An der Perlaser Straße in Treuen geht es auf die Zielgerade: Die Bauarbeiten für den neuen Einkaufsstandort stehen kurz vor dem Abschluss. Unter der Adresse Perlaser Straße 15a–c entstehen Märkte von REWE und Lidl; außerdem gehört Rossmann zum geplanten Komplex. Noch riecht es dort eher nach Baustelle als nach frischen Brötchen, doch der Termin rückt näher.

Der Rohbau des REWE-Marktes ist bereits fertig. Derzeit kümmern sich die Arbeiter um Elektronik und technische Gebäudeausstattung. Bei Lidl und Rossmann haben die Rohbauarbeiten begonnen. Sie sollen an beiden Gebäuden voraussichtlich bis Ende Juni 2026 dauern. Die Übergabe des gesamten Komplexes ist für Ende Oktober 2026 geplant, die Eröffnung von REWE, Lidl und Rossmann soll Mitte November 2026 erfolgen.

45 Arbeitsplätze bei REWE

Der neue REWE-Markt schafft 45 Arbeitsplätze. Die meisten Stellen sind bereits vergeben, für einzelne Positionen in der Fleischerei- und Backwarenabteilung laufen noch Bewerbungen. REWE will sich in Treuen als Vollsortimentmarkt positionieren. Eröffnungsangebote und Aktionen sollen zusätzliche Kundinnen und Kunden in die Stadt locken.

Beim Rundgang auf der Baustelle ist allerdings noch kein gemütlicher Einkaufsbummel angesagt. Die Baukontrolleure Jonas Enterrottacher und Justyne Federal erklären, dass noch viel zu tun sei. Gleichzeitig setzen REWE und Lidl laut dem vorliegenden Bericht auf grünen Strom und Wärmepumpen.

Nachhaltigkeit reicht bis in die Lieferkette

Wie weit solche Maßnahmen reichen und was im Sortiment, bei Verpackungen und in den Lieferketten passiert, ist eine größere Frage. Das Umweltbundesamt (UBA) berichtet, dass deutsche Supermärkte ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten seit 2022 verbessert haben. Ihren Einfluss auf Landwirtschaft und Konsumverhalten nutzen sie demnach aber noch nicht vollständig.

Nachhaltigkeit im Lebensmitteleinzelhandel umfasst ressourcenschonende Lebensmittelproduktion, umweltfreundliche Verpackungen und die Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) im Auftrag des UBA untersucht zum zweiten Mal die Nachhaltigkeitsleistungen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels.

Im Blick standen die acht umsatzstärksten Unternehmen: ALDI Nord, ALDI Süd, EDEKA, Kaufland, Lidl, Netto Marken-Discount, PENNY und REWE. Politische Maßnahmen wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und der „Pakt gegen Lebensmittelverschwendung“ zeigen laut Studie ebenso Wirkung wie freiwillige Unternehmensinitiativen.

Einzelne Unternehmen kündigten an, künftig vollständig auf per Flugzeug importierte Lebensmittel zu verzichten. Flugware macht zwar nur einen kleinen Teil des Sortiments aus, verursacht laut Studie jedoch 170-mal mehr Treibhausgasemissionen als der Transport per Schiff. Das klingt nach einer kleinen Stellschraube mit ziemlich großem Hebel.

Das Bewertungsinstrument aus dem Jahr 2022 wurde um soziale Kriterien und Tierwohl erweitert. Untersucht wurden dabei Arbeits- und Menschenrechte in Lieferketten sowie die Bedingungen für das Tierwohl. Die Unternehmen schneiden im Umweltbereich besser ab als bei sozialen Kriterien und Tierwohl.

Mehr Kontrolle, offene Baustellen

Gegenüber 2022 verbesserten sich viele Unternehmen in den meisten Handlungsfeldern. Fortschritte gab es besonders im Nachhaltigkeitsmanagement: Defizite wurden systematischer erfasst, Ziele messbarer und ambitionierter formuliert und die Zielerreichung besser kontrolliert.

Die größten Defizite bestehen weiterhin bei Handlungsfeldern, die direkt die Beschaffung von Rohstoffen und Produkten betreffen. Das UBA fordert deshalb, höhere Umwelt- und Klimaanforderungen an Lieferanten mit ausreichender finanzieller Vergütung durch den Handel zu verbinden.

Erstellt wurde die Studie von FiBL Schweiz und Deutschland mit Unterstützung der Universität Gießen und der Technischen Hochschule Nürnberg. Bewertet wurden Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen sowie unternehmensinterne Informationen aus Fragebögen. Die Untersuchung umfasst 23 Handlungsfelder, 90 Indikatoren und 103 Subindikatoren.

Die Ergebnisse bilden den Stand des Lebensmitteleinzelhandels im Jahr 2023 ab. Die Studie beschreibt Entwicklungen, die der Handel bei der Transformation des Ernährungssystems anstößt, und benennt zugleich weiteren Handlungsbedarf bei anderen Akteursgruppen. In Treuen wird derweil weiter gebohrt, verkabelt und montiert – bis Mitte November 2026 soll aus dem Rohbau ein Einkaufsort werden.