Beim österreichischen Möbelkonzern XXXLutz läuft das Geschäft trotz der schwachen deutschen Wirtschaft weiter. Der Umsatz sei zufriedenstellend, sagt Deutschlandchef Alois Kobler. Einzelne Monate lägen zwar einige Prozent über oder unter dem Vorjahr – große Ausschläge, aber kein grundsätzlicher Einbruch.

Gleichzeitig steht die geplante Übernahme der Porta-Gruppe im Raum. Die Europäische Kommission muss dem Vorhaben noch zustimmen und untersucht inzwischen, ob XXXLutz und Porta die Transaktion möglicherweise bereits umgesetzt haben, ohne die erforderliche Genehmigung abzuwarten.

Möbel bleiben gefragt – nur der Warenkorb verändert sich

Kobler hält Möbel auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten für wichtig. In guten Zeiten erneuerten Kunden Wohnzimmer, Küchen oder Vorhänge. Wenn das Geld knapper sitze, wollten es sich die Menschen zumindest zu Hause angenehm machen. Der Warenkorb verändere sich bei geringerem Budget, die Nachfrage nach Möbeln bleibe aber bestehen.

XXXLutz setzt deshalb auf eine breite Auswahl zu unterschiedlichen Preisen. Das Unternehmen verbindet stationäre Möbelhäuser mit dem Onlinehandel. Bereits 2012 oder 2013 sei die Entscheidung gefallen, für den Erfolg im stationären Geschäft zugleich einen starken Onlineshop aufzubauen, berichtet Kobler. Unter den klassischen Möbelhändlern bezeichnet er XXXLutz als Online-Marktführer.

Eine dauerhaft kostenlose Lieferung lehnt der Deutschlandchef wegen der hohen Kosten ab. Dafür biete XXXLutz mehr Leistung: Die Möbel würden mindestens ins Haus getragen und auf Wunsch montiert, statt lediglich bis an die Bordsteinkante zu kommen. Parallel steigen laut Kobler die Ausgaben für Strom, Energie, Logistik und Möbel. Trotzdem wolle der Konzern wettbewerbsfähige Preise anbieten und werbe mit dem Versprechen „Deutschlands bestem Preis“.

Expansion trotz Kosten und EU-Prüfung

Für die geplante Porta-Übernahme gebe es keinen festen Punkt, an dem XXXLutz wegen der Wirtschaftslage seine Expansion oder einzelne Standorte infrage stelle. Solange noch unbesetzte Regionen vorhanden seien, wolle das Unternehmen weiter wachsen. Der deutsche Möbelmarkt kommt auf knapp 40 Milliarden Euro Umsatz – für Kobler steckt darin ausreichend Potenzial.

Die Transaktion hatten XXXLutz und Porta Anfang Januar 2025 öffentlich bekannt gegeben. Bei der EU-Kommission wurde sie bislang nicht förmlich angemeldet. Nach vorläufiger Einschätzung der Kommission hat sie jedoch EU-weite Bedeutung und hätte dort angemeldet werden müssen. Bis zur Freigabe gilt eine Stillhalteverpflichtung: Die Unternehmen dürfen keinen faktischen Kontrollwechsel herbeiführen, also etwa Geschäftsabläufe abstimmen oder sensible, wettbewerbsrelevante Informationen austauschen.

Der Kommission liegen Hinweise vor, dass genau dagegen verstoßen worden sein könnte. Zusätzlich zur Prüfung eines möglichen vorzeitigen Vollzugs untersucht sie, ob die Übernahme grundsätzlich mit dem europäischen Wettbewerbsrecht vereinbar ist. Bei einem festgestellten Verstoß wären Geldbußen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Konzernumsatzes möglich.

Die XXXLutz-Gruppe umfasst unter anderem Mömax und Poco und bezeichnet sich selbst als einen der weltweit größten Möbelhändler. Die deutsche Möbelindustrie hatte die Übernahme im Vorjahr kritisiert und vor einer weiteren Konzentration des deutschen Möbelhandels gewarnt. Porta besteht seit 1965; das erste Einrichtungshaus entstand in der Nähe von Porta Westfalica.

