In den österreichischen Depot-Filialen gehen bald die Lichter aus. Die Dekoartikel-Kette schließt sämtliche 24 Standorte in Österreich, nachdem die deutsche Muttergesellschaft Insolvenz angemeldet hat. Die Gries Deco Austria GmbH stellt ihren Betrieb mit 31. Jänner 2027 vollständig ein. Rund 140 Beschäftigte verlieren dadurch ihre Arbeitsplätze – einen Sozialplan gibt es nicht.

Die Belegschaft wurde am Dienstag zu Mittag über die Schließungen informiert. Für Kundinnen und Kunden bleibt noch etwas Zeit: Bestehende Depot-Gutscheine sollen spätestens bis 31. Jänner 2027 eingelöst werden. Zuvor will das Unternehmen noch das Weihnachtsgeschäft abwarten und anschließend umfangreiche Abverkaufsaktionen mit Preisnachlässen durchführen. Nach 17 Jahren zieht sich Depot damit vollständig aus Österreich zurück.

Keine eigenständige Lösung für Österreich

Dass die österreichischen Filialen nicht automatisch mit dem Ende der deutschen Gesellschaft schließen würden, war zunächst keineswegs ausgemacht. Das Österreich-Geschäft wird von der eigenständigen Gries Deco Austria GmbH geführt; eine Schließung aller Standorte zum 30. September war daher nicht zwingend. Nun steht aber fest: Eine eigenständige Fortführung ist nicht möglich.

Depot kämpft seit Jahren mit zunehmender Online-Konkurrenz, der Kaufzurückhaltung der Verbraucher und dem Druck durch Aktionspostenmärkte wie Action und Tedi. Auch asiatische Billigplattformen wie Temu verschärften die Lage. Bereits 2024 war das Unternehmen erstmals insolvent geworden. Damals schrumpfte das österreichische Filialnetz von 49 auf weniger als 30 Standorte; konkret sank die Zahl auf 29. Mehr als 100 Beschäftigte verloren ihre Jobs.

Nach dem neuerlichen Insolvenzantrag der deutschen Muttergesellschaft im Mai 2026 wurde der Geschäftsbetrieb der GDC Deutschland Ende September beendet. Die Gesellschaft mit Sitz in Großostheim hatte Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Sämtliche Arbeitsverhältnisse und Mietverträge wurden gekündigt, rund 730 Arbeitsplätze in Deutschland fallen weg. Die Insolvenz der deutschen Muttergesellschaft kostete dort insgesamt mehr als 1.000 Menschen den Arbeitsplatz.

Ein Weiterbetrieb in Deutschland ist vom Tisch

In Deutschland war zunächst ein abgespeckter Neustart geplant. Ende Juni wurde die Schließung von 66 der damals rund 150 Filialen angekündigt, bis Anfang August kamen etwa 30 weitere Standorte dazu. Zuletzt sollten rund 50 eigene Filialen weitergeführt werden. Dieser Plan wurde nun aufgegeben.

Unternehmer Christian Gries zufolge reichen die finanziellen Mittel nicht mehr aus, um selbst die nach der Insolvenz anfallenden Kosten und Verpflichtungen vollständig zu begleichen. Sanierungsexperte Alexander Höpfner von ACT Tischendorf sieht deshalb keine Alternative zur Einstellung des Geschäftsbetriebs; Finanzierung und Fortbestand der Kette über September hinaus seien nicht gesichert.

Die Marke „Depot“ soll trotzdem weiterbestehen. Sie soll in eine andere Gesellschaft überführt werden, der Betrieb mit deutlich weniger Beschäftigten weiterlaufen. Mit Vermietern soll über neue Mietverträge verhandelt werden. Wie viele der zuletzt noch rund 50 Filialen tatsächlich erhalten bleiben, ist offen. Die bisherigen Arbeitsverhältnisse werden gekündigt. Zusätzlich wird über die Zukunft kleinerer Depot-Shops in Rewe- und Edeka-Märkten verhandelt.

Auch für das österreichische Filialnetz war eine Übernahme in eine neue Unternehmensstruktur im Gespräch. Ob die 29 Standorte erhalten bleiben, hing davon ab. Inhaber Christian Gries hatte im Sommer angekündigt, die Marke mit einer verkleinerten Version weiterführen zu wollen. Für Österreich kommt dieser Plan nun nicht mehr zum Tragen.

Depot betrieb früher rund 400 Geschäfte und gehörte damit zu den größten deutschen Deko-Händlern. Die schwache Konsumlaune machte sich dabei ebenso bemerkbar wie die wachsende Konkurrenz im Internet. Im Laden klingt das Ende vorerst nach Rabattaufklebern, leeren Regalen und dem schnellen Griff nach den letzten Weihnachtsartikeln.

Der Handel bleibt unter Druck

Die Schließungen fallen in eine angespannte Phase für den österreichischen Einzelhandel. Der neue Konjunkturreport von WIFO und Handelsverband weist zwar für Juni 2025 ein Plus von 3,6 Prozent bei den kalenderbereinigten Umsätzen gegenüber dem Vorjahr aus. Die Konsumdynamik blieb aber schwach. Viele Haushalte hielten ihr Geld zusammen; die Sparquote blieb hoch, und die privaten Konsumausgaben dürften 2025 nur minimal wachsen.

Hohe Energiekosten und steigende Rohstoffpreise belasteten die Margen und trugen zur Inflation bei. Die Inflationsrate nach dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag im Juli bei 3,7 Prozent, im Euro-Raum dagegen bei 2,0 Prozent. Besonders die Ausgabengruppe „Wohnen, Wasser und Energie“ trug zur Teuerung bei. Laut einem WIFO-Ökonomen blieb der Preisauftrieb in Österreich im internationalen Vergleich hoch.

Im Vergleich zu Deutschland war die allgemeine Inflation in Österreich höher, während die Lebensmittelpreise langsamer stiegen. Der Lebensmittelhandel entwickelte sich in den vergangenen Jahren relativ stabil. Rückläufige Umsätze gab es hingegen insbesondere im Handel mit Sport- und Spielwaren sowie im Buch- und Zeitschriftenhandel.

Im Juli waren 333.000 Menschen unselbstständig im Einzelhandel beschäftigt – 2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig waren rund 11.000 Stellen offen, davon mehr als 9.000 Vollzeitstellen. Im zweiten Quartal 2025 wurden 185 Insolvenzen im Handel eröffnet, 6,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das sind mehr als zwei Insolvenzen pro Tag.

Ein kleiner Lichtblick: Das Verbrauchervertrauen verbesserte sich im Juli leicht und erreichte den höchsten Stand seit neun Monaten. Im pessimistischen Bereich blieb es trotzdem. Für 2025 wird ein Rückgang der realen Wertschöpfung im Handel um 0,2 Prozent erwartet, für 2026 rechnet man mit einer steigenden Ausgabenbereitschaft privater Haushalte.

Der Handelsverband fordert Unterstützung für kleine Handelsbetriebe und faire Wettbewerbsbedingungen im Onlinehandel. Für die Depot-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in Österreich kommt diese Debatte zu spät: Ihre Arbeitsplätze verschwinden mit dem Ende der Gries Deco Austria GmbH am 31. Jänner 2027.