Cyberangriff auf Danfoss-Kühltechnik lässt französische Supermärkte Millionen an Waren verlieren
Ein Cyberangriff hat in der Nacht auf Montag französische Supermärkte ins Schwitzen gebracht – und zwar buchstäblich. Hacker stellten Kühl- und Gefrieranlagen auf Auftaumodus, frische Waren und Tiefkühlprodukte wurden ungenießbar. Betroffen waren zunächst rund 150 Geschäfte von Les Mousquetaires mit Intermarché und Netto, etwa 80 Carrefour-Supermärkte sowie mehrere Filialen der Coopérative U.
Nach Angaben von Les Mousquetaires galt der Angriff dem dänischen Technikdienstleister Danfoss, der Kühlsysteme für verschiedene Händler betreut. Danfoss bestätigte Auswirkungen auf eine begrenzte Zahl von Kühlsystemen. Mutmaßlich manipulierten die Angreifer ältere Danfoss-Temperaturregler: Die normale Abtaufunktion wurde dauerhaft aktiviert, zugleich soll die Solltemperatur auf 50 °C gesetzt worden sein. Kühl- und Gefriergeräte heizten dadurch über Stunden auf. In einigen Fällen kam es zu Folgebränden. Die Cyberkriminalitätsabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt.
Millionenschäden und verdorbene Tiefkühlware
Besonders stark betroffen ist Intermarché. Bis zu 300 Filialen einschließlich Netto könnten betroffen sein. Bei Coopérative U wurden weniger als 100 Geschäfte genannt. Auch E.Leclerc sowie möglicherweise Carrefour Market, Monoprix, Metro und unabhängige Betriebe wie Metzgereien tauchen in den Berichten auf. Gemeinsamer technischer Faktor ist die weit verbreitete Danfoss-Technik.
Die Manipulationen begannen teils um Mitternacht, teils deutlich später. In Haguenau im Elsass verlor ein Intermarché Tiefkühlwaren im Wert von rund 50.000 Euro. Ein benachbarter Supermarkt musste frische und gefrorene Waren im Wert von etwa 220.000 Euro entsorgen. Die Mousquetaires rechnen landesweit mit Schäden in Höhe mehrerer Millionen Euro. Die genaue Schadenshöhe ist aber noch unklar.
Die Supermärkte gehen davon aus, dass der eigentliche Angriff dem Danfoss-Dienstleister galt. Danfoss veröffentlichte Firmware-Updates. Ähnliche Angriffe auf Danfoss-Systeme waren bereits 2022 in Russland und Israel gemeldet worden.
Auch in den Niederlanden und Belgien gab es zeitgleich IT-Störungen, allerdings ist ein direkter technischer Zusammenhang mit dem französischen Angriff bislang nicht bestätigt. Albert Heijn meldet seit Sonntagnachmittag einen Cybersicherheitsvorfall. Website, App und Kundenservice von Albert Heijn sowie Etos und Gall & Gall waren offline, Online-Lieferungen wurden gestoppt und Treueprogramme funktionierten nicht. Elektronische Preisschilder zeigten veraltete Aktionspreise. Die belgische Kette Delhaize ist ebenfalls betroffen; möglicherweise wurden Kundendaten kompromittiert.
Die stationären Geschäfte in den Niederlanden und Belgien blieben geöffnet. Eine Manipulation von Kühlanlagen wurde dort bisher nicht gemeldet. Der Angriff auf die Danfoss-Kühlanlagen scheint nach bisherigem Kenntnisstand auf Frankreich beschränkt zu sein.
Preisdruck, Insolvenzen und ein vorsichtiger Blick nach China
Im Euro-Raum ist der Preisdruck wieder deutlich stärker geworden. Die Verbraucherpreise stiegen im September im Jahresvergleich um 3,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im August. Das war der höchste Wert seit September 2023 und lag deutlich über dem EZB-Ziel von 2 Prozent. Energie verteuerte sich um 18,8 Prozent, nach 14,3 Prozent im August; auch Dienstleistungen zogen stärker an. Ökonomen rechnen deshalb mit einer dritten Leitzinserhöhung der EZB in diesem Jahr. Der Einlagenzins könnte auf 2,75 Prozent steigen.
