Der blaue Gebäudekomplex an der Kreuzung Olgastraße/Neutorstraße gegenüber dem Ulmer Theater gehört seit mindestens 46 Jahren zum Stadtbild. Doch seine Zeit als Bundesbank-Filiale läuft ab: Mit Ablauf des 31. März 2028 stellt der Standort den Betrieb ein. Heute, am 27.10.2026, bleiben der Stadt damit noch gut anderthalb Jahre, um über die Zukunft des Geländes zu beraten.

In der Ulmer Filiale arbeiten derzeit 47 Personen. Die Deutsche Bundesbank hat zugesagt, die Schließung sozialverträglich umzusetzen; betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Diese Zusage gilt weiterhin. Der Zeitplan soll Beschäftigten, Geschäftspartnern und Privatkunden Planungssicherheit geben.

Warum Ulm geschlossen wird

Die Bundesbank hatte vor mehr als zwei Jahren eine Neuausrichtung ihres Filialnetzes angekündigt. Von derzeit 31 Filialen werden acht geschlossen. Neben Ulm stellen 2028 auch Ludwigshafen und Osnabrück den Betrieb ein. Zwischen 2034 und 2039 folgen Augsburg, Freiburg, Koblenz, Reutlingen und Würzburg.

Hinter der Neuaufstellung stehen mehrere Gründe: Einzelne Standorte sind weniger ausgelastet, viele Gebäude müssen saniert werden, und in den kommenden Jahren wären dafür hohe Investitionen nötig. Vier Filialen in den Ballungsräumen Frankfurt, Hannover, Köln und Stuttgart sollen deshalb an logistisch günstigeren Orten neu gebaut werden und Aufgaben benachbarter Filialen übernehmen. Die neuen Gebäude entstehen außerhalb der Innenstädte, dort, wo die Bevölkerungsdichte und damit das Bargeldaufkommen hoch sind. Für Fahrzeuge von Wertdienstleistern sollen sie besser erreichbar sein.

Einheitliche Baustandards sollen die Kosten begrenzen. Zugleich will die Bundesbank Geschäftsabläufe stärker automatisieren und verbessern, um die Effizienz zu steigern. In Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen soll die Bargeldversorgung künftig jeweils durch drei Filialen gewährleistet werden. Die Bundesbank bleibt in allen Bundesländern vertreten, in denen sie bisher Filialen unterhält. Für Kreditinstitute, Handel und Wertdienstleister soll der Zugang weiterhin flächendeckend möglich bleiben; als Richtwert gilt ein Einzugsradius von etwa 75 Kilometern pro Filiale.

Eine Bank für Banken – und für D-Mark im Küchenschrank

Die Ulmer Filiale ist eine regionale „Bank der Banken“. Sie versorgt Wirtschaft, Handel und Kreditinstitute mit Bargeld und prüft Banknoten und Münzen auf Echtheit und Beschädigungen. Auch Privatpersonen kommen weiterhin vorbei: Alte D-Mark-Scheine und -Münzen werden dort gebührenfrei und ohne Frist in Euro umgetauscht. Beschädigtes Bargeld kann ebenfalls gebührenfrei eingereicht werden. Außerdem gibt die Filiale regelmäßig limitierte deutsche Sammlermünzen aus, die Privatkunden erwerben können.

Vor der Einführung des Euro und der Bundesbank-Strukturreform 2002 war das deutsche Zentralbanksystem föderal organisiert. Jedes Bundesland hatte eine Landeszentralbank. Für das Ulmer Projekt war die Landeszentralbank Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart zuständig.

Errichtet wurde der Bau vermutlich um 1980 von dieser Landeszentralbank. Genaue Bauangaben liegen nicht vor. Im Inneren wurde das Gebäude erst in den 2020er-Jahren aufwendig und für mehrere Millionen Euro modernisiert – ein Detail, das die Frage nach der weiteren Nutzung nicht gerade einfacher macht.

Tresore, Stahlbeton und vier Klingelschilder

Eine Umnutzung gilt als schwierig, weil der Komplex ursprünglich zur Lagerung und Sortierung großer Bargeldbestände für die Region geplant wurde. Die unteren Gebäudeteile mit Tresoren und Geldbearbeitungsräumen bestehen aus massivem, speziell bewehrtem Stahlbeton. Die Konstruktion ist gegen Sprengstoffanschläge und das Durchbohren mit schwerem Gerät ausgelegt. Ein Abriss wäre daher mit erheblichem Aufwand verbunden.

Der Tresor liegt tief im Gebäude, häufig im Untergeschoss, und bildet einen besonders gesicherten Bereich. Meterdicke Türen wiegen mehrere Dutzend Tonnen. Riegelwerke, Zeitschlösser und mehrere unabhängige Schließsysteme sichern den Zugang. Sensoren registrieren unter anderem Erschütterungen durch Bohren oder Hämmern sowie Ultraschall-, Infrarot- und thermische Signale. Die Bundesbank und die Europäische Zentralbank veröffentlichen keine genauen technischen Details; der grundsätzliche Aufbau folgt jedoch einheitlichen Sicherheitsnormen.

Ein kleiner, fast unscheinbarer Hinweis auf die frühere Organisation findet sich neben dem Haupteingang: Dort hängen vier Klingelschilder mit Briefkästen. Im Gebäude gab es Wohnungen. Vor der Digitalisierung wohnte dort häufig der Bankdirektor, der für Schlüssel und Zugangscodes verantwortlich war. Zusätzlich waren Wohnungen für den hauptamtlichen Hausmeister oder den Leiter des Wachpersonals vorgesehen.

