Ikea eröffnet Marktplatz für gebrauchte Möbel in Deutschland
Ikea startet in Deutschland einen Online-Marktplatz für gebrauchte Möbel. Kaufen und verkaufen dürfen dort Mitglieder von „Ikea Family“. Für Verkäufer:innen gibt es zum Start einen zusätzlichen Anreiz: Wer sich für eine IKEA-Guthabenkarte entscheidet, erhält einen Coupon über 15 Prozent des Verkaufswerts. Der Coupon wird per E-Mail zugesendet.
Hinter dem neuen Angebot steht die wachsende Nachfrage nach gebrauchten Möbeln und Wohnaccessoires im Onlinehandel. Ikea nimmt gebrauchte Möbel bereits seit 2019 direkt zurück. Nun kommt mit dem Second-Hand-Marktplatz ein weiterer Vertriebsweg dazu – und einer, bei dem gebrauchte Stücke von anderen IKEA Family Mitgliedern angeboten werden.
Marktplatz, Rückkauf und Zweite-Chance-Markt
Für den Verkauf gebrauchter Produkte gibt es damit zwei Möglichkeiten. Auf dem Second-Hand-Marktplatz verkaufen IKEA Family Mitglieder an andere Mitglieder. Alternativ können sie den Rückkauf im IKEA-Einrichtungshaus nutzen. Dort erhalten sie den ermittelten Rückkaufpreis sowie zusätzlich 15 Prozent des Rückkaufpreises auf eine IKEA-Guthabenkarte.
Gekauft werden können gebrauchte IKEA-Produkte entweder von anderen IKEA Family Mitgliedern auf dem Marktplatz oder im Zweite-Chance-Markt vor Ort im Einrichtungshaus. Wer nicht auf gut Glück losfahren möchte, kann Produkte dort auch online reservieren und zur Abholung vormerken. Gebrauchte und reduzierte IKEA-Produkte sind außerdem in den Einrichtungshäusern und auf IKEA.de erhältlich. Als Gegenleistung für den Verkauf gibt es Geld beziehungsweise eine IKEA-Guthabenkarte.
Die Konditionen sind für IKEA Family Mitglieder also recht klar: gebrauchte Produkte online kaufen, Artikel auf dem Marktplatz anbieten, den 15-Prozent-Coupon beim Verkauf gegen Guthabenkarte erhalten und beim IKEA-Rückkauf zusätzlich 15 Prozent des ermittelten Rückkaufwerts auf eine Guthabenkarte bekommen. Ein bisschen Papierkram weniger, ein zusätzlicher Einkaufsgutschein mehr.
Preise runter, Formate kleiner
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der der Möbelhandel mit zurückhaltenden Kundinnen und Kunden zu tun hat. Anfang September senkte Ikea die Preise für rund 1.500 Produkte, um Menschen trotz hoher Lebenshaltungskosten zu halten. Laut EHI-Manager Marco Atzberger sollen die Preisanpassungen die Relevanz der Marke für Kunden sichern.
Damit reagiert Ikea auf die Kaufzurückhaltung in Deutschland – und auf die Konkurrenz durch Anbieter wie Jysk und XXXLutz. Gleichzeitig testet das Unternehmen zusätzliche Vertriebswege und kompakte Filialformate. Ende Juni eröffnete in Ingolstadt die erste deutsche Kleinformat-Filiale. Sie hat knapp 3.000 Quadratmeter Fläche und etwa 2.700 Artikel im Sortiment. Reguläre Einrichtungshäuser sind im Durchschnitt mehr als zehnmal so groß.
Auch temporär geht Ikea näher an die Kundschaft heran: Pop-up-Stores gab es bereits am Nürnberger Hauptbahnhof, in der Bremer Innenstadt und in einem Regensburger Einkaufszentrum. Im Großraum München und im Rhein-Main-Gebiet testet Ikea außerdem Abholstationen auf Parkplätzen von Aldi Süd. Wer schon einmal mit einem sperrigen Paket durch ein volles Einrichtungshaus geschoben ist, wird den Gedanken an eine Abholung am Parkplatz vermutlich nicht ganz unsympathisch finden.
Für Aufmerksamkeit sorgte zudem die Gamescom in Köln. Gemeinsam mit Xbox stellte Ikea dort die Gaming-Kollektion „YXSTABY“ mit neun Produkten vor.
Second-Hand wird zum festen Onlinegeschäft
Der Schritt passt zu einer Entwicklung, die über Möbel weit hinausgeht. 2023 nutzten 32 Prozent der deutschen Konsument:innen Second-Hand-Angebote, 2024 stieg der Anteil auf 35 Prozent. Der Online-Handel spielt in diesem Markt eine wichtige Rolle.
Weltweit wird der E-Commerce-Umsatz mit Second-Hand-Artikeln für 2024 auf 292 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bis 2029 soll der Umsatz im Re-Commerce auf 448 Milliarden US-Dollar steigen – ein Zuwachs von mehr als 53 Prozent. Das erklärt, warum immer mehr etablierte Online-Händler Second-Hand- oder Vintage-Produkte in ihr Angebot aufnehmen. Das zuvor überwiegend privat organisierte Online-Modegeschäft wurde dadurch um Händlerangebote erweitert.
Auch bei Elektronik sind bereits mehrere Plattformen etabliert. Sie bereiten gebrauchte Technik systematisch auf und verkaufen sie günstiger weiter, teilweise ergänzt um Garantien und Reparaturmöglichkeiten. Bei Möbeln ist die Sache sperriger – im wahrsten Sinn des Wortes –, doch der Wunsch nach günstigeren und gebrauchten Produkten kommt offenbar auch dort an.
Der bevh hat gemeinsam mit dem Institut für Handel und Internationales Marketing der Universität des Saarlandes und dem ibi research Institut der Universität Regensburg eine Verbraucher- und Händlerbefragung durchgeführt. Die Studie untersucht die Bedeutung des Re-Commerce für die Ziele der Kreislaufwirtschaft, die Einordnung des Handelsmodells in die europäische und deutsche Rechtsprechung, Möglichkeiten für Händler, sich vom privat betriebenen Second-Hand-Handel abzuheben, sowie Bedürfnisse und Wünsche der Kund:innen beim Kauf gebrauchter Produkte.
Die Studie „Relevanz und Perspektiven des Re-Commerce für den deutschen Handel“ soll ab dem 25. Juni 2025 kostenlos zum Download bereitstehen. Ikea probiert derweil weiter aus: Marktplatz, Rückkauf, Zweite-Chance-Markt, kleinere Häuser, Pop-ups und Abholstationen. Viel Bewegung für ein Unternehmen, dessen große Möbelhäuser sonst eher den Eindruck erwecken, als ließe sich alles nur in einem langen Rundgang erledigen.