In der Schweiz stieg die Teuerung im September auf 1,0 Prozent, vor allem wegen höherer Benzin- und Dieselpreise. Im August waren es 0,8 Prozent gewesen. Die Rate liegt damit weiterhin im von der Schweizerischen Nationalbank definierten Bereich der Preisstabilität von 0 bis 2 Prozent. Gegenüber August blieben die Konsumentenpreise insgesamt unverändert. Heizöl, Benzin und Diesel wurden teurer, während Pauschalreisen, Automiete, Carsharing sowie Preise in Hotellerie und Parahotellerie sanken.
Der deutsche Warenhauskonzern Galeria beantragte beim Amtsgericht Düsseldorf erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. In den 83 Filialen soll der Betrieb zunächst weiterlaufen. Das Verfahren soll helfen, die Situation zu ordnen und das Unternehmen zu stabilisieren. Betroffen sind rund 12’000 Beschäftigte. Offen ist, ob Insolvenzgeld gezahlt wird und welche Standorte möglicherweise schließen. Es ist Galerias vierter Insolvenzantrag nach 2020, 2022 und 2024. In den früheren Verfahren wurden zahlreiche Filialen geschlossen; Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen.
Porsche rechnet künftig mit einem China-Anteil von höchstens 10 Prozent am weltweiten Absatz. Porsche-Chef Michael Leiters bezeichnete den chinesischen Markt als grundlegend verändert; eine Rückkehr zu früheren Absatzhöhen sei unrealistisch. 2020 wurden dort fast 35 Prozent der Porsche-Fahrzeuge verkauft, 2025 noch knapp 15 Prozent. Die Zahl der verkauften Sport- und Geländewagen hat sich seit 2020 mehr als halbiert.
Die Gründe liegen unter anderem in der starken Konkurrenz chinesischer Hersteller und in der Zurückhaltung wohlhabender Kunden wegen der Immobilienkrise. Porsche setzt auf margenstärkere Verkäufe und sieht in China derzeit einen starken Preiskampf. Weil der Autobauer dort nicht durch Produktionsverpflichtungen oder Gemeinschaftsunternehmen gebunden ist, sieht Leiters mehr Flexibilität.
China wiederum droht der Europäischen Union mit entschlossenen Gegenmaßnahmen, falls Brüssel diskriminierende oder restriktive Handelsmaßnahmen gegen chinesische Unternehmen oder Produkte ergreift. Hintergrund sind Berichte über ein geplantes EU-Instrument nach dem Vorbild der US-Section 301. Deutschland und Frankreich sollen ein Papier vorbereiten, das eine schnellere Entwicklung entsprechender EU-Befugnisse fordert. Mögliche chinesische Gegenmaßnahmen könnten Untersuchungen zu Diskriminierung, Lieferkettensicherheit oder ausländischen Subventionen umfassen.
Unternehmen bauen um, sparen – und verteilen neu
Mercedes-Benz will in Deutschland voraussichtlich im Dezember ein freiwilliges Abfindungsprogramm starten. Es richtet sich an Beschäftigte in indirekten Bereichen, darunter Tarifbeschäftigte und teilweise Führungskräfte. Sowohl Unternehmen als auch Beschäftigte müssen einem Ausscheiden zustimmen. Mercedes begründet das Programm mit weiteren strukturellen Anpassungen im Rahmen des Sparprogramms.
Auch beim Biotechkonzern Biontech wird kräftig umgebaut. Bis Ende 2028 sollen die Werke in Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein geschlossen werden. Betroffen sind rund 1’800 Beschäftigte. In Tübingen soll Ende 2027 Schluss sein, in Marburg Anfang 2028 und in Idar-Oberstein Ende 2028.
In Marburg wurden mRNA-Covid-19-Impfstoffe und Plasmid-DNA hergestellt. Idar-Oberstein produziert unter anderem Therapeutika für frühe klinische Entwicklungsphasen. Tübingen ist der frühere Curevac-Standort, den Biontech 2025 übernommen hatte. Das Unternehmen nennt geringe Auslastung, Überkapazitäten, Kostensenkungen und den Fokus auf Krebsmedizin als Gründe für die Schließungen.
Biontech beschäftigt weltweit rund 7’200 Personen und verzeichnete im ersten Halbjahr einen Verlust von 1,35 Milliarden Euro. Die Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci wollen Biontech spätestens Ende 2026 verlassen und ein neues mRNA-Medikamentenunternehmen aufbauen.
