Apollo-Filiale am Mainzer Brand bleibt wegen Gen-Z-Demo geschlossen
Wer am Samstag, 31. Oktober 2026, am Mainzer Brand eine neue Brille braucht, steht vor verschlossener Tür: Die Apollo-Optik-Filiale bleibt wegen der angekündigten Demonstration „Gen Z regelt“ geschlossen. Ein Aushang informiert die Kunden darüber und verweist auf die regulär geöffnete Apollo-Filiale in der Stadthausstraße.
Auch die Schaufenster am Brand wurden zusätzlich mit Platten abgesichert. Eine Anfrage an die Apollo-Pressestelle blieb zunächst unbeantwortet. Für den Handel ist das eine eher ungewöhnliche Vorsichtsmaßnahme – zumal der Handelsverband Südwest keine größeren Ausschreitungen erwartet und deshalb keinen Anlass für besondere Maßnahmen im Einzelhandel sieht.
Versammlung ab 14 Uhr am Gutenbergplatz
Für Samstagnachmittag ab 14 Uhr ist am Gutenbergplatz eine Versammlung unter dem Motto „Gen Z regelt“ angemeldet. Nach Angaben der Polizei gab es im Vorfeld ein kooperatives Gespräch mit der Anmelderin, der Stadt Mainz und der Polizei. Die Anmelderin erklärte, die Veranstaltung solle friedlich und gewaltfrei verlaufen.
Die Polizei rechnet mit mehreren Hundert Teilnehmenden und erwartet deshalb einen störungsfreien Verlauf. Online hatten sich bereits mehrere Tausend Menschen unverbindlich angemeldet; für Mainz waren bis Freitag mehr als 3.800 Anmeldungen verzeichnet. Bundesweit rechnet die Initiative mit mehr als 165.000 angemeldeten Teilnehmenden in über 30 Städten. Insgesamt sind laut Initiative Kundgebungen in 34 deutschen Städten geplant, in Mainz schlossen sich lokale Organisatoren der Bewegung an.
Je nach Teilnehmerzahl kann es zu Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr kommen. Die Mainzer Polizei bereitet sich mit einem Einsatzkonzept auf mögliche Lageveränderungen vor. Nach Einschätzungen von Bundeskriminalamt und Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz gibt es derzeit keine konkreten Aufrufe zu Gewalt oder geplanten Ausschreitungen.
Forderungen nach Bildung, Mitbestimmung und einem bezahlbaren Leben
„Gen Z regelt“ beschreibt sich selbst als Zusammenschluss junger Menschen, die für eine bessere Zukunft ihrer Generation protestieren. Die Initiative fordert mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit, ein bezahlbares Leben, mehr politische Mitbestimmung junger Menschen sowie die Ablehnung der Wehrpflicht.
Unterstützung kommt von der Landesschüler*innenvertretung Rheinland-Pfalz. Die LSV RLP befürwortet bessere Bildungsbedingungen, mehr Mitbestimmung und faire Zukunftsperspektiven. Friedlicher Protest sei ein Bestandteil demokratischer Teilhabe, zugleich müsse die Sicherheit junger Menschen an erster Stelle stehen. Gewalttätige Proteste wie zuletzt in Frankreich lehnt die Vertretung ab.
In Frankreich hatten Ende September Schülerdemonstrationen begonnen, an denen sich landesweit Hunderttausende beteiligten. Im Zusammenhang damit kam es zu Krawallen, Plünderungen, Verletzten und Tausenden Festnahmen. Auch in Italien und Belgien gab es zuletzt gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei. Die LSV fordert deshalb, friedlich Demonstrierende klar von möglichen Störern zu unterscheiden und einzelne Vorfälle nicht auf die Anliegen der gesamten Jugendbewegung zu übertragen.
Polizei soll Präsenz zeigen
Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) kündigte im Landtag an, die Demonstrationen vor extremistischer Instrumentalisierung und der Verbreitung extremistischer Ideologien zu schützen. Gleichzeitig betonte Schnieder das Recht von Schülerinnen und Schülern, ihre Anliegen öffentlich zu vertreten, und sagte die erforderliche Polizeipräsenz zu.
Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministeriums liegen den Sicherheitsbehörden keine konkreten Aufrufe zu Gewalt oder geplanten Ausschreitungen vor. Die Organisatoren distanzieren sich nach Angaben des Ministeriums von gewaltsamen Auseinandersetzungen im Ausland. Ein bisschen Spannung bleibt bei einer Kundgebung dieser Größe trotzdem – schon deshalb, weil sich online weit mehr Menschen angekündigt haben, als die Polizei vor Ort erwartet.
Wer zur Generation Z gehört
Die Generationen werden im Zusammenhang mit der Demonstration folgendermaßen eingeordnet:
- Silent Generation/Traditionalisten: Jahrgänge 1928–1945; geprägt von Weltkriegen, Unsicherheit und Entbehrungen.
- Babyboomer: Jahrgänge 1946–1964; während des Wirtschaftswunders und eines starken Geburtenanstiegs geboren.
- Generation X: Jahrgänge 1965–1979.
- Generation Y/Millennials: Jahrgänge 1980–1995; sie erlebten die Jahrtausendwende und wuchsen mit moderner Technik auf.
- Generation Z: Jahrgänge 1996–2010; mit Internet, Smartphones und anderen digitalen Technologien aufgewachsen.
- Generation Alpha: ab 2011; wächst mit Technologien des 21. Jahrhunderts auf und ist von Digitalisierung, politischer Instabilität und der Corona-Pandemie geprägt.
Am Samstag treffen damit politische Forderungen, Sicherheitsfragen und ganz praktischer Stadtalltag aufeinander: eine Kundgebung am Gutenbergplatz, mögliche Behinderungen im Nahverkehr – und eine abgesicherte Optiker-Filiale am Brand. Wer dort einkaufen wollte, muss diesmal in die Stadthausstraße ausweichen.
