Pizza Pilgrims kommt nach Deutschland. Die britische Restaurantkette plant hierzulande knapp 50 Filialen und setzt dabei auf neapolitanische Pizza, einen lockeren Markenauftritt und ordentlich Tempo. Das erste Restaurant soll bereits am 31. Oktober 2026 in der Leopoldstraße im Münchner Stadtteil Schwabing eröffnen – als Flagship-Restaurant. Heute, am 27.10.2026, dauert es also nicht mehr lange.

Gegründet wurde Pizza Pilgrims 2012 von den Brüdern Thom und James Elliot in London. Die Marke startete zunächst mit einem Piaggio-Van und Auftritten in London. Inzwischen gibt es mehr als 30 Standorte in Großbritannien, vor allem in London und Südengland; zum Zeitpunkt der Beteiligung durch L’Osteria verfügte Pizza Pilgrims laut L’Osteria über mehr als 20 Standorte.

Neapolitanische Pizza mit britischem Dreh

Im Mittelpunkt steht authentische neapolitanische Pizza, handwerklich zubereitet und mit einem britischen Markencharakter verbunden. Der Teig fermentiert 72 Stunden. Das klingt nach Geduld – und bedeutet in der Küche vor allem: früh anfangen, gut planen, nicht hudeln.

Pizza Pilgrims zählt damit neben Ketten wie Domino’s und Pizza Hut zu den Anbietern, die in den deutschen Pizzamarkt expandieren. L’Osteria sieht die britische Marke als Ergänzung zum eigenen Portfolio: neapolitanische Pizza, britischer Charakter und ein verspielter Auftritt sollen nach Deutschland kommen.

Unterstützt wird die Expansion von L’Osteria. Die deutsche Systemgastronomie-Kette übernahm 2025 die Mehrheitsanteile an Pizza Pilgrims. Die Beteiligung wurde als Schritt zum Aufbau einer europäischen Casual-Dining-Plattform beschrieben. Beide Marken sollen dabei eigenständig bleiben und parallel international weiterentwickelt werden.

Claus Hummel soll den Aufbau steuern

Für den Deutschlandstart übernimmt Claus Hummel bei Pizza Pilgrims die Position des Managing Director Germany. Hummel kommt von L’Osteria, wo er über mehrere Jahre in den Bereichen Expansion und Bau tätig war. Nach eigenen Angaben eröffnete sein Team dort mehr als ein Drittel des europäischen L’Osteria-Netzwerks.

Seine Aufgabe ist nun der Aufbau von Pizza Pilgrims in Deutschland. Zu den voraussichtlichen ersten Schwerpunkten zählen Standorte, Prozesse und Teams – also genau jene Dinge, die hinter einer neuen Filiale oft weniger glamourös aussehen als eine dampfende Pizza, aber ohne die nichts läuft. Hummel kündigte in einem LinkedIn-Beitrag an, Pizza Pilgrims in Deutschland starten zu wollen.

Systemgastronomie wächst schneller

Der Zeitpunkt für die Expansion fällt in einen Markt, in dem standardisierte Gastronomiekonzepte an Gewicht gewinnen. Die Branchendaten des Bundesverbands der Systemgastronomie stammen maßgeblich aus dem CREST-Konsumentenpanel der Circana Group und beziehen sich auf die Systemgastronomie in Deutschland.

Die Verbraucherausgaben für gastronomische Leistungen stiegen 2025 um 2 Milliarden auf 88,6 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 2 Prozent gegenüber 2024 und liegt 7 Prozent über dem Niveau von 2019. Die Systemgastronomie entwickelte sich mit einem Umsatzplus von 4 Prozent besser als die Individualgastronomie, die um 1 Prozent zulegte. Ihr Umsatz betrug 2025 insgesamt 36 Milliarden Euro – 41 Prozent der gesamten Außerhausgastronomie.

Der Haken steckt in der Rechnung: Die höheren Ausgaben entstanden ausschließlich durch höhere Ausgaben pro Besuch, also durch Preissteigerungen. Die Zahl der Besuche im Gesamtmarkt blieb gegenüber 2024 unverändert und lag 13 Prozent unter dem Niveau von 2019.