Der Schweizer Wäschehersteller Calida will künftig 40 bis 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses ausschütten, statt bisher 20 bis 30 Prozent. Zusätzlich beschloss der Verwaltungsrat ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 2 Prozent des Aktienkapitals. Es soll am 2. Oktober starten und spätestens Ende 2027 abgeschlossen werden. Noch im April hatte sich der Verwaltungsrat gegen einen weitergehenden Rückkaufantrag ausgesprochen.
Bei Zurich ist die Übernahme des britischen Spezialversicherers Beazley per 1. Oktober abgeschlossen. Das Kaufangebot vom März hatte ein Volumen von knapp 11 Milliarden Dollar. Zurich erwartet dadurch mehr als 1 Milliarde Dollar zusätzliches Jahresumsatzwachstum und jährliche Kosteneinsparungen von 150 Millionen Dollar. Beazley bleibt in London ansässig und wird künftig von Kristof Terryn geleitet. Der bisherige Beazley-Chef Adrian Cox verlässt das Unternehmen. Zurich will im Spezialversicherungsgeschäft unter anderem für Bau, Energie und Cyber wachsen.
Der Genfer Rohstoffhändler Gunvor heißt nun Centalion. Der Hauptsitz soll von Zypern nach Singapur verlegt werden. Die Mitarbeitergesellschaft als Eigentümerin stimmte dem Namenswechsel zu. Das Unternehmen verweist auf eine neue Eigentümerstruktur, ein neues Führungsmodell und eine veränderte strategische Ausrichtung. Die Handelsniederlassungen in Genf und Houston bleiben bestehen. Centalion ist seit 2006 in Singapur vertreten.
Stadler hat Philipp Brunner zum neuen CEO ernannt. Er übernimmt die operative Leitung des Schweizer Schienenfahrzeugherstellers. Brunner arbeitet seit 16 Jahren bei Stadler und leitete zuletzt die Divisionen Zentraleuropa und Deutschland. Er folgt auf Markus Bernsteiner, der das Unternehmen seit 2023 führte.
Von Volkswagen bis Fed: Streit um Regeln und Verantwortung
Die deutsche Finanzaufsicht Bafin verhängte gegen Volkswagen eine Geldbuße von 1,2 Millionen Euro. VW soll im März 2023 gegen Veröffentlichungspflichten verstoßen haben. Der Konzern veröffentlichte damals einen überraschend optimistischen Geschäftsausblick, worauf die VW-Aktie um mehr als 10 Prozent stieg.
Nach Ansicht der Bafin hätte die Prognose wegen ihrer deutlichen Abweichung von den Markterwartungen unverzüglich als Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht werden müssen. VW informierte Anleger stattdessen über eine gewöhnliche Medienmitteilung. Börsennotierte Unternehmen müssen kursrelevante Insiderinformationen sofort veröffentlichen.
In den USA setzte Präsident Donald Trump eine Kommission ein, die Vorwürfe gegen Fed-Gouverneurin Lisa Cook prüfen soll. Es geht um angeblich falsche Angaben bei Immobilienkrediten. Anschließend soll die Kommission beurteilen, ob ein rechtlicher Grund für Cooks Entlassung besteht. Für den 5. November ist eine nicht öffentliche Anhörung im Weißen Haus geplant.
Cook kann mit anwaltlicher Unterstützung Beweise und Stellungnahmen vorlegen und sich bis 10. November schriftlich äußern. Trump hatte bereits im August 2025 versucht, sie zu entlassen. Er wirft ihr vor, 2021 bei Krediten für Immobilien in Michigan und Georgia jeweils einen Hauptwohnsitz angegeben zu haben. Cook bestreitet Betrug; ihr Anwalt bezeichnete die Angabe für Georgia als Versehen.
Der Oberste Gerichtshof stoppte die Entlassung im Juni, weil Cook zuvor nicht angehört worden war, ließ aber offen, ob die Vorwürfe eine Entlassung rechtfertigen. Der Streit betrifft damit nicht nur eine Personalie, sondern die Unabhängigkeit der US-Notenbank.
