennutzungen vorgesehen, langfristig könnten dort zentrale Bildungseinrichtungen untergebracht werden.

In Bremerhaven soll die frühere Karstadt-Filiale abgerissen werden. Die städtische Wohnungsgesellschaft plant einen Neubau mit Jugendherberge und Stadtbibliothek. Offenbach will die Stadtbibliothek in das erworbene Kaufhof-Gebäude verlegen, in Hanau sind Gastronomie, Einzelhandel sowie Bildungs- und Gesundheitsangebote vorgesehen. In Braunschweig wird das frühere Karstadt-Bettenhaus zu einem Haus der Musik umgebaut, finanziert durch eine Stiftung des Unternehmers Friedrich Knapp.

In Ingolstadt wird das ehemalige Kaufhof-Warenhaus vorübergehend genutzt; langfristig sind Einzelhandel und Wohnungen geplant. Düsseldorf plant auf dem Kaufhof-Gelände am Wehrhahn ein neues Opernhaus. Die Neuausrichtung des Galeria-Gebäudes am Alexanderplatz ist damit Teil eines bundesweiten Trends: Einzelhandel soll in den Innenstädten bleiben, die dafür vorgesehenen Warenhausflächen werden vielerorts aber deutlich kleiner.

Neue Pläne auch in Lichtenberg

Weitere Galeria-Schließungen treffen Berlin. Das seit Mitte August 2024 leer stehende, zuvor 17 Jahre von Galeria Kaufhof genutzte „Ring Center 3“ an der Frankfurter Allee in Lichtenberg soll durch ein 128 Meter hohes multifunktionales Gebäude ersetzt werden. Geplant sind Wohn-, Freizeit- und Arbeitsflächen. Im April wurde außerdem bekannt, dass auch die Galeria-Standorte in Spandau und Tempelhof schließen müssen.

Für das Ring Center I sehen Pläne von Graft Architects weniger Einzelhandelsflächen und stattdessen Räume für Büros, Arztpraxen und Gewerbe vor. Mehr Licht und Grün sollen ebenfalls in das Gebäude kommen. Ein Einkaufszentrum, das nicht mehr nur vom schnellen Einkauf lebt – klingt simpel, ist baulich aber ein ziemlicher Brocken.

Für die Beschäftigten der Warenhäuser sind solche Schließungen ein harter Einschnitt. Gleichzeitig entstehen durch Umnutzungen städtebauliche Möglichkeiten: Ehemalige Einkaufszentren könnten für Bildung, Sport, Jugendangebote, Kultur oder gemeinnützige Organisationen genutzt und entsprechend umgebaut werden. Berlin wächst weiter und braucht zusätzliche Flächen für solche Nutzungen. Bei einzelnen Immobilien müsste gegebenenfalls der Berliner Senat den Betrieb übernehmen; andere deutsche Städte zeigen bereits mögliche Modelle dafür.