Im Frankfurter Stadtteil Riederwald steht das Poco-Einrichtungshaus in der Straße Am Erlenbruch vor dem Aus. Die Filiale soll im Januar 2027 schließen. Für die Beschäftigten kam die Nachricht ausgerechnet an jenem Tag, an dem sie erstmals einen Betriebsrat wählten.

Marktleiter Oliver Siegel erfuhr nach eigenen Angaben am 21. Oktober von der geplanten Schließung. Die Betriebsratswahl hatte an diesem Tag um 10 Uhr begonnen. 43 Minuten später traf eine E-Mail der Geschäftsleitung ein. Siegel informierte anschließend die Belegschaft. In einer anderen Darstellung ist von der ersten Betriebsratssitzung die Rede: Auch dort kam die Schließungsmitteilung nach 43 Minuten.

Schließungsmail während der ersten Sitzung

Die Mitarbeiter hatten wegen schlechter Geschäftszahlen bereits mit dem Ende gerechnet. Sie gründeten den Betriebsrat, um mehr Informationen zu bekommen und mögliche Maßnahmen ergreifen zu können. Siegel wurde zum Vorsitzenden gewählt.

Als Privatperson vermutet Siegel einen Zusammenhang zwischen der Betriebsratsgründung und der Schließungsankündigung. In seiner Funktion als Marktleiter und Betriebsratsvorsitzender bestätigt er diesen Zusammenhang allerdings nicht. In einem Vier-Augen-Gespräch habe die Geschäftsleitung ihm attraktive Angebote gemacht, falls er die Gründung eines Betriebsrats verhindere. Als Begründung sei genannt worden, ein Betriebsrat könne Signalwirkung für die gesamte Unternehmensgruppe haben.

Poco weist diese Vorwürfe zurück. Ein Sprecher der Zentrale erklärte, das Unternehmen arbeite an verschiedenen Standorten seit Jahren konstruktiv mit Arbeitnehmervertretungen zusammen und habe auch die Betriebsratswahl in Frankfurt respektiert.

Weniger Personal, mehr Arbeit

Die Filiale schrumpfte personell stark. Vor fünf Jahren waren es mehr als 70 Beschäftigte, derzeit sind es laut Marktleiter noch 33, nach Unternehmensangaben 34. Elf der derzeit 34 Mitarbeiter arbeiten auf Minijob-Basis oder sind geringfügig beschäftigt. Die Folge, wie Siegel schildert: Dieselbe Arbeit muss von deutlich weniger Menschen erledigt werden.

Siegel kritisiert die Kommunikation und die Führungskultur bei Poco. Zentrale Stellen verlören zunehmend den Kontakt zur Basis und blickten vor allem auf Quartalszahlen, während die Beschäftigten vor Ort ausbrannten. Ihm fehlen außerdem ein Firmenleitbild und eine klare Unternehmensstrategie. Auch die Werbung habe sich verändert: Früher sei mehrmals pro Woche Werbung geschaltet worden. An der Prozessoptimierung werde nach seiner Darstellung ebenfalls nicht mehr ausreichend gearbeitet.

Dass die Umsätze im Möbeleinzelhandel derzeit zurückgehen, bestätigt Siegel. Er kritisiert aber, dass die Beschäftigten die Folgen tragen müssten, und fordert positive Zukunftsstrategien sowie mehr Gehör für ihre Anliegen.

Poco verweist auf negatives Ergebnis

Nach Angaben des Unternehmens erwirtschaftet die Frankfurter Filiale ein negatives Ergebnis. Poco begründet die Schließung mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage und bedauert sie. Bundesweit erzielte das Unternehmen im vergangenen Jahr mit 134 Möbelhäusern 1,3 Milliarden Euro Umsatz.

Die 34 Beschäftigten wurden nach Unternehmensangaben bereits Mitte Oktober persönlich über die Schließung informiert. Nun will Poco zeitnah mit dem neuen Betriebsrat Gespräche über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan aufnehmen. Das Unternehmen strebt faire Lösungen für die Mitarbeiter an.

In der Region soll Poco weiterhin mit den Filialen in Eschborn und Hanau vertreten sein. Im Frühjahr hatte bereits ein anderes Einrichtungshaus im Frankfurter Osten geschlossen.

Einzelhandel im Blick der Statistik

Wie sich das Einkaufsverhalten verändert, wird auch statistisch beobachtet. Eine experimentelle Konjunkturstatistik des Statistischen Bundesamts zu Warengruppen liefert Informationen über die Konsumgewohnheiten der Bevölkerung bei Lebensmitteln. Sie wird monatlich aktualisiert und steht zum Download bereit.

Am 11. Februar 2022 beschäftigte sich das Statistische Bundesamt mit einem möglichen Frühindikator für die Konjunktur in Nichtkrisenzeiten. Während der Pandemie hatte sich ein Zusammenhang zwischen dem Umsatz im stationären Einzelhandel und der Zahl der Passanten in Innenstädten gezeigt.

Auch technische Datenquellen gewinnen an Bedeutung. Satelliten können große Gebiete der Erdoberfläche in kurzen zeitlichen Abständen erfassen. Der technische Fortschritt verbesserte die Verfügbarkeit und Auswertung solcher Daten, weshalb Satellitendaten zunehmend auch für die amtliche Statistik relevant sind. In Riederwald geht es derweil sehr konkret um Verkaufsflächen, Schichten und Arbeitsplätze.