Autoland verschiebt Merseburg-Start: Was die neue Filiale mit Halle verbindet
An der B91 in Merseburg sollte im Sommer 2026 eine neue Autoland-Filiale an den Start gehen. Viel deutete bereits darauf hin: Im Frühjahr wurde der rote Autoland-Schriftzug an der Fassade des früheren Peugeot-Autohauses angebracht. Nur blieb es im Sommer still. Die Eröffnung fand nicht statt.
Auf MZ-Anfrage teilte das Unternehmen mit, dass sich der Start deutlich verzögert. Der Eigentümer von Autoland will die Gründe dafür erläutern. Dabei geht es auch um einen Zusammenhang mit einer zweiten Niederlassung in Halle.
Vom kleinen Autohandel zum großen Filialnetz
Hinter dem Merseburger Vorhaben steht die Autoland AG, ein deutscher, herstellerunabhängiger Automobilhändler. Formal sitzt das Unternehmen in Berlin, tatsächlich in Brehna. Gegründet wurde Autoland 1978 von Wilfried Wilhelm Anclam in Hannover – zunächst als kleiner Autohandel. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 verlegte Anclam die Firma nach Leipzig und konzentrierte sie in den folgenden Jahrzehnten auf Standorte in den neuen Bundesländern.
2019 wurde Autoland in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Das Unternehmen befindet sich vollständig im Besitz von Wilfried Wilhelm Anclam, der zugleich Vorstandsvorsitzender ist. 2023 eröffnete Autoland in Hannover seine 28. Niederlassung und damit die erste Filiale in Niedersachsen.
Inzwischen betreibt die Gruppe 37 Autohäuser in Deutschland und beschäftigt mehr als 1.500 Mitarbeitende – Stand 2025. Im selben Jahr übernahm Autoland Autohäuser in Coburg und Halle und eröffnete eine Niederlassung in Hamburg. Die Vorstände gründeten außerdem die Marke Autodiscount24; unter diesem Namen wurden Autohäuser in Kassel, Göttingen und Bad Hersfeld übernommen. Die geplante Übernahme der Hiro Automarkt GmbH mit fünf norddeutschen Standorten kam im Oktober nicht zustande.
Viele Fahrzeuge, klare Ausrichtung
Autoland verkauft Neu-, Jahres- und Gebrauchtwagen und ist dabei nicht an bestimmte Hersteller gebunden. Nach eigenen Angaben konzentriert sich das Unternehmen nahezu ausschließlich auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Der laufende Bestand umfasst rund 10.000 Fahrzeuge.
Die Geschäftszahlen zeigen, welche Größenordnung dahintersteckt: 2024 verkaufte Autoland laut Jahresabschluss mehr als 51.000 Fahrzeuge, rund 39.000 davon an Endkunden. Der ausgewiesene Konzernumsatz stieg von rund 393 Millionen Euro im Jahr 2019 auf rund 889 Millionen Euro im Jahr 2024. Im Geschäftsjahr 2025 wurden rund 60.000 Fahrzeuge verkauft; der Umsatz lag bei 1,027 Milliarden Euro.
Zum Konzern gehören unter anderem die hundertprozentigen Tochtergesellschaften auto.de GmbH, Autohändlerwelt GmbH, Autoreifenwelt GmbH, autoverkaufen.de GmbH, Autowelt GmbH, Autowelt24 GmbH, Bavaria Hotelbetriebs GmbH und Pinguin Mobil GmbH.
Stiftung an der Hochschule
Neben dem Autogeschäft engagiert sich Wilfried Wilhelm Anclam im Hochschulbereich. 2024 gründete Autoland die Anclam-Brachat-Stiftung an der Hochschule Nürtingen-Geislingen. Sie soll Bildung, Forschung und den Fachkräftenachwuchs in der Automobilwirtschaft fördern. Anclam ist dort seit 2005 als Gastdozent tätig.
Für Merseburg bleibt damit vorerst der rote Schriftzug an der früheren Peugeot-Fassade als sichtbares Zeichen des geplanten Umbaus. Wann dort tatsächlich Fahrzeuge verkauft werden, ist nach der angekündigten deutlichen Verzögerung weiterhin offen. Der Blick richtet sich dabei auch nach Halle, wo Autoland 2025 ein Autohaus übernahm und dessen Entwicklung offenbar mit dem Merseburger Start zusammenhängt.
