In München gehen die Tegut-Türen zu – teils schon heute, am 28. Oktober 2026. Die Schweizer Eigentümerin Migros Zürich gibt die Marke auf; die Filialen schließen damit innerhalb weniger Tage. Von insgesamt 17 Münchner Standorten ist für 14 die Zukunft geklärt.

Für Kundinnen und Kunden fühlt sich das Ende sehr konkret an: Seit dem 15. Oktober läuft in vielen Tegut-Märkten eine Rabattaktion, bei der fast das gesamte Sortiment um 50 Prozent reduziert ist. Ausgenommen sind frisches Obst und Gemüse, Waren der Frischetheke, Tabak, Presseerzeugnisse und Pfandbeträge. In Neuperlach bildeten sich lange Schlangen, der Markt musste wegen Überfüllung vorübergehend schließen. Auch in Obersendling kauften die Menschen größere Mengen ein; kurz vor der Schließung war der Markt laut Anwohnerberichten weitgehend leer. Einkaufswagen, Kassenpiepen, leere Regale – irgendwie ein Abschied im Sonderangebotsmodus.

Netto und Edeka übernehmen die Münchner Märkte

Netto übernimmt drei Standorte. Letzter Öffnungstag ist jeweils der 28. Oktober 2026:

  • Nymphenburger Straße 82
  • Richard-Strauss-Straße 48
  • Passauerstraße 183

Edeka übernimmt elf weitere Tegut-Filialen. Sie schließen jeweils am 30. Oktober 2026:

  • Müllerstraße 45
  • Luitpoldstraße 3
  • Belgradstraße 59
  • Rheinstraße 1
  • Agnes-Bernauer-Straße 73
  • Wolfratshauser Straße 90
  • Pelkovenstraße 154
  • Thomas-Dehler-Straße 15
  • Amalienburgstraße 2–6
  • Schleißheimer Straße 158–162
  • Westenriederstraße 35

Für drei weitere Adressen finden sich auf der Tegut-Website keine Angaben: Gottfried-Keller-Straße 39, Aubinger Allee 120 sowie Waldfriedhofstraße 92–94. Das Bundeskartellamt hatte Ende September erklärt, dass Edeka auch diese Standorte übernehmen dürfe.

Eine Migros-Sprecherin bestätigte inzwischen, dass die Standorte an der Gottfried-Keller-Straße und an der Waldfriedhofstraße an Edeka gehen sollen. In Pasing entsteht an der Gottfried-Keller-Straße ein Neubau mit 113 Studentenapartments und rund 800 Quadratmetern Ladenfläche. Die Fertigstellung ist für 2027 geplant. In Sendling-Westpark soll an der Waldfriedhofstraße ein Quartierszentrum mit Lebensmittelmarkt, Discounter und Drogeriemarkt entstehen; der Baubeginn war für 2026 vorgesehen.

Anders sieht es an der Aubinger Allee 120 aus. Dort steht ein Gebäude mit 93 Wohnungen und drei Gewerbeeinheiten. Der Mietvertrag lag laut Migros bereits vor dem Verkauf nicht mehr bei Tegut. Eine Tegut- oder Edeka-Filiale ist deshalb nicht vorgesehen.

31 Standorte in Bayern wechseln zu Edeka

Die drei genannten Münchner Standorte gehören laut Artikel nicht zu den bundesweit noch 36 Tegut-Filialen, die Mitte Oktober nicht verkauft waren. Diese Märkte sollten in einem laufenden Bieterverfahren vergeben werden und bis zur Übernahme geöffnet bleiben.

Bayernweit wechseln 31 Tegut-Standorte zu Edeka. Das Bundeskartellamt genehmigte dem Handelskonzern bundesweit die Übernahme von 178 Tegut-Filialen. Edeka zufolge bleiben dadurch mehr als 3.700 Arbeitsplätze erhalten. Nach einer Übergangszeit sollen die übernommenen Märkte schrittweise in die Filialnetze von Edeka und Netto integriert werden.

Weitere Filialen gehen an Rewe und Tante Enso: Tante Enso erhielt im Juni die Genehmigung für den Kauf von 36 Standorten, Rewe sicherte sich 38. Die Übernahmen durch Rewe und Edeka wurden wegen wettbewerblicher Bedenken nur unter Auflagen genehmigt.