Sparen im Kleinen, Verantwortung im Alltag

Kobler beschreibt eine positive Einstellung als hilfreich, konzentriert sich nach eigenen Angaben aber vor allem auf Faktoren, die er beeinflussen kann. Bei rund 3.000 Firmenfahrzeugen versucht XXXLutz Kosten zu senken, etwa über die Auswahl günstiger Tankstellen. Auch scheinbare Nebensachen kommen auf den Prüfstand: Fassadenbeleuchtungen werden hinterfragt, Beschilderungen nicht automatisch ersetzt, wenn sie noch einige Jahre genutzt werden können. Verantwortliche auf allen Ebenen sollen Ausgaben prüfen.

Beim Personal setzt der Konzern auf gegenseitige Unterstützung zwischen Abteilungen – etwa wenn jemand im Urlaub oder krank ist. Kobler räumt ein, dass das für Beschäftigte zusätzliche Belastung bedeuten kann, sieht darin aber einen Teil des Teamgeists. Zur Unternehmenskultur gehörten Teamwork, Verantwortung, Zielorientierung und Entwicklung. Leistung spiele eine wichtige Rolle.

Trotz Fachkräftemangels gewinne XXXLutz nach Koblers Einschätzung noch vergleichsweise leicht neue Mitarbeiter. Die Bekanntheit als führendes Möbelunternehmen helfe dabei. Er selbst sehe sich monatlich zwei oder drei potenzielle Führungskräfte an.

Für die Bindung der Beschäftigten gibt es unter anderem eine arbeitgeberfinanzierte Krankenzusatzversicherung, betriebliche Altersvorsorge, zusätzliche Urlaubstage zum Geburtstag und zum Jubiläum, Familienleistungen sowie Mitarbeiterrabatte. In unverschuldeten Notlagen verspricht das Unternehmen schnelle und unbürokratische Hilfe.

Vom Verkäufer an die Spitze

Koblers eigener Weg begann 1990 als Verkäufer bei XXXLutz. 1992 wechselte er als Verkaufsleiter nach Hannover, seit 2010 gehört er der Geschäftsleitung von XXXLutz Deutschland an. Aufstiegsmöglichkeiten gebe es weiterhin, viele Führungskräfte kämen aus den eigenen Reihen.

Jährlich bildet XXXLutz rund 1.000 Auszubildende aus. Besonders geeignete Nachwuchskräfte werden über die „Fit for Future“-Akademie zusätzlich auf Führungsaufgaben vorbereitet. Viele Teilnehmer übernehmen Kobler zufolge vier bis sechs Jahre später Führungspositionen an Standorten.

Den Führungskräften gibt der Konzern viel Verantwortung. Vorgesetzte können Entscheidungen über Hausleiter eigenständig treffen; erst bei anhaltendem Misserfolg wird die nächsthöhere Ebene eingeschaltet. Das Ziel lautet nicht zwingend, weltweit der größte Möbelhändler zu sein. An jedem einzelnen Standort will XXXLutz Marktführer sein.

Dafür schaut Kobler regelmäßig selbst vorbei. Er spricht mit Beschäftigten aus Verkauf, Lager und Reinigung und verschafft sich einen Eindruck vom Zustand der Häuser. Sein regulärer Reisetag ist Freitag. Vor der geplanten Porta-Übernahme besichtigte er alle 26 Porta-Häuser persönlich – Kundenservice, Verkaufsverhalten und baulicher Zustand inklusive.

Manchmal erzählen schon die kleinen Dinge eine Menge. Zahlreiche Auffangbehälter wegen eines undichten Dachs können auf hohe Sanierungskosten hindeuten; Kobler nannte als mögliche Größenordnung bis zu eine Million Euro. Architektonisch gelungen findet er die Häuser in Karlsruhe und Aschersleben sowie das in Kaltenkirchen. Das Karlsruher Gebäude sei strukturell zwar schwierig, funktioniere im Betrieb aber sehr gut. XXXLutz habe es gekauft und nicht selbst gebaut.

Der 63-jährige Kobler will an der Spitze von XXXLutz bleiben, solange er dazu in der Lage ist und ihm die Arbeit Freude macht. Den Wirtschaftsstandort Deutschland hält er trotz bestehender Verbesserungsmöglichkeiten für sehr leistungsfähig. Ein Land, in dem er seine Pläne lieber umsetzen würde, kenne er nicht.