Stiftung Warentest prüft Olivenöle: Rewe siegt, Aldi überrascht, drei Produkte fallen durch
Olivenöl steht im Supermarktregal gern da wie ein kleines Stück Urlaub: dunkle Flasche, sonnige Herkunft, vielleicht ein Preis, bei dem man kurz schluckt. Der aktuelle Test der Stiftung Warentest zeigt allerdings, dass zwischen Etikett und tatsächlicher Qualität einiges liegen kann. Im Februar 2025 wurden 25 Olivenöle der Güteklasse „nativ extra“ geprüft.
Unter die Lupe kamen die sensorischen Eigenschaften durch Expertinnen und Experten, die chemische Qualität sowie eine mögliche Schadstoffbelastung. Erfreulich: Die Öle schnitten besser ab als im Test von 2024. Damals erhielten nur zwei Produkte die Empfehlung „gut“, 2025 waren es sieben.
Rewe vor Aldi
Testsieger wurde das Supermarkt-Eigenmarkenprodukt „Rewe Beste Wahl Italienisches Natives Olivenöl Extra“. Die Note: 2,1. Der Literpreis lag bei 15,98 Euro. Platz zwei ging an „Aldi Cantinelle Natives Olivenöl Extra“ mit der Note 2,2 – und einem Preis von 9,05 Euro pro Liter.
Ganz ohne Ernüchterung blieb die Verkostung aber nicht. Drei Produkte fielen vollständig durch, weil sie laut Stiftung Warentest schlammig, modrig oder ranzig rochen beziehungsweise schmeckten. Vier weitere Öle waren stark mit Mineralölbestandteilen belastet. Die vollständigen Bewertungen aller 25 getesteten Olivenöle stehen im Testbericht der Stiftung Warentest von 2025.
Ein natives Olivenöl extra aus Kalabrien wird traditionell aus sonnengereiften Oliven gewonnen und schonend kalt zentrifugiert. Beschrieben wird es als vollmundig, fruchtig und reich an einfach ungesättigten Fettsäuren. Auf dem Teller passt es zu Pasta, Pizza und Salatdressings, zu dunklem Balsamico, Dips und Hummus-Aufstrichen. Auch Dünsten und Kurzbraten sind möglich. Nur zu heiß und zu lange sollte das Öl nicht werden – sonst verändern sich Geschmack und Geruch, und irgendwann steigt Rauch auf. Das will niemand in der Küche.
Zwischen Baum, Schirm und Ölmühle
In Kalabrien gibt es traditionell jedes Jahr im Oktober ein Erntefest für Bio-Oliven. 2021 wurde die Olivenernte und handwerkliche Verarbeitung vor Ort begleitet. Das Öl für die Hausmarke stammt seit vielen Jahren aus einem Projekt in Süditalien.
Wann geerntet wird, entscheidet sich nicht nach Kalender allein. Regelmäßige Qualitätskontrollen der Oliven am Baum geben den Ausschlag. Erntereife Früchte haben eine bestimmte Größe und pralles, grünliches bis dunkelrotes Fruchtfleisch. Mit zunehmender Sonneneinstrahlung werden sie dunkler und reifer: Reife Oliven schmecken würziger und herber, grüne eher säuerlich und fruchtig. Dieser Reifegrad-Mix prägt später den Geschmack des Öls.
Auf den Plantagen rütteln kleine Traktoren die Bäume mit Greifarmen, während große Schirme die fallenden Früchte auffangen. Noch nicht reife Oliven bleiben meist hängen und dürfen weiterwachsen. Bei kleinen oder schwer zugänglichen Bäumen kommen lange Stäbe zum Einsatz; darunter liegen Netze. Direkt danach werden die Oliven mit kaltem Wasser gereinigt.
Die Verarbeitung muss flott gehen. Wegen ihres hohen Feuchtigkeitsgehalts können Oliven bei längerer Lagerung schimmeln, deshalb verarbeiten italienische Landwirte die Früchte innerhalb von zwölf Stunden nach der Ernte. Ein Transport ins Weserbergland wäre in diesem Zeitfenster nicht möglich.
Und noch eine verbreitete Ungenauigkeit: Olivenöl wird nicht kaltgepresst, sondern kalt zentrifugiert. Die eigenen Pressen der Ölmühle sind nur für trockene Nüsse, Kerne und Samen geeignet, nicht für Öl aus Fruchtfleisch. Deshalb werden die Öle von Landwirten und Produzenten bezogen, darunter eine Herstellerfamilie aus Kalabrien.
Rückstände, Hautpflege und Vogelschutz
Im ÖKO-TEST-Magazin vom Mai 2019 wurden 20 native Olivenöle extra geprüft; zwei erhielten die Bewertung „gut“. Das Bio-Olivenöl nativ extra aus Italien wurde beim ÖKO-TEST im April 2019 nicht berücksichtigt. Der Anbieter verweist dennoch auf eigene Rückstandsanalysen.
Natives Olivenöl landet außerdem nicht nur auf dem Teller. Es wird auch zur Haut- und Haarpflege verwendet, pur oder mit Feuchtigkeitspflege vermischt. Für eine Haarkur werden je nach Haarlänge ein bis zwei Teelöffel im handtuchtrockenen Haar verteilt. Mehrere Stunden oder über Nacht darf das Öl einwirken, danach wird es mit mildem Shampoo ausgewaschen. Laut Artikel wurde das italienische Bio-Olivenöl nativ extra in einem aktuellen Test der Stiftung Warentest mit „gut“ bewertet.
Bei der Ernte soll außerdem der Lebensraum von Vögeln geschützt werden. Die angebotenen Olivenöle sollen mit Methoden gewonnen werden, bei denen rastende, nistende oder brütende Vögel nicht zu Schaden kommen. Auf Intensivplantagen werden Oliven bei nächtlicher maschineller Ernte teilweise abgesaugt. Singvögel, die nachts in den Bäumen ruhen, können durch den Lärm die Orientierung verlieren, in Maschinen geraten und getötet werden.
Am Tag können die Tiere die Bäume bei Tageslicht verlassen. Die nächtliche Absaugmethode wird laut Artikel zunehmend seltener angewendet; internationale Olivenölkonzerne werden durch Petitionen zu ihrem Verbot aufgefordert. Die Oliven für die angebotenen Öle werden laut Anbieter tagsüber, ohne Sauger und mit Rücksicht auf Tiere und Umwelt geerntet.
Mehr Kontrolle entlang der Lieferkette
Für die Branche zeichnet sich daneben ein genauerer Blick auf Herkunft und Identität der Öle ab. Die Durchführungsverordnung (EU) 2022/2105 soll angepasst werden, damit die neuen Anforderungen der Vermarktungsnormen kontrolliert werden können.
Nach Artikel 2 sollen Mitgliedstaaten ausdrücklich prüfen, ob Wirtschaftsbeteiligte die aktualisierten Vorschriften einhalten. Das betrifft insbesondere die Identifizierbarkeit sortenreiner Olivenöle. Artikel 5 Absatz 1a sieht neue Rückverfolgbarkeitsanforderungen vor: Öle der Sorten Koroneiki und Nocellara del Belice müssen entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette eindeutig identifizierbar sein – von der Ölmühle bis zur Abfüllung. So sollen gezielte Kontrollen der jeweiligen Anforderungen möglich werden.
