Für Tegut geht es auf dem deutschen Markt zu Ende. Die Schweizer Migros, seit 2012 Eigentümerin der Supermarkt-Kette, hat bestätigt, dass rund 300 Filialen dauerhaft geschlossen oder verkauft werden sollen. Eine vertraute Einkaufsadresse verschwindet damit Schritt für Schritt aus den Innenstädten und ländlichen Regionen.

Der Grund ist die wirtschaftliche Lage. Trotz umfassender Kosteneinsparungen habe sich keine langfristige wirtschaftliche Perspektive ergeben, teilte Migros mit. Eine Analyse habe gezeigt, dass die Schließung der Märkte unumgänglich sei. Rund 7.400 Beschäftigte wurden laut „Lebensmittelzeitung“ über das Ende informiert. Wie es für sie weitergeht, war zunächst nicht abschließend geklärt.

Viele Filialen sollen neue Betreiber bekommen

Ganz verschwinden sollen die Standorte allerdings nicht unbedingt. Migros führte Gespräche mit Edeka und Rewe, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Rund 200 der etwa 300 Tegut-Märkte sollen an Edeka gehen; grundsätzlich sollen sich beide Unternehmen über den Verkauf einig sein. Rewe will eine hohe zweistellige Zahl an Filialen übernehmen. Auch Aldi Nord und die Smart-Store-Kette Tante Enso zeigten Interesse.

Ein vollständiger Schlussstrich unter die Übernahmepläne war zunächst trotzdem nicht möglich. Das Bundeskartellamt hatte die Frist für die Entscheidung über den Edeka-Deal bis zum 30. September verlängert und einen neuen Vorschlag des Handelskonzerns geprüft. Zuvor hatte sogar ein vollständiges Verbot gedroht. Die Behörde sah bei 38 Standorten eine erhebliche Einschränkung des Wettbewerbs; Edekas erstes Angebot, auf neun Filialen zu verzichten, reichte ihr nicht aus.

Inzwischen wurden im Juni 2026 bereits 36 überwiegend kleinere Tegut-Standorte für die Übernahme durch Tante Enso Süd-West freigegeben. Die Märkte liegen überwiegend in ländlichen Regionen Hessens, Bayerns und Thüringens. Über die damals geplanten Übernahmen durch Edeka und Rewe war zum Zeitpunkt des ursprünglichen Berichts noch nicht entschieden.

Bundeskartellamt gibt 178 Märkte für Edeka frei

Am 28. September 2026 hat das Bundeskartellamt die Übernahme von 178 Tegut-Lebensmittelmärkten sowie weiterer Unternehmensteile durch EDEKA freigegeben. Ursprünglich wollte EDEKA 202 Tegut-Märkte, 41 automatisierte teo-Standorte, die Herzberger Bäckerei und ein Logistikzentrum übernehmen.

Die Prüfung lief seit März 2026. Ende Juli übermittelte das Bundeskartellamt eine vorläufige wettbewerbliche Bewertung. Ohne Zusagen hätte der Zusammenschluss in 34 regionalen Märkten in Hessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg den Wettbewerb erheblich behindert. In neun dieser Märkte wäre laut Behörde die Entstehung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung EDEKAs zu erwarten gewesen.

EDEKA darf deshalb 24 weitere Tegut-Standorte vier Jahre lang nicht erwerben. Das Verbot gilt für die gesamte EDEKA-Gruppe, ihre Regionalgesellschaften und selbstständige Einzelhändler. Erfasst werden auch Miet- und Anschlussmietverträge. In 24 Markträumen beseitigt der Verzicht auf die dort gelegenen Tegut-Standorte die Bedenken unmittelbar, in zehn weiteren Märkten wirken sich Verzichtserklärungen in angrenzenden Regionen aus. Die vierjährige Frist soll ermöglichen, dass die betroffenen Standorte außerhalb der EDEKA-Gruppe weiterbetrieben werden können; wer sie künftig führt, legt die Behörde nicht fest.

Vom Erwerbsverbot betroffen sind:

  • Aalen, Am Tannenwäldle 2
  • Alsfeld, An der Au 10
  • Bad Langensalza, Marktstraße 25
  • Bad Neustadt, Saalestraße 2
  • Erfurt/Marbach, Bergener Straße 18
  • Geisa, Gartenweg 3
  • Gerbrunn, Am Kirschberg 5
  • Heiligenstadt, Brüsseler Straße 1
  • Hünfeld, Am Niedertor 2–8
  • Kassel, Frankfurter Straße 86
  • Kassel, Friedrich-Ebert-Straße 29
  • Kassel, Wilhelmshöher Allee 262
  • Kirchhain, Mühlgasse 11
  • Korbach, Briloner Landstraße 4–6
  • Neuhof, Hanauerstraße 1
  • Oberelsbach, Oberwaldbehrunger Straße 20
  • Rainrod, Mühlstraße 23
  • Riedstadt, Lise-Meitner-Straße 2
  • Sachsenberg, Frankenberger Straße 12
  • Schonungen, Ludwig-Grobe-Straße 3
  • Tauberbischofsheim, Krautgartenweg 6
  • Würzburg, Frankfurter Straße 18
  • Würzburg-Estenfeld, Am Zehnthügel 2
  • Zella-Mehlis OT Benshausen, Benshäuser Straße 12

Für Bad Neustadt gilt das Verbot für den Betrieb eines Lebensmitteleinzelhandelsstandorts, nicht für den Erwerb der Immobilie.

