Hijos de Rivera baut sein Geschäft in Deutschland aus: Der spanische Brauer hat unter dem Namen Estrella Galicia Alemania eine eigene Tochtergesellschaft gegründet. Die neue Gesellschaft soll die internationale Expansion vorantreiben und dem Unternehmen eine direkte Präsenz in einem wichtigen, zugleich stark umkämpften europäischen Biermarkt verschaffen.

Estrella Galicia ist in Deutschland allerdings kein Neuling. Seit mehr als zehn Jahren sind die Produkte hier erhältlich – nach Angaben des Unternehmens mit ausreichender Nachfrage und einer wachsenden Bekanntheit bei deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern. Bislang lief der Vertrieb über externe Partner und Vereinbarungen. Nun übernimmt Hijos de Rivera selbst stärker das Ruder.

Eigene Teams für Handel und Gastronomie

Die deutsche Tochtergesellschaft arbeitet mit eigenen Teams vor Ort. Sie sollen den Absatz sowohl in der Gastronomie und Hotellerie als auch im Lebensmitteleinzelhandel steigern, die Distribution beschleunigen und die Positionierung von Estrella Galicia sowie weiterer Marken der Gruppe stärken. Auch andere Getränke neben Bier gehören zum geplanten Ausbau.

Mit Warsteiner besteht bereits eine Zusammenarbeit. Außerdem hat Hijos de Rivera Regalplätze bei Edeka und Rewe gesichert – den beiden größten deutschen Handelsgruppen, wie aus Unternehmensangaben hervorgeht. Lokale Partnerschaften und eigene Mitarbeiter sollen den Zugang zu Supermärkten, Bars und Restaurants verbessern. Gerade diese beiden Vertriebskanäle sieht der Brauer als entscheidend für weiteres Wachstum in Deutschland.

Die eigene Gesellschaft verschafft Hijos de Rivera mehr direkte Kontrolle über die Geschäftstätigkeit, die Vertriebsunterstützung und Investitionsentscheidungen. Der neue Betrieb soll als Plattform dienen, um auf lokale Nachfrage zu reagieren, enger mit Handel, Gastronomie, Kunden und Verbrauchern zusammenzuarbeiten und die Markenbekanntheit auszubauen. Ein bisschen weniger Umweg, ein bisschen mehr Nähe – so lässt sich der Schritt im Alltag wohl am besten beschreiben.

Langfristiger Plan statt schneller Erfolge

International Business Director Aitor de Artaza erklärte, die Expansion folge einem nachhaltigen und konsequenten Modell. Schnelle Ergebnisse in Auslandsmärkten stünden nicht im Mittelpunkt. Vielmehr wolle das Unternehmen seine Strategie an Zeit, Kontext und Besonderheiten des jeweiligen Marktes ausrichten und sich auf Regionen mit ausgeprägter Bierkultur konzentrieren.

Im Blick sind dabei Verbraucher, die Produktqualität und Brauverfahren schätzen. Deutschland verbindet für den Brauer eine große Verbraucherbasis mit einer etablierten Bierkultur. Gleichzeitig ist der Markt anspruchsvoll: Sinkende Absatzmengen, steigende Kosten und verändertes Konsumverhalten setzen die Branche unter Druck. Eine Expansion braucht deshalb nicht nur Vertriebskapazitäten, sondern auch eine klare Geschäftsstrategie und enge Beziehungen zu Einzelhandel und Gastronomie.

CEO Francisco Ucha bezeichnete die deutsche Tochtergesellschaft als wichtigen Schritt im internationalen Expansionsplan. Die Struktur mit eigenen Teams ermögliche eine engere Zusammenarbeit mit Kunden und Konsumenten, beschleunige den Vertrieb und helfe dabei, Investitionen zur Unterstützung des Wachstums zu steuern. Die Entscheidung folgt auf die nach Unternehmensangaben positive Aufnahme während der vergangenen Dekade im deutschen Biermarkt.