New Mexico hat unterdessen einen Prozess gegen Meta gewonnen. Geschworene befanden, dass Meta Nutzer bei Datenschutz und Redefreiheit in die Irre geführt habe. Über die Strafhöhe muss der Richter noch entscheiden; pro Verstoß sind bis zu 5’000 Dollar möglich. Meta wurde bei den meisten der 34 geprüften Punkte haftbar gesehen. Je nach Punkt könnten 1,3 bis 2,1 Millionen Verstöße betroffen sein.
New Mexico hatte Meta 2021 im Zusammenhang mit dem Cambridge-Analytica-Skandal verklagt. Die Klage betraf den Datenschutz und den Umgang mit Inhaltsregeln, von denen einige prominente Accounts ausgenommen worden sein sollen. Meta wies das Urteil zurück und kündigte weitere rechtliche Schritte an.
Bei Julius Bär stellte die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma ein Enforcementverfahren ab. Sie stellte schwere Verstöße gegen aufsichtsrechtliche Bestimmungen fest. Im Mittelpunkt standen Kundenbeziehungen im Umfeld zweier russischer politisch exponierter Personen sowie das inzwischen eingestellte Private-Debt-Geschäft.
Während des Verfahrens setzte die Bank mehrere Sofortmaßnahmen um; weitere sollen nun folgen. Es war das fünfte Enforcementverfahren gegen Julius Bär innerhalb von weniger als zehn Jahren.
Medien berichteten außerdem über erneute Gespräche zwischen BASF und Evonik. BASF könnte mit einer Übernahme seine Marktposition und sein Portfolio erweitern. BASF, Evonik und die RAG-Stiftung äußerten sich nicht zu den Berichten. Die Evonik-Aktie stieg zeitweise um 11 Prozent auf gut 20 Euro, den höchsten Stand seit Mai 2025. Die BASF-Aktie fiel als mögliche Käuferin um mehr als 3 Prozent. Bereits zuvor hatte das Magazin «Dealreporter» über ein Interesse von BASF berichtet.
Arbeitsmarkt, Energie und die Nervosität der Märkte
Im Schweizer Arbeitsmarkt waren im September 140’480 Personen arbeitslos, 1’064 weniger als im August. Die Arbeitslosenquote blieb bei 3,0 Prozent, saisonbereinigt bei 3,1 Prozent. Die Zahl der bei den RAV registrierten Stellensuchenden stieg um 0,2 Prozent auf 227’592. Die Stellensuchendenquote verharrte bei 4,8 Prozent.
Das KOF-Konjunkturbarometer der ETH Zürich stieg im September um 1,6 Punkte auf 109,1 und liegt damit weiterhin über dem mittelfristigen Durchschnitt. Positive Entwicklungen gab es insbesondere im Gewerbe, im Dienstleistungssektor und im Bau. Die Indikatoren für Auslandsnachfrage sowie Finanz- und Versicherungsdienstleister schwächten sich ab.
Deutschland, Frankreich, die USA und weitere G-7-Staaten wollen über vier Monate 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel aus Notreserven freigeben. Zusätzlich soll im Rahmen der Internationalen Energieagentur über weitere Diesel-Freigaben beraten werden. Die G-7 begründet den Schritt mit hoher Volatilität und steigenden Kraftstoffpreisen.
Die grundsätzliche Entscheidung über Reserven liegt bei der IEA mit 32 Mitgliedstaaten. Sie hatte im März wegen des Iran-Kriegs bereits 400 Millionen Barrel freigegeben. Zur G-7 gehören Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die USA, Japan, Italien und Kanada; Frankreich hat derzeit den Vorsitz.
Für Handelsunternehmen ist das eine eigenartige Mischung aus Entlastung und zusätzlichem Druck: Energie bleibt ein Kostenfaktor, zugleich schwanken Nachfrage und Margen. Das sieht man auch an den großen Konzernen, die ihre China-Strategien zurückstutzen, Rückkäufe ankündigen oder ganze Werke schließen.
Was der Angriff für kritische Infrastruktur bedeutet
Cyberangriffe dienen ausländischen Nachrichtendiensten vor allem der Informationsbeschaffung. Nach dem Eindringen in ein IT-System können Angreifer aber auch Vorbereitungen für spätere Sabotage treffen. Häufige Ziele in Deutschland sind Unternehmen, Universitäten und Behörden. Zu den Methoden zählen Phishing über vermeintlich vertrauenswürdige E-Mails und Webseiten, die gezielte Ausnutzung von Software-Sicherheitslücken sowie Supply-Chain-Angriffe über kompromittierte Hersteller oder Dienstleister und deren Software-Updates.
