Pronsfeld bekommt Deutschlands ersten stationären Heiko-Markt
Pronsfeld in der Eifel bekommt wieder einen festen Lebensmittelladen. Im Ortskern entsteht Deutschlands erster stationärer Heiko-Markt – in einer neu errichteten Halle, die demnächst eröffnet werden soll.
Für Heiko ist das ein Schritt auf unbekanntes Terrain. Das Unternehmen kennt man bislang vor allem als „rollenden Supermarkt“, der seine Kundschaft an wechselnden Haltepunkten versorgt. In Pronsfeld wird daraus nun ein dauerhaftes Angebot unter einem festen Dach. Zuvor waren Versuche mit anderen Anbietern gescheitert.
Ein Markt für den Ortskern
An der Baustelle blicken Ortsbürgermeister Harald Urfels, Heiko-Chef Oliver Hofrath und Bauunternehmer Udo Sohns gemeinsam auf die bevorstehende Eröffnung. Noch ist die Halle ein Ort des Bauens, bald sollen dort Lebensmittel eingekauft werden – ohne Fahrt in den nächsten größeren Ort.
Der neue Standort ist damit mehr als eine weitere Verkaufsfläche. Für Pronsfeld kehrt eine Möglichkeit zurück, die im Alltag schnell fehlt: kurz einkaufen, Nachbarn treffen, ein paar Worte wechseln. Gerade in kleineren Orten merkt man erst beim Wegfall, wie viel an einem Laden hängt.
Wenn der Supermarkt weit weg ist
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) beschreibt die Lage in vielen ländlichen Regionen ähnlich: Einkaufsmöglichkeiten vor Ort gehen zurück, der Weg zu Supermärkten und Discountern ist oft weit, beschwerlich und zu Fuß nicht erreichbar. Kleinere Geschäfte sind wirtschaftlich häufig nicht mehr tragfähig. Dahinter stehen Veränderungen der Bevölkerungsstruktur und des Einkaufsverhaltens, die Konzentration des Handels auf größere Orte und Gewerbegebiete sowie Schwierigkeiten bei Personalgewinnung und Betriebsnachfolge.
Besonders ältere und wenig mobile Menschen sind auf lokale Angebote angewiesen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in ländlichen Regionen. Das BMEL zählt deshalb die Stärkung ländlicher Räume und gleichwertiger Lebensverhältnisse zu seinen Kernaufgaben.
Mit „LandVersorgt – Neue Wege zur Nahversorgung in ländlichen Räumen“ fördert das BMEL Modellprojekte, die Versorgung, Teilhabe und Daseinsvorsorge verbessern sollen. In einer bis zu zwölfmonatigen Konzeptphase entwickelten bundesweit 14 Modellprojekte Ideen für eine nachhaltige Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs. Dafür gab es jeweils bis zu 50.000 Euro; die Umsetzung einiger Konzepte wird anschließend ebenfalls gefördert.
Vom Lieferdienst bis zur Drohne
Die Ansätze reichen von digital unterstützten oder mit anderen Dienstleistungen kombinierten Lieferdiensten über angepasste Ladenkonzepte bis zu teilweise oder vollständig personalfreien Verkaufsstellen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) begleitet das Programm. Finanziert wird es aus dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung (BULEplus).
Wie unterschiedlich die Wege sein können, zeigen die Projekte: In Wusterhausen/Dosse in Brandenburg wird mit „Stadt-Land-Drohne“ der Einsatz von Lieferdrohnen für Güter des täglichen Bedarfs untersucht. Die Drohne „Marktschwalbe“ absolvierte im Mai 2024 ihren Jungfernflug. In Nobitz in Thüringen wurde bei Mitmach-Festen die Nahversorgung ebenso unter die Lupe genommen wie soziokulturelle Angebote sowie Wünsche und Bedürfnisse der Bevölkerung. Für fünf Modelldörfer entstand dort mit „dorfnah“ ein spielerischer Ansatz zur Bedarfsanalyse.
- Altmühl-Jura Regional Digital in Kinding, Bayern: regionale Online-Bestellplattform mit angepasstem Logistiksystem.
- BiWi Nahversorgung in Kirchlinteln, Niedersachsen: Modernisierung des Einkaufs unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.
- DorfMarkt24 in Steinhöfel, Brandenburg: multifunktionale Dorfläden für Einkäufe ohne Auto.
- Hofer-LandLieferBus in Rehau, Bayern: Machbarkeitsstudie für ein kombiniertes System zum Waren- und Personentransport.
- KORB in Thallwitz, Sachsen: Regionalmarke, digitale Bestellprozesse und regionale Logistik mit „Food-Hub“.
- LebensMittelPunkte in Nobitz, Thüringen: Bedarfsanalyse in fünf Modelldörfern und Konzept für ein mobiles Netzwerk aus Nahversorgern und soziokulturellen Angeboten.
- Lebens.Mittel.Punkte in Wolfhagen, Hessen: aktive Dorfmittelpunkte für die lokale Nahversorgung.
- MONA LiSA in Osterburg und Seehausen (Altmark), Sachsen-Anhalt: Einbindung mobiler Dienstleister über einen Dorfladen in die Logistikkette für eine stationäre Versorgung.
- NordlippeVersorgt in Barntrup, Nordrhein-Westfalen: Onlineshop, mobiler Dorfladen und Lieferdienst.
- OMA in Filsum, Niedersachsen: Vermarktung ostfriesischer Lebensmittel und anderer Erzeugnisse über einen Dorfladen und ein Online-Portal.
- RegioLMP in der Samtgemeinde Elbtalaue/Dannenberg, Niedersachsen: übertragbares Nahversorgungskonzept.
- SMART-EMMA in Birkenfeld, Rheinland-Pfalz: smarte, modulare Versorgungsstationen zum Schließen von Versorgungslücken; Konzept- und Umsetzungsphase.
- Stadt-Land-Drohne in Wusterhausen/Dosse, Brandenburg: Machbarkeitsstudie und praktische Erprobung von Lieferdrohnen; Konzept- und Umsetzungsphase.
BULEplus unterstützt Projekte, die Leben und Arbeiten auf dem Land langfristig sichern sollen. „LandVersorgt“ ist ein Baustein dieses Programms und wird vom Kompetenzzentrum Ländliche Entwicklung (KomLE) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Auftrag des BMEL umgesetzt.
Der Bericht des BMEL erschien am 21. November 2024. In Pronsfeld geht es derweil ganz handfest weiter: Halle fertigstellen, Regale einräumen, Türen öffnen. Und dann darf der erste Einkauf kommen.