Deutschland im internationalen Netz

Mit Deutschland wächst das Netz ausländischer Tochtergesellschaften von Corporación Hijos de Rivera weiter. Nach eigenen Angaben verfügt die familiengeführte Gruppe über mehr als ein Dutzend Gesellschaften außerhalb Spaniens. Dazu zählen unter anderem Brasilien, China, die Philippinen, Mexiko, das Vereinigte Königreich, Italien und Portugal.

Die Tochtergesellschaft im Vereinigten Königreich wurde im Februar des vergangenen Jahres eröffnet, jene in Italien im Mai vergangenen Jahres. Die deutsche Gründung ist Teil der internationalen Wachstumsstrategie, bei der Estrella Galicia die zentrale Exportmarke bleibt. Hijos de Rivera setzt internationale Expansion als wichtigen Wachstumstreiber außerhalb Spaniens ein – und will mit lokalen Gesellschaften weniger ausschließlich von Importeuren und Vertriebspartnern abhängig sein.

Mehr Einfluss auf Markenentwicklung, Marktumsetzung und langfristige Investitionen: Darum geht es. Der direkte Draht zu Supermarkt, Bar und Restaurant soll nicht erst über mehrere Stationen entstehen. Das kann bei einem Biermarkt, in dem Geschmack, Marke und Sichtbarkeit eng zusammengehören, einen Unterschied machen.

Premium, Dose und alkoholfrei

Der Schritt nach Deutschland fällt in eine Zeit, in der die weltweite Bierbranche robust bleibt. Wachstum bringen 2025 vor allem Premiumbiere, Craft-inspirierte Innovationen und alkoholfreie Biere. Starke Umsätze verzeichnen unter anderem Mexiko, Vietnam und die USA. In Asien – besonders in Vietnam, Indien und China – sowie in Lateinamerika steigen die Absatzzahlen, während traditionelle Volumenmärkte stagnieren oder leicht zurückgehen.

Viele Konsumenten suchen nach neuen Geschmackserlebnissen und Bieren mit klarer Markenidentität. Premiumisierung ist damit ein strategischer Wachstumstreiber. Internationale Brauereikonzerne setzen auf hochwertige Sorten, reduzierte Zutatenlisten und Craft-inspirierte Rezepturen, um Margen zu sichern und neue Zielgruppen zu erreichen.

Auch alkoholfreies Bier entwickelt sich zunehmend zu einer eigenständigen Kategorie und wird nicht mehr bloß als Ersatzprodukt gesehen. In Metropolen wie São Paulo und Bangkok werden zweistellige Wachstumsraten gemeldet. Parallel steigt in vielen Ländern die Nachfrage nach Dosen und kleineren Verpackungseinheiten – wegen Convenience, einfacher Lagerung und des Konsums unterwegs.

Deutschland bleibt dabei ein widersprüchlicher Markt. Der Bierkonsum sinkt seit Jahren, Dosenbier wird jedoch deutlich beliebter. Laut Nielsen IQ entfallen inzwischen mehr als zehn Prozent des Bierabsatzes im Handel auf Halbliterdosen, mit weiter steigender Tendenz. Vor allem jüngere Konsumenten empfinden die Dose als praktisch, modern und vertraut. Der Imagewandel hängt auch mit der Verbreitung von Energydrinks in Dosen zusammen.

Für den Handel liegen die Vorteile auf der Hand: Dosen sind beim Transport und bei der Lagerung unkompliziert und bruchsicher. Bei Festivals und Sportveranstaltungen kommen Glasverbote und die einfache Handhabung hinzu. Zugleich hat sich die Umweltbilanz verbessert, weil moderne Dosen größtenteils aus recyceltem Aluminium bestehen und teilweise vollständig wiederverwertbar sind. Aus dem Nischenprodukt ist in Deutschland ein fester Bestandteil der veränderten Konsumkultur geworden – und Estrella Galicia will dort nun mit eigener Mannschaft weiter ins Regal und an den Zapfhahn.