Woolworth eröffnet zehnte Dortmunder Filiale in der Thier-Galerie
Woolworth zieht in der Dortmunder Innenstadt weiter an: Am Donnerstag, 29. Oktober 2026, eröffnet in der Thier-Galerie eine neue Filiale des Discounters. Auf 542 Quadratmetern Verkaufsfläche gibt es dann Damen-, Herren- und Kinderkleidung, Haushaltswaren, Heimtextilien und Dekoration, dazu Schreib- und Spielwaren, Kosmetik- und Drogerieartikel sowie Süßigkeiten und Getränke.
Für Woolworth ist es nach eigenen Angaben bereits die zehnte Filiale in Dortmund. Ganz unbekannt ist die Kette in der City allerdings nicht: Am Westenhellweg 112 betreibt das Unternehmen schon einen weiteren Standort. Wer dort bisher zwischen Kleidung, Deko und Haushaltskram gestöbert hat, bekommt nun also eine zusätzliche Adresse – diesmal mitten in der Thier-Galerie.
Eröffnung mit Verspätung
Ganz glatt lief die Planung nicht. Im Januar 2026 war noch von einer Eröffnung im ersten Halbjahr und einem Laden im Untergeschoss die Rede. Inzwischen nennt die Thier-Galerie das vierte Quartal 2026 als Zeitraum. Nun steht der Termin fest: Donnerstag, 29. Oktober 2026.
Deutschlandweit betreibt Woolworth rund 1.000 Filialen. Am 5. März 2026 eröffnete im Essener Kronenberg Center die 1.000. Filiale. Nach Angaben des Unternehmens sind künftig sogar bis zu 1.500 Standorte in Deutschland und 5.000 in Europa geplant. Das Ladennetz wächst also weiter – auch wenn sich der eine oder andere Eröffnungstermin verschiebt.
Vom „Five-Cent-Store“ zur deutschen Expansion
Die Geschichte begann in den USA. Frank Winfield Woolworth eröffnete am 22. Februar 1879 in Utica, New York, seinen ersten „Five-Cent-Store“. Der Laden war allerdings erfolglos und musste schließen. Noch im selben Jahr startete Woolworth in Lancaster, Pennsylvania, einen neuen Versuch – mit Waren für fünf und zehn Cent. Dieser Standort wurde zur Grundlage der späteren Handelskette.
In den „Great Five Cent Stores“ lagen die Waren offen auf Ladentischen und wurden zu festen Preisen angeboten. Das war damals ungewohnt: Üblicherweise lagerten Händler ihre Ware in Regalen und nannten den Preis erst auf Nachfrage. Die deutsche Tochtergesellschaft der US-amerikanischen F.W. Woolworth Company wurde am 2. November 1926 im Berliner Hotel Adlon gegründet. Am 30. Juli 1927 öffnete in Bremen das erste deutsche Woolworth-Kaufhaus; feste Preise von 25 und 50 Pfennig sowie die offene Warenpräsentation hielten damit auch hier Einzug. Am 26. August 1927 folgte in Berlin-Wedding ein Warenhaus nach dem Prinzip „Nichts über 50 Pfennig“.
Zur Geschichte gehören allerdings auch dunkle Kapitel: Im März 1932 wurde bekannt, dass der Woolworth-Konzern die NSDAP mit mehreren Geldspenden unterstützt hatte. Zeitweise gab es verschiedene deutsche Tochterunternehmen, Schmuckgeschäfte liefen unter dem Namen Rubin. Einige frühere Tochterunternehmen bestehen teilweise selbstständig oder als Teile ehemaliger Konzernunternehmen fort, darunter Foot Locker.
Sortiment, Marken und Standorte
Die Woolworth GmbH hat ihren Sitz in Unna und ist eine GmbH; die heutige Gesellschaft besteht seit 2010. Zur Geschäftsführung gehören Mike Adams, Patrick Theus, Oliver Penner und Maik Wilcke. Mehr als 14.000 Menschen arbeiten 2026 für das Unternehmen. Im Geschäftsjahr 2024/25 setzte Woolworth 1,03 Milliarden Euro um. Mehrheitlicher Haupteigentümer ist die Dortmunder HH Holding.
Im Sortiment finden sich rund 10.000 Artikel im unteren und mittleren Preissegment. Neben Dekorations-, Haushalts-, Spiel-, Schreib- und Geschenkartikeln gehören Elektro- und Drogerieartikel, Tierzubehör, Accessoires, Heimtextilien sowie Bekleidung für Damen, Herren, Kinder und Babys dazu. Bekannte Marken wie Ravensburger, Lego, Panasonic, Coca-Cola und Haribo sind ebenso vertreten wie wechselnde Lizenzprodukte, etwa von Hello Kitty. Zu den Eigenmarken zählen Infinity Man, Woman, Kids und Sports, Belday Home, Basic Concept, Swiss Concept, Hüftgold, Stenzer, marVital und elta.