Ein konzentrierter Markt mit schmalen Margen

Das Kartellamt untersuchte nicht nur die einzelnen Standorte, sondern auch die größeren Linien des Geschäfts. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel ist stark konzentriert: EDEKA, REWE, Schwarz-Gruppe und ALDI erzielten 2025 zusammen mehr als 90 Prozent des bundesweiten Umsatzes. EDEKA kam auf rund 30 Prozent, die Schwarz-Gruppe auf rund 25 Prozent, REWE auf rund 22 Prozent und ALDI auf rund 15 Prozent.

Zwischen den großen Händlern wird intensiv beobachtet, was der andere tut. Bei Teilen des Sortiments herrscht eine hohe Preisgleichheit. Preisänderungen gingen in der Vergangenheit häufig von ALDI aus, zuletzt wurden aber auch häufiger erste Preisänderungen durch Lidl beobachtet. Die Margen stiegen während der Corona-Pandemie deutlich und sinken seit spätestens 2022 wieder. Bei den vier großen Handelsgruppen liegen sie dennoch über dem Vor-Corona-Niveau; im gesamten Lebensmitteleinzelhandel bewegen sich die durchschnittlichen Margen laut Bundeskartellamt im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Eine einzelmarktübergreifende kollektive Marktbeherrschung der führenden Händler auf den Absatzmärkten stellte die Behörde nicht fest. Dagegen sprächen fehlende Verbindungen und Lieferbeziehungen zwischen den großen Händlern, tatsächlicher Wettbewerb und die geringen Margen. Auf den Beschaffungsmärkten verfügt EDEKA allerdings über eine starke Stellung. Für manche Markenhersteller sind EDEKA und REWE als Abnehmer einzeln kurzfristig kaum ersetzbar. Diese relative Nachfragemacht reichte dem Kartellamt trotzdem nicht für ein Fusionsverbot.

Der durch Tegut hinzukommende Anteil am gesamten inländischen Beschaffungsvolumen beträgt weniger als 0,4 Prozentpunkte. Teguts Bedeutung als eigenständiger Nachfrager und als Mitglied der Einkaufskooperation Retail Trade Group, kurz RTG, wird als überschaubar eingeschätzt. Eine erhebliche Wettbewerbsbehinderung auf den Beschaffungsmärkten wurde deshalb nicht erwartet. Auch dort stellte das Kartellamt keine kollektive Marktbeherrschung der führenden Unternehmen fest.

Zusätzlich verpflichtete sich EDEKA, im Zusammenhang mit der Übernahme keine Konditionenforderungen ohne angemessene Gegenleistung zu stellen – sogenannte „Hochzeitsrabatte“. Einen Bestwertabgleich mit möglicherweise günstigeren Tegut-Einkaufskonditionen darf es nicht geben. EDEKA erhält zudem keinen Zugriff auf die Beschaffungskonditionen von Tegut beziehungsweise der RTG.

Das erste Zusagenangebot vom 20. Juli 2026 bewertete das Bundeskartellamt als unzureichend. Akzeptiert wurde schließlich das erweiterte Angebot vom 14. September 2026. Die geplante Übernahme weiterer Tegut-Standorte durch REWE wird weiterhin geprüft; die Prüffrist läuft derzeit bis zum 29. Oktober 2026. Eine Entscheidung steht aus.

Warum der Fall über Tegut hinausweist

Der Lebensmitteleinzelhandel ist die umsatzstärkste Branche im deutschen Einzelhandel. Verkauft werden vor allem Lebensmittel, häufig ergänzt durch Near-Food-Produkte wie Reinigungsmittel. Im stationären Handel reicht das Spektrum vom Supermarkt und Discounter über den Verbrauchermarkt bis zum SB-Warenhaus.

Die größten Marktanteile haben Lebensmittel-Discounter wie Aldi und Lidl. Führendes Einzelhandelsunternehmen ist die in Hamburg ansässige Edeka-Gruppe mit Edeka und Netto Marken-Discount, wobei EDEKA besonders mit seinem Vollsortimenter erfolgreich ist. Größter Konkurrent bleibt die Rewe-Gruppe mit Rewe und Penny.

Dass sich internationale Händler wie Walmart in Deutschland nicht dauerhaft etablieren konnten, passt in dieses Bild. Der Markt ist dicht besetzt, die großen Ketten stehen untereinander permanent auf der Matte – und bei den Preisen genügt oft ein kleiner Schritt, damit die Konkurrenz nachzieht. Für Tegut bedeutet das nun: Rund 300 Filialen werden geschlossen oder verkauft, 178 Märkte dürfen zu EDEKA wechseln, 36 gingen bereits an Tante Enso, und bei REWE ist der Ausgang am 12. Oktober 2026 noch offen.