Die geplante Übernahme der Porta-Gruppe durch den österreichischen Möbelhändler XXXLutz geht in die nächste Runde – und zwar in die heikle. Die Europäische Kommission hat die Prüfung am 13. Oktober 2026 vertieft. Eine Entscheidung über den Zusammenschluss ist damit noch lange nicht gefallen.

Im Mittelpunkt stehen mögliche Wettbewerbsbeeinträchtigungen im Möbelhandel in Deutschland, Tschechien und der Slowakei. XXXLutz und Porta konkurrieren laut Kommission in zahlreichen Regionen direkt miteinander, vielfach sogar in denselben Einzugsgebieten. Gerade im Discountsegment könnte durch den Wegfall eines Wettbewerbers der Preisdruck sinken: Höhere Preise und eine kleinere Auswahl für Kundinnen und Kunden wären mögliche Folgen.

140 Standorte, mehr als 1.800 Geschäfte

Die Transaktion umfasst mehr als 140 Porta-Standorte der Marken „Porta“, „Boss“ und „Asko“. Sie würden mit mehr als 1.800 Geschäften der XXXLutz-Gruppe zusammengeführt. Zur Gruppe gehören unter anderem XXXLutz, Home24, Mömax, Roller, Poco und Möbelix. Außerdem zählen „Braun“ sowie Kontrollbeteiligungen an „But“, „Conforama France“, „Conforama Iberia“ und „Conforama Switzerland“ zum Konzern.

Porta ist in Deutschland unter „porta Möbel“, „SB Möbel Boss“ und „Möbel LETZ“ aktiv, in Tschechien und der Slowakei unter „ASKO“. Das Sortiment reicht über Möbel hinaus bis zu Haushaltswaren sowie in geringerem Umfang zu Elektronik und Haushaltsgeräten. Gegründet wurde Porta 1965; das erste Einrichtungshaus entstand in der Nähe von Porta Westfalica.

Der Zusammenschluss betrifft nicht nur Verkaufsflächen. Auch beim Einkauf schaut Brüssel genau hin. Die Beschaffung soll künftig gebündelt über den XXXLutz-Einkaufsverband GIGA International erfolgen. XXXLutz besitzt bereits eine erhebliche Einkaufsmacht und ist für viele Möbelhersteller ein wichtiger Abnehmer. Durch das zusätzliche Porta-Volumen könnten wichtige alternative Absatzmöglichkeiten verschwinden. Die Lieferantenabhängigkeit vom fusionierten Unternehmen könnte dadurch in Deutschland, Tschechien, der Slowakei und Polen steigen – und konkurrierende Händler könnten ins Hintertreffen geraten.

Fragen zu möglichen Absprachen vor der Freigabe

Parallel zur Fusionskontrolle prüft die Kommission, ob die Übernahme zu spät angemeldet wurde und ob möglicherweise bereits vor der erforderlichen Genehmigung Fakten geschaffen wurden. Öffentlich angekündigt hatten die Unternehmen den Kauf Anfang Januar 2025. Die formelle Anmeldung bei der EU-Kommission erfolgte laut Behörde erst am 7. September 2026.

Nach EU-Wettbewerbsrecht dürfen Unternehmen bis zur Freigabe keine Maßnahmen ergreifen, die faktisch einen Kontrollwechsel bewirken. Dazu zählen etwa abgestimmte Geschäftsabläufe oder der Austausch wettbewerblich sensibler Informationen. Die Kommission sieht Anhaltspunkte für einen möglichen Verstoß gegen diese Stillhaltepflicht. Dieses Verfahren wird getrennt vom Fusionskontrollverfahren geführt.

Die EU verschickte dazu Fragebögen an zahlreiche Möbelhersteller. Gefragt wird unter anderem, ob XXXLutz und Porta Lieferanten zur Angleichung ihrer Geschäftsbedingungen aufgefordert oder gemeinsam über Preise verhandelt haben. Zudem verlangt die Kommission von XXXLutz umfangreiche Unternehmenskennzahlen.

Laut dem „Kurier“ sollen IT-Mitarbeiter von XXXLutz kurz nach der Übernahmeankündigung bei Porta gewesen sein, um Warenwirtschaftssysteme abzustimmen. Porta-Einkäufer sollen außerdem an Preisverhandlungen des XXXLutz-Einkaufsverbands Giga International teilgenommen haben, obwohl Porta erst nach einer Genehmigung Mitglied werden dürfte. Branchenhändler berichten laut Medien zudem, XXXLutz-Mitarbeiter hätten von Möbelherstellern geheime Einkaufsvereinbarungen mit Porta verlangt.