Auf die Systemgastronomie entfielen 47 Prozent aller Besuche, 1 Prozent mehr als 2024. Gegenüber 2019 stieg ihre Besuchszahl um 13 Prozent. Die Individualgastronomie kam zwar auf 53 Prozent aller Besuche, verzeichnete aber einen Rückgang von 1 Prozent gegenüber 2024; im Vergleich zu 2019 lagen ihre Besuchszahlen 28 Prozent niedriger. Als Gründe nennt der Verband die zunehmende Systematisierung und Filialisierung sowie Betriebsschließungen und Nachfragerückgänge in der Individualgastronomie.

Lieferung, Mitnahme und ein höherer Bon

Digitale Bestellmöglichkeiten, Liefer- und Mitnahmeangebote sowie Loyalitätsprogramme werden von der Systemgastronomie stärker genutzt. Der durchschnittliche Bon pro Gast und Besuch lag 2025 bei 7,15 Euro. Gegenüber 2019 ist das ein Anstieg um 33 Prozent, gegenüber 2024 um 3 Prozent. In der Individualgastronomie erhöhte sich der durchschnittliche Ausgabenbetrag seit 2019 um 24 Prozent und gegenüber 2024 um 2 Prozent; ihr durchschnittlicher „Eater Check“ lag bei 9,24 Euro.

Schnellrestaurants, kurz QSR, erzielten 48 Prozent der Gesamtausgaben innerhalb der Systemgastronomie. Gastronomische Angebote des Lebensmitteleinzelhandels kamen auf 13 Prozent, Hotellerie und Betriebsrestaurants jeweils auf 8 Prozent. Die klassische Bediengastronomie erreichte 7 Prozent.

Im Gesamtmarkt wuchsen 2025 besonders die gastronomischen Angebote des Handels – darunter Einzelhandel, Tankstellen sowie Kauf-, Waren- und Möbelhäuser. Dieses Segment verzeichnete ein Besuchsplus von 1,3 Prozent, unter anderem wegen eines erweiterten Angebots und des Preis-Leistungs-Verhältnisses. Auch Betriebsrestaurants und Mensen legten zu, insbesondere im Zusammenhang mit „Back-to-the-Office“.

Bei Lieferangeboten stiegen die Besuche gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent. Damit wurden Lieferangebote zu einem überdurchschnittlich wichtigen Wachstumsfaktor der Systemgastronomie. Für eine Kette wie Pizza Pilgrims dürfte also nicht nur zählen, wie viele Tische in München stehen, sondern auch, wie reibungslos die Pizza aus dem Ofen in eine Box und schließlich nach Hause kommt.

Jüngere Gäste vorn, 2026 mit vorsichtigem Rückenwind

Die 18- bis 29-Jährigen stellten mit 27 Prozent den größten Anteil der Besuche in der Systemgastronomie, verloren jedoch gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der über 50-Jährigen stieg auf 21 Prozent. Frauen stellten 40 Prozent aller Besuche. Auch Gäste mit höheren Einkommen nutzten die Systemgastronomie 2025 häufiger.

Die Bediengastronomie verzeichnete nach deutlichen Rückgängen im Jahr 2024 weitere Einbußen bei den Gästezahlen. Inflation, wirtschaftliche Unsicherheit und eine zurückhaltende Konsumstimmung belasteten insbesondere preissensible Gäste und stimmungsabhängige Gastronomiesegmente.

Für 2026 werden bessere finanzielle Erwartungen, niedrigere Homeoffice-Quoten sowie langfristige Faktoren wie mehr berufstätige Frauen, mehr Single-Haushalte und die wachsende Altersgruppe 60+ als mögliche Impulse genannt. Wegen der Mehrwertsteuersenkung werden moderatere Preiserhöhungen erwartet. Neben steigenden Ausgaben pro Besuch könnte auch die Nachfrage leicht zunehmen und zu einem moderaten Besuchsplus führen.

Das Wachstum dürfte zunächst verhalten bleiben, für 2026 wird jedoch eine Erholung des Gastronomiemarktes erwartet. In München wird der erste Pizza-Pilgrims-Standort zeigen, wie der britische Neuzugang mit seinem 72-Stunden-Teig, dem Piaggio-Van-Erbe und dem verspielten Auftritt in der Leopoldstraße ankommt.