Für das „Ahoi Steffen Henssler“ an der Kurpromenade in Grömitz ist am 19. Oktober 2026 Schluss. Die Franchisekette schließt ihren Standort an der Ostsee – nach gerade einmal rund dreieinhalb Jahren. Viel Zeit war dem Restaurant damit nicht vergönnt.

Wie endgültig die Entscheidung ist, zeigte sich bei einer Kundin, deren Tischbuchung für den 31. Dezember storniert wurde. Auf Facebook berichtete sie von der Absage. Die Schließung bestätigte das Unternehmen inzwischen auf seiner Website. Einen Grund nannte es nicht. Auf schriftliche Anfragen der „SHZ“ und auch auf telefonische Kontaktversuche reagierte das Unternehmen laut Artikel nicht.

Weniger Standorte als noch Anfang 2025

„Ahoi Steffen Henssler“ wurde 2017 gegründet. Zunächst führten Steffen Henssler und sein Bruder Peter Henssler das Unternehmen gemeinsam. Die Jaclavis GmbH war damals mit 40 Prozent beteiligt, übernahm die Franchisekette Anfang 2025 jedoch vollständig.

Nach Unternehmensangaben gibt es einschließlich Grömitz derzeit zehn Standorte. Dazu zählen Filialen in Hamburg, Kiel, St. Peter-Ording, Scharbeutz, Travemünde und Marina-Wendtorf. Bei der Übernahme Anfang 2025 waren es noch zwölf. Seitdem schlossen die Restaurants in Köln und Hildesheim; bereits zuvor hatten Standorte in Bremen, Oldenburg und Osnabrück aufgegeben. Die Filiale in Scharbeutz bleibt geöffnet.

Merkwürdig ist dabei: An der Zufriedenheit der Gäste scheint es in Grömitz nicht unbedingt gelegen zu haben. Auf OpenTable kommt das Restaurant auf 4,5 von 5 Punkten, bei Google auf 4,3 von 5. Laut Bewertungsportalen waren die meisten Gäste offenbar zufrieden. Der Standort bestand dennoch nicht besonders lange.

Schließungen im Gastgewerbe nehmen zu

Die Nachricht passt in ein schwieriges Umfeld für Restaurants und andere Betriebe der Branche. 2025 gaben in Deutschland rund 15.000 Unternehmen des Gastgewerbes auf – 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Das war der höchste Zuwachs aller untersuchten Branchen. Als Belastungen nennt die Analyse vor allem hohe Personal- und Betriebskosten sowie die Schwierigkeiten, Arbeits- und Fachkräfte zu gewinnen.

Die Zahlen stammen aus der gemeinsamen Jahresanalyse des ZEW Mannheim und Creditreform, die am 18. August 2026 vorgelegt wurde. Grundlage ist das Mannheimer Unternehmenspanel mit Informationen zu mehr als neun Millionen Unternehmen, von denen rund drei Millionen wirtschaftsaktiv sind. 2025 schlossen in Deutschland fast 190.000 Unternehmen, rund zehn Prozent mehr als 2024. Die Zahl der Marktaustritte stieg damit zum zweiten Mal in Folge deutlich.

Auch andere Bereiche gerieten unter Druck: Im Fahrzeugbau und in den Gesundheitsbranchen nahm die Zahl der Schließungen um zwölf Prozent auf knapp 11.000 Unternehmen zu. Bei Arztpraxen stieg sie um 23 Prozent auf rund 5.500 Betriebe.

Oft endet ein Betrieb ohne Insolvenz

Eine Schließung bedeutet dabei längst nicht automatisch ein Insolvenzverfahren. Rund 13 Prozent der erfassten Schließungen gingen 2025 auf eine Insolvenz zurück. Etwa 86 Prozent entfielen zu ungefähr gleichen Teilen auf Abmeldungen und freiwillige Geschäftsaufgaben sowie auf Betriebe, die als nicht mehr wirtschaftsaktiv eingestuft wurden. Unternehmen verschwinden also überwiegend ohne Insolvenzverfahren – auch solche mit guter oder mittlerer Bonität.

Bei eigentümergeführten Familienunternehmen spielte zudem die fehlende Nachfolge eine große Rolle: 2025 lag ihr Anteil an den Schließungen bei 29 Prozent. 2002 waren es 14 Prozent, der Anteil hat sich in gut zwei Jahrzehnten also mehr als verdoppelt. Viele dieser Unternehmen gelten als wirtschaftlich tragfähig, finden aber niemanden, der übernimmt. Bei Arztpraxen lässt sich dieser Mechanismus bereits seit mehreren Jahren beobachten.

Für Franchise-Systeme können solche aufgegebenen Betriebe zugleich eine Gelegenheit sein. Mitunter werden Standorte frei, an denen bereits ein eingespieltes Team arbeitet, Kundschaft vorhanden ist und Genehmigungen laufen. Der Kostendruck verschwindet dadurch natürlich nicht. Systemeinkauf, zentrale Kalkulation und Partnersupport können Franchisenehmer aber entlasten. Für Übernahmen statt Neugründungen bietet der Deutsche Franchiseverband eine Nachfolgebörse für Systembetriebe an.

Die nächste Fortschreibung der Zahlen wird mit der ZEW-Analyse für 2026 erwartet, voraussichtlich im Sommer 2027. Dabei ist eine Unternehmensschließung nicht gleichbedeutend mit einer Gewerbeabmeldung: Das Mannheimer Unternehmenspanel erfasst Insolvenzen, Abmeldungen, recherchierte Geschäftsaufgaben und statistisch geschätzte Einstellungen der Wirtschaftsaktivität. Die Gewerbeanzeigenstatistik von Destatis berücksichtigt zusätzlich Zweigstellen sowie Abmeldungen infolge von Verkauf, Verpachtung oder Rechtsformwechsel.

Der Artikel von Bernd Schröder zur Schließung in Grömitz wurde am 8. Oktober 2026 veröffentlicht. Bis zum 19. Oktober bleiben noch wenige Tage, dann gehen an der Kurpromenade die Lichter aus.