XXXLutz und Porta weisen diese Vorwürfe zurück. Die deutsche XXXLutz Group, BDSK Handels GmbH & Co. KG, erklärte, im Januar 2025 habe es lediglich Kennenlerngespräche gegeben: Am 7. Januar stellten sich die Eigentümer und die deutsche Geschäftsleitung der obersten Führungsebene von Porta vor, am 27. und 28. Januar folgten Termine mit Hausleitungen und Betriebsratsvorsitzenden. Das sei ein üblicher Bestandteil eines solchen Prozesses gewesen. XXXLutz erklärte, man habe sich den Beschäftigten und ihren Vertretungen persönlich vorstellen wollen und alle rechtlichen Vorgaben eingehalten.

Branche unter Druck

Für die Anmeldung des Zusammenschlusses wurden laut XXXLutz Marktdaten von mehreren Hundert Standorten zusammengetragen. Die Datenerhebung sei nahezu abgeschlossen gewesen; die formelle Anmeldung sollte laut damaliger Unternehmensangabe bis Ende August 2026 erfolgen. Tatsächlich meldete XXXLutz das Vorhaben am 7. September 2026 offiziell bei der Europäischen Kommission an. Das Unternehmen kündigte an, alle erforderlichen Informationen bereitzustellen und den Dialog mit der Kommission fortzusetzen.

Bei einem festgestellten Wettbewerbsverstoß könnte die EU-Kommission ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent des weltweiten Konzernumsatzes verhängen. Bei dem für XXXLutz genannten Jahresumsatz von 6,4 Milliarden Euro wäre theoretisch ein Bußgeld im dreistelligen Millionenbereich möglich. XXXLutz beschäftigt laut Artikel 27.600 Menschen und betreibt rund 400 Standorte.

Die deutsche Möbelindustrie hatte schon bei früheren Zusammenschlüssen vor wachsender Marktkonzentration gewarnt. Bei der 2020 vom Bundeskartellamt genehmigten Verbindung von XXXLutz mit Roller, Tejo’s und Schulenburg bestanden laut WirtschaftsWoche entsprechende Branchenbedenken. Danach wurde die Lage für viele Hersteller nicht leichter: Innerhalb von vier Jahren verlor die deutsche Möbelindustrie 20 Prozent ihres Umsatzes. Im ersten Halbjahr 2025 sank der Umsatz nach Angaben des Verbands der Deutschen Möbelindustrie nochmals um 2,7 Prozent.

Kriege, eine schwache Konsumstimmung, steigende Personal-, Material- und Energiekosten sowie der Rückgang im Wohnungsbau setzen den Unternehmen zu. Gleichzeitig wächst die Bedeutung chinesischer Möbelimporte. Seit 2019 stiegen die Lieferungen nach Deutschland um 50 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 überholte China erstmals Polen als wichtigsten Möbelimportpartner Deutschlands.

Phase II mit offenem Ausgang

Mit der sogenannten Phase II beginnt nun die entscheidende Prüfungsphase. Vorausgegangen war eine umfassende Pränotifikationsphase, in der XXXLutz und die Europäische Kommission zahlreiche Fragen zum Vorhaben erörterten. Die Kommission prüft, ob der Zusammenschluss grundsätzlich mit dem europäischen Wettbewerbsrecht vereinbar ist. Die vertiefte Prüfung ist also keine Ablehnung – zunächst geht es darum, die konkreten Auswirkungen auf die betroffenen Märkte genauer zu untersuchen.

Nach der vorläufigen Untersuchung könnten in Deutschland, Tschechien und der Slowakei erhebliche Wettbewerbsprobleme entstehen. XXXLutz und Porta zählen dort zu den stärksten Möbelhändlern und gehören zu den wenigen Unternehmen mit eigenen Möbel-Einzelhandelsnetzwerken. Im deutschen Discountgeschäft wäre die gemeinsame Marktstellung nach Einschätzung der Kommission besonders stark. Der Zusammenschluss könnte erheblichen Wettbewerbsdruck beseitigen, Preise erhöhen und die Auswahl einschränken.

XXXLutz steht nach eigenen Angaben uneingeschränkt hinter dem Zusammenschluss. CEO Alois Kobler zufolge soll das Unternehmen kundennah und regional verankert bleiben. Bei übernommenen Unternehmen verweist XXXLutz auf den Erhalt der Häuser, Investitionen in die Standorte und die Sicherung von Arbeitsplätzen. Auch Lieferanten sollen nach Unternehmensangaben von langfristigen Geschäftsbeziehungen profitieren. Man gehe zuversichtlich in die nächste Verfahrensphase.

Die Kommission hat 90 Arbeitstage Zeit für ihre Entscheidung. Als Frist wurden der 25. oder der 27. Februar 2027 genannt; spätestens am 25. Februar 2027 soll der Beschluss fallen. Das Verfahren soll ergebnisoffen geführt werden. Bis dahin bleibt offen, ob aus Porta tatsächlich ein weiterer Teil des XXXLutz-Reiches wird – oder ob Brüssel noch Auflagen verlangt.