Vom Tegut-Zelt zum Netto-Neubau: Petersberg bekommt einen neuen Lebensmittelmarkt
Am Ortseingang von Petersberg soll auf dem brachliegenden Gelände ein neuer Netto-Markt entstehen. Wo bis Juni 2025 die auffälligen Zeltbauten eines Tegut-Marktes standen, ist inzwischen Platz für einen vollständigen Neubau. Netto hat das Vorhaben angekündigt, ein konkreter Eröffnungstermin ist allerdings noch nicht bekannt.
Die markante Tegut-Filiale schloss am 17. Mai 2025. Danach wurde der Markt ausgeräumt; voraussichtlich Mitte Juni 2025 begann der Abriss, der etwa vier Wochen dauern sollte. Nach dem Rückzug des Schweizer Migros-Konzerns vom deutschen Markt verschwanden die Zeltbauten schließlich ganz.
Vom Tegut-Zelt zum Netto-Neubau
Ein zunächst für Herbst 2025 angekündigter Tegut-Neubau wurde nicht umgesetzt. Die Werner-Gruppe aus Fulda, Eigentümerin und Bauherrin des Areals, hatte nach dem Abriss wiederholt erklärt, zur Zukunft des Geländes noch keine verbindlichen Angaben machen zu können. Für die Gemeinde war das keine Kleinigkeit: Petersbergs Bürgermeisterin Claudia Brandes zeigte sich wegen der unklaren Entwicklung besorgt. Die Gemeinde hatte erhebliche Ressourcen in das Bauleitplanverfahren investiert, während die ruhende Baustelle an einer stark befahrenen Straße weder im Interesse der Gemeinde noch der Bürger lag.
Nun soll der zur Edeka-Gruppe gehörende Netto Marken-Discount dort einen komplett neuen Markt bauen. Die Werner Projektgruppe GmbH übernimmt den Bau. Der frühere Tegut-Neubau sollte nach Angaben der Werner-Gruppe rund 2.000 Quadratmeter Verkaufsfläche haben; für den Netto-Markt nennt die vorliegenden Information keine konkrete Fläche. Vorgesehen sind eine größere Verkaufsfläche und ein erweitertes Sortiment. Außerdem soll eine Bäckerei-Filiale von Pappert einziehen.
Der Standort gilt wegen seiner Nähe zur Bundesstraße und zur Autobahnauffahrt als attraktiv. In unmittelbarer Umgebung gibt es bereits Filialen von Edeka, Rewe, Lidl, Norma und Aldi Süd. Geplant sind auch ein nachhaltiges Gebäudekonzept mit Holzschindelfassade, Wärmerückgewinnung und Wärmepumpe sowie eine SB-Tankstelle. Der Neubau sollte bis Oktober 2026 fertiggestellt sein, die Eröffnung war für Ende November 2026 vorgesehen. Tegut macht keine Angaben zur Höhe der Investitionen.
Ein Marktwechsel mit Vorgeschichte
Hinter dem Petersberger Wechsel steht der große Umbau im deutschen Lebensmittelhandel. Das Bundeskartellamt genehmigte Edeka die Übernahme von 178 Tegut-Filialen. Edeka hatte ursprünglich 202 der rund 300 Tegut-Supermärkte übernehmen und weiterbetreiben wollen. Das Kartellamt äußerte jedoch Bedenken, dass Edekas Marktanteil in einigen Regionen zu stark steigen und der Wettbewerb leiden könnte. Die Übernahme der 202 Standorte wurde deshalb in der ursprünglich geplanten Form abgelehnt.
Edeka verpflichtete sich, 24 der vorgesehenen Standorte vier Jahre lang nicht zu erwerben. Nach Angaben von Kartellamtspräsident Andreas Mundt soll dadurch eine Verschlechterung für Verbraucher in den betroffenen Regionen verhindert werden. Eine Liste der genehmigten Filialen veröffentlichte das Kartellamt online; die meisten Standorte liegen in Hessen, Bayern und Thüringen.
Zum genehmigten Paket gehören außerdem das Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld-Michelsrombach, die Bäckerei Herzberger und 41 personallose „Teo“-Minimärkte. Edeka begrüßte die Entscheidung und erklärte, sie gebe rund 3.700 Beschäftigten eine klare Zukunftsperspektive. Die übernommenen Filialen sollen schrittweise in den genossenschaftlichen Edeka-Verbund integriert werden. Ein Teil der Märkte soll künftig von Netto Marken-Discount betrieben werden – Petersberg ist dafür ein konkretes Beispiel.
Wettbewerb unter Beobachtung
Edeka bedauerte zugleich, auf zahlreiche Standorte verzichten zu müssen. Das Kartellamt hatte die Übernahme seit März intensiv untersucht, vor allem mit Blick auf Wettbewerbsverhältnisse und die zunehmende Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi kamen 2025 zusammen auf mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze. Eine gemeinsame marktübergreifende Beherrschung des Marktes durch diese Unternehmen stellte das Kartellamt allerdings nicht fest.
Die Smart-Store-Kette Tante Enso erhielt im Juni bereits die Genehmigung zur Übernahme von 36 Tegut-Märkten. Rewe möchte bis zu 40 weitere Tegut-Filialen übernehmen, die Entscheidung steht noch aus. Wegen wettbewerblicher Bedenken legte Rewe ein Zusagenangebot vor; die Prüffrist wurde bis Ende Oktober verlängert. Über die übrigen Tegut-Filialen ist noch nicht entschieden. Migros Zürich teilte mit, Standorte ohne bisherigen Käufer sollten in einem laufenden weiteren Bieterverfahren vergeben werden.
Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe. Die Kette ist in sechs Bundesländern vertreten, mit Schwerpunkt in Hessen, und beschäftigt laut Migros knapp 7.500 Menschen. Die Marke Tegut soll aufgegeben werden. Netto Marken-Discount betreibt nach eigenen Angaben rund 4.200 Filialen und zählt damit zu den größten Discountern Deutschlands. Am Petersberger Ortseingang wird aus dem ehemaligen Tegut-Zelt nun also ein Neubau mit Netto-Schriftzug – sofern der Zeitplan hält.