Vor der Insolvenz 2009 umfasste das Sortiment nach Presseangaben sogar mehr als 25.000 Artikel. Beim Standort setzt Woolworth gern auf Innenstädte, Fußgängerzonen, Stadtteilzentren, Einkaufszentren und Fachmarktlagen – die Filiale in der Thier-Galerie passt also ziemlich genau ins Muster. Jährlich beginnen etwa 200 Auszubildende ihre Ausbildung; gelernt wird in 13 Berufen beziehungsweise Weiterbildungsberufen.
Krise, Neustart und Wachstum
1979 galt Woolworth noch als größtes Kaufhausunternehmen der Welt. Danach geriet der Konzern wirtschaftlich ins Schlingern. 1997 schlossen die letzten Woolworth-Kaufhäuser in den USA. Im Zuge der Insolvenz der US-Muttergesellschaft machte sich die deutsche Woolworth 1998 durch einen Management-Buy-out selbstständig. Die neu gegründete DWW Deutsche Woolworth GmbH & Co. OHG mit Sitz in Frankfurt betrieb zeitweise bis zu 330 Kaufhäuser.
Im Oktober 2007 übernahmen Cerberus Capital Management und Argyll Partners das Geschäft der deutschen Woolworth. Am 11. April 2009 stellte Argyll Partners für das deutsche operative Geschäft beim Amtsgericht Frankfurt am Main einen Insolvenzantrag. Heinz Thünemann, ein ehemaliger Karstadt-Manager, wurde im Zuge der Neuausrichtung Geschäftsführer. 23 ehemalige Woolworth-Filialen übernahm NKD; Ende August 2009 genehmigte das Bundeskartellamt außerdem die Übernahme von bis zu 71 weiteren Filialen durch Schlecker.
Im September 2009 wurde angekündigt, das operative Geschäft mit voraussichtlich 160 von ursprünglich 310 Filialen in einer neu gegründeten Deutsche Woolworth GmbH fortzuführen. Im Mai 2010 übernahm die H. H. Holding Unternehmensteile im Rahmen eines Asset Deals. 158 Standorte wurden weitergeführt, der Firmensitz wechselte von Frankfurt nach Unna. Die heutige Woolworth GmbH nahm am 1. Juli 2010 in Unna ihren Geschäftsbetrieb auf.
Die österreichischen Filialen wurden von der deutschen Gesellschaft getrennt und an den Finanzinvestor bluO verkauft. Die österreichischen Woolworth-Läden schlossen und eröffneten als Adler-Modewelt neu. Ab dem Geschäftsjahr 2013/14 erzielte Woolworth nach einer Neuausrichtung wieder wirtschaftlichen Erfolg. 2016 eröffnete in Dortmund das 300. deutsche Kaufhaus, 2019 folgte in der Bielefelder Innenstadt das 400. Kaufhaus. Am 1. Juni 2023 kam in Hamburg-Barmbek das 600. Kaufhaus hinzu, zugleich der zwölfte Standort in Hamburg.
Seit 2025 betrieb Woolworth mehr als 800 Kaufhäuser in Deutschland. Während der Corona-Lockdowns 2020 und 2021 wurden keine Kaufhäuser dauerhaft geschlossen. Im August 2021 spendete Woolworth 100.000 Euro an die FDP. 2020 eröffnete in Unna eine neue Unternehmenszentrale mit angrenzendem Logistikkomplex.
Woolworth schaut über Deutschland hinaus
Auch außerhalb Deutschlands ging es weiter. Im Mai 2023 eröffnete Woolworth die ersten drei polnischen Filialen in Krakau, Posen und Warschau. Im selben Jahr kündigte das Unternehmen die Rückkehr nach Österreich an; im November 2023 öffnete in Eisenstadt die erste österreichische Filiale. Im Juni 2025 folgte in Třebíč der erste Standort in Tschechien, im Oktober 2025 die erste slowakische Filiale in Bratislava.
Im August 2026 wurde der Verkauf der polnischen Filialen an TEDi bekanntgegeben. Geführt wird Woolworth heute von Mike Adams, Patrick Theus, Oliver Penner und Maik Wilcke. Für die nächsten Schritte bleibt viel Platz auf der Landkarte – und in Dortmund kommt am 29. Oktober in der Thier-Galerie erst einmal die zehnte Filiale dazu.
