Orscholz sucht dauerhaft eine Postfiliale – und verliert vorerst den Service vor Ort
In Orscholz ist die Interimsfiliale der Deutschen Post in der Kaiserstraße seit dem 1. Oktober 2026 erneut geschlossen. Für die mehr als 3.000 Einwohner des Mettlacher Ortsteils entfallen damit vor Ort vorübergehend persönlicher Service und Beratung. Gerade ältere Menschen stehen nun wieder vor einer großen Herausforderung, wenn ein Brief, ein Paket oder eine Auskunft nicht einfach nebenan erledigt werden kann.
Die Filiale war erst vor wenigen Jahren nach längerem Leerstand wieder eröffnet worden. Gemeinde und Deutsche Post gehen davon aus, dass die Schließung nur vorübergehend ist. Wie es weitergeht, hängt allerdings an einer Frage, die sich nicht im Handumdrehen lösen lässt: Wer übernimmt den Betrieb dauerhaft – und in welchen Räumen?
Suche nach einem dauerhaften Betreiber
Nach der Intervention der Gemeinde Mettlach zum Erhalt einer Postfiliale in Orscholz trafen sich Vertreter der Deutschen Post mit Bürgermeister Daniel Kiefer und Ortsvorsteherin Silke Brausch. Im Gespräch wurden konkrete Möglichkeiten und Lösungsansätze erörtert. Die Deutsche Post erklärte, langfristig eine Partnerfiliale in Orscholz erhalten zu wollen.
Dafür muss ein geeigneter Partner mit passender Lokalität gefunden werden, der den Betrieb dauerhaft übernimmt. Kiefer und Brausch nannten dem Unternehmen potenzielle Betreiber. Die Deutsche Post kann nun direkt Kontakt zu ihnen aufnehmen. Bürgermeister und Ortsvorsteherin wollen den weiteren Prozess eng begleiten – mit dem Ziel einer dauerhaft gesicherten und personell besetzten Postfiliale in Orscholz.
Unabhängig von dieser langfristigen Suche sollte der aktuelle Betrieb der Interimsfiliale in der Kaiserstraße aufrechterhalten werden. Dafür sucht die Deutsche Post weiterhin Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ausdrücklich auch Quereinsteiger, Aushilfen sowie Rentnerinnen und Rentner. Bewerbungen und Informationen zu Tätigkeiten, etwa als Verkäuferin oder Verkäufer in Postfilialen sowie für Aushilfsstellen, sind über das Karriereportal von Deutsche Post und DHL möglich.
Filialnetz unter Druck
Dass eine Postfiliale nicht einfach dauerhaft besetzt bleibt, ist kein Sonderfall. Die gemeinsame Geschichte von Postbank und Deutscher Post reicht bis zur Deutschen Bundespost zurück, heute gehören die Unternehmen jedoch unterschiedlichen Konzernen: Die Postbank gehört zur Deutschen Bank. Eine langjährige Kooperationsvereinbarung ermöglichte Postdienstleistungen in Postbank-Filialen.
Diese Zusammenarbeit wird endgültig beendet. In vielen Postbank-Filialen gibt es bereits keine Post- und DHL-Dienstleistungen mehr. In allen Postfilialen sollen künftig auch keine Postbank-Services mehr angeboten werden, darunter Geldabheben und Einzahlen. Der Trennungsprozess läuft seit 2024 und soll bis 2026 abgeschlossen sein. Erste betroffene Filiale war im April 2024 die Postbank-Filiale in Hilden – dort entfielen als bundesweit erstem Standort sämtliche Post- und DHL-Dienste.
Bis Mitte 2026 sollte die Postbank ihr Filialnetz von 550 auf 300 Standorte reduzieren. Rund 100 der verbleibenden Filialen sollen ausschließlich Bankdienstleistungen anbieten, etwa 200 weiterhin sowohl Bank- als auch Postdienstleistungen. Gleichzeitig setzt die Postbank stärker auf mobiles Banking per Smartphone. Bis Ende 2025 sollten zudem in rund 1.800 Post-Partnerfilialen der Deutschen Post keine Postbank-Leistungen mehr verfügbar sein. Kunden können dort dann weder Geld abheben noch einzahlen.
Begründet wird die Trennung mit der Ausrichtung auf ein „mobile first“-Modell. Die Deutsche Bank erklärte laut Handelsblatt, die Nachfrage nach Bankdienstleistungen in Partnerfilialen sei zurückgegangen. Für Betreiber von Post-Partnerfilialen fallen dadurch Einnahmen weg; ein Brancheninsider hielt es für möglich, dass einige ihre Filialen deshalb aufgeben. Die Vergütungen der Post könnten den Wegfall der Postbank-Vergütungen teilweise nicht ausgleichen.
Wenn der Weg zum Ersatzstandort länger wird
Die erste Schließungswelle hatte Ende 2021 begonnen. Postbank und Deutsche Post DHL vereinbarten damals, die Zahl der Filialstandorte bis Ende 2023 von 750 auf 550 zu reduzieren. Laut einem Postbank-Sprecher wären frühere Schließungen möglich gewesen, seien aber durch einen langfristigen Vertrag mit der Deutschen Post verhindert worden. Viele Standorte seien bereits seit längerer Zeit unprofitabel gewesen.
Die Folgen reichen über den Bankschalter hinaus. Briefe und Pakete können an bisherigen Standorten nicht mehr abgegeben oder abgeholt werden, Ersatz gibt es häufig in kleineren Einzelhandelsfilialen. Zusätzlich werden DHL-Pakete zunehmend in Einzelhandelspaketshops und Packstationen statt in Postbank-Filialen hinterlegt. In einigen Städten führten die Schließungen zu Beschwerden von Bürgern und Bürgermeistern.
Auch Postfachanlagen wurden verlegt oder aufgegeben. In Mülheim an der Ruhr wanderten die Postfächer rund 5 Kilometer vom Stadtzentrum an den Stadtrand. In Uelzen wurden alle Postfachverträge gekündigt; der nächstgelegene Ersatzstandort liegt mindestens 12 Kilometer entfernt. In Fellbach wurden 250 Postfächer in ein durch Bahngleise getrenntes Industriegebiet verlegt – ein Kunde benötigte zu Fuß jeweils etwa 20 Minuten pro Strecke.
In Pinneberg kamen die Postfächer wegen des Abrisses des bisherigen Gebäudes in einen Zustellstützpunkt im Vorort Prisdorf. Teilweise wurden nahegelegene Ersatzstandorte in Einzelhandelsgeschäften eingerichtet. In Deggendorf blieb eine Postfachanlage vorübergehend am bisherigen Standort erhalten, obwohl die dortige Postbankfiliale geschlossen wurde.
Bereits seit 2021 wurden Postbank-Filialschließungen mit dem Rückgang stationärer Bankgeschäfte begründet. Während der Corona-Pandemie nahm die Nutzung von Online-Banking zu. Die Postbank-Zahl der Filialen sank damit von 750 im Jahr 2021 auf 550 Ende 2023 und sollte bis Mitte 2026 auf 300 zurückgehen. Für Orscholz bleibt derweil die ganz praktische Frage: Wann öffnet wieder eine Tür, hinter der jemand für Briefe, Pakete und Beratung da ist?