IT- und Cyberangriffe gehören in Deutschland zum täglichen Gefahrenbild für Verwaltung und Wirtschaft. Kritische Infrastrukturen aus nahezu allen Sektoren sind potenzielle Ziele. Gemeinde- und Landkreisämter, Behörden und Ministerien werden täglich angegriffen. Erfolgreiche Angriffe können Verwaltungsdienstleistungen lahmlegen und Bürgerinnen und Bürger unmittelbar beeinträchtigen.
Regierungsinformationen, etwa zur Unterstützung der Ukraine, sind ein Ziel russischer Cyberangriffe. Im Januar 2023 griff Russland erfolgreich E-Mail-Postfächer der SPD-Parteizentrale an; ein Datenabfluss konnte nicht ausgeschlossen werden. Im Mai 2024 wurde das IT-Netzwerk der CDU professionell angegriffen, eine staatliche Urheberschaft wurde vermutet.
Beim Cyberangriff auf den Bundestag im Frühjahr 2021 griff der russische Geheimdienst GRU Dutzende deutsche Parlamentarier, Landtagsabgeordnete und weitere politisch aktive Personen mit gefälschten E-Mails an. 2023 verübten mutmaßlich staatliche oder staatlich gesteuerte chinesische Akteure Cyberangriffe auf Unternehmen, Behörden und Privatpersonen. Auch politische Institutionen und IT-Dienstleister der Behörden wurden angegriffen.
Ende 2021 infiltrierten chinesische staatliche Akteure das Netzwerk des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie, um Geodaten auszuspionieren. Das BKG stellt unter anderem Daten über Kritische Infrastrukturen bereit. Chinesische Cyberangriffe haben sich in den vergangenen Jahren qualitativ und quantitativ weiterentwickelt. Als möglicher Grund gelten staatlich kontrollierte Strukturen, durch die chinesische Privatunternehmen in großem Umfang Dienstleistungen und Produkte für Nachrichtendienste bereitstellen müssen. Deutsche Sicherheitsbehörden erwarten eine weitere Intensivierung chinesischer Spionageaktivitäten.
Auch der Verkehr bleibt verwundbar. Angriffe auf Häfen, Flughäfen, Straßen- und Eisenbahninfrastrukturen können den Güter- und Personenverkehr sowie nationale und internationale Lieferketten stören. Laut einem ENISA-Bericht von März 2023 griffen prorussische Gruppierungen Eisenbahnunternehmen in Lettland, Litauen, Rumänien und Estland an. Russische Akteure attackieren seit Februar 2022 wiederholt Signalsysteme und Eisenbahnnetze der tschechischen Eisenbahngesellschaft.
Deutschland ist aufgrund seiner Lage ein Transitland zwischen West- und Osteuropa. Dazu gehört auch der Transport militärischer NATO-Güter; deshalb wird Deutschland als „Drehscheibe“ bezeichnet. Verkehrsinfrastrukturen in Deutschland könnten daher ebenfalls ins Visier Russlands geraten.
Das BSI bewertete die Gefährdungslage im deutschen Cyberraum im Juli 2024 als so hoch wie nie zuvor. Zu den Akteuren zählen staatliche, staatlich gesponserte oder beauftragte Gruppen sowie Cyberkriminelle, Auftragshacker und Hacktivisten. Das BSI fordert Unternehmen, Organisationen und Behörden auf, ihre IT-Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und an die Bedrohungslage anzupassen.
Sicherheitsbehörden aus den USA, Kanada und Großbritannien warnen vor prorussischen Angriffen auf Kritische Infrastrukturen. In Nordamerika und Europa richten sich Angriffe insbesondere gegen internetverbundene industrielle Kontrollsysteme. Das BfV erwartet, dass russische Dienste ihre Cyberaktivitäten ausweiten und künftig auch für Sabotage nutzen könnten.
Als Beispiel gilt der russische Cyberangriff von 2015 auf die ukrainische Stromversorgung, der als erste staatlich verursachte Cyber-Sabotage gegen die Stromversorgung eines anderen Landes eingeordnet wird. Neben Russland und China verfügen auch Iran und Nordkorea über große Kapazitäten für gezielte Cyberoperationen.
