2026 bringt deutschen Winzern weniger Wein, aber Hoffnung auf einen Spitzenjahrgang
Für deutsche Winzer ist 2026 ein Jahr mit zwei Gesichtern: Die Weinmosternte fällt voraussichtlich eher schwach aus, zugleich zeichnet sich qualitativ ein Spitzenjahrgang ab. Das Statistische Bundesamt erwartet 8,0 Millionen Hektoliter. Das sind 0,3 Millionen Hektoliter beziehungsweise 4 % weniger als im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025, aber 0,3 Millionen Hektoliter beziehungsweise 5 % mehr als 2025, als 7,7 Millionen Hektoliter erreicht wurden.
Die zweite Ernteschätzung zum 20. September 2026 stützt sich auf Meldungen von rund 400 freiwilligen Ernteberichterstattenden. Ihre Angaben beziehen sich auf die erwarteten Weinmosterträge ihrer Betriebe. Das Deutsche Weininstitut (DWI) rechnet allerdings mit einer noch geringeren Menge. Und ganz in Stein gemeißelt ist die Schätzung ohnehin nicht: Witterung, lokale Wetterereignisse, Pflanzenkrankheiten und Schädlinge können die Zahlen noch verändern.
Hitze, kleine Beeren und ein früher Start
Das Weinjahr war bislang von Trockenheit und Hitze geprägt. Wassermangel ließ die Traubenbeeren kleiner bleiben, hohe Temperaturen setzten den Reben zusätzlich zu. Die Weinlese begann bereits Mitte August – etwa eine Woche früher als üblich. Abgesehen von örtlich begrenzten Hagelschäden wurden bislang keine großflächigen Schäden gemeldet.
Die trockenen Bedingungen hatten aber auch eine gute Seite: Die Trauben blieben gesund, und die stärkere Konzentration der Inhaltsstoffe lässt auf einen qualitativ guten Jahrgang hoffen. Warme Tage und kühle Nächte vor der Ernte kamen dem Riesling zugute. Besonders der Rotwein soll sehr gut ausfallen. Das klingt nach einem Jahrgang, bei dem die Kellermeister trotz kleinerer Mengen ziemlich genau hinschauen werden.
Die größten Mengen kommen erneut aus Rheinhessen und der Pfalz. Auf beide Gebiete entfallen zusammen 56 % der erwarteten deutschen Weinernte: Rheinhessen steuert 2,4 Millionen Hektoliter bei, die Pfalz 2,1 Millionen. Baden und Württemberg liefern weitere 24 %, davon Baden 1,2 Millionen und Württemberg 772.000 Hektoliter.
Mehr Ertrag in sieben Gebieten – aber nicht überall
In sieben Anbaugebieten wird die Erntemenge 2026 voraussichtlich über dem Vorjahreswert liegen. In der Pfalz sind es 214.000 Hektoliter beziehungsweise 11 % mehr, in Baden 171.000 Hektoliter beziehungsweise 17 %. Rheinhessen kommt auf ein Plus von 141.000 Hektolitern beziehungsweise 6 %, der Rheingau auf 34.000 Hektoliter beziehungsweise 20 %.
Auch Württemberg legt um 32.000 Hektoliter beziehungsweise 4 % zu. An der Hessischen Bergstraße werden 7.000 Hektoliter beziehungsweise 26 % mehr erwartet, am Mittelrhein 2.000 Hektoliter beziehungsweise 8 %. Bei Rheinhessen und der Pfalz muss man diese Zuwächse allerdings einordnen: Beide Gebiete hatten 2025 gegenüber 2024 starke Einbußen. Der Anstieg ist deshalb vor allem eine Stabilisierung.
In fünf Gebieten geht es dagegen abwärts. An der Mosel wird ein Rückgang um 119.000 Hektoliter beziehungsweise 16 % erwartet, in Franken um 73.000 Hektoliter beziehungsweise 19 %. Die Ahr verliert voraussichtlich 17.000 Hektoliter beziehungsweise 50 %, Saale-Unstrut 13.000 Hektoliter beziehungsweise 22 % und Sachsen 4.000 Hektoliter beziehungsweise 14 %.