Das Ende der Marke „tegut…“

Migros Zürich zieht sich vollständig aus Deutschland zurück und verkauft einen wesentlichen Teil der Tegut-Gruppe an Edeka. Der Vertrag umfasst einen Großteil der Tegut-Filialen, das Verkaufspersonal dieser Märkte, das Logistikzentrum in Michelsrombach, die Herzberger-Bäckerei sowie die Smart Retail Solutions GmbH mit den Teo-Smartstores. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht.

Die Marke „tegut…“ wird künftig nicht weitergeführt. Offen ist, wie die einzelnen Märkte heißen und wann die Umstellung erfolgt. Unklar bleibt außerdem, wie viele Beschäftigte der Tegut-Zentrale, der Logistik und der Herzberger-Bäckerei weiterbeschäftigt werden. Auch die bisherige Zusammenarbeit mit Amazon zur Lieferung frischer Lebensmittel in mehreren Regionen ist ungeklärt.

Der Verkauf beendet Teguts knapp 13-jährige Zugehörigkeit zur Migros-Gruppe. Im November 2024 hatte Migros Tegut eine neue Führung gegeben, Stellenabbau angekündigt und bis Ende 2026 schwarze Zahlen gefordert. Danach wurden unter anderem Frischetheken geschlossen; die Integration der übernommenen Biomarktkette Basic war zuvor gescheitert. Im Frühjahr 2025 sprach Tegut-Chef Patrik Pörtig noch von einer deutlichen Trendwende und einer Ergebnisverbesserung im ersten Quartal um 44 Prozent. Laut Migros Zürich wurden die operativen Verluste zuletzt um mehr als die Hälfte reduziert.

Für den Verkauf nennt Migros trotzdem ein verschärftes deutsches Marktumfeld, rückläufige Umsätze sowie Teguts vergleichsweise kleine Unternehmensgröße und spezifische Positionierung. Die Einsparungen während der Sanierung – geschlossene Frischetheken, ein ausgedünntes Sortiment und weniger Bio-Fokus – könnten zusätzlich Kunden und Umsatz gekostet haben.

Mehr als nur Supermärkte

Für Edeka bedeutet der Kauf eine Ausweitung der Filial- und Personalbasis in den Regionen Hessenring, Südwest, Südbayern und Nordbayern. Der Konzern übernimmt außerdem Teile der Tegut-Wertschöpfungskette und erhält mit Teo ein eigenständiges Smartstore-Geschäft. Migros hatte Teo erst wenige Monate zuvor von Tegut getrennt, neu gestaltet und als eigenständiges, franchise-fähiges Technologieunternehmen positioniert.

Gespräche über eine vollständige Übernahme durch einen Händler ohne bisherige Präsenz in Deutschland blieben erfolglos. Wer der mögliche ausländische Interessent war und warum die Gespräche scheiterten, nennt GMZ nicht. Mit weiteren, ebenfalls nicht genannten Marktteilnehmern verhandelt Migros Zürich über die restlichen Standorte.

Die Übernahme durch Edeka muss noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden. Wegen der laufenden Gespräche und des Genehmigungsvorbehalts nannte GMZ bislang keine genaue Zahl der an Edeka gehenden Filialen. Migros erklärte, die Arbeitsplätze in den rund 300 Tegut-Märkten sollten weitgehend erhalten bleiben, weil Edeka einen wesentlichen Teil der Märkte samt Verkaufspersonal übernimmt.

Ende 2023 hatte sich Migros Zürich verpflichtet, Tegut bis zum 31. Dezember 2026 finanziell auszustatten, damit das Unternehmen seine Verpflichtungen erfüllen kann. Diese Liquiditätsgarantie gilt laut GMZ bis zum Vollzug und zur Abwicklung aller Veräußerungen. Die finanziellen Folgen der Transaktion sollen bereits im Migros-Jahresabschluss 2025 erscheinen, der am 24. März veröffentlicht werden soll. Für die Beschäftigten bleibt damit manches offen: Der neue Eigentümer für einen Teil der Märkte wartet auf die Genehmigung, für die übrigen Standorte ist noch kein Käufer bekannt.