Vom Bankplatz zur Filiale von morgen

Die Ulmer Adresse steht auch für eine ältere Ordnung des Bankwesens. Die ersten drei Ziffern der deutschen Bankleitzahl bezeichneten den Bankplatz der Deutschen Bundesbank. Ein Bankplatz war eine Stadt mit einer Bundesbank-Filiale; über die Nummer ließ sich eine Bank regional zuordnen. Die erste Ziffer hieß Clearing-Gebietsziffer. Im Zuge der Einführung von SEPA wurde diese Funktion durch den Bank Identification Code, kurz BIC, übernommen.

Zur Filiallandschaft gehörten außerdem Betriebsstellen. Die letzte Betriebsstelle in Lörrach diente ausschließlich der Euro-Bargeldversorgung und wurde am 1. Oktober 2012 geschlossen; das verbleibende Geschäft übernahm vor allem die zuständige Filiale. Im Oktober 2015 verfügte die Bundesbank über 35 Filialen, die zuvor meist Hauptstellen der Landeszentralbanken gewesen waren. Eine weitere Verringerung der Filialzahl hatte sie bereits 2011 angekündigt. Für Nordrhein-Westfalen waren zunächst nur vier Filialen vorgesehen; nach der Schließung Aachens 2012 bestanden dort drei Niederlassungen mit Kundenverkehr.

Die heutige Struktur umfasst neun Hauptverwaltungen, die nicht vollständig den Clearing-Gebieten entsprechen. Die Bankplätze sind nach Ortsnummern gegliedert – und erzählen nebenbei die Geschichte vieler aufgegebener Standorte.

Im Bereich 100 bis 190 gehören Berlin, Rostock und Neubrandenburg zu den Bundesbank-Filialen; Schwerin, Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus sind ehemalige Filialen mit Zuständigkeit Berlin. Berlin trägt die Nummern 100 bis 103, Berlin-Ost die 120, Rostock die 130 und Neubrandenburg die 150. In Hamburg liegen die Bankplätze 200 bis 203, während Hamburg-Altona, Hamburg-Harburg, Kiel, Neumünster, Flensburg, Husum, Itzehoe und Lübeck frühere Filialen waren. Hannover ist mit 250 bis 251 vertreten, Göttingen mit 260 und Osnabrück mit 265; Oldenburg trägt 280. Zahlreiche frühere Standorte – von Lüneburg über Celle und Hildesheim bis Wilhelmshaven, Leer, Bremen und Bremerhaven – werden heute anderen Filialen zugeordnet.

In Nordrhein-Westfalen sind Köln mit 370 bis 371, Dortmund mit 470 und Bielefeld mit 480 Bundesbank-Filialen; Düsseldorf 300 bis 301 ist ehemalige Landeszentralbank und heutige Hauptverwaltung. Ehemalige Filialen gab es unter anderem in Aachen, Bonn, Münster, Essen, Duisburg, Bochum, Hagen, Siegen und Paderborn. Die frühere Bundesbank-Filiale in Warburg wurde nach ihrer Auflösung als Lokalredaktion einer örtlichen Zeitung genutzt. Eine kuriose zweite Karriere für einen Bau, der einmal mit Geld zu tun hatte.

Im Bereich 500 bis 599 stehen Frankfurt am Main mit 500 bis 503, 514 und 524 sowie der Bundesbank-Zentrale 504, Mainz mit 550, Koblenz mit 570 und Saarbrücken mit 590 bis 591. Ludwigshafen ist als Bundesbank-Filiale aufgeführt, wird aber 2028 schließen. Kaiserslautern, Trier, St. Ingbert und zahlreiche weitere Orte sind ehemalige Filialen; die Filiale St. Ingbert wurde nach Homburg verlegt.

Für Baden-Württemberg ist die Zuordnung besonders direkt: Stuttgart trägt 600 und ist Bundesbank-Filiale und Hauptverwaltung. Ulm ist mit 630 die Bundesbank-Filiale, Heidenheim mit 632 zugeordnet. Reutlingen 640, Karlsruhe 660, Freiburg im Breisgau 680 und Villingen-Schwenningen 694 sind ebenfalls Bundesbank-Filialen. Schwäbisch Gmünd, Aalen und Schwäbisch Hall gehören zur Zuständigkeit Ulm; Ravensburg ist eine ehemalige Filiale mit Zuständigkeit Ulm. Auch Esslingen, Heilbronn, Mannheim, Offenburg, Konstanz, Singen, Rottweil und Tuttlingen sind ehemalige Standorte. Reutlingen soll zwischen 2034 und 2039 folgen.

In Bayern sind München 700, Augsburg 720, Regensburg 750, Nürnberg 760 und Würzburg 790 als Bundesbank-Filialen aufgeführt. Neu-Ulm trägt den Bankplatz 730. Ingolstadt, Memmingen und Kempten sind ehemalige Filialen mit Zuständigkeit München beziehungsweise Augsburg; ebenso wurden unter anderem Rosenheim, Landshut, Bamberg, Bayreuth, Hof, Schweinfurt und Aschaffenburg aufgegeben. Augsburg gehört zu den Standorten, deren Schließung zwischen 2034 und 2039 vorgesehen ist. Als weitere Bundesbank-Filiale wird Leipzig aufgeführt.

Wenn in Ulm am 31. März 2028 die Türen schließen, verschwindet also nicht nur ein blauer Gebäudekomplex gegenüber dem Theater aus dem täglichen Filialbetrieb. Mit ihm endet auch ein Stück jener sichtbaren Bankplatz-Ordnung, die früher in den ersten drei Ziffern der Bankleitzahl steckte – und hinter den vier Klingelschildern vielleicht noch ein letzter Rest alter Dienstwohnungen.