Von der Gesamternte entfallen voraussichtlich 5,6 Millionen Hektoliter beziehungsweise 70 % auf Weißmost und 2,4 Millionen Hektoliter beziehungsweise 30 % auf Rotmost. Besonders hoch ist der Weißmostanteil an der Mosel mit 90 %, im Rheingau mit 86 % und in Franken mit 85 %. Rotmost überwiegt dagegen an der Ahr mit 77 % und in Württemberg mit 65 %.
Riesling legt zu, der Markt bleibt schwierig
Die Riesling-Ernte soll gegenüber 2025 um 140.000 Hektoliter beziehungsweise 8 % auf 1,8 Millionen Hektoliter steigen. Auch Dornfelder nimmt zu: um 9 % auf 601.000 Hektoliter. Rückgänge werden beim Grünen Silvaner erwartet, dessen Menge um 5 % auf 304.000 Hektoliter sinken soll, sowie beim Blauen Portugieser mit einem Minus von 3 % auf 173.000 Hektoliter.
Im Supermarkt müssen Verbraucher trotz der kleineren Ernte nach Einschätzung des DWI nicht mit deutlich höheren Preisen rechnen. Der Weinkonsum sinkt seit Jahren, dadurch besteht weiterhin ein Überangebot. Die derzeitigen Supermarktpreise gelten für viele Winzer ohnehin als nicht kostendeckend. Die geringere Produktion wird vom Markt daher eher aufgenommen, als dass sie automatisch die Regale verteuert.
Für die Winzer ist der rückläufige Konsum das größere Problem als die Erntemenge dieses Jahres. Dazu kommt die Konkurrenz durch günstigere Importe. Heimische Winzer haben in Deutschland laut DWI einen Marktanteil von 42 %. Rheinland-Pfalz zahlt deshalb eine Rodungsprämie von bis zu 5.000 Euro pro Hektar, wenn Winzer Rebflächen im Winter dauerhaft entfernen.
Wachstum gibt es dagegen beim Export, unter anderem nach China und Skandinavien. Dort steigt der Weinkonsum entgegen dem allgemeinen Trend. Gefragt sind vor allem leichte Weißweine; deutscher Riesling ist deshalb auch in China beliebt. Ein Diebstahl von 30.000 Flaschen des italienischen Weinguts Marchesi Antinori im Wert von rund 5 Millionen Euro wurde als Hinweis auf die anhaltende Attraktivität von Wein erwähnt – eine ziemlich teure Erinnerung daran, dass gute Flaschen offenbar weiterhin Begehrlichkeiten wecken.
Was die Statistik abdeckt
Die September-Schätzung umfasst Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sind nicht einbezogen. Zusammen machten diese Länder 2025 lediglich 0,07 % der deutschen Erntemenge aus.
Die Angaben bleiben dennoch mit Unsicherheiten behaftet. Sie beruhen teilweise auf subjektiven Eindrücken und Annahmen zum weiteren Vegetations- und Witterungsverlauf. Extremwetter wie Spätfrost, Hagel, Sturm und Starkregen kann die Erträge regional noch beeinflussen. Nach den methodischen Hinweisen erhöht der Klimawandel die Häufigkeit und Dauer solcher Ereignisse.
Einordnung liefert auch die verfügbare Statistik-Publikation des Deutschen Weininstituts. Der gelieferte PDF-Ausschnitt mit dem Dokumentnamen „Statistik_2025.indd“ enthält allerdings technische Metadaten und komprimierte Binärdaten; der eigentliche Dokumentinhalt ist aus dem unvollständigen PDF-Code nicht lesbar. Erstellt wurde das PDF am 4. Dezember 2025 mit Adobe InDesign 21.0 unter Windows und als PDF/X-4 ausgegeben. Mehr lässt sich aus diesem Ausschnitt nicht seriös herauslesen – der Wein selbst steht da deutlich besser da.
